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Studie zeigt, welche Menschen am häufigsten Sexfantasien haben

Erotische Darstellung einer Frau
Tagträume mit erotischem Inhalt sind weit verbreitet. Bild: Shutterstock

Studie zeigt, welche Menschen am häufigsten Sexfantasien haben

Forscher sind auf auffällige Zusammenhänge zwischen bestimmten Charaktereigenschaften und der Häufigkeit von Sexfantasien gestossen.
05.02.2026, 18:5405.02.2026, 18:54

Vermutlich kennt jeder diese Momente, in denen die Gedanken zu erotischen Szenarien abschweifen. Sexuell gefärbte Tagträume gelten sogar als gut für das Wohlbefinden und förderlich für die Paarbeziehung. Gleichwohl sind Sexfantasien eher selten ein Thema am Küchentisch – nach wie vor fällt es vielen Leuten schwer, über Sex zu sprechen. Dabei sind erotische Fantasien sehr verbreitet: Gut 90 Prozent der Erwachsenen haben laut Umfragen irgendwann in ihrem Leben Sexfantasien.

Welche Rolle spielt die Persönlichkeit?

Bisher hat sich die Forschung jedoch kaum um die Frage gekümmert, welche Rolle die Persönlichkeit bei Sexfantasien spielt. Nun hat ein Forschungsteam um Emily Cannoot von der Michigan State University 5225 Erwachsene zu ihrer Persönlichkeit und ihren sexuellen Fantasien befragt. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 58 Jahre alt und befanden sich alle in einer Beziehung.

Sie füllten zwei standardisierte Fragebögen aus. Der erste umfasste eine umfangreiche Liste mit vierzig verschiedenen Fantasien, deren Häufigkeit abgefragt wurde. Diese Fantasien – beispielsweise Sex im Freien bei Mondschein, Gruppensex oder Dominanz – lassen sich typischerweise in vier Kategorien einteilen:

  • explorativ (neue Erfahrungen, ungewöhnliche Orte)
  • intim-romantisch (Liebe, Zärtlichkeit, emotionale Verbindungen)
  • unpersönlich (andere beim Sex beobachten)
  • sadomasochistisch (Machtspiele, Zwang)

Der zweite Fragbogen diente dazu, typische Verhaltens- und Denkmuster abzufragen, anhand derer die Teilnehmer den fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen, die Psychologen weltweit verwenden, zugeordnet werden konnten. Diese sogenannten Big Five sind:

  • Extraversion
  • Verträglichkeit
  • Gewissenhaftigkeit
  • Neurotizismus (Neigung zu emotionaler Labilität und negativen Gefühlen)
  • Offenheit für Erfahrungen

«Brave» haben weniger Sexfantasien

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht wurden, zeigen etwa, dass jene Probanden, die sich selbst als hilfsbereit, höflich und ordentlich beschreiben, deutlich seltener in sexuelle Tagträume abdriften. Dies gilt sowohl für romantische als auch für eher experimentelle Szenarien.

Das Forschungsteam erklärt dies, indem es bestimmte Teilaspekte dieser Eigenschaften näher betrachtet. Vor allem ein starkes Verantwortungsbewusstsein und ein hohes Mass an Respekt vor sozialen Normen scheinen die Vorstellungskraft einzuschränken. Diese Personen neigen möglicherweise stärker dazu, sich in all ihren Gedanken, auch den sexuellen, an traditionelle Werte und Regeln zu halten.

Depressionen begünstigen erotische Tagträume

Am anderen Ende des Spektrums finden sich Menschen mit einem höheren Wert für Neurotizismus (negative Emotionalität). Innerhalb dieser Gruppe erwies sich vor allem Depression als starker Prädiktor für eine reiche Fantasiewelt. Vor allem Menschen, die häufiger unter düsteren Gefühlen leiden, scheinen auffallend oft in erotische Szenarien abzutauchen. Angst oder Launenhaftigkeit hatten diesen Effekt indes nicht.

Warum gerade diese Gruppe? Die Wissenschaftler glauben, dass erotische Tagträume möglicherweise als eine Art mentaler Muntermacher wirken. Wenn man sich niedergeschlagen fühlt, kann eine angenehme Fantasie für kurze Zeit Erleichterung verschaffen, eine Art kurzzeitige Flucht aus der grauen Realität.

Was die Forscher überraschte: Menschen, die sich selbst als kreativ, neugierig und offen für neue Erfahrungen sehen, fantasierten nicht häufiger als andere. Man würde erwarten, dass jemand mit viel Vorstellungskraft auch häufiger in erotische Tagträume abschweift, aber dieser Zusammenhang war kaum vorhanden. Auch der Grad der Extraversion spielte eine vernachlässigbare Rolle.

Studie mit Einschränkungen

Die Forscher selbst machen jedoch einige Anmerkungen zu ihren Ergebnissen: Zunächst einmal basiert die Studie vollständig auf Selbstauskünften. Die Teilnehmer mussten ehrlich angeben, wie oft sie über sensible Themen fantasieren. Nicht alle sind da diesbezüglich offen, selbst in einem anonymen Fragebogen nicht.

Ausserdem liefert die Studie nur eine Momentaufnahme. Wir wissen nicht, ob sich die Fantasien einer Person im Laufe der Zeit oder bei veränderten Lebensumständen wandeln. Fantasieren Menschen beispielsweise anders, wenn sie frisch verliebt sind, als nach zwanzig Jahren Ehe?

Überdies ist die untersuchte Gruppe nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung. Die Teilnehmer waren fast alle weiss, amerikanisch und in einer festen Beziehung. Die Forscher hoffen daher, dass zukünftige Studien eine vielfältigere Gruppe untersuchen und Menschen über einen längeren Zeitraum begleiten. Nur dann können wir wirklich verstehen, wie unsere Persönlichkeit und unser Fantasieleben sich im Laufe der Jahre gegenseitig beeinflussen. (dhr)

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