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Angebersprüche kommen immer gut an. Garantiert. Bild: shutterstock.com

Edvin Uncorked

Die allerbesten Wein-Angebersprüche – und wie du sie einsetzen kannst

Madelyne Meyer

Mit keinem Getränk lässt es sich besser angeben als mit Wein. Weil die Mehrheit der Weintrinker eh keine Ahnung vom Inhalt hat, nutzen Blöffer die Gunst der Stunde, um ihnen irgendwelche Floskeln um die Ohren zu hauen. Leider sind sie sich nicht bewusst, dass die Mehrheit der Weintrinker den Wein einfach geniessen will und nicht hier ist, um ihn auf sein allerletztes Molekül runterzubrechen.

Zum Teil sind diese hohlen Phrasen so gut, dass sie mich effektiv zum Lachen bringen. Die Kreativität der Weinkommentare scheint grenzenlos. Über die Jahre hinweg habe ich meine Lieblingsangebersprüche gesammelt und lege sie hier offen. Das hat zwei Vorteile: Erstens entlarvt ihr die Sprüche im Alltag sofort und zweitens könnt ihr all die Blöffer mit ihren eigenen Waffen schlagen.

«Genau so habe ich mir diesen Wein vorgestellt.»

Wenn die Person absolut keinen Blassen hat, was sie im Glas hat, sich jedoch trotzdem unbedingt äussern muss, greift sie oft zu diesem Satz. Wenn du dich also zum Kommentieren gezwungen fühlst, kannst du jederzeit diesen Satz reinwerfen.

«Beachtlich! Trotz präsenter Säure ein beispiellos ausgewogener Wein.»

Diesen Satz hört man oft bei Weissweinen, da es einfacher ist, die Säure im Weisswein herauszuschmecken als im Rotwein. Mit dem Wort «beispiellos» kannst du diskret beweisen, dass das nicht dein erster Wein ist und du schon etliche Weine beschrieben hast.

«Endlich ein Wein, der das Terroir nahezu perfekt widerspiegelt.»

Diese Phrase liebe ich, denn nur etwa 0,0000001% der Menschheit kann Terroir im Wein bemerken. Terroir im Wein zu schmecken, ist wie den heiligen Gral zu finden. Mit der Betonung «endlich» zeigst du, dass du schon eine halbe Ewigkeit nach Weinen mit dieser Terroir-Eigenschaft suchst. Ein wahrer Kenner! Dementsprechend ist dieser Satz der absolute Inbegriff des Weinsnobismus.

«Zwar nicht so komplex, aber auf jeden Fall mehrheitsfähig.»

Degradierender geht es gar nicht mehr. Wenn du einen Wein oder eine Weinauswahl so richtig herabwürdigen willst, dann schiess mit diesem Satz rein. Eigentlich sagst du nichts anderes, als dass es ein simpler Wein für simple Leute ist. Autsch! :-D

«Ah, Stachelbeere!»

Bester Angebertipp aller Zeiten? «Wow, diese Stachelbeeren-Aromatik!»

1. Niemand weiss, wie Stachelbeere schmeckt.

2. Wenn du dir Mühe gibst, schmeckst du in jedem Weisswein Stachelbeere.

«Wie wunderbar sich die Tannine hier integriert haben.»

Ein echt solider Spruch, den du in 99% der Fälle bei gereiften Rotweinen bringen kannst. Tannine sind Gerbstoffe, die während der Extraktion beim Weinmachen von der Traubenhaut und den Kernen kommen. Wenn der Wein noch jung ist, wirkt der Wein sehr rau und austrocknend. In diesem Fall sagst du dann:

«Die Tannine sind einfach noch ein wenig präsent/robust. Dieser Wein muss noch ein bisschen reifen.»

Was im Falle eines jungen Weines auch gehen würde, hingegen noch eine schöne Stufe Arroganz mit reinpackt, ist folgender Satz:

«Noch ein wenig zu jung, macht aber jetzt schon Spass.»

Verstehe mich nicht falsch, ich respektiere die Weinindustrie enorm, davon hängt meine Leidenschaft und meine Existenz auch ab, jedoch ist es genau diese triviale Redensart, die die Weinindustrie so exklusiv macht. Zum Teil sind die Sprüche auch wirklich wahr und machen Sinn, doch werden sie zu oft gebraucht und verlieren so ihr Gewicht.

Wir drehen nun den Spiess um und reizen diese Sprüche so aus, so dass wir irgendeinmal kreativer werden.

Das Höchste aller Gefühle ist, wenn man z.B. die Aromen so richtig eindrucksvoll übertreibt. Unten eine schöne Auswahl.

If you can't convince, confuse:

In diesem Sinne: Cheers!

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Madelyne Meyer

Die Weinwelt kann extrem elitär und exklusiv sein. Darauf hat Madelyne Meyer aber gar keine Lust. Mit ihrem unkonventionellen Weinblog Edvin hat sich die Aargauer Weinexpertin in der Schweiz einen Namen gemacht. «Meine Leser mögen wohl meine selbstironische Art. Ich nehme mich und die Weinwelt nicht todernst, zolle dem Wein aber immer genügend Respekt».

Madelyne arbeitet in ihrem Familienbetrieb für Marketing & Kommunikation und schreibt noch für den Gault Millau Channel. Das Ganze rundete sie im September 2019 mit ihrem ersten Buch «Endlich Wein verstehen» ab.
Für watson schreibt Madelyne ab sofort regelmässig exklusiv in ihrem Blog.

Weitere Infos über Madelyne und Wein findest du hier:
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