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Ex-Imam der Winterthurer Moschee auch vom Obergericht verurteilt

Publiziert: 30.11.18, 12:29 Aktualisiert: 30.11.18, 13:57

Das Zürcher Obergericht hat den ehemaligen Vorbeter der Winterthurer An'Nur-Moschee am Freitag zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Der 26-jährige Äthiopier wird zudem für zehn Jahre des Landes verwiesen. Damit wird das Urteil des Winterthurer Bezirksgerichts bestätigt.

Die Befragung des Ex-Imams der Winterthurer An'Nur-Moschee war am Freitagmorgen nach einer halben Stunde bereits vorbei. Der 26-jährige Äthiopier, der wegen Hasspredigten und der Verbreitung von «IS»-Gewaltdarstellungen angeklagt ist, verweigerte vor dem Zürcher Obergericht jegliche Aussage.

Archivbild: der 26-jährige Imam vor Bezirksgericht am 23. November 2017. Bild: KEYSTONE

Er habe den Behörden schon zu einem früheren Zeitpunkt alles erzählt, sagte der Beschuldigte in der Befragung. Es gebe deshalb nichts mehr zu sagen. Der 26-Jährige wollte nicht einmal Angaben zu seinem Geburtsort machen. Er lasse lieber seinen Verteidiger reden. Dieser fordert für ihn einen Freispruch sowie eine Entschädigung.

Sitzt in Ausschaffungshaft

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte den tiefgläubigen Muslim vor einem Jahr zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einem zehnjährigen Landesverweis, der wegen des Weiterzugs ans Obergericht aber noch nicht vollzogen wurde. Der Beschuldigte sitzt aber bereits im Zürcher Flughafengefängnis in Ausschaffungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Oktober 2016 eine Hasspredigt in der An'Nur-Moschee gehalten zu haben. Er rief dazu auf, Muslime die nicht in Gemeinschaft beten, zu meiden, zu verleumden und in ihren Häusern zu verbrennen. Bestraft werden sollten auch jene, die nicht fünf Mal am Tag beten.

Predigt aus dem Internet

Auf Facebook teilte er zudem Aufnahmen von «IS»-Gräueltaten. Auf den Videos und Bildern sind Leichen und abgetrennte Gliedmassen zu sehen, darunter etwa ein abgetrennter Kopf in einem Kochtopf.

Der amtliche Verteidiger argumentierte beim erstinstanzlichen Prozess, dass sein Mandant keinerlei vertiefte Koran-Kenntnisse habe. Die Predigt habe er mit Textbausteinen aus dem Internet zusammengestellt. Dass der junge Mann, ein «ahnungsloser Asylbewerber», ins Visier der Ermittler geriet, begründete der Anwalt mit dem öffentlichen Druck. (whr/sda)

Razzia in Winterthurer Moschee

Am frühen Mittwochmorgen (2. November 2016) hat die Kantonspolizei Zürich zusammen mit der Stadtpolizei Winterthur die An'Nur-Moschee in Winterthur durchsucht. KEYSTONE / WALTER BIERI
Der Medienandrang war gross. (Bild: watson)
Im Rahmen einer öffentlichen Predigt in der An'Nur Moschee soll ein äthiopischer Imam zum Mord an Muslimen aufgerufen haben, die sich weigern, an den gemeinsamen Gebeten in der Moschee teilzunehmen. KEYSTONE / WALTER BIERI
Bei drei Personen aus dem näheren Umfeld der Moschee wurden ebenfalls Hausdurchsuchungen durchgeführt. (Bild: watson)
Insgesamt acht Personen wurden verhaftet. Darunter der Imam, der Präsident des Vereins und ein ehemaliges Vorstandsmitglied. KEYSTONE / WALTER BIERI
Vier Personen wurden von der Kantonspolizei wegen Verdachts auf Verstösse gegen das Ausländergesetz festgenommen. KEYSTONE / WALTER BIERI
Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass die An'Nur-Moschee voraussichtlich Ende Jahr schliessen muss. KEYSTONE / WALTER BIERI
Die Vermieter lassen den Vertrag mit dem umstrittenen Gotteshaus auslaufen, und der Islamverein findet keine neuen Räume. KEYSTONE / WALTER BIERI
Die Moschee im Winterthurer Stadtteil Hegi geriet mehrmals wegen mutmasslicher Radikalisierung von Jugendlichen in die Schlagzeilen. KEYSTONE / WALTER BIERI
Mehrere Jugendliche waren nach Syrien gereist und hatten sich der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») angeschlossen. Alle sollen in der An'Nur-Moschee (Arabisch für «das Licht») radikalisiert worden sein. KEYSTONE / WALTER BIERI

«Historisches Verbrechen»

Video: watson/Nico Franzoni

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