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Ritualisierte Gesten und Floskeln machen die Welt zu einer friedlicheren.  Bild:kafi freitag

FragFrauFreitag

Sehr geehrte Frau Freitag. Ich frage mich, wie man eine gute Antwort auf die Aussage «Danke für den Anruf.» geben kann. 



Ich rufe doch dann fast immer aus eigenem Antrieb, sozusagen aus Eigennutz, an, und nicht um der anderen Person einen Gefallen zu tun!  «Bitte.» habe ich als Antwort schon ausprobiert, mich danach aber deswegen dumm gefühlt. Vielen Dank für Ihre Hilfe. Dani, 33

Sehr vereehrter Dani

Herrliche Frage, die Sie mir da stellen. Musste spontan an ein paar Redewendungen denken, die mich immer wieder zum Lachen bringen. Zum Beispiel dann, wenn ich mit meiner Freundin telefoniere und diese von Ihrem Sohn unterbrochen wird. Sie sagt dann jeweils wortwörtlich: «Ich möchte jetzt nicht gestört werden, was ist?» Oder die schampar gespaltene Aussage, als ich vor einem schliessenden Kiosk stand und gefragt wurde: «Ich mache zu, es gibt nichts mehr, was wollen sie?».

All diese Beispiele spiegeln unsere unbedachten Aussagen und Floskeln im zwischenmenschlichen Umgang. Wie oft entschuldigen wir uns, wenn uns jemand angerempelt hat, anstatt dass wir uns beschweren? Es ist die Höflichkeit, die uns solche Wendungen formulieren lässt. Und Ihre ist ein schönes Beispiel dafür. Wie gerne würde ich mich voll und ganz dem Sammeln solcher Bonmots widmen, ach wie wäre das schön!

Wenn man anfängt, sich über solche Antworten Gedanken zu machen, dann wird das den Umgang mit Mitmenschen nicht vereinfachen, sondern eher erschweren. Viele Fragen und Antworten dienen eigentlich nur dem Ölen vom sozialen Getriebe, einem reibungslosen Miteinander und sind ausschliesslich ritualisierte Gesten. Sie können das künftig lassen oder sogar richtigstellen, indem Sie sagen: «Sie müssen sicher nicht danken, Sie Depp! Schliesslich habe ich aus lauter Eigennutz angerufen und damit nur Ihre wertvolle Zeit verplempert, merken Sie das denn gar nicht, gopf nonemoll?». Oder aber Sie lösen die Situation auf höchst elegante Art und Weise und antworten : «ICH habe zu danken.»

Mit herzlichem Gruss. Und ja, auch so eine Floskel. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit ihrem 11-jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Bloody Mary 14.01.2016 17:34
    Highlight Highlight Wirklich coole Antwort! I like.
  • Lukakus 13.01.2016 23:05
    Highlight Highlight Gute Antwort, vereeeeehrte Frau Freitag. ;-)
    • Lukakus 29.02.2016 04:07
      Highlight Highlight Ich bin sehr enttäuscht, dass der Tippfehler in der Anrede nicht entfernt wurde!
  • DerTaran 13.01.2016 18:00
    Highlight Highlight Ich sage immer: "Gern geschehen"
  • Schmetterling11 13.01.2016 17:33
    Highlight Highlight Zum Glück hab ich anderes zu tun, als mir über solche Dinge Gesanken zu machen.... :)
    • Larina 14.01.2016 14:11
      Highlight Highlight Zum Glück habe ich Zeit, mir über solche Dinge Gedanken zu machen ;)
    • Thomas Bollinger (1) 14.01.2016 19:37
      Highlight Highlight Zum Glück hab ich anderes zu tun, als mich über Tippfehler lustig zu machen.... :)

FragFrauFreitag

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