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Amazon-Chef Jeff Bezos treibt seine Angestellten so gnadenlos an wie früher Steve Jobs bei Apple. Jetzt gibt er den Wohltäter. bildmontage: watson

Jeff Bezos spendet 2 Milliarden Dollar an Obdachlose – und das ist merkwürdig

Vor zehn Tagen hat Amazon die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert geknackt. Firmengründer Bezos ist längst der reichste Mann der Welt. Jetzt wandelt sich der Bad Boy der Tech-Welt zum Philanthropen. Vielleicht.

Publiziert: 14.09.18, 10:54 Aktualisiert: 25.05.20, 17:21

Jeff Bezos ist mit einem Vermögen von rund 151 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt, wobei der Grossteil des Vermögens in seiner Firma steckt. Nun will er einen vorerst zwei Milliarden schweren Fonds für wohltätige Zwecke gründen. Der Fonds solle obdachlosen Familien sowie Vorschulen in armen Wohngegenden helfen. Dies kündigte der Amazon-Chef am Donnerstag auf Twitter an.

Bezos hat letztes Jahr öffentlich um Ideen gebeten, wie er sein Vermögen für karitative Zwecke einsetzen könne. Im Tweet beschreibt er seine Pläne, wie er Schulen und Obdachlose unterstützen will.

Seine Ankündigung sorgt für gemischte Reaktionen. Es gibt viel Zuspruch – und viel Kritik.

Dass Bezos ausgerechnet das Thema Obdachlosigkeit angeht, wirkt einigermassen seltsam, da er sich zuvor stark gegen eine Steuer zur Finanzierung von Obdachlosenheimen und einkommensschwachen Wohnungen in Seattle eingesetzt hatte. Das Wirtschafsmagazin «Fortune» titelte: «Amazon hat gerade eine Steuer getötet, die Obdachlosen hilft.»

«Amazon widersetzte sich der Steuer, die ursprünglich bei 500 Dollar pro Jahr für jeden seiner Mitarbeiter in Seattle lag. Um sein Missfallen zu signalisieren, stoppte das Unternehmen den Bau eines neuen Büroturms und deutete an, dass es 67'000 Quadratmeter Bürofläche untervermieten könnte, die der Konzern gerade in einem brandneuen Gebäude in der Innenstadt gemietet hatte. Als der Stadtrat eine reduzierte Steuer von 275 Dollar genehmigte, setzte Amazon die Arbeiten am neuen Gebäue fort. Trotz der Reduktion der Steuer finanzierten Amazon, Starbucks und andere lokale Arbeitgeber die politische Gruppierung ‹No Tax on Jobs›, die über 300'000 Dollar sammelte, um Unterschriftensammler für ein Referendum zur Abschaffung der Kopfsteuer zu bezahlen. In einer Erklärung nach der Abstimmung sagte Amazon-Vizepräsident Drew Herdener: ‹Die heutige Abstimmung des Stadtrats von Seattle zur Abschaffung der Steuer auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ist die richtige Entscheidung für den wirtschaftlichen Wohlstand der Region›.»

fortune

Offenbar versucht Bezos nun ein gesellschaftliches Problem auf privater Basis zu lösen. Übrigens nicht zum ersten Mal: Anfang Jahr kündigte Amazon an, dass man zusammen mit Banken eine Non-Profit-Krankenkasse gründe.

«Fast jede Person, mit der ich bei Amazon zusammengearbeitet habe, habe ich mindestens einmal am Pult weinen sehen.»

Ex-Amazon-Manager Bo Olson

Bezos wird von Gewerkschaften seit Jahren kritisiert, er würde seine Mitarbeiter ausbeuten und wie moderne Sklaven behandeln. Gegenüber watson sagte Amazon: «Die Vorwürfe zeichnen kein wahrheitsgetreues Bild der Arbeit bei Amazon. Wir sind stolz auf unsere Sicherheitsstandards und tausende Mitarbeiter, die jeden Tag daran arbeiten, sie zu verbessern. Wir fordern jeden dazu auf, sich selbst ein Bild zu machen und ein Logistikzentrum zu besuchen

Bereits 2015 enthüllte eine Reportage der «New York Times» die brutale Arbeitskultur bei Amazon. So erzählt der ehemalige Amazon-Manager Bo Olson: «Du verlässt einen Konferenzraum und siehst, wie erwachsene Männer ihre Hände vor das Gesicht halten. Fast jede Person, mit der ich zusammengearbeitet habe, habe ich mindestens einmal am Pult weinen sehen.»

Laut Zeitungsbericht werden Mitarbeiter angehalten, sich gegenseitig hart zu kritisieren, bis hin zur Demontage. Jedes Jahr werden diejenigen gefeuert, die am meisten Verzeigungen von anderen erhalten haben.

Amazon hat allein im letzten Jahr über 130'000 Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt heute weltweit über 560'000 Menschen. Gleichzeitig hat Amazon den Gewinn verzwölffacht. Bezos ist nun der reichste Mensch der Welt und seine Firma ist drauf und dran, Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abzulösen.

Bezos tritt mit seinem wohltätigen Fonds in die Fussstapfen anderer Tech-Leader wie Microsoft-Mitgründer Bill Gates und Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Zuckerberg hatte Ende 2015 angekündigt, im Laufe seines Lebens 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

Das Einkaufen ohne Kassenschlange – So läuft das in Seattle

Video: watson

Jetzt aktuell: Hurrikan «Florence»

Eine Frau in Trenton, North Carolina, bei der Begutachtung ihres Grundstücks. AP/The News & Observer / Travis Long
In Conway, South Carolina, sind weite Teile des Landes überschwemmt. Viele Flüsse in den Carolinas haben Rekord-Pegelstände. AP/FR171415 AP / Sean Rayford
Ein überflutetes Flugfeld in Elizabethtown, N.C.. AP/AP / Gerald Herbert
Ein Mann bringt seinen Hund in Sicherheit, Lumberton, N.C.. AP/AP / Gerry Broome
Die Nachwirkungen der Flut in Fayetteville, N.C.. AP/AP / Gerald Herbert
Ein Fahrzeug der Nationalgarde fährt an einem weggespülten Pickup vorbei, Dillon, South Carolina. AP/AP / Gerald Herbert
Ein Mann bringt eine alte Frau in Sicherheit, während die Schwiegertochter die Sachen aus ihrem überfluteten Haus holt, Spring Lake, North Carolina. AP/AP / David Goldman
Ein Team der US-Küstenwache sucht nach Vermissten in Lumberton, N.C.. AP/AP / Gerry Broome
Chaotische Szene in New Bern, North Carolina. (AP Photo/Steve Helber) AP/AP / Steve Helber
Vom Sturm gekappte Äste in Wilmington, North Carolina. (Matt Born/The Star-News via AP) AP/The Star-News / Matt Born
Rettungskräfte sind in New Bern, North Carolina, per Boot unterwegs. AP/AP / Steve Helber
Die Nationalgarde im Einsatz in Lumberton, North Carolina. (AP Photo/David Goldman) AP/AP / David Goldman
Ein Mann holt einen Generator aus seinem überschwemmten Haus in New Bern in North Carolina. (AP Photo/Allen G. Breed) AP/AP / Allen G. Breed
Überschwemmte Strasse bei Leland in North Carolina. (Matt Born/The Star-News via AP) AP/The Star-News / Matt Born
Das Auge des Sturms auf einer Luftbildaufnahme der NASA vom 12. September 2018. EPA/ESA / ESA/NASA-ALEXANDER GERST / HANDOUT
Die Sicht von der ISS auf den Hurrikan «Florence», 13. September 2018. EPA/ESA/NASA / ALEXANDER GERST/ESA/NASA HANDOUT
Die ersten Sturmböen sorgen in den Morgenstunden des 13. September für starke Brandung am Fischerpier von Kill Devil Hills in North Carolina. AP/AP / Gerry Broome
Ein Einheimischer betrachtet den Wellengang vor Kill Devil Hills, North Carollina. AP/AP / Gerry Broome
In einem Flugzeug durchflogen die Meteorologen der US Air Force Weather Reconnaissance Squadron am Donnerstag das Auge von Hurrikan Florence. EPA/US AIR FORCE / US AIR FORCE/TSGT. CHRIS HIBBEN HANDOUT
Dank des Messfluges können Daten gesammelt werden, welche dem Nationalen Hurrikanzentrum dabei helfen, die eigenen Berechnungen auf den neusten Stand zu bringen. EPA/US AIR FORCE / US AIR FORCE/TSGT. CHRIS HIBBEN HANDOUT
Die Wetterspezialisten der Air Force unterstützen so die Arbeit der Behörden auf dem Boden. EPA/US AIR FORCE / US AIR FORCE/TSGT. CHRIS HIBBEN HANDOUT
In der Innenstadt von Wilmington, North Carolina, werden Geschäfte verbarrikadiert, 13. September 2018. EPA/EPA / JIM LO SCALZO
In Jacksonville, North Carolina, bereitet die US-Marine Massenlager vor. EPA/US MARINE CORPS / US MARINE CORPS/LANCE CPL. ISAIAH GOMEZ HANDOUT
Kinder spielen innerhalb einer Schule Videospiele. EPA/EPA / CAITLIN PENNA
Die Nationalgarde hilft bei der Regelung des Verkehrs auf dem US-Highway 501, 12. September 2018. AP/FR171415 AP / Sean Rayford
«Betet für Wilmington!» Ladenbesitzer treffen Vorsichtsmassnahmen. AP/The Star-News / Matt Born
Arbeiter holen Boote aus dem Wasser in Wanchese Harbor, North Carolina, am 12. September 2018. AP/AP / Gerry Broome
Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Warnzentrums (NHC) soll das Auge des Hurrikans am Donnerstag die Küste von North oder South Carolina erreichen. EPA/NASA / NASA HANDOUT
Bei Hamsterkäufen in Supermärkten versorgten sich viele Menschen mit Trinkwasser und Lebensmitteln. AP/The Star-News / Ken Blevins
Die Bevölkerung wird mehrere Tage ohne Strom auskommen müssen, weshalb sich einige in letzter Minute einen Generator anschaffen. AP/The Star-News / Ken Blevins
Mit Sandsäcken versuchen die Bewohner ihre Häuser vor den Fluten zu schützen ... AP/The Post And Courier / Grace Beahm Alford
... und legen diese vor Türen und Fenstern nieder. AP/The Daily Press / Jonathon Gruenke
Bretter schützen Fensterscheiben vor herumfliegenden Gegenständen. AP/The Star-News / Matt Born
AP/The Star-News / Ken Blevins

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