Mutter Courage oder Schraube locker? Angela Merkel mit Flüchtlingen in Berlin.
Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS
Exodus und kein Ende
– schaffen wir das wirklich? Politisch unkorrekte Gedanken zur
Flüchtlingskrise
Angela Merkels «Willkommenskultur» wird zur epochalen Herausforderung für Europa. Und führt zur
bangen Frage: Wie bewältigen wir sie?
Die deutsche Kanzlerin prägte den Satz des Jahres: «Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden», sagte Angela Merkel am 31. August an ihrer Sommermedienkonferenz in Berlin. Ausgerechnet Merkel, das personifizierte Nullrisiko, die Verwalterin des Status Quo, machte sich stark für eine grosszügige Aufnahme von Flüchtlingen.
In den Flüchtlingslagern in Jordanien, der Türkei und im Libanon ist die Botschaft angekommen. Die Menschen machten sich erst recht auf den Weg ins «gelobte Land» Germany, ausgerüstet mit Smartphones und organisiert durch Facebook-Gruppen. So funktioniert Flucht im 21. Jahrhundert. Anfangs wurden sie in Deutschland mit offenen Armen empfangen. Schreckliche Bilder wie jenes des ertrunkenen Aylan erzeugten eine Welle des Mitgefühls.
Flüchtlinge kämpfen gegen Grenzen
15. September, Istanbul, Esenler Busbahnhof: Die Regierung hält Tickets an die Grenze zurück, Flüchtlinge protestieren. Getty Images Europe / Ahmet Sik
In der Türkei sind die Flüchtlinge chancenlos. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Mit Pappkartons wird gegen die Sperre demonstriert. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Mehrere hundert Flüchtlinge entschlossen sich, zu Fuss in Richtung Westen zu marschieren. EPA/EPA / CEM TURKEL
Die Polizei versuchte die Menschen aufzuhalten. EPA/EPA / CEM TURKEL
An der ungarisch-serbischen Grenze bitten Flüchtlinge um Einlass. EPA/MTI / ZOLTAN MATHE
Doch auch dort: Ungarn ist dicht. EPA/MTI / TAMAS SOKI
«Edirne ist unsere Erlösung.» Flüchtlinge versuchen, die griechisch-türkische Grenzstadt zu erreichen. Getty Images Europe / Ahmet Sik
Auch in Deutschland lassen sich Flüchtlinge nicht von gesperrten Grenzen abhalten. Hier: Freilassung. Getty Images Europe / Sean Gallup
In Salzburg warten Migranten auf einen Zug nach Deutschland. Getty Images Europe / Sean Gallup
epa04932216 Hungarian police block a street towards the closed border crossing between Serbia and Hungary in Roszke, on the Hungarian side of the border, while a refugee boy looks through the fence from Hogros on the Serbian side, 15 September 2015. Hungary declared a state of emergency in two counties along its border with Serbia, after it used a boxcar fitted with razor wire to block a major entry point there. Declaring the state of emergency paves the way for parliament to allow the army to reinforce police along the border, as new measures to crackdown on refugees go into effect. EPA/KOCA SULEJMANOVIC EPA/EPA / KOCA SULEJMANOVIC
epa04932061 Migrants shout slogans at the closed border crossing between Serbia and Hungary, near Horgos, Serbia, 15 September 2015. Hungary declared a state of emergency in two counties along its border with Serbia, after it used a boxcar fitted with razor wire to block a major entry point there. Declaring the state of emergency paves the way for parliament to allow the army to reinforce police along the border, as new measures to crackdown on refugees go into effect. EPA/BALAZS MOHAI HUNGARY OUT EPA/MTI / BALAZS MOHAI
Nun aber machen sich Ernüchterung und Zweifel breit. «Es kommen viel mehr Menschen, als die Kanzlerin sich bei ihrer Entscheidung zur Aufnahme von Flüchtlingen gedacht haben mag», schrieb Heribert Prantl, Innenpolitikchef der «Süddeutschen Zeitung». Am Montag zog die deutsche Regierung die Notbremse und führte Kontrollen an der Grenze zu Österreich ein. Gleichentags bekräftige Merkel ihr Bekenntnis: «Ich bleibe dabei: Wir schaffen das.»
Es hörte sich nicht mehr an wie eine Mutrede, sondern wie Durchhalteparolen. Denn immer mehr Menschen in Deutschland und anderen Ländern fragen sich: Schaffen wir das wirklich?
Europa sieht sich mit der grössten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert. Man könnte fast von einem «perfekten Sturm» sprechen. Aus Süden drängen Afrikaner über das Mittelmeer Richtung Europa, aus dem Osten kommen Syrer, Iraker und Afghanen, die vor Krieg und Terror geflüchtet sind. Hauptmotiv ist in beiden Fällen das Fehlen von Perspektiven.
Wenn «Weltwoche»-Chef und SVP-Nationalratskandidat Roger Köppel die Syrer als «Wirtschaftsflüchtlinge» bezeichnet, erntet er Entrüstung. Ganz falsch aber liegt er nicht. Vor dem Bürgerkrieg sind die Syrer in die Nachbarländer geflüchtet. Nach Europa wollen sie, weil sie auf absehbare Zeit keine Chance auf eine Rückkehr sehen und ihren Kindern ein besseres Leben bieten wollen. Warum sonst sind unter den Flüchtlingen so viele Familien?
Wie soll Europa mit dem Exodus umgehen? Optimistisch gibt sich das für kühle Analysen bekannte britische Magazin «The Economist». Es rühmt Deutschlands «Willkommenskultur» als «moralisch, wirtschaftlich und politisch richtig», sie setze «ein Beispiel für die Welt». In den Online-Kommentaren tönt es weniger euphorisch: «Der Artikel ist Ausdruck von politischer Korrektheit und ignoriert die wahren Probleme. Merkel hat den grössten Fehler ihrer Laufbahn gemacht», heisst es etwa.
Über Letzteres lässt sich streiten, an der ersten Feststellung aber ist etwas dran. (Selbst-)Kritische Reflexion ist angebracht. «Für das Drama der Flüchtlinge gibt es nur eine Lösung: Europa muss sie reinlassen», habe ich im April geschrieben. Rein technisch stimmt der Befund noch immer: Wenn der Libanon mit seinen vier Millionen Einwohnern mehr als einer Million Syrern Zuflucht geboten hat, können die 80 Millionen Deutschen in einem ungleich grösseren Land ebenso viele absorbieren.
Zeltlager für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt in Brandenburg.
Bild: EPA/DPA
Trotzdem stellt sich die Frage, ob sie dazu wirklich in der Lage sind, vor allem mental. «Natürlich kann die jährliche Einwanderung von 500'000 Menschen technisch bewältigt werden. Aber wollen wir sie auch bewältigen?» argumentiert der umstrittene Osteuropa-Historiker Jörg Baberowski in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Die Deutschen haben einen Hang zur Übertreibung. Er hat grossartige Dinge hervorgebracht, aber auch die dunkelsten Episoden der Menschheitsgeschichte. Merkels «Willkommenskultur» ist Ausdruck dieser Übertreibung. Nun dämmert es den Deutschen, dass sie sich damit etwas eingebrockt haben. Wo soll man die Menschen unterbringen? Wie will man sie versorgen und integrieren? Wie sollen sie Arbeit finden, ohne dass es zu Verteilkämpfen kommt?
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das zerstörte (West-)Deutschland rund 14 Millionen Vertriebene aus dem Osten auf. Damals aber hatten die meisten Menschen nichts und die wenigsten etwas zu verlieren. Im heutigen Wohlfahrtsstaat ist das anders, Migranten werden als unerwünschte Konkurrenz betrachtet. Und als Herausforderung für die deutsche «Leitkultur».
«Es reicht nicht, wenn die Kanzlerin ihre Entscheidung mit ungewohnter Verve verteidigt; sie braucht ihre Minister, sie braucht die Gesellschaft dieses Landes, sie muss Verwaltung, Industrie und Wirtschaft gewinnen; dazu die Kirchen, die Wohlfahrtsverbände – die Menschen. Sie braucht das ganz Land», schreibt Heribert Prantl in der «Süddeutschen Zeitung».
So ähnlich tönt das Pfeifen im Walde.
Dennoch: Wenn es einem Land zuzutrauen ist, diese Herausforderung zu meistern, dann Deutschland. Es hat in den letzten Jahrzehnten mit Wiederaufbau und Wiedervereinigung zwei Gewaltsleistungen vollbracht, an denen viele Staaten gescheitert wären.
Wer aber verhindern will, dass der Exodus kein Ende hat, muss sich Alternativen überlegen. Dazu gilt es, bei den Herkunftsregionen anzusetzen. Im Fall von Afrika ist das leichter gesagt als getan, wie die Schweiz in Sachen Eritrea zur Genüge erfahren hat. Und in Syrien ist kein Ende des Bürgerkriegs in Sicht, zumal sich nun Russland verstärkt auf Seiten des Massenmörders Baschar Assad engagieren will.
Es ist billig, dem Westen ein «Versagen angesichts der Tragödie in Syrien» vorzuwerfen, wie es in einem Kommentar der NZZ heisst. Es gab und gibt Gründe, sich nicht in diesen Hexenkessel zu begeben. Für die in die Nachbarländer geflüchteten Syrer aber kann Europa mehr tun. Man sollte ihnen ermöglichen, vor Ort ein Aufnahmegesuch zu stellen, damit sie sich gar nicht erst auf die lange und gefährliche Reise der Hoffnung machen und sich den Schleppern ausliefern müssen.
Flüchtlinge treffen mit dem Zug in München ein
Hunderte Migranten erreichen den Hauptbahnhof in München. Die Flüchtlinge kamen aus Budapest mit dem Zug, die meisten von ihnen stammen aus Syrien, Irak und Afghanistan. EPA/DPA / SVEN HOPPE
Die Polizei nahm die Flüchtlinge in München in Empfang und verteilte einige von ihnen gleich weiter in die Asylempfangszentren. EPA/DPA / SVEN HOPPE
Die Migranten wurden am Hauptbahnhof mit freundlichen Gesten empfangen, Freiwillige verteilten Brot und Wasser an die Flüchtlinge. X90041 / MICHAEL DALDER
Bei den Migranten handelt es sich grösstenteils um junge Männer, vereinzelt sind auch Familien mit kleinen Kindern und ältere Leute in den Zügen aus Ungarn. EPA/DPA / MATTHIAS BALK
In den nächsten Tagen werden weitere Migranten aus Zügen von Osteuropa her kommend erwartet. Ungarn hatte am Montag Flüchtlinge in der Hauptstadt Budapest unregistriert in Zügen weiterreisen lassen. Die meisten der Migranten wollen nach Deutschland und Skandinavien. X90041 / MICHAEL DALDER
Auch die Schweiz registriert eine grössere Zahl von ankommenden Flüchtlingen. In St.Gallen wurden am Montag Migranten in Zügen aus Ungarn in Empfang genommen. Am Dienstag werden weitere Flüchtlingszüge aus Osteuropa erwartet. X90041 / MICHAEL DALDER
AP/AP / Matthias Schrader
AP/AP / Matthias Schrader
AP/AP / Matthias Schrader
AP/AP / Matthias Schrader
Getty Images Europe / Sean Gallup
Gleichzeitig muss ihnen vor Ort eine Perspektive geboten werden. Es genügt eben nicht, diese oft gut ausgebildeten Menschen einfach durchzufüttern. Die Nachbarn von Syrien brauchen Hilfe, «damit sie Bildung und Arbeitsplätze anbieten können, nicht nur Lager in der Wüste», argumentiert der «Economist». Das wird kosten, sehr viel sogar, doch wenn wir nicht wollen, dass die Syrer zu uns kommen, müssen wir den Preis bezahlen. Man sollte dabei auch die reichen Golfmonarchien zur Kasse bitten, die beschämend wenig für die Syrer tun.
Und die Schweiz? Sie hat schon mehr als 200 Millionen Franken für die humanitäre Hilfe in der Region zur Verfügung gestellt. Aussenminister Didier Burkhalter stellte am Glückskette-Sammeltag weitere 50 bis 100 Millionen in Aussicht. Das ist, mit Verlaub, immer noch beschämend wenig.
Die Schweiz ist von den Wanderungsbewegungen der letzten Wochen weitgehend unberührt geblieben. Selbst nach der Einführung der Grenzkontrollen in Deutschland und Österreich haben sich die apokalyptischen Warnungen der SVP nicht erfüllt. Das muss nicht so bleiben. Die Flüchtlingsströme sind unberechenbar. Neben Deutschland ist Schweden das beliebteste Zielland für Migranten aus Syrien. Das reiche Norwegen direkt daneben scheint sie nicht zu interessieren. Die dortige Regierung will sogar freiwillig 8000 Menschen aus Syrien aufnehmen.
Asylbewerber im Bahnhof Buchs (SG). Noch hält sich der Ansturm in Grenzen.
Bild: KEYSTONE
Die zentraler gelegene Schweiz muss sich auf einen grösseren Ansturm einrichten. Und sie muss hoffen, dass der Zerfall der Europäischen Union, dieser Wunschtraum vieler SVP-Anhänger, nicht Realität wird. In diesem Fall dürften wir unter die Räder kommen. Wenn Italien und Österreich die Flüchtlinge gezielt zu uns lenken, können wir wenig ausrichten, selbst wenn wir die Armee an die Grenze stellen. Deutschland könnte uns mit der an Griechenland erprobten «Erlkönig-Methode» (Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt) zwingen, ihm einen Teil der Last abzunehmen.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga, die amtsälteste Migrationsministerin aller Schengen-Länder, hat am Montag auf undiplomatisch deutliche Art ihre Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass sich ihre EU-Kollegen nicht auf einen Verteilschlüssel für Flüchtlinge einigen konnten. Sommaruga, Realpolitikerin durch und durch, weiss genau, dass die Schweiz von einer solchen Lösung profitieren dürfte. Ein Kleinstaat, der sich den Luxus leistet, weder Freunde noch Verbündete zu haben, ist auf ein funktionierendes Regelwerk angewiesen.
Schaffen wir das? Kann Europa die Kluft zwischen West und Ost überwinden und die Flüchtlingskrise gemeinsam bewältigen? Es wäre wünschenswert. Einfache Lösungen gibt es nicht. Eine blauäugige «Willkommenskultur» hilft so wenig wie ein ängstlicher Abwehrreflex.
Im besten Fall gehen Deutschland und Europa aus der Krise gestärkt hervor. Im schlechteren fällt der Kontinent zurück in dumpfen Nationalismus, bei dem alle für sich schauen und jeder gegen jeden agiert. So etwas kann sich nicht einmal der ärgste EU-Gegner wünschen.
Das Leben im jordanischen Flüchtlingscamp
Das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien. Hier leben derzeit rund 80'000 syrische Flüchtlinge. X80003 / © POOL New / Reuters
Die meisten der syrischen Flüchtlinge leben allerdings in den Städten Jordaniens. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Die Feuerwehr löscht ein Feuer im Flüchtlingslager Zaatari. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Warten auf das Essen. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Nach dem Regen. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Schulunterricht im Flüchtlingslager. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Ausbildung zum Friseur im Zelt des Flüchtlingscamps. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Syrische Flüchtlinge schauen eine Rede des Machthabers Baschar al-Assad am TV. X00393 / © Majed Jaber / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Wenn der Regen kommt, steht alles unter Wasser. X00137 / © Ali Jarekji / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Nach dem Schneesturm: Flüchtlinge warten, bis sie aufs Marktgelände gelassen werden. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Der Schneesturm hat alles platt gemacht. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Nach einem Flüchtlingsaufstand: Zurück bleiben verbrannte Überreste der Habseligkeiten. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Einkaufen im Supermarkt des Flüchtlingslagers. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Die Containerstadt von Zaatari. X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
X02365 / © Muhammad Hamed / Reuters
Alles schaut nach Osteuropa – derweil geht das Flüchtlingsdrama in Sizilien seinen gewohnt grausamen Gang
Während sich dieser Tage alle Augen auf die Flüchtlinge richten, die über die Balkanroute nach Europa kommen, ist Sizilien nach wie vor Anlaufpunkt für Migranten aus Afrika, die ... POLARIS / / Polaris, 05211205
... auf überladenen, maroden Schiffen übers Mittelmeer kommen, bevor sie anlanden oder wie hier von der Marine aufgefischt werden – ... POLARIS / / Polaris, 05211189
... und so mancher bezahlt die Reise mit seinem Leben. POLARIS / / Polaris, 05211199
Palermo mit seinen knapp 680'000 Einwohnern und der Rest Siziliens sind den Anblick von Flüchtlingen mittlerrweile gewohnt. POLARIS / / Polaris, 05211218
Jene Menschen sind Teil des Stadtbildes geworden, auch wenn sie nur Zuschauer des Alltagslebens sind. POLARIS / / Polaris, 05211225
Die Flüchtlinge selbst campieren zumeist im Freien. Diese hier haben einen trockenen Platz in einem Einkaufszentrum gefunden. POLARIS / / Polaris, 05211224
Teilweise sind es ganze Familien, die die Flucht nach Italien gewagt haben. Sie sind wegen Boko Haram aus Nigeria weggelaufen, haben wegen Al-Shabaab Somalia verlassen, sind wegen der Tuareg-Rebellen aus Mali gekommen. POLARIS / / Polaris, 05211222
Sie kommen aus «Failing States» wie dem Sudan oder Eritrea – in Libyen sind sie schlechterdings noch zwischen die Fronten der rivalisierenden Banden geraten, die dort um die Macht kämpfen. POLARIS / / Polaris, 05211223
Diese Flüchtlinge haben Unterschlupf in einer sizilianischen Kirche gefunden, doch Tausende warten noch in Libyen auf ihre Überfahrt. Den Schleppern ist ihr Schicksal egal: Erst Ende August 2015 ... POLARIS / / Polaris, 05211203
... war vor der Küste ein Kutter mit rund 50 Toten im Inneren aufgebracht worden. Die Menschen starben durch Abgase des Motors, die nicht entweichen konnten. POLARIS / / Polaris, 05211204 Die italienische Polizei nahm wenige Tage nach dem Leichenfund zehn mutmassliche Schlepper fest. Die Verdächtigen kommen aus Tunesien und Marokko. Im Bild: Ein Flüchtling schützt sich vor der Sonne. POLARIS / / Polaris, 05211195
Diese Afrikaner wurden gerettet – doch bis zum 8. September sind alleine im Jahr 2015 2760 Menschen im Mittelmeer ums Leben gekommen, schätzt die Internationale Organisation für Migration in Genf. POLARIS / / Polaris, 05211193
Im Vorjahreszeitraum waren es noch 500 Personen weniger – die Zahl der Migranten steigt also. POLARIS / / Polaris, 05211190
Die Regierung in Rom will am 17. September die ersten zwei sizilianischen Zentren für die Registrierung der Flüchtlinge eröffnen. Sie werden in ... POLARIS / / Polaris, 05211196
... der Hafenstadt Pozzallo und auf der Insel Lampedusa eingerichtet. Die Städte Trapani und Augusta sollen in einigen Monaten folgen. POLARIS / / Polaris, 05211198
Medienberichten zufolge sind in italienischen Flüchtlingsheimen 96'000 Menschen untergebracht. Die neuen Zentren sollen eine Umverteilung beschleunigen. POLARIS / / Polaris, 05211214 Eine erste Gruppe von 24'000 Personen soll in andere EU-Länder umsiedeln. Insgesamt sollen in den kommenden zwei Jahren 40'000 Migranten Italien verlassen. POLARIS / / Polaris, 05211216
Frauen sind besonders häufig traumatisiert: Viele werden auf der Flucht missbraucht. POLARIS / / Polaris, 05211194
Viele Männer geraten ins Visier der siziliansichen Mafia, die die Not der Menschen gnadenlos ausnutzt ... POLARIS / / Polaris, 05211227
.... und sie für den Verkauf von Drogen akquiriert, während Frauen zur Prostitution gezwungen werden. POLARIS / / Polaris, 05211226
Bevor die Flüchtlinge Italien verlassen können, muss sich die EU jedoch erst auf ein Schema zur Verteilung einigen. POLARIS / / Polaris, 05211211
Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi rief in einem Offenen Brief in der Zeitung «La Republica» erneut die anderen EU-Staaten auf, ihren «nationalen Egoismus» zu überwinden. POLARIS / / Polaris, 05211221
Renzi lobt aber auch in seinem Offenem Brief: «Nach Monaten, in denen wir Italiener uns im Umgang mit dem Flüchtlingsnotstand allein gelassen gefühlt haben, scheint sich alles geändert zu haben. (...) POLARIS / / Polaris, 05211219
Wir sind stolz auf die Art, in der in Österreich und Deutschland sowie in anderen Ländern die Flüchtlinge aufgenommen worden sind. Wir Italiener ... POLARIS / / Polaris, 05211228
... tun das bereits seit Monaten. Und wir werden nicht müde werden, diejenigen zu retten, die Europa als mögliche Zukunft betrachten.» POLARIS / / Polaris, 05211215
Weiter sprach sich die italienische Politik für die Schaffung eines gemeinsamen Asylrechts in der EU aus. POLARIS / / Polaris, 05211210
Die derzeitige Präsidentin der italienischen Abgeordnetenkammer arbeitete bis 2012 für das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR. «Etwa 60 Millionen Menschen weltweit müssen fliehen ... POLARIS / / Polaris, 05211201
... und können nicht mehr ihr Recht wahren, zu Hause in Sicherheit bleiben zu dürfen», sagte Laura Boldrini; der FAZ. POLARIS / / Polaris, 05211207 Boldrini wehrte sich gegen die Kritik, Italien halte im Umgang mit den Flüchtlingen EU-Regeln nicht ein: «Es fällt den Beamten oft schwer, den Migranten zum Beispiel Fingerabdrücke abzunehmen. Weil diese Menschen ... POLARIS / / Polaris, 05211200
... nicht in Italien bleiben wollen, leisten sie Widerstand, und man sollte sie nicht mit Gewalt zwingen. Ich habe das selbst gesehen: Frauen, die vor Beamten auf den Boden gingen ... POLARIS / / Polaris, 05211217
... und ihre Hände verkrallten, um Ihre Fingerabdrücke nicht abnehmen zu lassen. Nicht wenige Migranten haben ihre Fingerkuppen ... POLARIS / / Polaris, 05211213
... mit Säure behandelt, um die Abnahme von Fingerabdrücken zu verhindern.» POLARIS / / Polaris, 05211208
Ihre Landsleute würden mit der Situation noch gelassen umgehen, attestiert die Politikerin ihren Landsleuten. «Im Süden, ... POLARIS / / Polaris, 05211206
... vor allem in Sizilien und Kalabrien, ist die Auswanderung lebendige Erfahrung oder wache Erinnerung. Viele wissen, wie es ihren Verwandten ... POLARIS / / Polaris, 05211209
... in den Vereinigten Staaten, Lateinamerika oder Europa als Fremde erging.» POLARIS / / Polaris, 05211192
Europa muss also zusammenhalten: Länder wie Italien oder Griechenland dürfen nicht allein gelassen werden. POLARIS / / Polaris, 05211220
Man kann nur beten, dass sich die Politiker schnell einigen. POLARIS / / Polaris, 05211212
Damit es Bilder solcher überfüllten Boote vom Mittelmeer nicht mehr gibt. (Wenn du willst, kannst du diese Bildstrecke hier teilen). POLARIS / / Polaris, 05211188
Das könnte dich auch interessieren: