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Das ist Kafis Papa Dieter beim Wildflüstern. Er macht das sehr heldenhaft. Und ist dennoch auch nur ein Mensch.
Das ist Kafis Papa Dieter beim Wildflüstern. Er macht das sehr heldenhaft. Und ist dennoch auch nur ein Mensch.
Bild: Kafi Freitag
FRAGFRAUFREITAG

Liebe Kafi, immer mehr sehe ich, wie mein Dad unglücklicher, deprimierter wird und die Lust am Leben verliert. 

10.06.2015, 12:2010.06.2015, 16:47

Seit Jahren ist er unzufrieden mit seinem Beruf und der Firma. Er ist 60. Und lebt in einer Kleinstadt, wo die Arbeitsstellen nicht vom Himmel fallen. Schichtarbeit, wenig Schlaf und kaum Freizeit machen ihm zu schaffen. Vor fünf Jahren hat er seine Mutter verloren und pflegt seitdem seinen Vater, der es der ganzen Familie nicht leicht macht. Seine Geschwister leben beide nicht in der Nähe, aber meinen immer bzgl. meines Opas alles besser zu wissen. Ihn begleitet jeden Tag die Angst, ihn zu verlieren. Er entscheidet sich prinzipiell für den schweren Weg und sieht den leichten nicht. Meine Mum und ich möchten ihm Arbeit abnehmen, doch selten lässt er es zu. Gern zeige ich ihm, wie Dinge einfach von der Hand gehen, doch er nimmt nichts an. Sein Körper zeigt ihm jeden Tag, dass er nicht mehr kann. Doch es muss ja bekanntlich immer weiter gehen. Er weiß, dass er sich verloren hat. Möchte da allein wieder herausfinden, doch er schafft es nicht. Er kann auch keine Kraft aus tollen Tagen oder Erlebnissen schöpfen. Sieht alles negativ. Hilfe, gutes Zureden und ihm beistehen reicht nicht mehr aus. Ich habe mit ihm über professionelle Hilfe gesprochen und ihm erklärt, es gäbe für jedes Körperteil einen Fachmann, auch für die Seele und es ist keine Schande diese Hilfe zu suchen und anzunehmen. Doch er glaubt nicht dran, dass ihm jemand helfen kann. Das Ganze belastet die komplette Familie und ich möchte wieder zu meinem Vater aufsehen können. Hast du einen Ratschlag für? Jana, 26

Liebe Jana 

Ja, ich habe einen Ratschlag für Sie. Aber der wird Ihnen vermutlich nicht gefallen.

Im Leben einer jeder Tochter gibt es einen Moment der Desillusionierung bezüglich des eigenen Vaters. Den MUSS es geben! Das ist richtig und wichtig. Denn sonst laufen Töchter Gefahr, lebenslänglich den eigenen Vater zu verehren und zu ihm aufzusehen und das ist einfach nicht gesund. Väter (und Mütter) sind keine Heiligen und keine Helden, sondern einfach auch nur Menschen. Und das müssen Sie nun langsam aber sicher erkennen. Das ist die Realität.

Sie können Ihrem Vater keine Hilfe aufzwingen. Das ist schmerzhaft, aber leider Tatsache. Wenn Sie mal eine Beziehung zu einem Menschen haben, der in einer ähnlichen Situation ist, wird es genau so sein. Man kann keine Hilfe aufzwingen. Also das heisst, KÖNNEN tut man natürlich schon. Aber es ist eine Grenzüberschreitung. Sie sind nicht das Mami Ihres Vaters. So wie Sie niemals das Mami eines Partners oder einer Partnerin sein werden.

Ihr Vater ist 60. Er ist erwachsen. Es ist sein gutes Recht, den harten Weg zu gehen. Auch wenn es für die Aussenstehenden schwer zu ertragen ist. Es ist sein Leben. Kann sein, dass die Beziehung Ihrer Eltern an dieser Lebenskrise scheitern wird. Aber das ist nicht Ihr Bier. Im Grunde genommen geht es Sie eigentlich überhaupt nichts an. Das mag nun sehr hart klingen für Sie. Und das ist es auch. Aber die Wahrheit ist selten schnuselig und bequem.

Gehen Sie Ihr Leben und kümmern Sie sich um Ihre Themen und Baustellen. Davon wird es im Laufe eines Leben genügend geben, als dass man sich noch um die Probleme der Eltern kümmern müsste, welche gar keine Hilfe annehmen wollen.

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

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Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog Frag Frau Freitag Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Daneben ist sie Mitbegründerin einer neuen Plattform für Frauen: Tribute.



Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (Freitag Coaching) und fotografiert leidenschaftlich gern. Sie ist verheiratet und Mutter eines zehnjährigen Sohnes.



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Bild: Kafi Freitag

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