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In Reih und Glied – so feiert Russland das Ende des 2. Weltkriegs

Auf dem Roten Platz in Moskau feiert Russland am 9. Mai 2017 das Ende des Zweiten Weltkriegs. Lassen wir die Militärparade in 22 Bildern an uns vorbeiziehen. AP/AP / Alexander Zemlianichenko
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Überraschung: Keine Kampfjets an der Moskauer Parade zum Ende des 2. Weltkriegs 

Publiziert: 09.05.17, 12:27 Aktualisiert: 09.05.17, 12:44

Mit einem Aufruf zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus hat der russische Präsident Wladimir Putin am Dienstag in Moskau die Parade zum Tag des Sieges über Hitler-Deutschland abgenommen.

«Für einen effektiven Kampf gegen Terrorismus, Extremismus, Neonazismus und andere Bedrohungen muss die internationale Gemeinschaft ihre Kräfte vereinen», sagte Putin vor Tausenden Soldaten. Zugleich betonte er, Russland müsse seine Streitkräfte stärken und den Patriotismus fördern.

Keine Jets 

Überraschend sagte das Verteidigungsministerium die beliebte Parade von Militärflugzeugen wegen schlechten Wetters ab. Normalerweise endet die pompöse Waffenschau mit einem Formationsflug von Kampfjets.

Eine Änderung des Zeremoniells bei der Parade ist selten. Der Tag des Sieges am 9. Mai ist einer der wichtigsten russischen Feiertage. 

«Für einen effektiven Kampf gegen Terrorismus, Extremismus, Neonazismus und andere Bedrohungen muss die internationale Gemeinschaft ihre Kräfte vereinen.»

Wladimir Putin

Parade mit 10'000 Soldaten

Auch in Dutzenden anderen russischen Grossstädten sowie in mehreren Ex-Sowjetrepubliken wurde der 72. Jahrestag der Kapitulation Nazi-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg begangen. Ehrengast in Moskau war der prorussische Präsident der Republik Moldau, Igor Dodon.

Bei der traditionellen Parade in der russischen Hauptstadt zogen mehr als 10'000 Soldaten und rund 100 Einheiten Kriegsgerät über den Roten Platz. Neben Panzern präsentierte die Armee atomar bestückbare Interkontinentalraketen vom Typ Jars. Erstmals wurden auch Fahrzeuge der für den Einsatz in der Arktis bestimmten Einheiten gezeigt. (whr/sda/dpa)

Das wurde aus der Führungsriege des «Dritten Reiches»

Vermutlich eine der letzten Aufnahmen des «Führers»: Adolf Hitler besichtigt im April 1945 die zerstörte Reichskanzlei. Am 29. April heiratete der Diktator im Bunker unter der Kanzlei seine Freundin Eva Braun.
Tags darauf erschoss er sich in diesem Raum. Auch Braun beging Selbstmord. Hitlers Leiche wurde verbrannt, sowjetische Soldaten verscharrten die Überreste. Teile davon wurden später exhumiert und nach einer Odyssee nach Moskau gebracht. Hulton Archive / Haacker
Propagandaminister Joseph Goebbels mit seiner Frau Magda und den sechs gemeinsamen Kindern. Magdas Sohn aus erster Ehe, Harald Quandt (hinten), wurde in das Bild hineinmontiert. Wikipedia/Bundesarchiv_Bild_146-1978-086-03
Der fanatische Nazi Goebbels war dem «Führer» bis zuletzt völlig ergeben und blieb mit Hitler im Bunker. Ende April 1945 brachte Magda die Kinder dorthin. Sie wurden alle vergiftet. Am 1. Mai beging das Ehepaar Goebbels mit Zyankali Selbstmord. Die Leichen wurden verbrannt.
Im Ersten Weltkrieg war Hermann Göring ein Fliegerass, im Zweiten Weltkrieg befehligte er die Luftwaffe. Der Nazi der ersten Stunde hatte schon am Hitlerputsch von 1923 teilgenommen und gehörte zum innersten Kreis der Nazi-Führung. 1945 wurde er von US-Soldaten gefangengenommen.
Im Nürnberger Prozess wurde er zum Tode verurteilt. Wenige Stunden vor der Hinrichtung beging er am 15. Oktober 1946 Selbstmord durch eine Zyankali-Kapsel. Seine Asche wurde – wie jene aller in Nürnberg exekutierten Nazi-Grössen – in einem Seitenarm der Isar verstreut.
Auch Heinrich Himmler war ein Veteran des Hitlerputschs. Vor allem während des Krieges verstand es der gefürchtete SS- und Gestapo-Chef, sich eine enorme Machtfülle zu verschaffen. AP / STR
Nach Kriegsende schlug sich Himmler als «Heinrich Hitzinger» durch Norddeutschland, bis er von britischen Soldaten gefangengenommen wurde. Als seine Tarnung am 23. Mai aufflog, zerbiss er eine Zyankalikapsel. Seine Leiche wurde an unbekannter Stelle in der Lüneburger Heide begraben.
Auch der «Stellvertreter des Führers» war schon 1923 in München dabei. Rudolf Hess, ein fanatischer Protagonist des Führerkults, wurde 1925 Hitlers Privatsekretär. Im Mai 1941 flog er überraschend mit einer Messerschmitt Bf 110 nach Grossbritannien, um einen Frieden auszuhandeln. EPA PA / STR
Die Engländer nahmen Hess gefangen, Hitler tobte und liess ihn für geisteskrank erklären. Nach dem Krieg wurde Hess, der keine Reue zeigte, in Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilt, die er im alliierten Militärgefängnis Berlin-Spandau verbüsste. Dort erhängte er sich 1987.
Joachim von Ribbentrop, Hitlers Botschafter in London, wurde 1938 Aussenminister, der unter anderem den Hitler-Stalin-Pakt aushandelte.
Bei Kriegsende tauchte Ribbentrop unter dem Pseudonym «Reiser» in Hamburg unter, wurde aber am 14. Juni verhaftet. In Nürnberg wurde er zum Tod verurteilt und starb am 16. Oktober 1946 als erster der Todeskandidaten am Galgen.
Der österreichische Jurist Ernst Kaltenbrunner war Nachfolger von Reinhard Heydrich als Chef der Sicherheitspolizei, des Sicherheitsdienstes und des SS-Reichssicherheitshauptamtes.
Im Nürnberger Prozess bestand seine Strategie darin, jede Beteiligung an Verbrechen zu leugnen – sogar dann, wenn seine Unterschrift auf belastenden Dokumenten stand. Dies fruchtete nichts; er wurde zum Tod verurteilt und starb am 16. Oktober 1946 durch den Strang.
1972 fanden Bauarbeiter in Berlin einen Schädel, der als jener von Martin Bormann identifiziert wurde. Der Chef der Parteikanzlei und Sekretär Hitlers, ein mächtiger Bürokrat, galt zuvor als verschollen. Man vermutete, er sei nach Argentinien geflohen. In Nürnberg wurde er in absentia zum Tod verurteilt. Tatsächlich hatte er am 2. Mai in Berlin Selbstmord begangen. AP
Nach Hitlers Suizid wurde der Admiral und Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz (M.) Reichspräsident. Die von ihm gebildete Reichsregierung wurde am 23. Mai 1945 von den Alliierten abgesetzt. Dönitz wurde verhaftet.
In Nürnberg wurde Dönitz angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er vollumfänglich verbüsste. Er starb 1980 in Aumühle bei Hamburg. AP ?
Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (M.) unterzeichnet am 9. Mai 1945 im sowjetischen Hauptquartier die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht agierte im Krieg vor allem als Erfüllungsgehilfe Hitlers. In Nürnberg wurde Keitel zum Tode verurteilt und am 16. Oktober 1946 gehängt. KEYSTONE / STR
Alfred Jodl (M.), der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, unterzeichnete am 7. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation in Reims. Er war an der Abfassung des völkerrechtswidrigen Kommissarbefehls beteiligt, der die Exekution von Politoffizieren in der Roten Armee anordnete. In Nürnberg wurde er zum Tod verurteilt. Auch er starb am 16. Oktober 1946 am Galgen. Richard Ash
Adolf Eichmann, SS-Obersturmbannführer und «Leiter des Judenreferates» im Reichssicherheitshauptamt, war Cheforganisator des Holocausts. Nach dem Krieg geriet er in US-Kriegsgefangenschaft, wurde aber nicht erkannt und konnte fliehen und untertauchen. 1950 gelangte er mithilfe der katholischen Kirche über eine «Rattenlinie» nach Argentinien.
Im Mai 1960 entführte der israelische Geheimdienst Mossad Eichmann in einer spektakulären Aktion nach Israel. 1961 wurde er zum Tod verurteilt und am 31. Mai 1962 gehängt. Die israelische Justiz hat seither niemanden mehr hingerichtet. Seine Leiche wurde verbrannt, die Asche im Mittelmeer verstreut. AP dapd / AP
Der Architekt Albert Speer (l.) sollte für Hitler die gigantomanischen Nazi-Bauten für «Germania» (Berlin) planen. 1942 übernahm er das Ministerium für Bewaffnung und Munition. Als Rüstungsminister war er mitverantwortlich für die Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Wikipedia/Bundesarchiv, Bild 146-1971-016-31 / o.Ang.
Gegen Kriegsende wandte er sich gegen Hitlers Nero-Befehl, der eine Taktik der verbrannten Erde in Deutschland vorsah. Wie viele Zerstörungen er wirklich verhinderte, ist umstritten. In Nürnberg entkam er der Todesstrafe nur knapp, er wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. 1966 wurde er entlassen, 1981 starb er in London. EPA
Wilhelm Frick, der 1923 am Hitlerputsch teilgenommen hatte, war bis 1943 Reichsinnenminister. Danach wurde er als «Reichsprotektor von Böhmen und Mähren» nach Prag abgeschoben. Als Innenminister setzte Frick die Nazi-Rassengesetze eifrig um. 1946 wurde er in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 16. Oktober hingerichtet.
Hans Frank wurde schon 1919 Mitglied der DAP, der Vorläuferpartei der NSDAP. Frank war Hitlers Rechtsanwalt und «Reichsrechtsführer». Ab 1939 war der «Judenschlächter von Krakau» Generalgouverneur im besetzten Polen. Am 4. Mai 1945 verhafteten ihn US-Soldaten in Oberbayern. Das Todesurteil in Nürnberg quittierte der gläubig gewordene Frank mit den Worten: «Ich verdiene und erwarte es». Am 16. Oktober 1946 wurde er gehängt.
Der Deutschbalte Alfred Rosenberg (l.) galt als Chefideologe der Nazis. Ab 1941 war er Leiter des «Reichsministeriums für die besetzten Ostgebiete» und damit mitverantwortlich für die Vernichtung der osteuropäischen Juden. Zugleich nutzte er sein Amt, um Kunstschätze zu plündern. Getty Images
Rosenberg wurde am 18. Mai in Flensburg verhaftet. In Nürnberg, wo er wie viele Nazi-Grössen alle Schuld auf Hitler und Himmler schob, wurde er zum Tode verurteilt. Am 16. Oktober 1946 starb er durch den Strang.
Der Jurist Arthur Seyss-Inquart (M.) war 1938 für wenige Tage der letzte Bundeskanzler Österreichs vor dem Anschluss an das Deutsche Reich und danach Reichsstatthalter der «Ostmark». Nach dem Westfeldzug wurde er Reichskommissar für die besetzten Niederlande. Kanadische Soldaten nahmen ihn in Den Haag fest. 1946 wurde er in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 16. Oktober gehängt. Historisches Archiv ORF / Historisches Archiv Orf/Heinrich
Der Finanzfachmann Hjalmar Schacht (M.) war 1924-1929 sowie 1933-1937 Reichsbankpräsident, 1934-1937 zudem Reichswirtschaftsminister. Nach dem Attentat auf Hitler 1944 kam er als Mitverschwörer ins KZ, bei Kriegsende wurde er von der SS ins Südtirol verschleppt und dort befreit.
Schacht wurde von den Alliierten verhaftet, aber in Nürnberg freigesprochen. In der Nachkriegszeit versuchte er, seine Mitgliedschaft in der NSDAP zu bestreiten, wurde aber Mitglied der rechtsextremen «Gesellschaft für freie Publizistik». Bis zu seinem Tod 1970 fungierte er als finanzpolitischer Berater mehrerer aussereuropäischer Länder. Wikipedia/Bundesarchiv_146-1984-040-26 / o.Ang.

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