Bern
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Das letzte Kreuzchen erkannte der Scanner nicht. Wie viele er sonst wohl noch nicht gezählt hat?  Bild: Markus Kühni

Fehlerhafte Scans bei Abstimmungszählung

Abstimmungspanne in Bern: «Es muss von 1000 falschen Stimmen ausgegangen werden» 

Ein ETH-Ingenieur stellt das elektronische Stimm-Auszählverfahren in der Stadt Bern in Frage. Am letzten Abstimmungssonntag stösst er als Wahlbeobachter auf zwei Fehler.



Seit diesem Jahr schreibt man in Bern nicht mehr «Ja» oder «Nein» auf den Stimmzettel, sondern setzt bei der entsprechenden Antwort ein Kreuz. Das Ergebnis wird gescannt und von einer Software verarbeitet. Der Berner Markus Kühni beschäftigt sich schon lange mit diesen sogenannten E-Counting-Systemen, die das Auszählverfahren effizienter gestalten sollen. 

«Unter Umständen wurden bis zu 1000 Stimmen falsch erfasst.»

ETH-Ingenieur Markus Kühni

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Bild: Markus Kühni

Bereits Anfang Jahr kritisierte der diplomierte Informatikingenieur das neue Konzept der Berner in einem offenen Brief an den Gemeinderat. «Ich erkannte schon im Konzept die unprofessionelle Handhabung und das grosse Manipulations- und Fehlerpotenzial des Systems», sagt Kühni im Gespräch mit watson.

«Die Manipulationsgefahr ist gross»

Am 18. Mai meldete er sich als Wahlbeobachter. Und prompt wurden bei einer Stichprobe von 50 Stimmzetteln zwei Fehler festgestellt. Beim ersten, einem Softwarefehler, wurden zwölf Stimmen nicht den richtigen Scans zugeordnet, bei einem zweiten erkannte der Scanner ein etwas schwaches Kugelschreiberkreuz nicht und die Stimme wurde nicht gezählt. «Wenn man bei einer so kleinen Stichprobe von einer Promille eine nicht gezählte Stimme findet, kann das kein Einzelfall sein», konstatiert Kühni, «rein rechnerisch muss von 1000 falschen Stimmen ausgegangen werden.» 

«Wenn man bei einer so kleinen Stichprobe von einer Promille eine nicht gezählte Stimme findet, kann das kein Einzelfall sein.»

ETH-Ingenieur Markus Kühni

Nicht nur falsche Gesamtsummen, sondern auch Manipulationen seien mit dem neuen System möglich, meint Kühni. «Die Summierung der Stimmen kann nicht kontrolliert werden», meint Kühni, schon gar nicht von Bürgern des Stimmausschusses. «Die Stadt arbeitet zudem im normalen Stadtnetz, auf dem normalen Stadtserver. Da ist die Manipulationsgefahr sehr gross.»

Technische Diskussion auf 90er-Jahre-Niveau

Gemäss dem Berner «Bund» will die Stadt nun über die Bücher und mit der Softwarefirma prüfen, was verbessert werden kann. Es könne ausgeschlossen werden, dass ein systematischer Lesefehler vorliege, sagte Stadtschreiber Jürg Wichtermann. 

e-counting panne bern

Auf einer ungeschützten simplen Textdatei werden die codierten Stimmen aus dem Scanmodul exportiert.  Bild: Markus Kühni

Markus Kühni ist damit noch nicht zufrieden. Da das System auch im Kanton St. Gallen eingesetzt wird und nach Kühnis Informationen dort noch weniger Stimmzettel kontrolliert werden und auch Basel das System evaluiert, befürchtet er, dass ein schlechtes System sich noch weiter verbreitet. «Beim E-Voting sind die Gefahren erkannt, beim E-Counting ist die technische Diskussion noch auf dem Niveau der frühen 90er», sagt er.

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Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, Sie müssen das jetzt regeln ...»

Vergangenes Wochenende passierte, was sowieso passiert wäre, Lockerungsschritte hin oder her: Die Jugend tanzte und wird zum Sündenbock gemacht. Damit hat die Entsolidarisierung in der Bevölkerung begonnen. Das ist gefährlicher als jeder einzelne Infektionsherd.

Lieber Herr Berset

Es wäre wieder ein General-Dufour-Moment für Sie. Sie erinnern sich? Der Tagsatzungs-General im Sonderbundskrieg mit dem wichtigen Strategie-Grundsatz: «On verra ensuite».

Sie wussten, dass mit den weitreichenden Lockerungen der Corona-Massnahmen neue Infektionsherde entstehen würden. Und Sie mussten auch davon ausgehen, dass diese vorwiegend in Clubs und Gottesdiensten ausbrechen würden. So wie überall sonst auf der Welt auch.

Genau das ist geschehen, nachdem Clubs wieder …

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