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Neue Details vom Bolton-Buch: So wollte Trump der Nato mit Austritt drohen

Publiziert: 23.06.20, 13:49 Aktualisiert: 23.06.20, 16:10

Bolton lässt kein gutes Haar an Trump. Bild: keystone

US-Präsident Donald Trump wollte beim Nato-Gipfel im Juli 2018 nach Angaben seines damaligen Sicherheitsberaters John Bolton mit einem Austritt der USA aus dem Bündnis binnen weniger Monate drohen.

Bolton schrieb in seinem am Dienstag erschienen Buch «The Room Where It Happened» (etwa: Der Raum, in dem es geschah), Trump habe ihn am Morgen des zweiten Gipfeltages in Brüssel am Telefon darüber informiert. Zur Begründung habe der Präsident gesagt, dass Bündnispartner wie Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel der Nato nicht erfüllten, Russland aber zugleich Milliarden Dollar für Energielieferungen bezahlten.

Nach Boltons Angaben las Trump ihm vor, was er sagen wollte. Demnach wollte der Präsident ankündigen, dass zum 1. Januar 2019 alle Mitgliedstaaten mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben aufwenden müssten, «oder wir werden gehen und diejenigen nicht verteidigen, die das nicht getan haben». Die USA würden nicht in einem Bündnis verbleiben, «in der Nato-Staaten Milliarden an Russland bezahlen. Wir sind draussen, wenn sie den Pipeline-Deal machen.» Trump bezog sich auf die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Gas von Russland nach Deutschland liefern soll.

Bolton schrieb, er habe damals überlegt, ob er bis zum Ende des Tages zurücktreten würde. Als er mit Trump zusammengekommen sei, habe der Präsident wiederholt: «Wir sind draussen. Wir kämpfen nicht gegen jemanden, den sie bezahlen.» Er - Bolton - habe Trump dazu gedrängt, säumige Mitgliedstaaten zwar unter Druck zu setzen, aber nicht mit einem Austritt der USA aus der Nato zu drohen. Beim Gipfeltreffen habe Trump dann zwar harte Kritik geübt. Zugleich habe er aber gesagt, dass er die Nato unterstütze, «was es schwer machte, seine Anmerkungen als direkte Austrittsdrohung auszulegen».

Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato sieht vor, dass sich alle Alliierten bis 2024 dem Ziel annähern, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Deutschland hat die Ausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, lag aber 2019 dennoch erst bei einem BIP-Anteil von 1,38 Prozent. Trumps Kritik an den Verteidigungsausgaben Deutschlands dauert an.

Erst am vergangenen Samstag bekräftigte Trump seine Pläne, fast 10 000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. «Wir sollen Deutschland vor Russland beschützen», sagte Trump bei einer Kundgebung. «Aber Deutschland zahlt Russland Milliarden Dollar für Energie, die aus einer Pipeline kommt, einer brandneuen Pipeline.» Trump begründet den geplanten Teilabzug damit, dass Deutschland das Zwei-Prozent-Ziel weiterhin nicht erfüllt.

Bolton schildert nach einem Medienbericht auch zahlreiche Gespräche, in denen sich Trump kritisch oder abfällig über die Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel geäussert habe. So soll er sich am Telefon beim französischen Präsidenten Emmanuel Macron über den «furchtbaren Nato-Partner» Deutschland beklagt und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gedroht haben, die USA würden ihre Leistungen für das Verteidigungsbündnis auf das deutsche Niveau senken. Dies berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) unter Berufung auf Druckfahnen des Buchs. In der Debatte über das Ziel, dass alle Nato-Staaten zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für ihre Verteidigung ausgeben sollen, nannte Trump demnach Kanzlerin Angela Merkel «eine der grössten Stepptänzerinnen der Nato».

Trumps Regierung war damit gescheitert, die Veröffentlichung von Boltons Buch vor Gericht in letzter Minute zu verhindern. Die Regierung wirft Bolton vor, geheime Informationen zu veröffentlichen und den vorgeschriebenen Weg der Freigabe durch das Weisse Haus nicht durchlaufen zu haben. Das Buch enthält explosive Verwürfe gegen Trump. Der Präsident hat angekündigt, Bolton werde «einen sehr hohen Preis» für die Veröffentlichung bezahlen.

In vorab bekannt gewordenen Passagen des Buches beschreibt Bolton Trump als einen Politiker, der seine eigenen Interessen über die des Landes stellt. Unter anderem soll der US-Präsident demnach den chinesischen Präsidenten Xi Jinping um Hilfe für seine Wiederwahl im November gebeten haben. Trump nannte das Buch eine «Zusammenstellung von Lügen und erfundenen Geschichten».

Bolton hatte in einem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview des Senders ABC gesagt, Trump sei nicht für das Amt des Präsidenten geeignet. «Ich glaube nicht, dass er die Kompetenz hat, den Job zu machen.» Der 71-Jährige hatte eineinhalb Jahre lang mit Trump zusammengearbeitet. Trump hatte seinen Nationalen Sicherheitsberater im vergangenen September geschasst.

(aeg/sda/dpa)

Trump und Bolton - eine Feindschaft in Bildern

Aussenpolitik nach Bauchgefühl, gefährliches Unwissen und ein unbändiger Wunsch nach einer zweiten Amtszeit - so beschreibt der frühere nationale Sicherheitsberater John Bolton den Regierungsstil von US-Präsident Donald Trump. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais
Wenn man in den Bilderdatenbanken nach Fotos der beiden Politiker sucht, so fällt eines schnell auf: Man kommt auf den Gedanken, dass Bolton sein kritisches Buch schon lange geplant hat. AP/AP / Evan Vucci
«Es ist wirklich schwierig, irgendeine signifikante Entscheidung Trumps während meiner Zeit im Weissen Haus zu identifizieren, die nicht von Überlegungen zu seiner Wiederwahl getrieben war», schreibt Bolton in einem vorab vom «Wall Street Journal» veröffentlichten Kapitel. AP/AP / Andrew Harnik
Bolton schreibt der Zeitung zufolge, dass ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump nicht nur wegen der Vorwürfe in der Ukraine-Affäre, sondern auch wegen anderer Fälle gerechtfertigt gewesen wäre. Trump habe mehrfach strafrechtliche Ermittlungen zugunsten von «Diktatoren» unterbunden, etwa in Bezug auf China und die Türkei. Dabei sei es unter anderem um Ermittlungen gegen die Unternehmen ZTE und Halkbank gegangen, schreibt Bolton demnach. «Das Verhaltensmuster sah nach Behinderung der Justiz als Alltagsgeschäft aus, was wir nicht akzeptieren konnten», so Bolton. Er habe seine Bedenken damals auch schriftlich an Justizminister William Barr gerichtet. www.imago-images.de / Andrew Harrer
So habe Trump etwa nicht gewusst, dass Grossbritannien eine Atommacht sei und einmal gefragt, ob Finnland zu Russland gehöre, wie Bolton schreibt. Zudem soll Trump einen Nato-Austritt ernsthaft erwogen und eine Invasion Venezuelas als «cool» bezeichnet haben. www.imago-images.de / Oliver Contreras
Während eines Treffens mit dem Nordkoreaner 2018 habe Aussenminister Mike Pompeo Bolton einen Zettel zugesteckt, in dem jener über Trump geschrieben habe: «Der redet so viel Scheisse». AP/AP / Evan Vucci
«Ein Präsident darf die legitime Macht der Regierung nicht missbrauchen, in dem er seine persönlichen Interessen mit den Interessen des Landes gleichsetzt ...», schreibt Bolton über Trump. imago stock&people / ZUMA Press
Zur Frage, ob Trumps Handeln in der Ukraine-Affäre zu einer Amtsenthebung hätte führen sollen, nimmt Bolton nicht eindeutig Stellung. Er lässt aber keinen Zweifel daran, dass er Trumps Vorgehen für politisch motiviert und falsch hielt. «Ich dachte, die ganze Angelegenheit war schlechte Politik, juristisch fragwürdig und für einen Präsidenten inakzeptables Verhalten», zitiert die «Washington Post» aus Boltons Buch. Trump habe sich gegenüber der Ukraine von verschiedenen «Verschwörungstheorien» beeinflussen lassen, so Bolton. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais
Bolton beschreibt auch, wie Chinas Xi Trump bei einem G-20-Gipfel gut vorbereitet und ausführlich schmeichelte, was dem US-Präsidenten spontane Zugeständnisse abtrotzte. Trumps Berater hätten sich im Nachhinein bemüht, die Situation wieder geradezurücken. Bei einem weiteren Treffen habe Trump Xi sogar gesagt, dieser sei «die tollste Führungsperson der chinesischen Geschichte». Die Lage der Menschenrechte in China - etwa die Demokratiebewegung in Hongkong oder die unterdrückte muslimische Minderheit der Uiguren - hätten Trump demnach nicht interessiert. Trump soll Xi sogar zur weiteren Unterdrückung und Internierung der muslimischen Minderheit in Umerziehungslagern ermuntert haben. AP/AP / Carolyn Kaster
AP / MARKUS SCHREIBER
imago stock&people / ZUMA Press
www.imago-images.de / Al Drago
Donald Trump,Wilbur Ross,Mike Pompeo,John Bolton,Peter Navarro AP / Susan Walsh
AP/AP / Andrew Harnik

John Boltons Notiz sorgt für Spekulationen

Video: SRF / Roberto Krone

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