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Handys machen klassische Kameras überflüssig – so schlimm sieht die Situation aus

Weil Smartphones immer bessere Fotos ermöglichen, geht die Nachfrage nach klassischen Kameras seit Jahren massiv zurück. Nun hat ein erster Traditionshersteller aufgegeben. Weitere könnten folgen.

Publiziert: 26.06.20, 18:04 Aktualisiert: 27.06.20, 14:51

2021 hätte für Olympus ein grosses Jahr werden können. Dann hätte sich die Vorstellung der ersten Kamera des Traditionsherstellers zum 85. Mal gejährt. Eine beachtliche Zahl, die man durchaus mit einem Jubiläum hätte feiern können. Dazu kommen wird es nicht. Stattdessen gibt Olympus das Kamerageschäft nach 84 Jahren auf.

Bild: keystone

Damit verabschiedet sich nach Kodak ein weiterer grosser Name aus dem Kamerageschäft. Doch während Kodak einfach den Wechsel zu Digitalkameras verschlafen hat, fällt Olympus einer Technologie zum Opfer, mit der alle Hersteller gleichermassen zu kämpfen haben: Smartphones.

Verkaufszahlen sind eingebrochen

Seit die schlauen Telefone das Licht der Welt erblickt haben, machen sie der Kamerabranche das Leben schwer. Spätestens ab 2010 gingen die Kameraabsätze beinahe Jahr für Jahr drastisch zurück. So schrumpften die Verkaufszahlen von weltweit 121,5 Millionen Stück im Jahr 2010 auf gerade einmal noch 15,2 Millionen im Jahr 2019. Von Verkaufszahlen wie Apple, die in drei Monaten zwischen 40 und 70 Millionen iPhones absetzen, können die Kamerahersteller nur träumen.

Von 2010 bis 2019 ist der Verkauf von Kameras um 87 Prozent zurückgegangen. Bild: watson | quelle daten: statista

Wie disruptiv Smartphones für den Kameramarkt sind, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Noch 2006 herrschte in der Branche Aufbruchstimmung. Das digitale Fotozeitalter versprach hohe Profite und lockte so auch grosse Elektronikkonzerne an. Sony verleibte sich Minolta ein und startete seine bis heute erfolgreiche Alpha-Reihe. Auch Panasonic und Samsung versuchten sich, als Kamerahersteller zu etablieren. Inzwischen hat Samsung eingesehen, dass die Zukunft bei Smartphone-Kameras liegt und sich aus dem Markt zurückgezogen. Panasonic ist zwar noch aktiv, lässt seine Anhänger aber seit rund anderthalb Jahren auf eine neue Kamera warten.

Auch «Profikameras» sind nicht die Rettung

Inzwischen machen Smartphones dank mehreren Linsen und Software so gute Fotos, das Laien sich damit zufriedengeben. Das führt so weit, dass den Kameraherstellern inzwischen auch der Einsteigermarkt für Systemkameras immer mehr wegbricht. Viele Hobbyfotografen, die sich früher noch eine günstige Einsteiger-DSLR gekauft haben, «um professionelle Ferienfotos zu schiessen», geben sich heutzutage mit einem guten Handy zufrieden.

Moderne Smartphones leisten bereits ab der Mittelklasse einiges, was die Kamera angeht. Das reicht vielen Nutzern bereits. Bild: watson

Die Industrie versucht, mit diversen Innovationen dagegenzuhalten. Immer bessere spiegellose Systemkameras, neue Sensorgrössen, gewaltiger Zoom. Funktioniert hat das bisher nicht wirklich. Das musste auch Nikon einsehen. Mit ihrer neuen Z-Serie wollten sie 2019 wieder durchstarten und warben vollmundig mit «spiegellos neu definiert». Genützt hat es nicht viel und die Japaner mussten sich eingestehen, dass man die Nachfrage überschätzt hatte.

Die Nikon Z7, die Mitte 2018 vorgestellt wurde. Bild: Wikipedia/昼落ち

Ist Nikon das nächste Opfer?

Wie sehr Nikon den Markt anscheinend verkannt hat, zeigte sich Ende 2019. Das Unternehmen hatte einen historischen Umsatzrückgang von 18 Prozent hinnehmen müssen. Besonders bitter: Während andere Hersteller ihre Kamerasparte durch andere Geschäftsfelder querfinanzieren können, ist Nikon fast komplett vom Kamerageschäft abhängig.

Einer der wenigen Kamerahersteller, die sich mit Smartphones arrangieren konnten, ist Leica. Der deutsche Premiumhersteller hat es dank einer Partnerschaft mit Huawei geschafft, in der Smartphone-Welt Fuss zu fassen. Huawei ist inzwischen zum zweitgrössten Handy-Hersteller der Welt aufgestiegen. Diese Zusammenarbeit dürfte sicher einiges dazu beigetragen haben, dass Leica sich bisher trotz der Hochpreisstrategie einigermassen gut im Kamerageschäft halten konnte. Angeblich sollen Lizenzeinnahmen, die Leica durch Huawei erzielt, sogar einen beträchtlichen Teil des Umsatzes ausmachen.

Seit dem P9, kommt jedes Huawei-Flaggschiff mit einer «Leica-Kamera» daher. Bild: Wikipedia/Kārlis Dambrāns

Corona sorgt für erneuten Tiefschlag

Die Zukunft für den Kameramarkt sieht kaum besser aus. Bereits Anfang 2019 prognostizierte Canon, dass der Markt bis 2021 um weitere 50 Prozent schrumpfen werde. Da konnten die Kamerahersteller noch nicht ahnen, dass ein Jahr später mit Corona ein weiterer Tiefschlag auf sie zukommen würde. Erste Analysen zeigen, dass der Kameramarkt im März 2020 um rund 52 Prozent eingebrochen ist. In Asien lag das Auslieferungsvolumen gar nur bei etwa 40 Prozent gegenüber den Zahlen des Vorjahrs. Zwar hat auch der Smartphone-Markt fast 20 Prozent eingebüsst, die Handy-Verkäufe dürften aber wieder schneller anziehen als Kamerakäufe.

Da erscheint es nachvollziehbar, dass Olympus bei solch düsteren Zukunftsaussichten den Stecker zieht. Ob die Kameramarke wirklich vollkommen verschwinden wird, zeigt sich im September. Dann soll die Kamerasparte von Olympus an die Firma Japan Industrial (JIP) Partner verkauft werden. Das Unternehmen hatte 2014 schon die Notebooksparte von Sony und damit die Marke VAIO aufgekauft. Ob die Firma die Kameramarke Olympus weiterführen darf oder nur an den Patenten interessiert ist, weiss aktuell niemand. Überhaupt ist noch gar nichts in trockenen Tüchern, bevor die Kaufverträge am 30. September 2020 nicht unterzeichnet sind.

Olympus will sich in Zukunft vollständig auf sein Geschäft mit Medizintechnik konzentrieren, ein Markt, der auch in einem Jahrzehnt noch sehr profitabel sein dürfte.

Ist das Oppo Find X2 Pro der Meister aller Schnappschüsse?

Bei Tageslicht sind die Fotos für ein Smartphone exzellent. Die kommenden Aufnahmen wurde alle im Automatikmodus geschossen (ausser der Nachtaufnahme). watson
Die Kamera fokussiert schnell und zuverlässig. Sie tut also genau das gut, was man von einer Handy-Kamera, die oft für Schnappschüsse genutzt wird, erwartet. watson
Im Automatikmodus generiert die Kamera eine sanfte Tiefenunschärfe, die realistischer als bei vielen anderen Smartphones wirkt. Teils Probleme hat die Kamera, das ganze Motiv im Vordergrund scharf zu stellen.
Die Fotos sind meist gut belichtet und zeigen realistische Farben (was für Handy-Aufnahmen eher untypisch ist). watson
Dieser Hahn wurde aus ein paar Metern herangenzoomt. watson
Insgesamt überzeugen die Fotos mit hohem Detailreichtum, selbst wenn die Lichtverhältnissen wie in diesem Raum (quasi kein Tageslicht) nicht ideal sind. watson
Zum Vergleich: Das drei Jahre alte Galaxy Note 8 von Samsung, das eigentlich eine gute Kamera hat, bekundet im schummrigen Raum mit der Wandlampe massiv mehr Probleme. watson
Erfreulich: Auch Oppos zweite Linse für Ultraweitwinkel-Aufnahmen fällt gegenüber der Hauptkamera kaum ab. watson
Generell kommt die Kamera mit schwierigen Lichtbedingungen, etwa sehr helle und dunkle Stellen auf einem Foto, sehr gut klar, zumindest verglichen mit anderen Handy-Kameras. watson
Oppo bewirbt vor allem die Zoom-Fähigkeiten. Natürlich haben wir das getestet... watson
... etwas zoomen kann ja heute jedes Handy, aber ... watson
... das Find X2 Pro lässt in dieser Disziplin fast alle Rivalen hinter sich. watson
Eine Aufnahme ohne Zoom. Wie nahe kann man wohl die Bahnhofsuhr heranholen? watson
Eine 2-fache Vergrösserung ohne Qualitätsverlust schaffen heute viele moderne Handys. Aber hier geht noch deutlich mehr... watson
Auch bei 5-facher Vergrösserung ist kein oder kaum ein Qualitätsverlust sichtbar. watson
Bei 10-facher Vergrösserung leidet die Bildqualität ein wenig, aber das Resultat ist noch immer sehr ansehlich. watson
Danach kommt der Digitalzoom zum Einsatz. Dank Softwaretricks (AI) sind teils gar mit 20- bis 30-facher Vergrösserung knapp akzeptable Fotos möglich (sofern man sie auf einem Handy-Display betrachtet). watson
Bei 60-facher Vergrösserung ist definitiv Schluss. watson
Eher exotisch für eine Handy-Kamera ist der Makro-Modus, der Nahaufnahmen ermöglichen soll. watson
Ultra-Nahaufnahmen klappen längst nicht immer, aber selbst diese Aufnahme hat ihren Reiz. watson
Dieser Baum wurde im vorangehenden Foto aus nächster Nähe fotografiert. watson
Ein weitere Makro-Aufnahme. watson
Und zwar von der Rinde dieses Baumes. watson
Dieses Foto entstand mit aktiviertem Nachtmodus. Sofern genug Restlicht vorhanden ist, gelingen auch nachts solide Aufnahmen. watson
Hier ist es eigentlich zappenduster. Von blossem Auge würde man kaum etwas sehen vom Garten. Nur das Haus im Hintergrund wird von einer Strassenlampe beleuchtet. watson
Der Nachtmodus bringt eine klare Aufhellung. Ob man dies in diesem Beispiel schöner findet, liegt im Auge des Betrachters. watson

Samsungs Falt-Smartphone Galaxy Fold kostet 2000 Franken

Video: watson / samsung

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