Bern
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Ein Fahrzeug der Fahrenden, welche derzeit die kleine Allmend besetzen, wird abgeschleppt, am Donnerstag, 24. April 2014, in Bern. Fahrende haben derzeit mit ueber 100 Wohnwagen die kleine Allmend besetzt, welche als Parkplatz fuer die am Freitag beginnende BEA benoetigt wird. Sie fordern mehr Akzeptanz sowie zusaetzliche Durchgangs- und Standplaetze in der Schweiz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Mehrere Wagen wurden abgeschleppt. Bild: KEYSTONE

Protestcamp soll geräumt werden

Fahrende in Bern wehren sich - Polizei muss warten

Am frühen Donnerstagmorgen sollte das Protestcamp der Fahrenden auf der Kleinen Allmend in Bern geräumt werden. Die Aktion geriet nach kurzer Zeit ins Stocken. Behörden und Polizei wollen die Lage nun neu beurteilen.



Die Fahrenden leisteten passiven Widerstand, sagte Christoph Gnägi, Sprecher der Berner Kantonspolizei. Zudem hätten sie ihr Angebot nicht eingehalten, die Schlüssel in ihren Wagen stecken zu lassen, damit die Behörden die Fahrzeuge vom Platz fahren können. 

Verschiedene Gruppen von Fahrenden, darunter viele Kinder, standen bei den Wagen mit Protest-Transparenten. Zunächst wurden diverse Autos abgeschleppt, dann geriet die Aktion ins Stocken, wie ein sda-Korrespondent vor Ort feststellte. Derzeit scheint sie unterbrochen zu sein. Verschiedene Abschleppwagen verliessen das Gelände, derzeit steht noch einer dort. Vorher wurden einige Wagen werden abgeschleppt, nachdem sich die Fahrenden und die Behörden nach einem weiteren Gespräch am frühen Morgen nicht einigen konnten.

Jessy Gerzner spielt Schwyzeroergeli, das traditionelle jenische Instrument, auf der durch Jenische besetzten kleinen Allmend, am Mittwoch, 23. April 2014, in Bern.  Jenische haben derzeit mit ueber 200 Wohnwagen die kleine Allmend besetzt, welche als Parkplatz fuer die in zwei Tagen beginnende BEA benoetigt wird.  Sie fordern mehr Akzeptanz sowie zusaetzliche Durchgangs- und Standplaetze in der Schweiz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Seit Dienstag hält eine grössere Gruppe Fahrender die Allmend besetzt. Bild: KEYSTONE

Die Fahrenden wollen weiterhin ausharren, wie Gerard Müllhauser als einer ihrer Vertreter sagte. Die Gruppe bleibe, bis sich die Bundesbehörden mit ihren Anliegen befassen. Die Jenischen, wie Müllhauser präzisierte, halten die Räumung nicht für Rechtens, da ihrer Ansicht nach keine offizielle Verfügung vorliegt. 

Seit Dienstag protestiert eine grössere Gruppe von Fahrenden auf dem Gelände für mehr Standplätze in der Schweiz. Am Mittwoch verfügte die Stadt Bern die Räumung des Geländes, da es für die am Freitag beginnende Frühjahrsmesse BEA benötigt wird. 

Tweet: Twitter/Luzi Fricker

«Ansonsten würden sie uns rausschleppen.» 

Marc Heeb von der Orts- und Gewerbepolizei Bern erklärte am Donnerstagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur sda die Fahrenden seien für einen Abzug nicht parat gewesen und auch nicht mehr auf ihr Angebot eingestiegen, die Autoschüssel stecken zu lassen. Schliesslich habe man entschieden, Fahrzeug für Fahrzeug abzuschleppen. Er sei enttäuscht, sagte Heeb, denn er hätte eine friedliche Räumung bevorzugt.

Tweet: Twitter/Luzi Fricker

Die Fahrenden dementierten, nicht bereit gewesen zu sein. Die Polizei habe zu den Fahrenden gesagt, sie müssten «in zehn Minuten parat sein», sagte Mike Gerzner, Präsident der Bewegung Schweizer Reisenden, zur SDA. «Ansonsten würden sie uns rausschleppen.» 

Gerzner betrachtet die Räumung als «nicht rechtsgültig». Denn es liege lediglich ein Antrag vor und keine Verfügung, sagte er. Die Polizei meinte, sie wolle lediglich den Beschluss des Gemeinderats umsetzen. 

Polizeidirektor Reto Nause, vorne rechts, und Marc Heeb, Leiter der Orts- und Gewerbepolizei, Zweiter rechts sitzend, verhandeln mit Mike Gerzner, Praesident Bewegung der Schweizer Reisenden, und Gerard Muelhauser, linke Seite von links, am Mittwoch, 23. April 2014, in Bern. Jenische haben derzeit mit ueber 200 Wohnwagen die kleine Allmend besetzt, welche als Parkplatz fuer die in zwei Tagen beginnende BEA benoetigt wird. Die Jenischen fordern mehr Akzeptanz sowie zusaetzliche Durchgangs- und Standplaetze in der Schweiz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Verhandlungen: Polizeidirektor Reto Nause, (vorne rechts) im Gespräch mit Mike Gerzner, Präsident Bewegung der Schweizer Reisenden. Bild: KEYSTONE

Fahrende protestieren seit Dienstag

Auf der Berner Allmend protestierten seit Dienstag Fahrende für mehr Standplätze in der Schweiz. Die Stadt zeigte zwar Verständnis für die Anliegen, wollte das Gelände wegen der am Freitag beginnenden BEA dennoch räumen lassen. Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis. (rar/sda) 

Protestschilder auf der durch Jenische besetzten kleinen Allmend, am Mittwoch, 23. April 2014, in Bern. Jenische haben derzeit mit ueber 200 Wohnwagen die kleine Allmend besetzt, welche als Parkplatz fuer die in zwei Tagen beginnende BEA benoetigt wird.  Sie fordern mehr Akzeptanz sowie zusaetzliche Durchgangs- und Standplaetze in der Schweiz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Fahrenden demonstrieren seit Dienstag für mehr Standplätze. Bild: KEYSTONE

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Adonis 24.04.2014 17:12
    Highlight Highlight ..eigentlich interessant. Bin auch nicht Fan von Fahrenden (ausländischen vor allem), aber dass man die Fussballterroristen von Bern am Cup nicht ebenso angepackt hat (Verhaftungen vor Ort der Fahrenden, ist mir ein Rätsel. Oder bin ich falsch informiert.
  • zombie1969 24.04.2014 10:49
    Highlight Highlight Wenn es eine seriöse Diskussion in der Öffentlichkeit über die realen Probleme von und mit Fahrenden gibt (und die gibt es momentan nicht), dann wird es auch Lösungen geben. Bis dahin bleibt es beim Gutmenschenpallaver.
  • Usualsuspect82 24.04.2014 08:51
    Highlight Highlight Obwohl ich auch die Fahrenden respektiere, frage ich mich schon, woher das Geld für die teuren Zugfahrzeuge ihrer Wohnwelten kommt. Steuern bezahlen sie keine, fordern aber Standplätze? Was geben uns die Fahrenden denn als Gegenleistung für die Plätze? Volle Abfallsäcke, welche beim Verlassen der Plätze herumliegen? Hunde die ein Vorbeilaufen an den Wohnwagen verunmöglichen? Meines Erachtens sind das Nutzniesser unserer Gesellschaft die über keinerlei Anpassungsvermögen verfügen, oder verfügen möchten.
    • Viento 24.04.2014 11:03
      Highlight Highlight Es wäre an der Zeit, diese alten Vorurteile endlich mal über Bord zu werfen. Es gibt rund 3500 Schweizer Jenische, die als Fahrende unterwegs sind, und sie arbeiten für ihr Geld wie die meisten anderen Leute auch - als Maler, Dachdecker, Spengler, Textil- oder Altmetallhändler. Sie bezahlen Steuern, AHV-Beiträge und sind militärdienstpflichtig. Das Bundesgericht hat 2003 ausdrücklich ihr Recht auf «angemessene Halteplätze» anerkannt, die Kantone verschlampen aber die Umsetzung. So siehts aus. Und punkto «Anpassungsvermögen»: Vielleicht haben ja auch wir Sesshaften ein Problem damit, Lebensformen zu akzeptieren, die sich von der unsrigen unterscheiden.

Offen gesagt

«Lieber Herr Berset, Sie müssen das jetzt regeln ...»

Vergangenes Wochenende passierte, was sowieso passiert wäre, Lockerungsschritte hin oder her: Die Jugend tanzte und wird zum Sündenbock gemacht. Damit hat die Entsolidarisierung in der Bevölkerung begonnen. Das ist gefährlicher als jeder einzelne Infektionsherd.

Lieber Herr Berset

Es wäre wieder ein General-Dufour-Moment für Sie. Sie erinnern sich? Der Tagsatzungs-General im Sonderbundskrieg mit dem wichtigen Strategie-Grundsatz: «On verra ensuite».

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