Festnahme nach Mord an bulgarischer Journalistin Viktoria Marinowa
Viktoria Marinowa.
Bild: EPA/TVN RUSE
Im Zusammenhang mit der Ermordung der Journalistin Viktoria Marinowa hat die bulgarische Polizei einen Rumänen für eine Befragung festgenommen. Das Alibi des Mannes werde geprüft, sagte der Leiter der Polizei für die Donau-Region, Teodor Atanasow, am Dienstag.
«Aber wir haben vorerst keinen konkreten Verdächtigen.» Der Mann sei ukrainischer Abstammung und werde zunächst für 24 Stunden in Gewahrsam gehalten. Eine Verbindung zwischen der Arbeit der Journalistin und ihrer Ermordung war zunächst weiter nicht bekannt.
Marinowas Leiche war am Samstag in einem Park nahe der Donau in ihrer Heimatstadt Ruse gefunden worden. Sie war vergewaltigt, geschlagen und dann erstickt worden.
Die 30-Jährige hatte in ihrer TV-Sendung am 30. September zwei Journalisten vorgestellt, die einen mutmasslichen Korruptionsfall recherchierten, in dem es um Missbrauch von EU-Mitteln gehen soll. Marinowa versprach, an dem Fall dranzubleiben. Die EU und die USA haben sich entsetzt über die Tat gezeigt.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach von einem Schock und verlangte Polizeischutz für Kollegen von Marinow. In den vergangenen zwölf Monaten wurden bereits zwei weitere Journalisten in der EU ermordet: Maltas bekannteste investigative Reporterin, Daphne Caruana Galizia, wurde im Oktober mit einer Bombe getötet. Der slowakische Journalist Jan Kuciak wurde im Februar erschossen.
Im diesjährigen Pressefreiheit-Index von Reporter ohne Grenzen lag Bulgarien auf Rang 111 von 180 Ländern. Das ist niedriger als bei jedem anderen EU-Staat. (sda/reu)
Alle 30 Stunden wird in Argentinien eine Frau ermordet
Video: srf
Berühmte Whistleblower und ihre Enthüllungen
Es gibt Menschen, die ihre Gesundheit, ja ihre Freiheit und ihr Leben riskieren, um die Öffentlichkeit über Missstände zu informieren. Man nennt sie Whistleblower. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
Im Deutschen würde man Whistleblower mit Enthüller oder Hinweisgeber übersetzen. Der Begriff stammt ursprünglich vom Englischen «to blow the whistle», was so viel wie «in die Warnpfeife blasen» heisst. EPA/EPA / FACUNDO ARRIZABALAGA
In den USA können Whistleblower nach dem «Espionage Act» angeklagt werden, einem fragwürdigen Gesetz, das zur Bekämpfung von Spionen erlassen wurde. Und in der Schweiz sind Whistleblower nach wie vor kaum geschützt durch das Recht. AP/AP / J. Scott Applewhite
In dieser Bildstrecke zeigen wir einige der wichtigsten Whistleblower, die mit ihren Enthüllungen die Reichen und Mächtigen schockten ... EPA/DPA / ARNO BURGI
Daniel Ellsberg (1971): Der US-Regierungsangestellte gab die «Pentagon Papers» an Journalisten weiter, die belegten, wie US-Präsident Richard Nixon und seine Vorgänger die Bevölkerung über den Vietnamkrieg belogen hatten. EPA/DPA / ARNO BURGI
William Mark Felt (1972): Der Vize-Direktor des FBI war unter dem Pseudonym Deep Throat der wichtigste Informant von zwei US-Journalisten, die die Watergate-Affäre publik machten. Präsident Nixon war darin verwickelt und trat 1974 zurück – der bislang einzige Rücktritt in der Geschichte der USA. AP NY / STF
Edward Snowden (2013): Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter enthüllte mithilfe britischer und amerikanischer Journalisten die umfassende Überwachung von Privatpersonen und Regierungen durch die NSA und weitere Geheimdienste. AP/The Guardian / Uncredited
Snowden befindet sich unfreiwillig im Exil in Russland. Der Internet-Aktivist engagiert sich mit der Freedom of the Press Foundation für freien Journalismus und den Schutz von Whistleblowern. X02025 / MARK BLINCH
Chelsea (früher Bradley) Manning (2010): Die Whistleblowerin kopierte als Obergefreite im Irak Hunderttausende an geheimen Botschaftsdepeschen und Militärunterlagen und übergab sie den Enthüllern von Wikileaks. AP / PATRICK SEMANSKY
Chelsea Manning wurde 2013 verurteilt, kam aber 2017 auf Veranlassung von Barack Obama vorzeitig frei und engagiert sich als politische Aktivistin. EPA/EPA / HAYOUNG JEON
Chris Wylie (2018): Der Whistleblower deckte den Facebook-Skandal auf, bei dem die Firma Cambridge Analytica Millionen User-Daten missbräuchlich verwendete. EPA/EPA / NEIL HALL
Adam Quadroni (2018): Der Bündner Bauunternehmer liess einen der grössten Bauskandale der Schweiz auffliegen – ein Kartell mit mehreren Baufirmen, die Preise absprachen – und verlor deswegen seine Familie, die Firma und den guten Ruf. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
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