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Was ist dran an den erneuten Vergewaltigungsvorwürfen? Bild: EPA

Neue Vorwürfe gegen Roman Polanski: «Er vergewaltigte mich und tat mir alles Schlimme an»

Eine Französin wirft dem Regisseur Roman Polanski vor, er habe sie vor Jahrzehnten in der Schweiz vergewaltigt. Die Anklage überschattet die Premiere seines neusten Films über die Dreyfus-Affäre.

Publiziert: 09.11.19, 13:07 Aktualisiert: 09.11.19, 13:55
Stefan Brändle, Paris / ch media

Auch wenn die Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Polanski nicht neu sind, hat die neuste Anklage in Paris einen Schock ausgelöst. Seit Tagen schon diskutiert Frankreich über einen anderen Fall – um die Schauspielerin Adèle Haenel – , der den Schluss nahelegt, dass die französische Filmbranche den gleichen Prozess durchmacht wie Hollywood nach der Weinstein-Affäre vor zwei Jahren.

Mitten in diese angespannte Atmosphäre platzt in Paris die neue Anklage gegen Polanski. Die Vorwürfe sind verjährt, aber sehr genau und schwerwiegend. Die frühere Schauspielerin Valentine Monnier erzählte der Zeitung «Le Parisien» detailliert, wie sie von Polanski 1975 im Alter von 18 vergewaltigt worden sei. Ohne den Regisseur zu kennen, sei sie damals der Einladung einer Bekannten in dessen Chalet in Gstaad gefolgt. Schon am Skilift habe er ihr ein sexuelles Angebot gemacht. Zurück im Haus, habe er sie zu sich in sein Stockwerk gerufen und nackt empfangen. Sie sagt:

«Es war von extremer Gewalt. Er schlug mich, bis ich aufgab, dann vergewaltigte er mich und tat mir alles Schlimme an.»

Polanskis französischer Anwalt Hervé Témime erklärte, er bestreite «mit Nachdruck jeden Vergewaltigungsvorwurf». Dieser sei verjährt und der Justiz auch vorher nie zur Kenntnis gebracht worden.

Mehrere Zeugen haben Erklärungen abgegeben

«Le Parisien» erwähnt dagegen mehrere Zeugen, die eidesstattliche Erklärungen abgegeben haben. Ein damaliger Feriengast in Gstaad berichtete, Monnier sei am fraglichen Abend bei ihm untergekommen und habe erzählt, sie sei von Polanski brutal vergewaltigt worden. Der anonym bleibende Chalet-Besitzer, der Monnier bei sich aufnahm, glaubt sich an einen blauen Fleck auf ihrer Wange zu erinnern.

Ein britischer Filmproduzent namens John Bentley bestätigte den Vorfall gegenüber der Pariser Zeitung ebenfalls. Zwei Jugendfreunde erklärten ihrerseits, Monnier habe ihnen danach über die Untat berichtet.

Die heute 62-jährige Fotografin hatte nach dem Aufbrechen der Weinstein-Affäre die Polizei von Los Angeles kontaktiert. Sie schrieb auch Briefe an diverse Persönlichkeiten in Paris, darunter Frauenministerin Marlène Schiappa und Präsidentengattin Brigitte Macron.

Im September entschloss sie sich, an die Öffentlichkeit zu gehen, als bekannt wurde, dass Polanskis neue Grossproduktion «J'accuse» (auf Englisch «An Officer and a spy») über die Dreyfus-Affäre von 1905 in Frankreich am 13. November ins Kino kommt. Dieser Film behandelt den Justizirrtum gegenüber einem ungerechtfertigt angeklagten jüdischen Offizier der französischen Armee. In Interviews zog Polanski selber eine Parallele zu den seiner Meinung nach haltlosen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn. Monnier erklärte dem Parisien, sie könne nicht anhören, wie jemand, der sie «mit dem Eisen gebrannt» habe, selber erkläre, er klage an (j'accuse).

Ein «mutiger und präziser» Bericht

Polanski (86) kann bis heute nicht in die USA einreisen, weil dort eine entsprechende, auf das Jahr 1977 zurückgehende Ermittlung gegen ihn läuft. Die französische Filmwelt hat sich immer voll hinter den Oscar-Preisträger mit polnischem und französischen Pass gestellt. Die Pariser Cinémathèque hielt 2017 trotz Protesten an einer Polanski-Retrospektive fest.

Vor ein paar Tagen hat die MeToo-Debatte dennoch Paris erreicht, als die Schauspielerin Adèle Haenel berichtete, sie sei als junges Mädchen von dem in der Pariser Szene nicht minder bekannten Christophe Ruggia sexuell missbraucht worden. Der Täter entschuldigte sich seither.

Die neue Polanski-Affäre trifft die Kinobranche nun mit voller Wucht. Noch vor wenigen Tagen hatte der Hauptdarsteller des Films «J'accuse», Jean Dujardin, erklärt, er sei sich der «mühsamen» MeToo-Debatte «überdrüssig». Nun erklären sich zahlreiche andere Schauspielerinnen solidarisch mit Valentine Monnier. Haenel dankte ihr für den «mutigen und präzisen» Bericht. Offen ist nun die Frage, ob der 22 Millionen Euro teure Produktion «J'accuse» überhaupt in die Kinosäle kommt. Sollte dies der Fall sein, ist mit Protestaktionen zu rechnen.

#MeToo: Diese Frauen belasten Harvey Weinstein

Schauspielerin Asia Argento: «Der Missbrauch, als ich 21 war, hat all meine Träume zerstört und mein Selbstverständnis verändert». Invision/Invision / Joel Ryan
Model und Schauspielerin Cara Delevingne schrieb auf Instagram, dass sie widerstrebend Harvey Weinstein in einem Hotelzimmer traf und entdeckte, dass noch eine andere Frau dort war. Er bat sie, zu küssen. Richard Shotwell/Invision/AP/Invision / Richard Shotwell
Jessica Barth traf Harvey Weinstein 2011 in seinem Hotelzimmer um über ihre Karriere zu sprechen. Er wollte von ihr nackt massiert werden. Sie lehnte ab und verliess das Zimmer. Weinstein rief ihr nach, sie müsse abnehmen. Evan Agostini/Invision/AP/Invision / Evan Agostini
Die französische Schauspielerin Judith Godreche. Chris Pizzello/Invision/AP/Invision / Chris Pizzello
Romola Garai traf Weinstein als sie 18 Jahre alt war im Savoy Hotel in London. Er begrüsste sie im Morgenmantel. AP/AP / Joel Ryan
Schauspielerin Heather Graham. GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Stephen Lovekin
Die französische Schauspielerin Emma de Caunes erzählte dem «New Yorker Magazin», dass sie 2010 Harvey Weinstein in einem Hotel in Paris getroffen habe. Er trat nackt aus dem Badezimmer und verlangte, dass sie sich auf das Bett legen solle. Sie verliess das Zimmer und knallte die Tür zu. AP/AP / LUCA BRUNO
Rosanna Arquette erzählte der New York Times, dass Harvey Weinstein sie Anfang der 90er Jahre bat, in seinem Hotel vorbeizuschauen, um ein Drehbuch abzuholen. Als sie ankam, bat er sie um eine Massage. Sie empfahl ihm eine professionelle Masseurin, doch Weinstein ergriff ihre Hand und drückte sie in seinen Schritt. Richard Shotwell/Invision/AP/Invision / Richard Shotwell
Schauspielerin Angelina Jolie. AP/AP / Mary Altaffer
Kate Beckinsale schrieb auf Instagram, dass sie Harvey Weinstein, als sie 17 Jahre alt war, im Savoy Hotel in London traf. Er öffnete die Tür in seinem Bademantel. Sie lehnte sein Alkoholangebot ab und sagte, sie müsse nachher noch in die Schule. Evan Agostini/Invision/AP/Invision / Evan Agostini
Katherine Kendall erzählte der New York Times, dass sie 1993, als sie 23 Jahre alt war, zu einem Geschäftstreffen in die New Yorker Wohnung des Produzenten Harvey Weinstein ging. Er bat um eine Massage. Sie weigerte sich. Später jagte er sie nackt durch das Zimmer und bat sie, ihre Brüste zu sehen. AP/AP / Damian Dovarganes
Schauspielerin Rose McGowan erhielt nach einem Vorfall in einem Hotelzimmer von Weinstein eine finanzielle Abfindung. AP/R-STEINBERG / Dan Steinberg
Schauspielerin Ashley Judd. AP/Invision / Jordan Strauss
Schauspielerin Seydoux sagte dem «Guardian», dass sie sich mit Harvey Weinstein in einem Hotelzimmer traf. Er sprang auf sie und versuchte sie zu küssen. Sie widerstand ihm und verliess den Raum. Vianney Le Caer/Invision/AP/Invision / Vianney Le Caer
Schauspielerin Mira Sorvino. Chris Pizzello/Invision/AP/Invision / Chris Pizzello
Schauspielerin Dominique Huett. Weinstein zwang sie gegen ihren Willen zu Oralsex. AP/AP / Reed Saxon
Schauspielerin Natassia Malthe. AP/AP / Richard Drew
Schauspielerin Mimi Haleyi. EPA/EPA / JUSTIN LANE
Schauspielerin Heather Kerr. EPA/EPA / MIKE NELSON

#RespectAriana – So fasst man keine Frau an!

Video: watson / Emily Engkent

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