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Dieses Bild zeigt SARS-CoV-2 (gelb), das Virus, das COVID-19 verursacht. Bild: EPA

Was wir alles noch nicht wissen – sieben offene Fragen zum Coronavirus

Die Coronaforschung läuft auf Hochtouren. Noch sind viele Fragen offen, vor allem bezüglich Immunität.

Publiziert: 12.05.20, 10:32 Aktualisiert: 12.05.20, 10:33
Christoph Bopp / CH Media

Eine Viruserkrankung ist kein momentaner Akt, der zu einem bestimmten Zeitpunkt stattfindet. Sondern eine Interaktion zwischen dem Virus und dem Immunsystem, die lange dauern kann. Was die «technische Seite» des Virus betrifft, wissen wir recht gut Bescheid. Wir haben es genetisch sequenziert, wir kennen seine phylogenetische Geschichte (wie es entstand), wir wissen recht gut, wie es molekularbiologisch funktioniert.

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Was wir weniger gut kennen, sind die Antworten des Immunsystems. Weil die nicht sofort erfolgen, sondern Zeit brauchen.

Kann man sich zweimal anstecken?

Dass es Personen gibt, welche Covid-19 überstanden haben, beweist, dass unser Immunsystem mit dem Erreger zurechtkommt. Ob ein genesener Patient jetzt dauerhaft gegen die Krankheit geschützt ist, wissen wir noch nicht. Geschichten von wiederangesteckten Patienten sind mit Vorsicht zu geniessen. Man weiss, dass sich Virenbestandteile (RNA) sehr lange (bis zu zwei, drei Wochen) nach der Genesung im Körper halten und auf den Gen-Test reagieren. Ob man nochmals krank werden oder jemanden anstecken kann, ist aber nicht erwiesen.

Ist man nach einer Genesung immun?

Es gibt bis jetzt 7 Betacoronaviren, die den Menschen infizieren können. Nur die letzten drei (Sars-1 und Sars-2 und Mers) lösen ernste Krankheiten aus. Die anderen sind nach den Rhinoviren die häufigsten Erreger für Schnupfen. Bei allen, die bisher aufgetreten sind, wurden nach der Infektion Antikörper im Blut gefunden. Die Genesenen wurden immun. Per Analogieschluss nimmt man an, dass das auch bei Sars-CoV-2 der Fall sein wird. 99 Prozent der Covid-19-Patienten entwickelten Antikörper, einige allerdings nur ganz wenige. Immerhin hat ein ­Affenversuch ergeben, dass die Tiere nach einer ersten Infektion gegen eine zweite Ansteckung geschützt waren und keine Symptome mehr entwickelten.

Wie lange hält die Immunität?

Gegen Masern ist man ein Leben lang immun. Andere Viren verursachen überhaupt keine Immunität, man kann sich die gleiche Erkältung sogar mehrmals im gleichen Winter holen. Bei Sars- und Mers-Patienten liessen sich Antikörper zwei bis drei Jahre nach der Ansteckung noch im Blut nachweisen. Die harmlosen Coronaviren verur­sachen ebenfalls Immunität, allerdings für nicht sehr lang: Bei OC43 und HKU1 hielt die Immunität 40 bis 45 Wochen maximal. Wie lange eine Sars-CoV-2- Immunität halten wird, wissen wir nicht. Das wird man dann sehen.

Gibt es eine Teilimmunität?

Das Immunsystem des Körpers ist mehrstufig und vielseitig. Je nachdem, wo das Virus angreift, fällt die Antwort verschieden aus. Das kann zu Teil­immunitäten führen, die auch verschieden lange dauern können.

Gibt es verschieden lange Immunitäten?

Manchmal verschwinden die Antikörper auch aus dem Blut, die Immunität hält aber an. Dann haben sogenannte Gedächtniszellen die Aufgabe übernommen, sofort zu reagieren, wenn ein Virus auftaucht. Es gibt B- und T-Gedächtniszellen. Die B-Zellen produzieren dann Antikörper, Proteinmoleküle, welche das Virus umhüllen und unschädlich machen; die T-Zellen sorgen dafür, dass infizierte Zellen sterben. Das ist bei Sars der Fall. Die Antwort der B-Zellen, die auf das N-Protein, das die Viren-RNA umhüllt, reagieren, hält aber weniger lang an.

Warum bei manchen Erregern Gedächtniszellen entstehen, bei andern nicht, ist ungeklärt. Die Dauer der Immunität könnte auch mit der Heftigkeit der Erkrankung zusammenhängen. Weil bei leichten Symp­tomen keine Spuren im Immun­gedächtnis zurückbleiben. Die meisten Studien bei Sars-1 und Sars-2 haben sich mit schwer erkrankten hospitalisierten Patienten beschäftigt.

Woran stirbt man?

Sars-CoV-2 verursacht schwere Lungenentzündungen. Wenn die Lunge den Körper nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgen kann, stellt sich Organversagen ein. Viele Covid19-Opfer sterben an Herz-Kreislauf-Stillstand. Das Virus kann aber auch andere Organe angreifen. Der ACE2-Rezeptor ist nicht nur in der Lunge vorhanden. Zu Beginn der Epidemie verzichtete man weitgehend auf Autopsien. Pathologen haben dann darauf hingewiesen, dass viele Patienten an Thrombosen und (Lungen-)Embolien verstorben sind. Das kann bedeuten, dass das Virus auch die Blutgerinnung beeinflusst. Mit Blutverdünnern hätten manche Patienten vielleicht gerettet werden können.

Wie kontrolliet man die heftigen Immunreaktionen?

Krankheitssymptome wie Fieber sind Alarmsignale, welche das angeborene Immunsystem auslöst. Die angeborene Immunabwehr verursacht lokal eine Entzündung, um Hilfe aus dem Körper anzufordern. Zytokine, die Botenstoffe, werden manchmal zu viele gebildet. Es kommt dann zu einem sogenannten «Zytokinsturm». Das Immunsystem schaukelt sich selbst auf, indem Zytokine auch Immunzellen angreifen. Das Problem ist dann nicht mehr die Virenabwehr, sondern das eigene Immunsystem. Eine erfolg­reiche Therapie muss auch die Immun­abwehr kontrollieren. Das gilt auch für eine Impfung.

Das Coronavirus in den USA

Die Coronakrise hat die USA voll erwischt und die Schwachstellen des vermeintlich mächtigsten Landes der Welt schonungslos aufgedeckt. EPA / EUGENE GARCIA
Die Basketballliga NBA schickt während des All-Star-Weekends am 14. Februar eine Solidaritätsbotschaft nach Wuhan. Zu jenem Zeitpunkt ahnt kaum jemand, wie schlimm es die USA treffen wird. EPA / NUCCIO DINUZZO
Präsident Donald Trump besucht am 6. März das Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention in Atlanta. Er hatte das Coronavirus lange verniedlicht und die Krise heruntergespielt. AP / Alex Brandon
Am 7. März verhängt Gouverneur Andrew Cuomo den Notstand über den Bundesstaat New York. Die Metropole New York City wird schrittweise in den Stillstand versetzt. AP / John Minchillo
Die «City that never sleeps» wirkt wie ausgestorben. Selbst auf dem Times Square ist nichts los. AP / Seth Wenig
In der sonst so geschäftigen Grand Central Station herrscht gähnende Leere. AP / Frank Franklin II
Die Theater am Broadway müssen zum ersten Mal in ihrer Geschichte schliessen. AP / Kathy Willens
Am 11. März teilt Hollywoodstar Tom Hanks mit, er und seine Frau Rita Wilson seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. AP / Jordan Strauss
Die Zahl der Corona-Tests ist von Anfang an ein grosses Problem. Ein erster selbst entwickelter Test erweist sich als fehlerhaft. Mit der Zeit entstehen überall mobile Testzentren, wie hier in Bolinas (Kalifornien). EPA / JOHN G. MABANGLO
Eine Motorradfahrerin mit Maske am südlichsten Punkt der USA in Key West (Florida). Noch im März vergnügten sich zahlreiche Jugendliche am Spring Break an den Stränden im Sunshine State. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Ein Wandbild in Seattle mahnt zum Abstandhalten. Die Wirtschaftsmetropole an der Westküste ist einer der ersten Corona-Hotspots in den USA. AP / Elaine Thompson
Ein grosses Problem ist der Mangel an Schutzmaterial. Eine aus Freiwilligen bestehende Organisation in Alameda (Kalifornien) sammelt unter anderem T-Shirts, um daraus Schutzkleidung zu fabrizieren. EPA / JOHN G. MABANGLO
Etwas Humor darf auch sein: Ein Bäcker in Chicago kreiert eine Torte in Gestalt einer Rolle Toilettenpapier. AP / Nam Y. Huh
Der Immunologe Anthony Fauci wird in der Coronakrise zur Stimme der Vernunft und bildet damit den Kontrast zum irrlichternden Präsidenten. AP / Evan Vucci
Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen des Virus schickt die Börsenkurse weltweit auf Talfahrt. Inzwischen haben sie in der Hoffnung auf eine rasche Erholung einen grossen Teil der Verluste wettgemacht. AP / Richard Drew
Dagegen spricht der rasante Anstieg der Arbeitslosigkeit. Seit März haben 33 Millionen Amerikaner den Job verloren. Und die Arbeitsämter kommen mit der Bearbeitung der Anträge nicht nach. EPA / CRISTOBAL HERRERA
Mit der Arbeitslosigkeit nimmt die Nachfrage nach Lebensmittelhilfe stark zu. Vor den Food Banks wie hier in San Antonio (Texas) warten selbst schicke Autos im Stau. EPA / LARRY W. SMITH
Am schlimmsten von der Krise getroffen bleibt New York. Teilweise müssen die Körper toter Covid-Patienten in Kühllastern gelagert werden, weil in den Leichenhallen nicht genug Platz ist. EPA / JUSTIN LANE
Im Central Park wird ein notfallmässiges Feldspital mit Zelten errichtet. EPA / JUSTIN LANE
Zur Entlastung der Spitäler schickt die Navy das Lazarettschiff «Comfort» nach New York. EPA / Peter Foley
Trauerfeier mit Masken und Sicherheitsabstand für ein Covid-19-Opfer in New Orleans. Schwarze sind von der Pandemie überdurchschnittlich stark betroffen. AP / Gerald Herbert
Mit zunehmender Dauer der Krise verlangen immer mehr Menschen ein Ende des Lockdown. Besonders heftig sind die Proteste im Bundesstaat Michigan gegen Gouverneurin Gretchen Whitmer. AP / Paul Sancya
Unter den Demonstranten wie hier in Maryland sind viele Fans von Donald Trump. Der um seine Wiederwahl fürchtende Präsident schürt die Proteste via Twitter. EPA / MICHAEL REYNOLDS
Einige von der Republikanern regierte Bundesstaaten beginnen Ende April mit der Lockerung. Ein besonders forsches Tempo legt Georgia vor, wo auch Restaurants wieder öffnen dürfen. EPA / ERIK S. LESSER
Ein Wandgemälde in Los Angeles dankt dem Spitalpersonal. Bis Anfang Mai sind mehr als 70'000 Personen in den USA an Covid-19 gestorben, und eine interne Prognose der Regierung rechnet mit 135'000 Toten bis August. EPA / ETIENNE LAURENT

So freuen sich die Berner über die Wiedereröffnung

Video: watson

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