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Edvin Uncorked

Erdige Weine – so schmecken sie und darauf musst du achten

Madelyne Meyer
Madelyne Meyer

Liebe Weinfreunde und Weinfreundinnen

Waldboden. Nasses Laub. Tabak. Feuchtes Gras. Moos. Pilz.

Nein, ich spreche hier nicht über meinen letzten Herbstspaziergang. Ich rede hier über einen erdigen Rotwein ... wie ein Stock-im-A**** Weinexperte halt über erdige Rotweine redet.

«Erdig» ist ein Begriff, der ein Aroma oder einen Geschmack eines Rotweins bezeichnet, der an erdige Eigenschaften erinnert. Es ist das Gegenteil eines «fruchtigen» Weins.

«Erdig» umfasst viele verschiedene Aroma- und Geschmackserlebnisse. Es unterscheidet sich aber ganz deutlich von den anderen primären Aromakategorien wie Kräuter, Früchte, Blumen und Gewürze.

Falls du dir erdige Aromen nicht sofort vorstellen kannst, dann denke an Gerüche in einem Hof, an umgekippte Erde im Garten, an eine Kiesauffahrt nach einem Sturm. Es kann auch irgendwie pflanzlich riechen. Rüben haben einen unverkennbaren erdigen Geschmack und Rote Beete ist ein üblicher Begriff, um Rotweine wie Pinot Noir zu beschreiben.

Pinot Noir ist jedoch eine sehr heimtückische Traubensorte, denn sie kann in super fruchtigen Weinen oder eben in eher erdigen Weinen (wenn etwas älter, also gereift) resultieren.

Was «erdig» nicht ist

Ich kann verstehen, dass man unter «erdig» etwas negatives verstehen könnte. Dies ist aber überhaupt nicht der Fall. Es ist ein Aromabeschrieb, kein Verbrechen.

Erdig steht also nicht für:

Welche Weine sind erdig?

Weitere Trauben, die für erdige Aromen bekannt sind, sind Sangiovese (Toskana), Nebbiolo (Barolo), Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Tempranillo (Rioja).

Während einige Trauben effektiv zu erdigen Noten neigen, hat aber auch die Weinregion Einfluss auf das Aroma. In kühleren Klimazonen, wie in vielen klassischen Regionen der alten Welt (Europa) und in einigen Teilen Chiles und Südafrikas, produzieren die Trauben nicht so viel Zucker. Die Weine sind so oft weniger fruchtbetont und weisen tendenziell erdigere Noten auf als Weine aus Orten mit intensiver Sonneneinstrahlung. Heisses Klima sorgt eher für üppigere Weine, die mehr an Confi erinnern als an Dräck.

Aromen im Wein entwickeln sich entlang dem Spektrum der Traubenreife. Unreife Trauben wirken eher pflanzlich und vegetativ, während reifere Trauben zu fruchtigeren Profilen neigen. Weine, die näher am Kräuter- und Pflanzenspektrum liegen, neigen dazu, erdiger zu sein. Et voilà!

Gibt es auch erdige Weissweine?

Nein, dann würde man eher von mineralischen Weissweinen reden. Wenn erdig das Gegenteil zu fruchtig bei Rotweinen ist, dann ist mineralisch das Gegenteil zu fruchtig bei Weissweinen.

Als Mineralität wird die geschmackliche Wahrnehmung des im Boden vorhandenen Gesteins durch den Gaumen bezeichnet. Den Stein an sich kann man nicht schmecken. Die Wahrnehmung von Mineralität lässt sich wirklich nicht genau beschreiben. Sie bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Für mich bedeutet es Frische. Mineralität lässt sich als lebhafter Frische-Kick bezeichnen. Etwa so wie ein Mentholbonbon ohne die tränentreibende Schärfe.

Schnapp dir einen Chablis oder Sancerre und du weisst, was ich meine.

Oft tendiert man entweder zu erdigen/mineralischen oder fruchtigen Weinen. Mich wundert es: Zu welchen Weinen tendiert ihr so? Bitte kommentiert unten!

Cheers, Madelyne

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Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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