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Ganz Ami-Style geht's mit dem Riesenlaster von Las Vegas nach Williams. bild: thomas schlittler

Per Autostopp um die Welt

«Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas»

Für Tom Schlittler ging's diese Woche von Los Angeles nach Phoenix zur mexikanischen Grenze. Auf dem Weg gab's noch einen Abstecher in Las Vegas – inklusive einem Besuch bei dem Chippendales. Ein Erlebnisbericht.

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler



An der Bar warten meine Freundin Lea und ihre Kollegin Patrizia auf mich, mit denen ich seit zwei Wochen durch den Westen der USA trampe. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich mir die nächsten zwei Stunden in Las Vegas entblösste, durchtrainierte Männerkörper anschauen muss: Sie haben ohne mein Wissen Tickets gekauft für eine Chippendales-Vorstellung, die weltbekannte Männer-Stripshow.

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Unfreiwillig bei den Chippendales. bild: thomas schlittler

Ich fühle mich unwohl, verkrieche mich so tief wie möglich in meinen Sessel und nippe an einem Bierchen, während um mich herum rund 300 kreischende Frauen den männlichen Strippern zujubeln. Als Lea und Patrizia zu mir rüberblicken, lachen sie sich schlapp und rufen mir schadenfreudig zu: «Ja, Tom, jeder Mann muss mindestens einmal im Leben an einer Stripshow für Frauen gewesen sein.»

«Fair enough», denke ich mir. Denn es sind fast die gleichen Worte, die ich zwei Abende zuvor verwendet habe, um die beiden Mädels davon zu überzeugen, mit mir einen Gentlemen's Club – so werden in Las Vegas Stripclubs für Männer genannt – zu besuchen.

Auf einer runden Bühne in der Mitte des Saales räkelt sich eine bis auf den Slip entblösste Schwarzhaarige an einer Stange.

Lea und Patrizia lassen sich ohne Zögern darauf ein. Neugierig betreten sie den Club, in dem sie die einzigen Frauen sind, die mehr tragen als Unterwäsche. Wir stellen uns in eine ruhige Ecke und beobachten das Geschehen: Auf einer runden Bühne in der Mitte des Saales räkelt sich eine bis auf den Slip entblösste Schwarzhaarige an einer Stange, darum herum sitzen junge Männer mit einem Drink in der Hand in ihren Sesseln. Viele von ihnen haben Frauen auf ihrem Schoss, die sich verführerisch an ihnen reiben.

Ich höre interessiert zu, was meine Begleiterinnen von dem Ganzen halten. Die Stripclub-Analyse aus weiblicher Perspektive ist spannend: «Die Frauen müssen ein sehr grosses Selbstbewusstsein haben», sagt Patrizia. «Ja, aber die vielen bewundernden Blicke sind bestimmt auch gut fürs Selbstbewusstsein», erwidert Lea. Zudem fällt ihnen sofort auf, dass die meisten Frauen, die bei einem Mann auf dem Schoss sitzen, ihren Geldgebern nie in die Augen schauen. Patrizia meint deshalb: «Unglaublich, dass diese Typen für ein bisschen gespielte Nähe bezahlen – arme Männer!»

Route: Von Los Angeles nach Phoenix

Wie Lea und Patrizia im Gentlemen's Club schlüpfe auch ich bei der Chippendales-Show nach einer Weile in die Beobachterrolle. Es ist faszinierend, zu sehen, wie hunderte Frauen alle ihre Hemmungen verlieren und die Männer auf der Bühne lautstark dazu auffordern, ihre Hüllen fallen zu lassen. Was mich überrascht, sind die klischeehaften Männerbilder, welche die Menge zum Kreischen bringen: vom muskulösen Bauarbeiter über den Cowboy bis zum uniformierten Polizisten.

Insgesamt bleibt die Vorstellung aber eher harmlos. Beim nackten Hintern ist Schluss, ihr bestes Stück zeigen die Stripper nie. Und auch zu Körperkontakt kommt es nur kurz, als ein paar Zuschauerinnen auf die Bühne geholt und sexuell eindeutig angetanzt werden.

«Im Gentlemen's Club geht es deutlich intimer zu und her, die Frauen müssen mehr preisgeben.»

Nach der Vorstellung sage ich deshalb: «Für mich war Chippendales nicht viel mehr als eine Tanzshow. Im Gentlemen's Club geht es deutlich intimer zu und her, die Frauen müssen mehr preisgeben. Ich finde, die beiden Dinge sind nicht vergleichbar.» Patrizia widerspricht: «Doch, es ist vergleichbar. Wir haben gesehen, wie weit Frauen und Männer gehen, bevor es darum geht, für Sex zu bezahlen.» Ich: «Aber einige Frauen im Gentlemen's Club treffen die Männer später im Verborgenen zum Sex. Bei den Chippendales-Strippern ist das sicher nicht der Fall.»

Schliesslich verstricken wir uns in eine endlose Diskussion darüber, wieso mehr Männer für Sex bezahlen als Frauen. Zu einer abschliessenden Meinung kommen wir nicht – wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil es DIE Männer und DIE Frauen nicht gibt.

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Las Vegas von oben. bild: thomas schlittler

In einem Punkt aber sind wir uns einig: Fürs gegenseitige Verständnis kann es nicht schaden, wenn Männer mal eine Chippendales-Show miterleben und Frauen einen Gentlemen's Club besuchen. Um diese Erkenntnis zu verbreiten, nehmen wir sogar in Kauf, dass wir mit dieser Kolumne das oberste Gebot von Las Vegas verletzen: «Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas.»

Und das war die Reise der Woche 78: von Los Angeles (USA) nach Phoenix (USA)

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