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epa07695023 Pope Francis (L) and Russian President Vladimir Putin (R) shake hands as Archbishop Georg Ganswein (2-L) looks on during their meeting at the Vatican, 04 July 2019. Putin arrived for a one-day visit to Vatican and Rome to meet with the Pope and Italian leaders. EPA/ALEXEI DRUZHININ / SPUTNIK / KREMLIN POOL MANDATORY CREDIT

Die Kirchen sind auch heute noch ein Machtfaktor: Putin bei seinem dritten Papstbesuch im Vatikan. Bild: keystone

Sektenblog

Religionen haben die Welt nicht besser gemacht, weil sie die Gläubigen unterdrückten

Der Bedeutungsverlust der Religionen führte zu individuellen Freiheiten.



Die Welt ist laut Bibel ein Jammertal, seit Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hat. Seither regiert angeblich das Böse. Und dies hat laut traditioneller christlicher Lesart zwei Hörner.

Zwar versuchen die Religionen, dem Chaos ihre Moral und Ethik entgegenzusetzen, doch der Erfolg ist überschaubar. Die christlichen Kirchen beklagen sich, zumindest im Westen herrsche derzeit Sodom und Gomorra, weil viele Leute den Kirchen den Rücken kehren würden. Und somit die christlichen Gebote missachteten.

Doch haben die Religionen tatsächlich Ethik und Moral in die Welt gebracht? Es ist unbestritten, dass die Leute früher angepasster und somit weniger «sündig» waren. Das Leben verlief in geordneten Bahnen, die Leute hielten sich an Normen, auch an die religiösen.

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Moral hat nur bedingt mit dem Glauben zu tun. Video: YouTube/Kas'im von Lehon

Ob dies primär das Werk der Glaubensgemeinschaften war, muss bezweifelt werden. Dafür sorgten wohl in erster Linie die sozialen und politischen Zwänge, die angepasstes Verhalten bewirkten. Die autoritären Strukturen und die enge soziale Kontrolle hatten eine disziplinierende Wirkung.

Bei diesem Disziplinierungsprozess – man kann es auch Unterdrückung nennen – spielten die christlichen Kirchen stets eine wichtige Rolle. Sie waren autoritäre Institutionen, die die Gläubigen mit moralischen und religiösen Dogmen auf die Linie brachten. Und mit sozialer Kontrolle. Da sie eng mit politischen Gremien verbandelt waren, waren sie Teil des Unterdrückungssystems.

Bei der Inquisition spielten Kleriker Richter

Dies war im Mittelalter zumindest sehr ausgeprägt: Es gab die Inquisition, bei der die Kleriker Richter spielten. Und zwar rein weltliche. Und da war der Ablasshandel, der den Reichen trotz sündigem Verhalten die Tür in den Himmel öffnen sollte. Gleichzeitig machte der Klerus dem gewöhnlichen Volk die Hölle heiss.

Auch bei uns funktionierte diese Disziplinierung mit der religiösen Keule bestens. Dies erlebte auch Anna Göldi, die 1782 als Hexe hingerichtet wurde. Der evangelische Rat, der sich paritätisch aus katholischen und protestantischen Personen zusammensetzte, verurteilte sie zum Tod durch das Schwert. Das Urteil war deshalb nicht rechtens.

Die katholische Kirche verfolgt die Disziplinierung der Gläubigen auch heute noch.

Noch in meiner Jugend hatten die Vikare und Pfarrer ein hohes Ansehen und waren als Vertreter Gottes unantastbare Autoritätspersonen, die über die Beichte und die Seelsorge die Gläubigen kontrollieren und disziplinieren konnten. Das Verhalten wurde nicht in erster Linie durch Einsicht, Moral und Ethik geprägt, sondern durch Anpassungszwang und Kontrolle. Noch in den 1970er-Jahren war in manchen Kantonen das Konkubinat verboten. Es waren primär religiöse Kreise, die entsprechende Gesetze durchsetzten.

Die katholische Kirche verfolgt die Disziplinierung der Gläubigen auch heute noch: Katholiken dürfen keine Empfängnisverhütung betreiben und Geschiedene nicht mehr zur Kommunion antreten. Aufklärung, Wohlstand und Säkularisierung haben die Welt freier und gerechter gemacht. Viele Menschen wurden selbstbestimmter und glücklicher. Der Makel liegt allerdings darin, dass viele die Freiheiten für individuelle Bedürfnisse ausnutzen und egoistisch handeln. Mit dem Mangel an religiösem Glauben und dem Bedeutungsverlust der Religionen hat dies aber nichts zu tun.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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208 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
infomann
06.07.2019 10:07registriert June 2015
Man kann es relativ kurz beschreiben.
Bei allen Sekten und Glaubensrichtungen geht es vorallem um Macht und Geld.
Verlogenheit usw. Sind fast normal.
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amRhein
06.07.2019 10:02registriert March 2016
Götter existieren nur in den Köpfen der Gläubigen.
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Eiswalzer
06.07.2019 10:22registriert June 2019
Sehr guter Artikel. Ein wichtiger “disziplinierender” Aspekt kommt hinzu: ANGST!
Die Leute hatten Jahrhunderte keinen/kaum Zugang zu Bildung (die Oberen wussten schon warum...), die Lebenserwartung war generell gering, ständig gab es Seuchen, Kriege und Konflikte.
Die Kirche, der Staat und das Gesetz waren oftmals eins. Und das waren, auch wenn die Leute durch Unterdrückung “disziplinierter” waren, alles andere als gute Zeiten. Ganz im Gegenteil. Und das romantisieren heute noch viele Gläubige, falsche Moralapostel und Verträumte.
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