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Trotz Absagen: Der neue Nationaltrainer Murat Yakin schaut seinem Debüt zuversichtlich entgegen. Bild: keystone

Wie Murat Yakin mit den Problemen vor seinem Nati-Debüt umgeht

Die Schweizer Nati muss in der WM-Qualifikation und im Testspiel gegen Griechenland ohne Shaqiri, Embolo und Gavranovic auskommen – wie reagiert der neue Nationaltrainer Murat Yakin?

Publiziert: 01.09.21, 14:39
etienne wuillemin / ch media

Aller Anfang ist schwer, heisst es. Aber manchmal ist es noch ein wenig komplizierter. Wenn Murat Yakin heute im Basler St. Jakob Park gegen Griechenland (20:45 Uhr, live SRF2) zum ersten Mal als Nationaltrainer an der Seitenlinie steht, dann muss er eine Schweizer Mannschaft betreuen, die ziemlich dezimiert ist.

Seit gestern ist nämlich klar, dass gleich drei Offensiv-Tenöre nicht zur Verfügung stehen. Xherdan Shaqiri, Breel Embolo und Mario Gavranovic sind alle vorzeitig aus dem Nati-Camp abgereist. Shaqiri und Embolo sind zu wenig fit, Gavranovic zog sich im Training am Montag eine Wadenverletzung zu. ­Zusammen haben sie an der EM fünf der acht Nati-Tore erzielt.

Gregor Kobel vor erstem Länderspiel

Eine erste Wahl gab der Coach am Tag vor dem Spiel gegen Griechenland bekannt. Im Tor wird zum ersten Mal Gregor Kobel stehen, «damit sich Yann Sommer in Ruhe auf das Spiel gegen Italien vorbereiten kann», verriet Yakin. Sommer bleibt nach seiner herausragenden EM die «berechtigte Nummer 1», wie Yakin sagte. Doch dahinter scheint Kobel unter dem neuen Trainer und nach seinem Transfer zum Bundesliga-Spitzenklub Borussia Dortmund zur neuen Nummer 2 aufgerückt zu sein. (sda)

Vor allem die Absenz von Shaqiri kommt überraschend. Vor wenigen Tagen wurde sein Transfer von Liverpool zu Lyon fix, es ist ein cleverer Wechsel in der Hoffnung, endlich mehr Spielpraxis zu erhalten. An einer Verletzung laboriert Shaqiri nicht und doch lief die Vorbereitung nicht optimal. ­Nati-­­Trainer Yakin sagt:

«Xherdan weist Trainingsrückstand auf. Er konnte noch nicht intensiv trainieren. Das Risiko, ihn jetzt einzusetzen, wäre zu gross.»

Und Shaqiri selbst? Er meldet via Communiqué des Fussballverbands: «Ich habe zuletzt individuell trainiert und deshalb noch nicht den nötigen Wettkampf­rhythmus. In Absprache mit ­Murat Yakin und meinem Verein haben wir entschieden, dass ich nach Lyon zurückkehre, um mich für die nächsten Aufgaben im Verein und auch in der Nati vorzubereiten.» Ein paar warme Worte hat er Shaqiri auch noch übrig:

«Es war mir wichtig, die ersten zwei Tage des Zusammenzugs in Basel zusammen zu verbringen, den Start mit unserem neuen Trainer mitzumachen und meine Teamkollegen wiederzusehen.»

Bis ihn die Fans allerdings in einem Schweizer Stadion spielen sehen, müssen sie sich noch gedulden. Dabei verlief die EM ziemlich verheissungsvoll. Mit jedem Spiel wurde Shaqiri besser, überzeugte zuletzt auch mit seinem Laufpensum. Es war, als wäre all die Lust am Fussball, die zuvor irgendwo in Liverpool etwas verloren gegangen war, wieder zurückgekehrt.

Bei Breel Embolo dagegen ist die Abreise keine allzu grosse Überraschung. Auch er zeigte eine starke Europameisterschaft, verletzte sich dann aber im Viertelfinal gegen Spanien nach wenigen Minuten. «Nach acht Wochen Pause macht eine Vollbelastung jetzt keinen Sinn», sagt Yakin.

Trainieren ja – Fussball nein: Breel Embolo und Xherdan Shaqiri sind noch zu wenig fit für die Nati. Bild: keystone

Umso ärgerlicher ist darum die Verletzung von Mario Gavranovic. «Unglücklich», nennt sie Yakin. Er, der die Schweiz im Achtelfinal gegen Frankreich mit seinem wunderbaren Tor in der 90. Minute den Weg für den grossen Coup ebnete, wird nach seinem Wechsel in die Türkei zurückgeworfen.

Wie fit ist Seferovic nach seiner Verletzung schon?

Wer soll nun die Tore schiessen? Das ist die bange Frage dieser Tage. Einer aus dem Quartett der Schweizer EM-Torschützen bleibt noch übrig. Haris Seferovic. Dieser traf wie Shaqiri dreifach – hat sich aber zu Saisonbeginn mit Benfica Lissabon leicht verletzt. Am vergangenen Sonntag kehrte er nun zurück, vorerst für einen Teileinsatz von 15 Minuten. «Das war wichtig», sagt Yakin, «nun geht es bei ihm darum, die Belastung richtig zu steuern.»

Nein, es ist keine Ausgangslage, die sich ein neuer ­Nationaltrainer zum Start wünscht. Nun ist Yakin aber nicht einer, der Herausforderungen verachtet. Im Gegenteil. Häufig genug hat er in seiner Trainer-Karriere bewiesen, daran zu wachsen. Der Test gegen Griechenland dient Yakin dazu, einiges auszuprobieren. Vielleicht schlägt ja die Stunde eines jungen Angreifers wie Andi Zeqiri oder Dan Ndoye, der leihweise zum FC Basel wechselte und nachnominiert wurde.

Was plant Yakin mit Renato Steffen?

Als Alternative für Shaqiri könnte sich auch Renato Steffen aufdrängen. Er ist quirlig, bissig und durchaus torgefährlich – und wartet eigentlich seit jeher auf eine echte Chance in der Nati. Die EM verpasste Steffen verletzt. Auch Ruben Vargas oder Christian Fassnacht könnten in der Hierarchie aufsteigen.

Ersetzt Renato Steffen Xherdan Shaqiri in der Nati? Bild: IMAGO / regios24

Es ist jedenfalls nicht so, dass die Absagen seines Offensiv-Trios Murat Yakin Sorgenfalten beschert hätten. Er macht auf dem Podium im Basler Stadion einen gelassenen Eindruck. Und erklärt: «Ich bin sicher, wir haben eine Mannschaft mit viel Qualität.» Nur einmal, ganz am Schluss, bricht es doch noch aus ihm heraus: «Ich habe immer gesagt: Lieber Spiele als Trainings, darum freue ich mich sehr auf die Partie gegen Griechenland. Aber es ärgert mich sehr, dass ich nur sechs Wechsel vornehmen kann.»

Eines ist trotzdem klar: So richtig ernst gilt es für die Schweiz dann am Sonntag. Dann, wenn Europameister Italien in Basel zu Gast ist. Es könnte bereits das wegweisende Spiel in dieser WM-Qualifikation sein.

Gerd Müller: Leben und Karriere vom «Bomber der Nation»

Der deutsche Fussball trauert um seinen bekanntesten Stürmer: Der als «Bomber der Nation» gepriesene ehemalige Goalgetter Gerd Müller stirbt am 15. August 2021. Er wurde 75 Jahre alt.
Seine Profi-Karriere startet Müller (geboren 1945) 1964 beim FC Bayern München, nachdem er erst mit zwölf Jahren mit dem Fussball begonnen hat. Trainer Zlatko Cajkovski ist nicht glücklich, über die kleingewachsene, massige Neuerwerbung: «Was soll ich mit dieses Junge, diese Figur, unmöglich», motzt er und verpasst Müller den immer wieder gern zitierte Spitznamen «kleines, dickes Müller». IMAGO / Otto Krschak / IMAGO / Otto Krschak
Am 18. Oktober 1964 erzielt Müller sein erstes von 398 Bundesliga-Toren. Er trifft gegen Freiburg. Am Ende der Saison sichert er den Bayern mit 26 Toren in 33 Spielen und weiteren sechs Treffern in der Aufstiegsrunde den Aufstieg in die Bundesliga. IMAGO / Sven Simon / IMAGO / Sven Simon
Frisch aufgestiegen, spielen die Bayern gleich um die Meisterschaft mit. Das Gerüst der Mannschaft bilden neben Müller auch Sepp Maier oder Franz Beckenbauer. imago sportfotodienst / imago sportfotodienst
In der gleichen Saison gewinnen die Bayern um Müller und Co. auch den DFB-Pokal und lassen sich dafür in München gebührend feiern. imago images/Horstmüller / imago images/Horstmüller
Ebenfalls im gleichen Jahr darf Müller erstmals für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen – und erhält reichlich Fanpost. IMAGO / WEREK / IMAGO / WEREK
Der richtig grosse Durchbruch gelingt Müller in der Saison 1966/67 – er wird mit 28 Treffern Bundesliga-Torschützenkönig und wurde als Fussballer des Jahres ausgezeichnet. imago images/WEREK / imago images/WEREK
1967: Die Bayern bezwingen Glasgow im Final des Europapokals der Pokalsieger mit 1:0 und holen ihre erste internationale Trophäe. IMAGO / Sven Simon / IMAGO / Sven Simon
Auch privat läuft bei Gerd Müller alles wunderbar. Im August 1967 heiratet er seine Verlobte Uschi. imago images/Horstmüller / imago images/Horstmüller
1969: Die Bayern holen erstmals in der Ära Gerd Müller den Meistertitel. Der Stürmer präsentiert die Meisterschale mit Goalie Sepp Maier. Die Bayern schaffen gar das Double, bezwingen im Pokalfinale Schalke mit 2:1 – Müller erzielt beide Tore der Münchner. IMAGO / Sven Simon / IMAGO / Sven Simon
Auch mit der Nationalmannschaft sammelt Müller Pokale: 1972 wird er mit der BR Deutschland Europameister. imago images/Horstmüller / imago images/Horstmüller
1971/72 ist die persönlich erfolgreichste Saison in Müllers Karriere. Er erzielt 40 Tore in einer Spielzeit – eine Marke, die erst 49 Jahre später von Robert Lewandowski um einen Treffer überboten werden sollte. IMAGO / Ferdi Hartung / IMAGO / Ferdi Hartung
Die Jahre nach der Rekordsaison sind von vielen Titeln geprägt. Zwischen 1972 und 1974 gewinnen die Bayern angeführt von Müller drei Meisterschaften in Folge. Zwischen 1974 und 1976 gewinnen sie dann auch den Europapokal der Landesmeister drei Mal in Serie. imago/Colorsport / imago/Colorsport
1973 soll Müller zum FC Barcelona wechseln. Doch nachdem der DFB mit einer Sperre für die Weltmeisterschaft 1974 droht, entscheidet sich der Stürmer, trotzdem in München zu bleiben. imago images/Sven Simon / imago images/Sven Simon
Weil er auf den Wechsel nach Barcelona verzichtet, nimmt Gerd Müller 1974 an der Heimweltmeisterschaft teil. In München schiesst er Deutschland mit seinem Treffer zum 2:1 gegen die Niederlande zum WM-Titel. Daraufhin erklärt er seinen Rücktritt aus der DFB-Elf. IMAGO / Pressefoto Baumann / IMAGO / Pressefoto Baumann
Ende der 70er-Jahre bremsen diverse Verletzungen Müllers Karriere aus. Die Bayern versinken im Mittelfeld der Bundesliga und Müller zerstreitet sich mit Trainer Pal Csernai. Am 10. Februar 1979 spielt der Überstürmer sein letztes Spiel in der Bundesliga. IMAGO / WEREK / IMAGO / WEREK
Im März 1979 wechselt Müller in die USA. Er unterschreibt einen gut dotierten Vertrag über zweieinhalb Jahre bei den Fort Lauderdale Strikers in Florida. Am 11. August 1981 beendete Gerd Müller im Alter von 36 Jahren seine Karriere. IMAGO / Sven Simon / IMAGO / Sven Simon
Auch nach seiner Aktivkarriere bleibt Müller vorerst in den USA und eröffnet in Fort Lauderdale ein Steakhouse. Dort verfällt der Deutsche immer mehr einer Alkoholsucht. imago sportfotodienst / imago sportfotodienst
Nach einer erfolgreichen Entzugskur erhält Müller 1992 eine Anstellung als Stürmer- und Goalietrainer bei den Bayern. imago sportfotodienst / imago sportfotodienst
2014 tritt Müller aus gesundheitlichen Gründen von seinem Posten als Assistenztrainer zurück. Wie die Bayern ein Jahr später bekannt geben, leidet der ehemalige Spitzenstürmer an einer durch Alzheimer bedingten Demenz. imago sportfotodienst / imago sportfotodienst

So sieht es aus, wenn zwei Laien ein Fussballspiel kommentieren

Video: watson / Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

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