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Einige Beziehungen halten ein Leben lang. Andere (besser) nicht. Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Wie beendet man eine Freundschaft, in der man sich nicht mehr wohl fühlt? 



Ich hatte vor 4 Monaten eine Geburtstagsparty, an der viele meiner neuen und alten Freunde eingeladen waren. Eine unter ihnen war eine Schulfreundin. Wir kennen uns schon mehr als 6 Jahre und haben den Kontakt nie verloren, auch als ich in einen anderen Kanton zog. Als ich sie kürzlich wieder getroffen habe, haben wir uns über unsere unterschiedlichen Freundeskreise und Freunde (also Boyfriends) unterhalten. Sie hat sehr negative Äusserungen über die damals anwesenden Freunde an der Party gemacht. Sie hat deren Anstand bemängelt und ihr Auftreten ihr gegenüber. Auch hat sie schlecht von meinem neuen Freund geredet, er sei zu eitel und eingebildet. Zu allem hin betitelte sie mich als Tusse. Ich habe mich äusserlich ein wenig verändert (achte mehr auf meinen Kleiderstil, meine Fingernägel etc.). In diesem Moment konnte ich das Gesagte nicht so sehr an mich heranlassen. Als ich dann zu Hause war, habe ich das Gespräch reflektiert. Ich habe gemerkt, dass viele ihrer Aussagen mich sehr verletzt haben. Ich habe ihr Unwohlsein, in Gegenwart meiner anderen Freunde, nie bemerkt. Ich war regelrecht vor den Kopf gestossen und habe mich immer wieder gefragt, ob ich zu unsensibel war und nicht hingeschaut habe. Ich bin traurig. Ich denke, ich kann nicht mit jemanden befreundet sein, der so viele negative Äusserungen macht, über Menschen und Dinge, die mir sehr am Herzen liegen. PS: Ich bin ein stiller Fan von dir und bewundere deine gewieften und weisen, unkonventionellen (im positiven Sinne:)) Antworten. Dein Blog regt mich immer wider zum (Anders)Denken an. Danke dafür! Liebe Grüsse. Lisa, 21

Liebe Lisa 

Vielen Dank für Ihre Frage und für das bezaubernde PS. natürlich auch. Das freut mich sehr!

Sie sind zarte 21 Jahre jung und schildern mir ein Erlebnis, an dem noch Frauen, die dreimal so alt sind, nagen würden. Es ist ein sehr weibliches Thema, und es beschäftigt fast alle Frauen jeden Alters. Vielleicht nicht genau in dieser Form wie Sie, aber die Thematik ist oft die gleiche. Wir Frauen können sehr schlecht Nein sagen. Also, eigentlich können wir es gar nicht, ausser wir trainieren es uns selber an. Das ist erstaunlich, aber wahr. Ich beobachte es immer wieder. Sogar an mir selber!

Ich bin ja fast doppelt so alt wie Sie, aber auch ich muss immer wieder lernen, mich selbst ernst zu nehmen und mir selber treu zu sein. Das zeigt sich in vielen kleinen Erlebnissen, wenn ich, genau wie Sie, beim Reflektieren erst realisiere, was genau gelaufen ist. Ich habe für mich persönlich den Schluss gezogen, dass ich mir selbst am nächsten stehen muss. Das bedeutet nicht, dass ich eine unausstehliche Zicke wie die Darya aus der aktuellen GNTM-Staffel werden muss. Aber doch immerhin meine allerbeste Freundin.

Sie sind wertvoll, liebe Lisa. Behandeln Sie sich selber so und Sie werden sehen, dass Sie auch von Ihren Mitmenschen so behandelt werden. Ich versuche jeden Tag, mir die beste Freundin zu sein, die ich mir vorstellen kann. 

Und das sollten Sie auch! Setzen Sie sich mal mit einem Bogen Papier hin und schreiben Sie die 10 Menschen auf, die Ihnen am nächsten stehen. Das klingt jetzt vielleicht nicht nach allzu viel, aber in der Regel kommt man wirklich mit 10 Personen durch, Sie werden sehen! DIESEN 10 Personen sollten Sie in Zukunft mit dem Herzen verpflichtet sein. Der nicht aufgeschriebenen 11. Personen allerdings schon nicht mehr!

Trennen Sie immer mal wieder die Spreu vom Weizen und werden Sie sich bewusst, wer in Ihrem Leben eine tragende Rolle spielen soll und wer nicht. Trennen Sie sich von all denen, die es nicht gut mit Ihnen meinen oder die Sie mit Komplimenten umgarnen, die sich später als Beleidigungen herauskristallisieren. Sie müssen den Kontakt zu dieser «Freundin» nicht weiter pflegen. Eigentlich müssen Sie fast gar nichts. Fangen Sie am besten noch heute damit an und Sie werden merken, wie viel leichter und befreiter es sich mit dieser Einsicht leben lässt.

Wie Sie die Beziehung beenden sollen? Wie Ihnen danach ist. Sie können sie stillschweigend einschlafen lassen oder der Guten all das sagen, was Sie mir geschrieben haben, nämlich, dass Sie sich in der Freundschaft nicht mehr wohl fühlen. Zweites wird sich noch besser anfühlen, weil es aufrichtig und ehrlich ist und keinen Interpretationsspielraum lässt. Das Leben dauert eine ganze Weile und manche Freundschaften muss man im Laufe der Zeit sich zuliebe künden. Lernen Sie schon heute das mit einer Klarheit sich selbst und dem anderen gegenüber zu tun und Sie werden ein Leben lang davon profitieren.

Und auch wenn ich mich wiederhole: Das Leben ist zu kurz, um es mit Arschlöchern zu verbringen. Und eigentlich ist es auch zu kurz, um es nach «Freunden» auszurichten, die zwar noch lang keine Arschlöcher sind, aber dennoch nicht auf der Top-10-Liste stehen.

 Ganz herzlich! Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.

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Bild: Kafi Freitag

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FragFrauFreitag

Kafi, sag: Bauch oder Kopf?

Liebe Frau Freitag. Auf was soll Frau sich verlassen, respektive wie soll sie sich entscheiden: mit dem Bauch oder mit dem Kopf? Danke für die Antwort. Lg, Lisa, 35

Liebe Lisa Auf gar keinen Fall ODER, sondern wann immer möglich UND! Warum nicht einen Entscheid mit dem Kopf fassen und dann gedanklich mal in die entschiedene Zukunft reisen und schauen, wie sich der Bauch dabei fühlt? Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi P.S. Auf jeden Fall sollten Sie sich aber noch heute dazu entscheiden, mit dieser unsäglichen Grussabkürzung aufzuhören. Ob sie das mit dem Kopf oder dem Bauch tun, ist mir dabei herzlich egal.

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