Aktuelle Themen:

Schweizer Grenzsoldaten wegen Totgeburt nach Rückschaffung verurteilt

Publiziert: 10.05.21, 11:55 Aktualisiert: 10.05.21, 13:36

Die Militärjustiz hat drei Grenzsoldaten zu bedingten Geldstrafen verurteilt, nachdem eine Syrerin bei einer Abschiebung im Sommer 2014 eine Fehlgeburt erlitten hatte. Sie hätten Zivilcourage zeigen und gegen den Willen ihres Vorgesetzten eine Ambulanz rufen müssen, urteilten die Richter.

Zwei Strafbefehle seien am 22. Februar und einer am 25. März von der Militärjustiz erlassen worden, sagte ein Sprecher der Institution am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Den drei Grenzsoldaten wurde demnach die Verletzung von Dienstvorschriften sowie fahrlässige einfache Körperverletzung durch Unterlassen vorgeworfen.

Die Verurteilten wurden zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen mit einer Probezeit von 2 Jahren verurteilt, wie der Sprecher sagte. Die Tagessätze für die Strafbefehle vom Februar betragen 100 Franken, jene vom März 200 Franken.

Chef bereits verurteilt

Der Chef der drei Grenzschützer war bereits 2018 wegen fahrlässiger sowie einfacher Körperverletzung und wegen des Nichtbefolgens von Dienstvorschriften zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen à 150 Franken verurteilt worden. Vom Vorwurf der versuchten Tötung sprach das Militärappellationsgericht den damals 58-Jährigen aber frei.

Das Schweizerische Grenzwachtkorps hatte am 4. Juli 2014 den Auftrag erhalten, eine Flüchtlingsgruppe von Vallorbe VD nach Domodossola (I) zurückzuführen. Den 36 Syrerinnen und Syrern, die im Nachtzug von Mailand nach Paris sassen, war zuvor an der schweizerisch-französischen Grenze von der französischen Grenzpolizei die Weiterreise untersagt worden.

Bei der Rückschaffung musste die Gruppe am Bahnhof Brig rund zweieinhalb Stunden warten, bis sie Platz in einem Zug fand. In dieser Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand einer schwangeren Syrerin zusehends. Am Ende musste die von Schmerzen geplagte Syrerin gar in den Bahnwagen getragen werden.

In Domodossola brachte sie einen nicht mehr lebenden Fötus durch eine Spontangeburt zur Welt. Gemäss medizinischem Gutachten war der Fötus schon vor dem Aufenthalt in Brig tot. (aeg/sda)

Syrien: Der vergessene Krieg

Belagertes Homs: Die drittgrösste Stadt Syriens liegt in Trümmern. X03126 / YAZAN HOMSY
Bomben der syrischen Regierung: Ein Syrier bringt sich in Sicherheit. AP/Coordination Committee In Kfar Takharim / HOEP
Aleppo, 26. Februar 2014: Luftangriff durch die syrische Regierung. Mindestens vier Menschen sterben. EPA/EPA / ALI MUSTAFA
Das Flüchtlingscamp Yarmouk in der Nähe der Hauptstadt Damaskus wird seit Jahren von wechselnden Milizen belagert. AP SANA / UNCREDITED
Am meisten leiden die Frauen und Kinder: Palästinensische Flüchtlinge warten darauf, das Camp zu verlassen. AP/SANA / Uncredited
Der 40-Jährige Abu Mazen verlor beide Beine bei einem Beschuss durch Assad-treue Streitkräfte. X03292 / BASSAM KHABIEH
Camp Yarmouk im Januar 2014: Hunderte palästinensische Flüchtlinge stehen für Nahrungsmittel an. AP/UNRWA / Uncredited
Der Krieg wird hart geführt: Eine Hilfsorganisation stellt Prothesen bereit. X03292 / BASSAM KHABIEH
Aleppo: Zivilisten versuchen nach dem Bombenangriff ein Haus zu löschen. EPA/EPA / ALI MUSTAFA
Homs – eine Stadt in Trümmern. X80002 / STRINGER
Vom Tattoo-Künstler zum FSA-Kämpfer. X80002 / STRINGER

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben