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Fingerspitzengefühl anstatt Tabu-Verhalten.  Bild: Kafi Freitag

FRAGFRAUFREITAG

Hallo Kafi. Ich habe eine Frage. Ich stehe vor der Trennung, wir haben eine gemeinsame Tochter (4) und wir suchen jetzt nach neuen Wohnungen. 

Ich habe am Wochenende in einer Zeitung gelesen, dass Eltern zusammen eine Wohnung für das Kind behalten und selber ausziehen. Mir gefällt das noch, dann muss sie nicht immer hin und her und mein Ex kann sich das auch vorstellen. Wir haben beide ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber, sie ist noch sehr klein. Was meinst du? Rita, 34 

Liebe Rita 

Soll ich Ihnen sagen, was ich von diesem Nestmodell halte, über das in der «NZZ» vor einiger Zeit mal geschrieben wurde? Gar nichts halte ich davon. Null und nichts. Nein, noch weniger! Scheisse finde ich das Modell, um ehrlich zu sein. Eine verlogene Scheisse und ein elender Betrug an seinem Kind und sich selber! Haben Sie den Artikel zu Ende gelesen, Rita? Da steht geschrieben (ich habe die Zeitung extra nochmals aus dem Altpapier geholt), dass die liebe Krista und der liebe Urs seit gottverdammten 13 Jahren dieses Modell leben und in dieser Zeit noch niemals miteinander Abend gegessen haben! Die beiden leben ihren Kindern diese schizo Scheinwelt vor und bringen es aber nicht zustande, zusammen an einem Tisch zu essen. Mir wird grad ganz anders, ehrlich.

Ich finde die Idee aber insgesamt bescheuert, nicht nur, weil die beiden Banausen nicht zusammen essen können. Ich finde es eine äusserst heuchlerische Lösung, wenn man dem Kind vorgaukelt, dass alles beim Alten ist, während kein Stein mehr auf dem anderen steht. Kinder sind in der Regel ziemlich flexibel, und wenn man ehrlich mit ihnen ist, dann können sie sehr viel verstehen, auch wenn sie erst 4 sind. Natürlich haben Sie ein schlechtes Gewissen und möchten die Trennung für die Kleine so schmerzlos wie möglich gestalten, das ist doch klar. Aber Sie tun Ihrer Tochter keinen Gefallen, wenn Sie ein hochkomplexes System aufrechterhalten, das sich vordergründig am Wohl des Kindes orientiert. Das ist ein Irrtum. Hier geht es nicht um das Wohl der Kinder, sondern um das schlechte Gewissen der Eltern. Als könnte man es den Kindern nicht zumuten, zwei verschiedene Zuhause zu haben! Dabei ist es für ein Kind bedeutend einfacher, wenn es sich auf klare Verhältnisse einstellen kann und dazu gehören nun mal getrennte Wohnungen und Eltern, die miteinander reden. Ausserdem möchte ich mal sehen, wie sich diese Scheinwelt finanzieren lässt! Mietet man am Schluss drei Wohnungen oder müssen Sie beide sich schleunigst neue Partner suchen, bei denen Sie dann wohnen können? Und was wird es für Sie bedeuten, nirgends richtig zu Hause zu sein und kein eigenes Nest zu haben? Glauben Sie wirklich, dass Sie das zu einer besseren Mutter macht, als wenn Sie mit der Kleinen pendeln?

Das Wichtigste überhaupt ist das Zusammenspiel mit Ihrem Ex und die Ehrlichkeit gegenüber Ihrer Tochter. Wenn Sie darauf Ihre Energie verwenden, dann wird die Trennung verkraftbar sein für Ihr Kind. Und damit auch für Sie. Weil wir sind ja furchtbar einfach gestrickt, wir Mütter. Wenn es unseren Kindern gut geht, dann geht es uns auch gut. Bitte vergessen Sie darum den ganzen Nest-Seich und dividieren Sie sich in Würde auseinander, um gute Eltern zu bleiben. Vor einiger Zeit habe ich eine Antwort zum Thema «schöner Scheiden» geschrieben. Selbstverständlich ist eine Trennung niemals schön. Aber sie ist Teil des Lebens und damit Fakt und kann anständig über die Bühne gehen.

 Von Herzen alles Gute und viel Kraft! Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.ch

Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.FreitagCoaching.ch) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes. 

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Bild: Kafi Freitag



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1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • goschi 13.10.2014 23:01
    Highlight Highlight Wenn überhaupt, dann kommt hier das Wechselmodell in Frage.
    Gerade wenn bei beiden Elternteilen der Wille da ist, an der Betreuung des Kindes teilzuhaben, ist das Wechselmodell geradezu prädestiniert und belegbar ist der Nutzen für alle sehr hoch.

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