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Kafi, die Begründerin der einzig wirklich funktionierenden Datingplattform 'smellit.com'! Bild:kafi freitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Ich date seit ein paar Monaten online, weil ich zu viel arbeite, um auszugehen. Ich habe schon ein paar Frauen zu einem Drink oder Dinner getroffen und bin über mich selber schockiert. 



Ich dachte immer, ich sei ein toleranter, nicht so oberflächlicher Typ. Ich merke aber, es ist genau gegenteilig. Wenn eine Frau die falschen Klamotten trägt oder das falsche Parfum, dann ist mein Interesse innert Sekunden weg. Ich selber finde das schrecklich, komme aber nicht dagegen an. Haben Sie mir einen Tipp, wie man da offener wird? Ich möchte darüber hinwegschauen können. Danke! Jan, 36

Lieber Jan 

Danke für Ihre spannende Frage, die so viele Aspekte und Ebenen beinhaltet, in 8 kurzen Sätzen. (Wovon 6 mit "ICH"beginnen, was mir natürlich sofort ins Auge sticht und mich fragen lässt, ob Sie sich vielleicht ein klein wenig zu ernst nehmen ...) Aber wie dem auch sei, Ihre Frage ist mehr als berechtigt.

Onlinedating ist vermutlich eine feine Sache. Eine feine Sache, weil es das Kennenlernen vereinfacht, wo man selber nicht genügend soziale Kontakte hat, weil man viel arbeitet, oder aber sonst nicht so unter Leute kommt. Vermutlich, weil ich es noch nie wirklich ausprobiert habe, denn ich befürchte, dass es für mich nichts ist. Mich törnt es ab, wenn man sich gegenseitig so abcheckt und schon im vornherein klar ist, was man genau voneinander will. Obwohl genau das einiges sehr viel einfacher machen würde, aber es geht dann halt auch etwas Reiz verloren, wie ich finde. Man stellt sein bestes Bild hoch und verkauft sich möglichst optimal. Und dann trifft man aufeinander und ist konsterniert, weil das Parfum nicht passt. Und genau das ist die grösste Schwäche an diesem Online-Dating-Zeugs. Man kann nicht aneinander riechen.

Ich persönlich staune auch immer mal wieder über mich selber, welche Wichtigkeit Details wie die richtigen Schuhe oder die falschen Jeans bekommen können. Genau wie Sie kann ich mit einem Schlag extrem oberflächlich werden, obwohl ich das sonst eigentlich auch nicht bin. Aber ich habe realisiert, dass das immer nur dann geschieht, wenn mir die Person auch sonst nicht wirklich passt. Wenn ich eine Person gut riechen kann, dann werde ich auf einmal sehr grosszügig und sehe über solche Details hinweg. Dann wird die Person in den Kleidern wichtig und nicht der Haarschnitt oder die doofen Sneakers. Und genau so soll es sein, lieber Jan.

Fangen Sie nicht damit an, Kompromisse auf der Geruchsebene zu machen! Je länger je mehr bin ich überzeugt, dass die olfaktorische Wahrnehmung des Gegenübers so ziemlich das Wichtigste ist. Wenn man sich gegenseitig gut riechen kann, dann heisst das noch lange nicht, dass eine gemeinsame Beziehung funktioniert. Aber das perfekteste Date ist zum Scheitern verurteilt, wenn man nicht gern am anderen schnuppert.

Wir sollten aufhören, Anziehung auf der Verstandesebene regeln zu wollen! Logik und Verstand sind zwei tolle Erkenntnisformen, wenn es etwas analytisch auszuwerten gibt. Aber der Zauber zweier Menschen lässt sich nicht mit Algorithmen berechnen und nicht mit der Übereinstimmung von Meinungen oder dem Kleidungsstil klären. Die Gravitation zwischen zwei Menschen wird zu einem grossen Teil davon bestimmt, wie man den Duft des anderen wahrnimmt. Wenn diese Ebene stimmt, ist man zu einer anderen Nähe fähig, weil sich das auch nicht ändert, wenn man sich über den anderen ärgert. Diese Basis bleibt bestehen und lässt zwei Menschen weiterhin aneinander reiben. In jeglicher Beziehung. Wenn Sie wissen, was ich meine.

Sobald ich etwas freie Zeit habe, werde ich eine Dating-Plattform gründen, die mit Duftproben arbeitet. (Endlich richtig reich!!!) Schicken Sie mir doch schon mal Ihre zu, schliesslich brauche ich einen kleinen Stock zum Starten.

Ganz herzlich, Ihre Kafi. 

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Kafi Freitag (40!) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie lebt mit Ihrem 11 jährigen Sohn in Zürich.

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Bild: Kafi Freitag

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