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Ich kann kein Google Maps, aber das hier schon

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bild: shutterstock / watson
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Ich kann kein Google Maps, aber das hier schon

Ein Steckbrief in eigener Sache.
07.05.2026, 08:1307.05.2026, 10:30

Nun, da wir hier ein paar Texte tief schon gemeinsam drinstecken, ein kleines Hallo auf der Meta-Ebene. Seit ich hier schreibe, erreichten mich interessante Rückmeldungen wie zum Beispiel, dass meine Texte Schwindel verursachen oder dass man mit über 30 nicht mehr wegen Konzerten ausflippen soll. Ausserdem merke man mir an, dass Zürich ADHS verursache und Kokain wieder billiger geworden sei. All dies und meinen Tag am Schreibtisch möchte ich zum Anlass nehmen, hier einen Steckbrief zwischenzuschieben, denn ich habe gemerkt, ich habe mich (und meine Lieblingsdrogen) gar nie anständig vorgestellt. Pardon.

Olivia El Sayed
Enchantée.bild: mädy georgusis

Mein Name:

Das Beste, was ich vor zwölf Jahren im Geburtsvorbereitungskurs gelernt habe, ist, dass man den Menschen einen Gefallen tun kann, indem man ihnen beim Kennenlernen nicht nur sagt, wie man heisst, sondern auch erzählt, warum man heisst, wie man heisst (so kann man sich jeden Namen merken – probier es aus und dank mir später).

Ich heisse, wie ich heisse, weil meine Mutter Olivia Newton-John gut fand. Und weil sie dachte, der Mensch links und der Mensch rechts im Bild ergäben zusammen vielleicht vom Teint her etwas im Olive-Bereich (und meine Mutter ist nicht nur meine Mutter, sondern Sternzeichen Jungfrau und Lehrerin. Man kann also nicht mehr Recht haben als sie).

Zwei Eltern und viele Oliven
Zwei Eltern und ein paar Oliven bild: privat

Das mache ich:

Ich habe verschiedene Mini-Berufe, die ich aktuell noch alle ums Muttersein herumbüschele, denn solange sich die Kinder noch freuen, wenn ich daheim bin, bin ich wenn möglich daheim. Ich bin unspektakulär und munter verheiratet (der Mann ist durchaus spektakulär, aber das Lebenskonzept «monogame Ehe mit zwei Kindern und einer Katze am Stadtrand» für manche vielleicht weniger). Sonst veranstalte ich Partys für Frauen, schreibe hier und anderswo und rede auf Bühnen oder manchmal in Podcast-Mikrofone.

Wie alle anderen auch, versuche ich einfach nicht überzuschnappen und mein Leben zu leben, und ich muss sagen, ich liebe meines sehr: Der Wald ist nah, die Kinder haben noch kein Handy und es mangelt mir eigentlich einzig an Struktur und ein bisschen mehr überschüssiger Zeit.

Meine Lieblingsdrogen:

Ja gut, die Jugend auf dem Land schlug ich mir vielleicht mit dem einen oder anderen Joint um die Ohren. Aber das ist genauso lange her wie die Zeit, als Stefan Raab noch lustig und MTV der Grund war, warum man den Fernseher einschaltete. It's been a while.

Vor allen anderen Drogen hatte ich immer Schiss. Drum blieben sie auch gänzlich unerprobt, sodass ich auf eine aktuelle Lieblingsdrogenliste Prosecco, Zucker und Badi-Pommes schreiben würde.

Mein Style:

Beim Schreiben: lange verschachtelte Sätze und viele Klammerbemerkungen. Und in der Mode: Da gebe ich mir selten Mühe, sodass, wenn ich mir dann mal Mühe gebe, eher dann alle denken Oha! statt dass ich mir immer Mühe gebe, und wenn ich dann mal keinen Nerv dafür hätte, es alle noch meinen kommentieren zu müssen. Dieses Konzept ist gleichermassen auch meine Zeitmanagement-Philosophie. Drum sehe ich eigentlich immer aus, als käme ich grad von einem Spaziergang mit meinem Hund (ausser dass ich keinen Hund habe): Jeans, Turnschuhe, Windjacke und halt irgendwie Haare, fertig.

Ich habe Sommerhaare.

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Ich habe Winterhaare:

Bild

Und seit ich Kinder habe, habe ich noch dies:

«Frisur»
Herzlichen Glückwunsch.bild: privat

Was ich mag:

Ich mag Briefe und Bücher, Konzerte und Städtetrips mit dem Zug. Und ich bin gern draussen, vor allem in der Nacht. Manchmal für Disco, meist aber eher für sonigs:

(Hier suche ich eine Rechnung, die ich drinnen nirgends mehr finden konnte und drum per Ausschlussverfahren hierhin kalkulierte).
(Hier suche ich eine Rechnung, die ich drinnen nirgends mehr finden konnte und drum per Ausschlussverfahren hierhin kalkulierte).bild: privat

Auch sonst besteht ein Grossteil meines Alltags darin, Dinge zu suchen oder sie zu tragen.

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Nachtschicht (Suchen und Tragen)
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Das kann ich nicht:

Ich weiss, man soll immer positiv beginnen, aber ich bin der Meinung, dass in einen guten Steckbrief eben vor allem Dinge der Kategorie «Untalente» gehören. Nicht nur entlarven sie besser, wer wir tatsächlich sind, sie sind auch einfach unterhaltsamer, als wenn nochmals jemand seinen Handstand vorzeigt, drum:

Ich kann sehr schlecht Skiferien (nachzulesen in meinem Skiferien-Text, unten verlinkt). Tabellen lesen, Kinderwagen zusammenklappen (mögen sie noch so funktional sein), Google Maps. Das ist alles nichts für mich.

Was ich auch gar nicht kann, ist Schlaf-Management:

Bild
Bild: screenshot privat

Ich schob das lange Jahre auf die Kinderfüsse in meinem Gesicht. Aber eigentlich weiss ich auch: Ich würde wirklich alles machen für sieben Stunden Schlaf, ausser halt einfach sieben Stunden vor dieser Zeit zu Bett gehen, die es für sieben Stunden Schlaf bräuchte.

Fuss im Gesicht
bild: privat

Sobald es dunkel wird und alle anderen schlafen, muss ich eifach immer noch Dinge. Bestellen. Gucken. Denken. Das tut wenigstens ausser mir niemandem weh.

(Selbstverständlich habe ich auch Untalente, die anderen Leid verursachen. Aber das erzähle ich an anderer Stelle.)

Das kann ich:

Die Liste meiner Talente ist relativ überschaubar, was vor allem daran liegt, dass ich furchtbar unsportlich bin und nebst Drogen auch vor vielen anderen Dingen Schiss habe (Sprungbretter, Einrad, schnelle Gefährte oder Bahnen an Chilbis). Deshalb kann ich hier nur Dinge auflisten, wie sie Leute auflisten, die weder Sport noch Wagemut in ihren Bios und Genen haben. Es wären dann wohl dies meine drei offenkundigsten Talente:

  • Lösungswege (psychologischer Natur)
  • Deklination französischer Verben (schriftlich)
  • Verbreiten von Gemütlichkeit
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🤷🏽‍♀️bild: riley_sheldon

Das weiss ich:

Weil ich jeden Tag so viel suche, kleinteilige Dinge, Formulare und versteckte Menschen, kann ich auch recht gut finden. Vielleicht nicht immer unbedingt das, was ich eigentlich am Suchen war, aber dafür find ich nicht selten eine Einsicht. Drei meiner liebsten sind:

(1) Gefunden wirst du nur, wenn du dich nicht versteckst.

(2) Und wenn du unverstellt bist, wer du bist, dann finden dich die, die zu dir passen.

(3) Wenn man es sich genau überlegt, sind es drum am Ende eher die ulkigen und weniger glamourösen Dinge, die einen für jemand anderen zu einer greifbaren Person machen. Und das ist toll, weil Greifbarsein hilft, wenn man sich mit anderen verbinden möchte (auch wenns einen gleichermassen angreifbar macht, aber je nu).

Ein Versuch ist es allemal wert.

♥️

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Olivia El Sayed denkt recht viel, einfach fast nichts zu Ende, weil sie immer irgendwie noch was muss: Zur DH, ein Formular ausfüllen, Kinder abholen, Geschenk einpacken, Pass erneuern, Text fertig schreiben, Körper einigermassen instand halten, Ufzgi kontrollieren. Ausser in der Nacht. Da liegt sie im Bett und starrt mit gefühlt offenen Augen an die Innenseiten ihrer Augendeckel – und denkt. Hinderschi und fürschi und so viel und laut, dass sie alles irgendwohin aufschreiben muss, damit sie jemals wieder schlafen kann. Und dieses irgendwohin ist: genau hier.
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Autorin und Instagrammerin (@oh_olives) Olivia El Sayed.Bild:oliviaelsayed
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Es gab eine Zeit, da waren Sekten in den Medien allgegenwärtig. Es verging kaum ein Tag, ohne dass radikale religiöse, esoterische und weltanschauliche Gruppen für Schlagzeilen sorgten. Schliesslich gab es in der Schweiz mehrere hundert problematische Gruppierungen. Kleine, mit einem Dutzend Anhängern und grosse, mit Zehntausenden Mitgliedern.
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