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Kafi Hilton

Fragfraufreitag

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag. Ich bin 18 und noch Jungfrau. Ist das nun gut oder schlecht? Muss ich etwas dagegen unternehmen? Hannah, 18



Meine liebe Hannah

Sie werden in Ihrem Leben um einiges länger befleckt sein, als unbefleckt. Sie haben also noch massig Zeit, sich Zeit zu lassen damit.

Kürzlich habe ich irgendwo ein Statement von der SVP-Nationalrätin Yvette Estermann gelesen, von der man ja mit gutem Recht behaupten kann, dass sie nicht alle Chacheli im Schrank hat. Sie hat sich, natürlich mit Blick auf die kommende Volksinitiative zur Abtreibungsfinanzierung, zum Thema Sex und Selbstverantwortung geäussert und es hat sich im ersten Moment gelesen, als wäre es vom Papst himself (aber nicht vom neuen, halbwegs weltoffenen, sondern eher vom erzkonservativen Ratzi) verfasst worden. Ich habe das Zitat im weiten Meer des Internets leider nicht mehr finden können, aber es ist vielleicht auch gar nicht so schlimm, weil ich mir gerade eh nicht so sicher bin, ob man der Estermann soviel Plattform bieten sollte. 

Aber wie dem auch sei. Sie hatte sich sehr streng und moralisch über die Jungen geäussert, die liderlich mit ihren Geschlechtsteilen umgehen und herumvögeln, als gäb's kein Morgen mehr. (Nein, die hatte es natürlich nicht genau SO gesagt, weil das wäre ja dann schon wieder halbwegs gut). Aber so etwa in diesem Sinne. Und das hat mich dann doch zum Nachdenken gebracht, gopf! 

Erst fand ich's ganz furchtbar und ich habe mich recht geärgert. Aber je länger je mehr ich darüber nachdachte, bekam es doch etwas Wahres und das hat mich – zugegebenermassen – nicht weniger verärgert. Weil wer möchte schon mit dieser Schrulle einer Meinung sein. Ich finde natürlich alles, was in die Richtung abzielt, dass Abtreibungen am liebsten verboten werden sollten, vollkommener Stuss. Aber wo ich doch einverstanden bin, ist der Punkt, dass man verantwortungsvoller mit der eigenen Sexualität umgehen sollte. 

Ich bin jetzt inzwischen 39 Jahre alt und habe mit dem Sex begonnen, als ich 16 war. Und wenn ich auf die Jahre dazwischen schaue, dann würde ich gut und gern einen Drittel der Aktivitäten aus meinem Portfolio streichen. Warum, fragen Sie? Weil es nichts gebracht hat. Es war weder schön, noch bereichernd, noch sonst was. Es war schlicht und ergreifend seelenlos und das meiste davon muss ich auf die Zeit vor Ende 20 abbuchen. Viel ist einfach nur geschehen, weil ich jemandem gefallen wollte, nicht weil es MIR gefallen hat. 

Und hier ist auch schon des Pudels Kern. Ich bin überhaupt nicht dagegen, dass man ausprobiert und herumexperimentiert, und wer meinen Blog regelmässig liest, der weiss das auch. Aber nur solange es einem selber Spass macht! Und da bin ich mir bei jungen Frauen einfach nicht so sicher. Typen haben es so viel einfacher, wenn es ums Spass haben geht. Sie können easy kommen und tragen schlussendlich nicht wirklich die Verantwortung für eine eventuelle Schwangerschaft. Mädchen hingegen brauchen viel mehr Zeit und Vertrauen, um den eigenen Körper und die eigene Sexualität kennen zu lernen, damit sie überhaupt imstande sind, zu kommen! (Ich habe hier über das Kommen schon einmal philosophiert.) Das ist in jungen Jahren harte Arbeit, die erst mal geleistet werden will. Und dies ist mit Sicherheit einfacher, wenn es in einem geschützten Rahmen passiert, anstatt im wilden Durcheinander der unverbindlichen Spassgesellschaft, welche die Realität mit einem billigen Porno verwechselt, in dem die Frauen nicht genug davon bekommen können, Sperma ins Gesicht geschleudert zu bekommen. So furchtbar traurig es auch ist: Wir leben in einer Zeit, in der die Jugendlichen bereits jegliche Form von Sex hardcore am Bildschirm gesehen haben, bevor man im analogen Leben überhaupt einmal Händchen gehalten hat. 

Darum würde ich Ihnen gerne etwas ans Herz legen: Gehen Sie es entspannt an, im Wissen darum, dass Ihnen der Sex um die 30 herum den meisten Genuss bereiten wird. Sie haben also alle Zeit der Welt und es ist für uns Frauen immer genügend Nachfrage vorhanden. Sie dürfen also im grosszügigen Stil Angebote ablehnen und müssen niemals Angst haben, zu kurz zu kommen. Da haben es Männer bekanntlich viel schwieriger, die müssen nehmen, was kommt. Geniessen Sie dieses Privileg und gehen Sie sorgsam mit sich um. Sie bestimmen selber über Ihren Wert und Sie sollten sich selber das Wertvollste überhaupt sein. Wenn Sie etwas älter sind und wissen, was Ihnen gut tut und wie Sie es bekommen können, dann ist noch immer genug Zeit für eine wilde Phase. 

Take care, liebe Hannah! Und alles Liebe. Ihre Kafi.

 

Kafi Freitag

Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltags-Fragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.freitagcoaching.ch) und verkauft mit viel Herzblut Hochzeitskleider. Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes, wohnt mitten im Zürcher Kreis 4 und versucht, ihren Alltag so vernünftig wie nötig und amüsant wie möglich zu leben. Fragen an Frau Freitag? Mail an: kafi@fragfraufreitag.ch

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Bild: Kafi Freitag

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