Gastro-Betreiber sind per Gesetz gezwungen, die Kontaktdaten ihrer Gäste zu erfassen und für eine gewisse Zeit zu speichern. Der Bund hat es versäumt, dafür eine sichere Plattform zu schaffen – und nun schlagen besorgte IT-Sicherheitsexperten wegen privater Lösungen Alarm.
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Neuer Ärger beim Contact Tracing – darum geraten nun die Check-in-Apps ins Visier
Unabhängige Schweizer IT-Fachleute warnen, beim digitalen Contact Tracing drohe «ein kantonales App-Chaos» und ein «Datenschutzdebakel». Damit wächst auch der Druck auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG).
Der Schweiz fehlt eine vom Bund beaufsichtigte sichere Plattform für die Speicherung der Kontaktdaten, die Restaurants und andere Gastrobetriebe gemäss den gesetzlichen Bestimmungen (Covid-19-Verordnung) durchführen müssen. Private Unternehmer sind in die Bresche gesprungen – und sehen sich nun mit Datenschutzbedenken konfrontiert. Dieser Beitrag geht den wichtigsten Fragen und Antworten nach.
Experten warnen
Unabhängige Schweizer IT-Fachleute warnen, beim Contact Tracing drohe «ein kantonales App-Chaos». Im Visier haben sie die nicht-staatlichen Check-in-Apps, bei denen die Kontaktdaten von Restaurantgästen in einer zentralen Datenbank gespeichert werden. Dies soll den Wirten und Event-Veranstaltern den Alltag erleichtern, birgt aber Risiken.
Das Online-Magazin «Republik» schrieb letzte Woche von einem «veritablen Datenschutzalptraum». Dies, weil sich die grössten Schweizer Anbieter von Check-in-Apps zusammengetan haben, um die User-Daten in einer gemeinsamen Datenbank zu speichern (dazu gleich mehr).
Seit kurzem wissen wir, dass Bern als erster Kanton eine gesetzliche Grundlage für die zentrale Speicherung von Kontaktdaten geschaffen hat. Der Berner Regierungsrat hat entschieden, dass Restaurants, Bars und Clubs ab Montag, 10. Mai, ihre Besucherdaten mit Check-in-Apps erfassen sollen. Und dass diese Kontaktdaten «permanent an eine zentrale Datenbank des Kantons übertragen werden sollen».
Weitere Kantone seien kurz davor, es den Bernern gleichzutun, haben die beiden Tech-Journalisten Adrienne Fichter und Florian Wüstholz recherchiert.
Die hehren Grundsätze, trotz Corona-Pandemie an hohen Datenschutz-Standards festzuhalten, würden nun über Bord geworfen, befürchtet die «Republik». Dem pflichten Wissenschaftler und Vertreter der Zivilgesellschaft bei.
Der neu gegründete Verein CH++, zu dessen Gründern der Epidemiologe und SwissCovid-Miterfinder Marcel Salathé gehört, kritisiert in einer Stellungnahme die zögerliche Haltung des Bundes, bzw. des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Dies hinterlasse «ein digitales Vakuum», in welches nun verschiedene Kantone und Apps springen würden.
Die Non-Profit-Organisation, die die Schweiz in Sachen Digitalisierung auf Touren bringen will, hat am Donnerstag ein Positionspapier zum digitalen Contact Tracing veröffentlicht.
Darin heisst es, zentralisierte Datenbanken stellten ein erhebliches Missbrauchs-Risiko dar. Die App-Nutzer würden damit ihre persönlichen Daten aus der Hand geben und so die Kontrolle darüber verlieren.
«Da sämtliche Daten an einem Ort gespeichert werden, ist das Risiko eines katastrophalen Datenverlusts (z.B. durch Hacking) enorm hoch. Die Weiterverwertung der Daten für andere Zwecke bleibt jederzeit möglich.»
Die ETH-Professorin Carmela Troncoso, wie Marcel Salathé im Entwicklungsteam von SwissCovid, mahnt, man solle keine «Infrastrukturen zur digitalen Überwachung» aufbauen. Diese könnten zweckentfremdet werden. So liessen sich etwa persönliche Bewegungsprofile erstellen.
Der Verein CH++ mahnt, die Weiterverwertung der Daten für andere Zwecke bleibe jederzeit möglich. «Zwar sollen gesetzliche Regeln dies verhindern – aber eben nur solange, bis diese durch neue Regeln ersetzt werden. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass digitale Infrastrukturen ohne Transparenz und Dezentralität über Zeit sehr einfach zu anderen Überwachungszwecken umfunktioniert werden können.»
Das Dilemma der Kantone
Die Kantone stehen vor dem Dilemma, entweder eine eigene digitale Plattform für die Kontaktdaten zu betreiben, oder auf Lösungen aus der Privatwirtschaft zu setzen. Dies, weil der Bund keine sichere Lösung zur Verfügung stellt.
Weil der Staat zögert, seitens Privatwirtschaft aber ein berechtigtes Interesse an digitalen Lösungen besteht, haben sich zahlreiche Firmen daran versucht. Der Verband Gastro Suisse listet auf seiner Website rund 16 Apps auf. Wobei die Speicherung der sensiblen Daten das Hauptproblem ist.
Einflussreiche Vertreter der Gastrobranche und Anbieter von Check-in-Apps einigten sich Ende 2020 auf ein gemeinsames Vorgehen. Sie lancieren eine Datenbank namens «Swiss Contact Tracing Database» (SCTdb), in der die Kontaktdaten zentral gespeichert werden. Dies soll Gastrobetreibern und Gesundheitsbehörden die Arbeit erleichtern. Wobei die Kantone zur Kasse gebeten werden, wenn sie zwecks Seuchenbekämpfung auf die Datenbank zugreifen wollen.
Federführend bei dem Projekt ist Jean-Paul Saija – Co-Chef der Schweizer Firma Mindnow, deren Check-in-App «Mindful» bereits bei über 6000 Gastrobetrieben im Einsatz ist.
Saija gehört zu den Verfechtern der zentralisierten Datenspeicherung, was das digitale Contact Tracing betrifft. Dieses Vorgehen biete grosse Vorteile gegenüber dezentralen Lösungen, weil die Gesundheitsbehörden rasch und effizient auf die Kontaktdaten zugreifen könnten. Dies sei beim sogenannten Backward-Tracing entscheidend, also dann, wenn es darum geht, Corona-Cluster zu erkennen und Superspreader-Events einzudämmen. Die Datenschutzbedenken gelte es ernst zu nehmen, jedoch müsse man diese in einer Güterabwägung den Risiken der Corona-Krise gegenüber stellen.
«Während ausländische Tech-Giganten im Gegenzug für mehr Convenience längst alles über ihre User wissen und dies für Werbezwecke nutzen, stellen wir hier die Eindämmung der Pandemie der Angst gegenüber, Bundesverwaltung und Kantone könnten theoretisch die Daten des Contact-Tracings zweckentfremden.»
Was ist mit SwissCovid?
Beim Bund wird unter Hochdruck an der Integration einer datenschutzkonformen (und absolut freiwilligen) Check-in-Funktion in die SwissCovid-App gearbeitet.
Marco Stücheli vom BAG teilt watson mit:
«Wir können bestätigen, dass eine Variante des CrowdNotifier-Protokolls in die SwissCovid-App integriert wird. Die Check-In-Funktion ohne Erfassung der Kontaktdaten erweitert die SwissCovid-App. Sie berücksichtigt nicht nur enge Kontakte, sondern auch solche, die zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort waren – unabhängig vom Abstand.»
Dabei handelt es sich um eine datenschutzkonforme Funktion, die dem von der EPFL und der IT-Firma Ubique entwickelten CrowdNotifier-Protokoll entsprechen soll. Wie bei SwissCovid werden keine verwertbaren Daten auf Servern gespeichert und die Nutzung soll absolut freiwillig sein. Diese Funktion kann und wird also nicht die bereits in Umlauf befindlichen privaten Check-in-Apps ersetzen.
Die neue Funktion ersetze nicht die Pflicht zur Kontaktdatenerfassung, wie sie in der Covid-19-Verordnung zur besonderen Lage festgehalten sei. Die erweiterte SwissCovid-App soll gemäss BAG-Strategie neu insbesondere dort angewendet werden, wo «Menschen sich treffen aber keine Pflicht zur Kontaktdatenerfassung besteht». Mögliche Einsatzorte seien private Treffen, Vereinsanlässe wie auch im professionellen Umfeld (Sitzungszimmer, Hörsäle, Kantinen, etc.).
«Mit der neuen Funktion können noch mehr Personen schnell, anonym und unkompliziert über eine mögliche Ansteckung informiert werden. Die Benachrichtigungen sollen das Bewusstsein stärken, dass das Virus noch da ist und möglichst viele Personen dazu motivieren, einen Covid-Test zu machen.»
Die Erweiterung der SwissCovid-App um eine solche Funktion ist überfällig, die Technologie wurde seit Anfang Jahr an der Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) getestet. Das Feature sollte auch die Popularität der Corona-Warn-App ankurbeln, deren Nutzerzahlen zuletzt stagnierten und bei knapp 1,8 Millionen aktiven Usern pro Tag liegen.
Während die deutsche Corona-Warn-App seit Ostern über eine vergleichbare Funktion verfügt, müssen sich die Schweizer Smartphone-User weiter gedulden.
Der SwissCovid-Sprecher:
Während die Rufe nach weiteren Öffnungen immer lauter werden, lässt die neue SwissCovid-Funktion also noch auf sich warten. Und für Gastrobetriebe, die die Gäste-Kontaktdaten erfassen müssen, bietet das BAG keine Lösung an.
Schon im Oktober 2020 hatte es seitens BAG geheissen, der Bund habe «keine rechtliche Grundlage», ein zentralisiertes Contact-Tracing-System zu betreiben, bei dem die Kontaktdaten in einer zentralen Datenbank gespeichert werden.
Gastronomiebetriebe und Event-Veranstalter sind aber weiterhin verpflichtet, die Kontaktdaten der Besucherinnen und Besucher zu erfassen und zwecks Nachverfolgbarkeit für 14 Tage sicher, bzw. datenschutzkonform zu speichern.
Weil der Bund keine sichere Plattform fürs Erfassen der Kontaktdaten zur Verfügung stellen will, sind private Anbieter wie Mindnow.io in die Bresche gesprungen.
Die von der Zürcher Digitalagentur Mindnow.io entwickelte Check-in-App Mindful ist gemäss Angaben auf der Website «die am meisten verwendete App zum Contact Tracing zur Bekämpfung des Coronavirus in der Schweiz». Seit vergangenem Dezember gehört sie dem Event-Veranstalter Ticketcorner, einem Tochterunternehmen des Ringier-Konzerns.
Das Bundesamt für Gesundheit sei nicht an der Check-in-App interessiert gewesen, betonte Jean-Paul Saija im Gespräch mit watson. «Wir wollten sie für den symbolischen Betrag von einem Franken an den Bund verkaufen.»
In der Schweiz verdiene niemand Geld mit den Kontaktdaten der Restaurantbesucher, sagt der IT-Firmenchef. Seine Mitarbeitenden hätten inzwischen drei Produkte für die Pandemiebekämpfung entwickelt, in unzähligen Arbeitsstunden. «Wir sind ehrlich gesagt froh, wenn wir uns wieder vermehrt anderen spannenden IT-Projekten zuwenden können.»
Hingegen ist offensichtlich, dass Eventveranstalter und andere Namen aus der Gastronomiebranche ein grosses Interesse haben, den Gästen eine gewisse Sicherheit zu vermitteln. Hier besteht seitens Privatwirtschaft ein nicht unerheblicher Druck, möglichst bequeme Lösungen anzubieten. Die Leute sollen mit ihren Smartphones an Events und in Lokalen einchecken können, ohne mühsames Ausfüllen von Zetteln.
Wie geht's weiter?
Die Öffentlichkeit weiss seit dem vergangenen Sommer und Herbst, dass der Föderalismus ein effizientes Nachverfolgen von Corona-Fällen behindert und manchmal gar verunmöglicht. Etwa dann, wenn es um ein schnelles kantonsübergreifendes Warnen von Personen gehen sollte, die möglicherweise von einer Covid-19-Erkrankung betroffen sind.
Da das Contact Tracing in den Aufgabenbereich der Kantone fällt, bietet der Bund, bzw. das Bundesamt für Gesundheit (BAG), keine technische Lösung an für das Registrieren der Kontaktdaten in Gastrobetrieben und an Events. Bundesbern schreibt die befristete Datenspeicherung vor, doch bei der Umsetzung sind die Kantone auf sich gestellt.
Die SwissCovid-App kann und soll nicht dafür verwendet werden, die persönliche Daten der User zu erfassen und an die Gesundheitsbehörden zu übermitteln. Dies würde den gesetzlichen Vorgaben widersprechen, die das Parlament im Sommer 2020 verabschiedet hat. Und dem würden sich auch die Techgiganten Apple und Google verweigern. Sie stellen wichtige technische Schnittstellen für die Tracing-Apps zur Verfügung – für Android-Handys und iPhone-Modelle.
Immerhin wächst der öffentliche Druck auf das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die SwissCovid-App um eine datenschutzkonforme Check-in-Funktion zu erweitern.
Offenbar laufen noch weitere Abklärungen, bevor das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Integration der Check-in-Funktion per App-Update lancieren kann.
Und selbst wenn SwissCovid Version 2.0 in den App Stores von Apple (iOS) und Google (Android) verfügbar ist, werden damit die Datenschutzrisiken der privaten Check-in-Apps mit zentralisierter Datenspeicherung nicht gelöst.
Wo ist bei den Check-in-Apps das Problem?
Die privaten Check-in-Apps seien allesamt weder öffentlichen Sicherheitstests unterzogen, noch unabhängig auf Datenschutz-Risiken überprüft worden, kritisieren die «Republik»-Journalisten. Und auch bei der Transparenz mangele es: Der Quellcode sei nicht frei einsehbar. Das heisst, im Gegensatz zu SwissCovid ist der Open-Source-Anspruch nicht erfüllt. (Wobei anzumerken ist, dass Teile der Betriebssysteme Android und iOS/iPhone, die für die dezentralisierten Tracing-Apps unverzichtbar sind, ebenfalls nicht einsehbar sind.)
Gegenüber watson betont der Mindnow-Chef, dass nur ganz wenige autorisierte Personen die in der Datenbank verschlüsselt abgelegten Daten einsehen könnten. Alle Zugriffe auf die Datenbank würden zudem registriert, sodass nach missbräuchlichem Zugriff Aufklärung möglich wäre.
Selbstverständlich widersprechen diese Lösungen mit zentralisierter Datenspeicherung dem Grundsatz der Datensparsamkeit (Privacy by Design). Da es der Bund versäumt hat, eine eigene Plattform zu entwickeln, müssen die Bürgerinnen und Bürger nun mit dem Risiko von Datenmissbrauch leben, wobei fraglich ist, wer in konkreten Fällen haftet.
Braucht's diese Kontaktdaten überhaupt?
Dazu der Epidemiologe Marcel Salathé:
«Die richtige Vorgehensweise wäre, diese Verordnungen [des Bundes] anzupassen. Diese wurden ja kurzfristig für die Corona-Situation gemacht, und sollten dementsprechend auch laufend an die neue Situation angepasst werden.
Es ist aus epidemiologischer Sicht wirklich nicht nötig, die Gastro-Betreiber dazu zu zwingen, dermassen viele persönliche Daten über ihre Gäste auf Vorrat zu sammeln. Den epidemiologischen Impact kann man auch anders erreichen, das hat ja auch schon die dezentrale SwissCovid-App gezeigt, die ohne solche ‹Datensammlung auf Vorrat› auskommt.»
Jean-Paul Saija betont in einer weiteren Stellungnahme, er sei auch ein absoluter Befürworter der Datensparsamkeit und ziehe grundsätzlich die dezentrale Lösung einer zentralen Lösung vor. Wie immer, müsse man aber die «Pains & Gains» im Auge behalten. Nur das Eine zu verlangen, ohne das Andere zu verstehen, sei immer die falsche Methode.
Quellen
Mehr über SwissCovid und Check-in-Apps
Das Coronavirus in der Schweiz – eine Chronologie
31. Dezember 2019: Erste Meldungen über eine mysteriöse Lungenkrankheit, die in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen ist, werden publiziert. 27 Erkrankte sind identifiziert. keystone
15. Januar: Das neuartige Coronavirus wird ausserhalb Chinas bestätigt. Der Erreger wird mit Hilfe einer Genom-Analyse bei einer Frau in Thailand nachgewiesen. EPA / RUNGROJ YONGRIT
22. Januar: Krisentreffen der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf. Die Flughäfen Zürich und Genf warten vorerst ab. EPA / SALVATORE DI NOLFI
23. Januar: Die chinesischen Behörden riegeln die Elf-Millionen-Metropole Wuhan ab. Das BAG äussert sich «eher beunruhigt» über die Dynamik und Entwicklung des Coronavirus. EPA / STRINGER
25. Januar: Die neue Lungenkrankheit breitet sich in China stark aus und erreicht Europa. In Frankreich werden drei Fälle nachgewiesen. EPA / ARNOLD JEROCKI
26. Januar: Der Bund verschärft die Meldepflicht zum Coronavirus. Ärzte und Laboratorien müssen Fälle mit Verdacht auf eine Corona-Infektion innerhalb von zwei Stunden den Behörden melden. AP / Salvatore Di Nolfi
30. Januar: Das BAG schaltet eine kostenlose Hotline auf, um Fragen zum Coronavirus aus der Bevölkerung zu beantworten. KEYSTONE / GEORGIOS KEFALAS
21. Februar: Die Schweizer Gesundheitsbehörden nehmen über 20 Personen in der Schweiz in Quarantäne. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
25. Februar: Erster bestätigter Fall von Covid-19 in der Schweiz. KEYSTONE / DENIS BALIBOUSE
27. Februar: Start der Präventionskampagne des BAG gegen das Coronavirus: Hände waschen, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten und niesen und bei Husten und Fieber zu Hause bleiben. TI-PRESS / PABLO GIANINAZZI
28. Februar: Der Bundesrat verbietet alle Grossevents mit mehr als 1000 Personen. Er ruft die «besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz aus. Er erlässt drei Hygieneregeln. KEYSTONE / LAURENT GILLIERON
5. März: Das erste Coronavirus-Todesopfer in der Schweiz: Eine 74-jährige Frau stirbt im Universitätsspital Lausanne. Insgesamt zählt die Schweiz 87 bestätigte Infektionen. KEYSTONE / DENIS BALIBOUSE
6. März: Der Bundesrat rät von Besuchen in Alters- und Pflegeheimen sowie Spitälern ab. ÖV-Reisen in Stosszeiten sollen wenn möglich vermieden werden. KEYSTONE / LEANDRE DUGGAN
11. März: Der Kanton Tessin ruft den Notstand aus und schliesst alle nicht-obligatorischen Schulen. Auch sämtliche Kinos, Theater, Schwimmbäder, Clubs und Ähnliches werden geschlossen. Die Zahl der Infizierten steigt schweizweit auf 645 Fälle. In mehreren Städten kommt es zu Hamsterkäufen. KEYSTONE / Alessandro Crinari
16. März: Der Bundesrat schliesst Schulen und Ausbildungsstätten bis vorerst 4. April. Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen sind verboten. In Bars, Restaurants und Diskotheken dürfen sich maximal 50 Personen aufhalten. TI-PRESS / SAMUEL GOLAY
15. März: Das Parlament bricht seine Frühlingssession ab. In der Schweiz sind 2220 Fälle positiv getestet. Basel-Land schliesst alle Restaurants und Läden, die nicht der Grundversorgung dienen. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
16. März: Der Bundesrat erklärt die «ausserordentliche Lage». Truppen werden mobilisiert, Veranstaltungen verboten. Geschäfte und Lokale müssen schliessen, nur Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen bleiben offen. Die Grenzen werden geschlossen. KEYSTONE / ANTHONY ANEX
19. März: Das Angebot des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz wird schrittweise reduziert. Alle Urlaube in Rekrutenschulen und Wiederholungskursen sind gestrichen. Der Kanton Uri verhängt eine Ausgangssperre für Menschen über 65 Jahre. KEYSTONE / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
20. März: Versammlungen von mehr als fünf Personen sind verboten. Der Bundesrat schnürt ein gut 40 Milliarden Franken schweres Hilfspaket für die an den Folgen der Pandemie leidende Wirtschaft. Desinfektionsmittel und Schutzmaterial sind Mangelware. Nicht notfallmässige Operationen in Spitälern werden verboten. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
24./25. März: Die Einreisebeschränkungen werden auf alle Schengen-Staaten ausgedehnt. KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER
24. März: In der Schweiz gibt es bereits 90 Todesfälle. Fast 9000 Personen haben sich mit dem Virus angesteckt. EPA / LAURENT GILLIERON
3. April: Der Bundesrat stockt die Wirtschaftshilfe auf 40 Milliarden Franken auf. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
4. April: Fast jeder vierte Erwerbstätige in der Schweiz, d.h. 1,3 Millionen Menschen, befindet sich inzwischen in Kurzarbeit. KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
8. April: Der Bundesrat verlängert den Lockdown bis zum 26. April und mahnt, an Ostern trotz des schönen Wetters zu Hause zu bleiben. Für die Zeit nach dem 26. April kündigt er langsame Lockerungen an. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
16. April: Der Bundesrat beschliesst erste Lockerungen. Am 27. April dürfen Coiffeurgeschäfte, Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen und die Einschränkungen für Spitäler werden aufgehoben. Zwei Wochen später soll der Unterricht an den obligatorischen Schulen wieder aufgenommen werden. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
29. April: In der bisher grössten Rückholaktion in der Geschichte der Schweiz werden in 35 Flügen über 7000 Menschen in die Schweiz zurückgeholt. KEYSTONE / CHRISTIAN MERZ
27. April: Coiffeure, Baumärkte und Gartencenter dürfen wieder öffnen und die Einschränkungen für Spitäler werden aufgehoben. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
4. bis 6. Mai: Die ausserordentliche Session des Bundesparlaments wird in die Messehallen der Bernexpo verlegt. Die eidgenössischen Räte geben grünes Licht für ein mittlerweile rund 57 Milliarden Franken schweres Corona-Kreditpaket. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
11. Mai: Neben den obligatorischen Schulen dürfen auch Läden, Cafés, Restaurants, Fitnesscenter, Bibliotheken und Museen wieder öffnen, falls sie Schutzvorkehrungen getroffen haben. Der öffentliche Verkehr fährt wieder weitgehend nach Normalfahrplan KEYSTONE/Ti-Press / Elia Bianchi
6. Juni: Kinos, Theater, Zoos, Skilifte, Campingplätze, Schwimmbäder und nachobligatorische Schulen können den Betrieb wieder aufnehmen. Die 30-Personen-Grenze für Veranstaltungen wird durch eine 300-Personen-Obergrenze ersetzt. keystone / GAETAN BALLY
15. Juni: Die Schweiz öffnet ihre Grenzen zu allen EU-Mitgliedsstaaten und Grossbritannien wieder. keystone / GIAN EHRENZELLER
22. Juni: Der Bundesrat kündigt weitere Lockerungen an. Versammlungen von bis zu 1000 Personen sind unter Einhaltung von Schutzkonzepten erlaubt. Weitere Einschränkungen werden für Gaststätten und Diskotheken aufgehoben. keystone / PETER SCHNEIDER
1. Juli: Der Bundesrat ordnet eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr an für Personen ab 12 Jahren. Die Pflicht gilt ab 6. Juli in Zügen, Trams und Bussen, Bergbahnen, Seilbahnen und auf Schiffen. sda / GIAN EHRENZELLER
6. August: Angehörige von Staaten ausserhalb des Schengenraums dürfen nicht in die Schweiz einreisen – mit Ausnahme von vorerst 20 Ländern. Damit bestehen Corona-bedingte Einreisesperren für 160 Länder. sda / ENNIO LEANZA
1. Oktober: Grossanlässe mit über 1000 Personen sind wieder erlaubt. Es gelten jedoch strenge Auflagen. keystone / ALEXANDRA WEY
7./8. Oktober: Die Ansteckungszahlen steigen schweizweit auf über 1000 pro Tag. Das Tessin reagiert mit Schliessungen von Clubs, Diskotheken und Tanzlokalen. keystone / Pablo Gianinazzi
19. Oktober: Die Maskentragpflicht wird ausgeweitet auf alle geschlossenen öffentlichen Innenräume, einschliesslich Bahnsteige, Bushaltestellen und Flughäfen. keystone / Anex Anthony
28. Oktober: Einzelne Kantone rufen die Armee um Unterstützung an. Der Bundesrat beschliesst weitere Massnahmen um einen zweiten Lockdown zu verhindern, unter anderem die Zulassung von Schnelltests, eine Maskenpflicht im Freien, das Verbot von privaten Treffen mit mehr als zehn Personen und die Schliessung von Discos. keystone / PETER KLAUNZER
4./5./6. November: Die Zahl der Neuinfektionen steigen schweizweit auf über 10'000 pro Tag. Neuenburg, Waadt, Freiburg und Wallis schliessen Bars und Restaurants. sda / OLIVIER MAIRE
13. November: Die Heilmittelbehörde Swissmedic hat von Moderna ein drittes Zulassungsgesuch für einen Corona-Impfstoff erhalten. Mitte Oktober hatte Pfizer/Biontech ein Zulassungsgesuch für einen Impfstoff eingereicht und bereits Anfang Oktober Astrazeneca. keystone / ORESTIS PANAGIOTOU
18. November: Um Firmen und Sportvereine zu unterstützen, stellt der Bundesrat nicht 400 Millionen, sondern neu eine Milliarde Franken zur Verfügung. keystone / ANTHONY ANEX
24. November: Die Zahl der Neuansteckungen halbiert sich innert zweier Wochen. keystone / ALESSANDRO DELLA VALLE
9. Dezember: Die Vereinigte Bundesversammlung gedenkt in einer Schweigeminute der Covid-Toten in der Schweiz. keystone / PETER SCHNEIDER
12. Dezember: Auf Anordnung des Bundesrates werden schweizweit Restaurants, Bars, Geschäfte, Märkte, Museen, Bibliotheken, Freizeit- und Sportzentren zwischen 19 Uhr und 6 Uhr morgens geschlossen. keystone / ANTHONY ANEX
18. Dezember: Der Bundessrat schliesst alle Restaurants sowie Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen. Die Kapazität von Läden wird weiter eingeschränkt. Zudem wird der Einsatz von Schnelltests erweitert. keystone / ANTHONY ANEX
19. Dezember: Swissmedic erteilt die Zulassung für den Pfizer/Biontech-Impfstoff. Es ist der erste in der Schweiz zugelassene Impfstoff gegen Coronaviren. keystone / Bilal Hussein
20. Dezember: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt setzt Flüge zwischen der Schweiz und Grossbritannien und Südafrika aus, da in diesen Ländern neue ansteckendere Coronaviren entdeckt worden sind. keystone / URS FLUEELER
22. Dezember: Schweizer Skigebiete dürfen mit kantonaler Genehmigung öffnen. Die Nachbarländer, mit Ausnahme von Österreich, schliessen ihre Skigebiete. Sport-, Kultur- und Freizeitzentren und Zoos müssen schliessen. keystone / MARCEL BIERI
23. Dezember: Impfstart in der Schweiz: Als erste Person wird eine 90-jährige Frau im Kanton Luzern geimpft. Auch in vier weiteren Kantonen erhalten Senioren die ersten Impfungen. sda / URS FLUEELER
24. Dezember: Die neue Variante des Coronavirus aus Grossbritannien wird in der Schweiz in zwei Proben von Briten nachgewiesen, die in der Schweiz positiv getestet wurden. Die Rückführung britischer Touristen beginnt. keystone / JEAN-CHRISTOPHE BOTT
4./5. Januar 2021: In 25 Kantonen wird geimpft – die Ausnahme ist Bern. keystone / ALEXANDRA WEY
12. Januar: Der Verein «Freunde der Verfassung» reicht ein von knapp 90'000 Personen unterzeichnetes Referendum gegen das Covid-19-Gesetz ein, das die vom Bundesrat ergriffenen Massnahmen gegen die Pandemie auf gesetzliche Basis stellt. Das Gesetz gilt bis Ende 2021. Swissmedic erteilt dem zweiten Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna die Zulassung für die Schweiz. sda / LAURENT GILLIERON
13. Januar: Der Bundesrat verlängert die Corona-Massnahmen um fünf Wochen bis Ende Februar und beschliesst weitere Massnahmen. Offen bleiben die obligatorischen Schulen. Betriebe erhalten zusätzliche Finanzhilfen des Bundes. keystone / PETER KLAUNZER
18./19. Januar: Die neuen strengeren Corona-Schutzmassnahmen treten in Kraft. Unter anderen müssen Läden, die keine Güter des täglichen Bedarfs verkaufen, schliessen. Rund 110'000 Impfungen sind bisher verabreicht worden. keystone / URS FLUEELER
27. Januar: Der Bundesrat setzt neu auf Massentests und ermöglicht eine kürzere Quarantäne. Zudem beantragt er dem Parlament, die Wirtschaftshilfen für Härtefälle weiter auszubauen. sda / GIAN EHRENZELLER
29. Januar: In Nidwalden und Uri fehlen Impfungen um fristgerecht Zweitimpfungen durchzuführen. Bislang sind eine halbe Million Impfdosen geliefert und rund 260'000 Impfungen verabreicht worden. keystone / PETER KLAUNZER
7. Februar: In der Schweiz gelten für Reisende aus dem Ausland teils schärfere Bestimmungen. Vor dem Abflug in die Schweiz müssen alle einen negativen Corona-Test vorweisen. sda / CHRISTIAN BEUTLER
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