Wir haben den neuen elektrischen Opel getestet
Bei Opel markiert die Wiederbelebung des GSE-Siegels einen strategischen Wendepunkt. Die deutsche Marke begnügt sich nicht mehr damit, ihre Produktpalette zu elektrifizieren, sondern begibt sich jetzt auch an eine emotionalere Lesart der Elektromobilität. Und das geht nur durch eine Rückkehr zu den Wurzeln.
Ein geschichtsträchtiges Kürzel
Wir hatten es vor beinahe drei Jahren beim Astra und Grandland der Vorgängergeneration «wiederentdeckt». GSE ist kein Abzeichen, das erfunden wurde, um auf der Elektrowelle zu surfen. In den 70er Jahren stand GS/E («Grand Sport Einspritzung») bei Opel für Modernität und bedeutete, dass der Motor der Commodore-Modelle mit der elektronischen Bosch-Einspritzung ausgestattet war.
Später setzte sich der Sportgeist in den 1980er und 1990er Jahren mit dem GT/E und dann dem GSi fort, bevor dann Anfang der 2000er Jahre die OPC-Ära (Opel Performance Center) begann. Astra OPC, Corsa OPC, Insignia OPC und sogar Zafira OPC: Diese Modelle haben eine ganze Generation von Fans robuster Kompakt- und Familienwagen geprägt.
Heute steht GSE für «Grand Sport Electric». Der Kraftstoff ändert sich, aber die DNA bleibt: Die Opel-Modelle werden dynamischer, ausdrucksstärker und engagierter.
Ein Stil, der zu seiner Andersartigkeit steht
Mit einer Länge von 4,15 Metern behält der Mokka GSE das kompakte Format eines Stadt-SUV bei, doch sein Design vereint Sportlichkeit mit Understatement. Getreu der «Bold & Pure»-Stilistik der Marke nimmt er eine gedrungenere, aggressivere Haltung ein.
Der spezifische vordere Stossfänger, die dedizierten Einsätze und die schwarz-gelbe Grafiksignatur verdeutlichen seinen Status.
Die 20-Zoll-Felgen, kombiniert mit Michelin Pilot Sport EV in 225/40 R20, die buchstäblich mit dem Boden verschraubt sind, füllen die Radkästen perfekt aus. Die gelb lackierten Bremssättel sorgen für einen starken, fast schon auffälligen optischen Akzent. Eine optionale schwarze Motorhaube unterstreicht diese Persönlichkeit noch zusätzlich.
Die Botschaft ist klar: Dieser Mokka ist nicht einfach nur eine weitere Elektroversion.
Sportlicher, aber nicht übertriebener Innenraum
An Bord bleibt die Atmosphäre stimmig. Die GSE-Performance-Schalensitze aus Alcantara mit integrierten Kopfstützen und gelben Nähten sorgen für seriösen Halt. Das abgeflachte Lenkrad verstärkt das Gefühl von Dynamik, während der Alltagskomfort erhalten bleibt.
Das digitale «Pure Panel» strukturiert das Armaturenbrett. Die 10-Zoll-Instrumente und der zentrale Touchscreen integrieren spezielle Anzeigen: g-Kraft-Anzeige, Stoppuhr für die Beschleunigung, detailliertes Energiemanagement.
An der Serienausstattung mit den Intelli-Lux Matrix-Scheinwerfern, der 180°-Kamera oder dem induktiven Laden gibt es nichts zu kritisieren.
280 PS für den Dimensionswechsel
Unter der Motorhaube des Mokka GSE verbirgt sich der Elektromotor M4+, der von Emotors, dem Joint Venture von Stellantis und Nidec Leroy-Somer, entwickelt wurde. Dieser Block, der bereits auch im Abarth 600e und Alfa Romeo Junior Veloce 280 zu sehen war, bietet 280 PS und 345 Nm, die sofort verfügbar sind.
Der Wagen ist in 5,9 Sekunden von 0 auf 100, die Temposperre befindet sich bei 200 km/h. Diese Zahlen positionieren den Mokka als den am schnellsten fahrenden Serien-Elektro-Opel, der je produziert wurde.
Drei Fahrmodi ermöglichen die Anpassung des Temperaments: Sport, um die Leistung voll auszuschöpfen, Normal mit 231 PS sowie Eco, begrenzt auf 190 PS und 300 Nm, um die Reichweite zu erhalten.
Die 54-kWh-Batterie gibt eine Reichweite von bis zu 336 km im WLTP-Zyklus an. Bei dynamischer Nutzung sinkt diese Zahl logischerweise. Die Ladeleistung beträgt maximal 100 kW Gleichstrom, wobei eine Aufladung von 10 auf 80 % in etwa 30 Minuten erfolgt.
Das Fahrwerk macht den Unterschied
Vor allem auf der Strasse zeichnet sich der Mokka GSE aus. Das Torsen-Sperrdifferenzial setzt neue Massstäbe an der Vorderachse, verbessert die Traktion am Kurvenausgang und begrenzt den Haftungsverlust. Die Lenkung, die mit einer direkteren Übersetzung neu kalibriert wurde, überzeugt mit chirurgischer Präzision.
Das niedrige Gewicht von unter 1,6 Tonnen ist ein enormer Vorteil in der Klasse der Elektro-SUVs. Stossdämpfer mit hydraulischen Anschlägen und verstärkte Stabilisatoren sorgen für eine gute Kontrolle der Karosseriebewegungen ohne Abstriche beim Komfort.
Die Hinterachse bleibt bewusst stabil und berechenbar. Der Mokka GSE legt also mehr Wert auf Effizienz und Gesamtkohärenz als auf pure Radikalität. Er versucht nicht, ein als SUV verkleideter Rennfahrer zu sein, obwohl er durchaus eine gute Veranlagung dazu hat, sondern bietet ein überzeugendes Gleichgewicht zwischen Dynamik und Vielseitigkeit.
In der Poleposition
Mit dem Mokka GSE zeigt Opel, dass es den Fahrspass nicht am elektrischen Strassenrand abgeben will. Ohne das Segment zu revolutionieren, bringt dieser kompakte SUV eine willkommene Dosis Charakter, Dynamik und Engagement mit, ohne dabei auf Homogenität zu verzichten.
Mit einem Preis von 42 990 Franken (fast alles serienmässig inbegriffen) macht er eine äusserst gute Figur, denn bei den Elektrofahrzeugen setzt er auf Erschwinglichkeit im Vergleich zu seinen technischen Verwandten Alfa Romeo Junior Veloce und Abarth 600e (jeweils 43 990 und 47 400 Franken für 280 PS, ohne Optionen) sowie der Alpine A290 GTS (44 000 Franken für 220 PS) oder auch der Mini John Cooper Works E (ab 44 290 Franken für 258 PS).
Bei Elektroautos geht es nicht mehr nur um Verbrauch und Reichweite. Sie sind auch eine Spielwiese für Hersteller, die eine starke Identität bewahren wollen. Bei Opel scheint der Blitz wieder in Fahrt zu kommen! Ein erfreulicher Lichtblick!
