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Geisterspiele in der National League

Es kann nur eine Lösung geben: «Am Dienstag geht es los mit Playoffs ohne Zuschauer»

Die Eishockey-Klubs der National League und der Swiss League stecken im Dilemma. Playoffs vor leeren Zuschauerrängen sind ein emotionales und vor allem finanzielles Debakel. Aber der Druck der TV-Rechteinhaber wird sie dazu zwingen, dass die Meisterschaftsentscheidung in Angriff genommen wird.

Publiziert: 10.03.20, 14:53 Aktualisiert: 10.03.20, 14:54
Marcel Kuchta / ch media

Geisterspiele sind schlecht. Darüber gibt es keine zwei Meinungen. Der Autor dieser Zeilen hat selber im Stadion erlebt, wie sich der EHC Olten vor leeren Zuschauerrängen und entsprechend ohne Emotionen aus den Playoffs verabschiedet hat. Es ist surreal. Es ist traurig. Es raubt dem Sport seinen ganzen Zauber. Wenn sich die Spieler während der Partie beim Schiedsrichter-Inspektor auf der Tribüne über die Leistung der Unparteiischen auf dem Eis beschweren können, dann sagt das eigentlich alles aus über die Absurdität. Das kann niemand wollen.

Aber eben: Dass Geisterspiele schlecht sind und um jeden Preis verhindert werden sollten, ändert nichts an der Tatsache, dass es für die bis am 15. März unterbrochene Schweizer Eishockey-Meisterschaft eine Lösung braucht. Eine möglichst pragmatische. Oder anders ausgedrückt: Die am wenigsten schlechte. Wie die aussieht, darüber werden sich die Verantwortlichen der National- und der Swiss-League-Teams heute in Bern den Kopf zerbrechen.

Marc-Antoine Pouliot bejubelt einen Treffer mit den Teamkollegen – aber ohne Fans. Bild: KEYSTONE

Ein toxischer Cocktail

Dass sich die Klubs dagegen wehren, dass die Playoffs, die schönste Eishockey-Zeit des Jahres, unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, ist natürlich nachvollziehbar. Die fehlenden Emotionen sind dabei der Faktor, der die kleinste Rolle spielt. Es geht natürlich letztlich einzig und allein ums Geld. Fehlende Zuschauer- und Cateringeinnahmen, gleichzeitig Stadionmieten, drohende Erfolgsprämien und sonstige Verpflichtungen: Das ist ein toxischer Cocktail für jede professionelle Sportorganisation. Logisch also, wollen die betroffenen Klubs den Schaden so gering wie möglich halten. Für sie wäre ein Meisterschaftsabbruch die beste Lösung.

Bei «MySports» ist man auf die Playoffs angewiesen. Bild: KEYSTONE

Auf der anderen Seite stehen die TV-Sender. MySports (bzw. UPC) bezahlt pro Saison 35 Millionen Franken für die Fernsehrechte. Ausgerechnet jetzt, wenn es nach dem ewigen Qualifikations-Vorgeplänkel um die sportliche Wurst geht, bleiben die Bildschirme schwarz. Oder man sucht verzweifelt nach Ersatzformaten, überträgt Schneckenrennen (!) und diskutiert über alles andere als das, was eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte: Der Sport.

Logisch also, wird der Druck vonseiten der Rechteinhaber täglich grösser. Es gilt: Wer zahlt, befiehlt. Deshalb kann es auf die Frage, wie es mit der Meisterschaft weitergeht, nur eine Antwort geben: Ab nächsten Dienstag geht es los. Playoffs unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Aber immerhin am TV.

Die Klubs werden diese Lösung wohl oder übel schlucken müssen. Wobei man gespannt sein darf, wie kreativ man mit der Situation umgeht. Das nächste grosse Dilemma, welches sich abzeichnet, ist nämlich ein ganz perfides: Je länger man in den Playoffs involviert ist, umso teurer wird es. Im Extremfall kann der «Geistertitel» eine Organisation an den Rand des Ruins treiben. Das ist absurd. Aber es passt zu einer Situation, in der es nur schlechte Lösungen gibt.

Und: Was passiert, wenn in einem der Playoff-Teams ein Corona-Fall auftaucht? Dann ist wohl sowieso alles Makulatur und die Meisterschaft am Ende.

Alle Schweizer Eishockey-Meister seit Einführung der Playoffs 1985/86

2021: EV Zug, Finalserie: 3:0 gegen Servette-Genf. keystone / ENNIO LEANZA
2020: Kein Meister, die Meisterschaft wurde wegen der Coronavirus-Pandemie abgesagt. KEYSTONE / WALTER BIERI
2019: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen den EV Zug. KEYSTONE / ALEXANDRA WEY
2018: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen den HC Lugano. KEYSTONE/TI-PRESS / DAVIDE AGOSTA
2017: SC Bern, Finalserie: 4:2 gegen den EV Zug. KEYSTONE / ENNIO LEANZA
2016: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen HC Lugano. TI-PRESS / GABRIELE PUTZU
2015: HC Davos, Finalserie: 4:1 gegen ZSC Lions. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
2014: ZSC Lions, Finalserie: 4:0 gegen Kloten (Bild: Mark Bastl stemmt Pokal). KEYSTONE / ENNIO LEANZA
2013: SC Bern, Finalserie: 4:2 gegen Fribourg. KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2012: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen Bern (Bild: Ari Sulander stemmt Pokal). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2011: HC Davos, Finalserie: 4:2 gegen Kloten. KEYSTONE / PATRICK B. KRAEMER
2010: SC Bern, Finalserie: 4:3 gegen Servette (Bild: Pascal Berger stemmt den Pokal in die Höhe). KEYSTONE / PETER KLAUNZER
2009: HC Davos, Finalserie: 4:3 gegen Kloten. PHOTOPRESS / WALTER BIERI
2008: ZSC Lions, Finalserie: 4:2 gegen Servette (Bild: Mathias Seger, Adrian Wichser und Ryan Gardner (v. l.). KEYSTONE PHOTOPRESS / ALESANDRO DELLA BELLA
2007: HC Davos, Finalserie: 4:3 gegen Bern. PHOTOPRESS / ARNO BALZARINI
2006: HC Lugano, Finalserie: 4:1 gegen Davos (Bild: Sandy Jeannin mit Pokal und Assistenztrainer Ivano Zanatta (vorne)). PHOTOPRESS / KARL MATHIS
2005: HC Davos, Finalserie: 4:1 gegen die ZSC Lions (Bild: Michel Riesen, Joe Thornton (vorne von links), Rick Nash, Andrea Häller und Sandro Rizzi (hinten von links). KEYSTONE / EDDY RISCH
2004: SC Bern, Finalserie: 4:1 gegen Lugano (Bild: Rolf Schrepfer, Marc Leuenberger und Thomas Ziegler (von rechts)). KEYSTONE / EDI ENGELER
2003: HC Lugano, Finalserie: 4:2 gegen Davos (Bild: André Rötheli, Patrick Sutter, Sandro Bertaggio (von links)). KEYSTONE / EDDY RISCH
2002: HC Davos, Finalserie: 4:0 gegen die ZSC Lions. KEYSTONE / WALTER BIERI
2001: ZSC Lions, Finalserie: 4:3 gegen Lugano (Bild: Michael Zeiter mit Pokal). KEYSTONE / STEFFEN SCHMIDT
2000: ZSC Lions, Finalserie: 4:2 gegen Lugano (Bild: Mathias Seger (r.)). KEYSTONE / WALTER BIERI
1999: HC Lugano, Finalserie: 4:1 gegen Ambrì (Bild: Trainer Jim Koleff (l.)). KEYSTONE / KARL MATHIS
1998: EV Zug, Finalserie: 4:2 gegen Davos. KEYSTONE / MICHELE LIMINA
1997: SC Bern, Finalserie: 3:1 gegen Zug (Bild: Captain Roberto Triulzi). TISCHLER/LIMINA
1996: EHC Kloten, Finalserie: 3:0 gegen Bern. KEYSTONE / STR
1995: EHC Kloten, Finalserie: 3:1 gegen Zug (Bild: Roman Wäger (l.) und Felix Hollenstein). KEYSTONE / STR
1994: EHC Kloten, Finalserie: 3:1 gegen Fribourg (Bild: Felix Hollenstein (Mitte), Roman Wäger (r.)). KEYSTONE / STR
1993: EHC Kloten, Finalserie: 3:0 gegen Fribourg. KEYSTONE / STR
1992: SC Bern, Finalserie: 3:2 gegen Fribourg. KEYSTONE / EDI ENGELER
1991: SC Bern, Finalserie: 3:1 gegen Lugano (Bild: Bern-Goalie Renato Tosio). KEYSTONE / STR
1990: HC Lugano, Finalserie: 3:1 gegen Bern. KEYSTONE / STR
1989: SC Bern, Finalserie: 3:2 gegen Lugano. KEYSTONE / KARL MATHIS
1988: HC Lugano, Finalserie: 3:0 gegen Kloten (Bild: Captain Kenta Johansson). KEYSTONE / STR
1987: HC Lugano, Finalserie: 3:0 gegen Kloten (Bild: die Lugano-Spieler Beat Eggimann, Alfred Luethi, Andy Ton und Bernasconi). KEYSTONE / KARL MATHIS
1986: HC Lugano, Finalserie: 2:0 gegen Davos (Bild: Lugano-Captain Beat Kaufmann). KEYSTONE / STR

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