«Costa Concordia»-Tragödie: Bleibt Ex-Kapitän ein freier Mann?
Wie weiter mit Capitano Schettino?
Bild: EPA
Kommt der Ex-Kapitän der havarierten «Costa Concordia» fünf Jahre nach dem Unglück nun ins Gefängnis oder nicht? In Rom könnte dazu am Freitag der entscheidende Richterspruch fallen.
Mehr als fünf Jahre ist es her, dass der Luxusliner «Costa Concordia» vor der toskanischen Küste kenterte. Und noch immer ist der Ex-Kapitän Francesco Schettino auf freiem Fuss.
Costa Concordia: die besten Zitate von und über Capitano Schettino
«Auf dem Schiff komme ich als Kommandant gleich nach Gott.» (Schettino über seine Position an Bord) EPA/ANSA / MAURIZIO DEGL'INNOCENTI
«Wir haben bloss ein technisches Problem. Sobald wir es gelöst haben, werden wir Sie kontaktieren.» (Schettino in einem Telefonat mit der Hafenaufsicht während des Unglücks) X90015 / ALESSANDRO BIANCHI
«Wir sind auf eine Untiefe geprallt, das Schiff hat sich geneigt, ich mache aber gerade ein gutes Manöver, ... alles unter Kontrolle.» (Schettino in einem Gespräch mit seiner Frau, während das Kreuzfahrtschiff evakuiert wurde) X90010 / STRINGER/ITALY
«Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen.» (Schettino rechtfertigt sich, dass er die Evakuierung an Bord nicht koordiniert hat) X80001 / HANDOUT
«Ich bin gestrauchelt und lag plötzlich zusammen mit den Passagieren im Boot.» (Schettino zum Vorwurf, dass er so früh von Bord gegangen ist) EPA/ANSA / IL GOLFO
«Ich bin als Fachmann eingeladen worden, ich weiss, wie man sich in solchen Fällen verhält.» (Schettino bei einem Referat über Panikmanagement an der römischen Sapienza-Universität) X00122 / PAUL HANNA
«Ich wollte drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.» (Schettino zum Grund, dass er so nahe an die Insel Giglio gefahren ist: Um einem Schiffskellner und einem Offizier von Giglio einen Gefallen zu tun und um den Passagieren an Bord ein Spektakel zu bieten) X90015 / ALESSANDRO BIANCHI
«Vada a bordo, cazzo.» (Deutsch ungefähr: Gehen Sie an Bord, verdammte Scheisse. Das Zitat stammt vom Offizier der Küstenwache, Gregorio Maria De Falco, der versucht, Schettino nach dem Unglück zur Rückkehr an Bord zu überreden. Der Spruch ist im Italienischen zum geflügelten Wort geworden.) X90029 / TONY GENTILE
«Er ist von Bord gegangen, ohne sich auch nur die Schuhsohlen nass zu machen.» (Staatsanwalt Alessandro Leopizzi in seinem Schluss-Plädoyer) X80001 / HANDOUT
«Er ist kein Irrer, der auf dem Meer herumfährt und Felsen zum Umschiffen sucht.» (Schettinos Anwalt Donato Laino bei seinem Schluss-Plädoyer) X90039 / MAX ROSSI
«An diesem 13. Januar 2012 bin auch ich zum Teil gestorben. […] Es ist schwierig, das ein Leben zu nennen, was ich lebe.» (Schettino am 11. Februar 2014 bei seiner letzten Erklärung vor der Urteilsverkündung. An deren Ende brach er in Tränen aus.) AP/AP / Gregorio Borgia
Richter am höchsten Gericht Italiens könnten am Freitag im Berufungsprozess gegen Schettino ihr Urteil fällen – und damit auch entscheiden, ob der als «Kapitän Feigling» verspottete Schettino mehr als 16 Jahre hinter Gitter muss.
Berufung eingelegt gegen Urteil
Im Februar 2015 war Schettino wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Er hatte das Schiff mit mehr als 4000 Passagieren im Januar 2012 zu nah an eine Insel gesteuert, 32 Menschen starben.
Die Staatsanwaltschaft hatte mit einem Plädoyer für 26 Jahre Haft eine deutlich höhere Strafe für Schettino gefordert, der nach dem Unglück in einem Rettungsboot die «Costa Concordia» verlassen hatte, obwohl noch Menschen an Bord waren.
Nachdem Staatsanwaltschaft und Verteidigung Berufung eingelegt hatten, kam der Fall im Mai 2016 vor das Berufungsgericht in Florenz. Die Richter bestätigten das Urteil. Doch Schettino zog in eine weitere Instanz – und auch die Staatsanwaltschaft legte erneut Berufung ein.
Neuverhandlung oder Gefängnis
Sollten die Richter des Obersten Kassationsgerichtshofs in Rom nun Rechtsfehler in dem Fall feststellen, könnte neu verhandelt werden. Oder aber sie bestätigen das Urteil, dann müsste Schettino ins Gefängnis.
Einer von Schettinos Anwälten hatte sich zum Auftakt des Berufungsprozesses am 20. April zuversichtlich gezeigt, dass der Prozess zugunsten Schettinos ausgehe – angesichts «zahlreicher Verstösse».
Ob Schettino bei der für Freitag erwarteten Verhandlung dabei sein wird, ist nicht bekannt. Das Kassationsgericht ist die letzte Instanz in dem Verfahren. (sda/dpa)
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