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Geistliche und Theologen geraten in Erklärungsnot, wenn sie zu Satan und seiner Hölle befragt werden.
Geistliche und Theologen geraten in Erklärungsnot, wenn sie zu Satan und seiner Hölle befragt werden.
Bild: Shutterstock
Sektenblog

Zum Teufel mit der Hölle!

Liberale Pfarrer sind keine Freunde Luzifers, aus der Bibel verbannen können sie den Höllenfürsten aber nicht.
08.07.2017, 08:0417.09.2019, 15:09

Kindern, die an den lieben Gott, ihren Helden Jesus und die beschützenden Engel glauben, gibt man die Bibel besser nicht in die Hand. Das Buch der Bücher ist nämlich harte Kost für junge Menschen, die das Böse in der Welt noch nicht erfahren haben.

Die Bibel ist nämlich voll von Gewalt- und Gräueltaten. Vor allem das Alte Testament strotzt davon und enthält mehrere hundert Gewaltaufrufe und Horrorszenen.

Harte Kost für Kinder und Gläubige

Harte Kost sind auch Satan und Hölle. Der Teufel agiert ausserhalb von Gottes Kontrollbereich. Er regiert als Herr über sein eigenes, dunkles Reich. Er ist der Höllenfürst und Luzifer. Wer seinen Versuchungen erliegt, sich schwer versündigt und ihm in die Hände fällt, landet in der ewigen Verdammnis.

Geistliche und Theologen geraten in Erklärungsnot, wenn sie zu Satan und seiner Hölle befragt werden. Diese archaischen Instanzen passen schlecht zum modernen Weltbild und zu pädagogischen Konzepten, die nicht auf Rache und Sühne aufbauen, sondern auf Vergebung und Unterstützung.

In ihrem Dilemma erklären mir Pfarrer immer wieder, sie würden nie über Satan und die Hölle predigen oder sie im Religionsunterricht erwähnen. Es sei nicht im Sinn des Evangeliums, den Gläubigen zu drohen und ihnen Angst mit der Hölle zu machen. Für sie zählten vor allem die frohen Botschaften im Neuen Testament.

Verbannen können sie aber Satan und Hölle auch nicht aus ihrem theologischen Gewissen, denn beide sind integraler Bestandteil der Bibel. Die katholische Kirche hält auch treu zu Satan, heisst es doch im Katechismus: «In Todsünde sterben, ohne diese bereut zu haben und ohne die barmherzige Liebe Gottes anzunehmen, bedeutet, durch eigenen freien Entschluss für immer von ihm getrennt zu bleiben. Diesen Zustand der endgültigen Selbstausschliessung aus der Gemeinschaft mit Gott und den Seligen nennt man ‹Hölle›.»

Matthäus: «Ihr Schlangen und Otterngezücht! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?»

Die gewundene Formulierung zeigt, dass es den Verfassern nicht leicht gefallen ist, die Hölle zu beschreiben. Im Vergleich zu biblischen Aussagen, in der von ewiger Verdammnis und Qualen die Rede ist, fällt die Beschreibung sanft aus.

In Matthäus 23,33 heisst es: «Ihr Schlangen und Otterngezücht! wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?» Und in Markus 9,43 lesen wir: «So dich aber deine Hand ärgert, so haue sie ab! Es ist dir besser, dass du als ein Krüppel zum Leben eingehest, denn dass du zwei Hände habest und fahrest in die Hölle, in das ewige Feuer.»

Liberale Theologen interpretieren die biblischen Aussagen so: Sünder würden nicht ewige Höllenqualen erleiden, sondern den zweiten und endgültigen Tod im ewigen Höllenfeuer.

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Das Ausklammern oder die Verharmlosung der Hölle ist löblich, aber inkonsequent. Satan und Hölle bleiben zentrale Aspekte der christlichen Heilslehre, die nicht weglassen oder beliebig modifiziert werden können.

Der Höllenfürst kommt durch die Hintertür auf die Bühne zurück

Ausserdem schleicht sich der Höllenfürst wieder durch die Hintertür auf die Bühne, wenn die Geistlichen das Jüngste Gericht thematisieren. Der Jüngste Tag, an dem Gott über die Menschen richtet, kann nicht von der Bibel abgespalten werden, denn das ganze transzendentale Konzept läuft auf dieses Ereignis hinaus. Es ist der moralische Kern: Wer gottesfürchtig und einigermassen sündenfrei gelebt hat, wird erlöst. Wer hingegen eine Todsünde begangen hat, wird verdammt, wie in den Evangelien festgehalten ist.

Matthäus formuliert es unzweideutig: «Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!»

Der «smarte Teufel» oder «Hölle light»?

Aus diesem Teufelskreis kommen selbst die liberalen Theologen nicht heraus. Sie können sich auch nicht in die gern bemühte Argumentation retten, diese Aussagen seien bildhaft oder als Gleichnis zu verstehen. Die Idee von der Hölle und der ewigen Verdammnis lässt sich beim besten Willen nicht metaphorisch verstehen. Der «smarte Teufel» oder «Hölle light» – das funktioniert nicht.

Es scheint, als seien Satan und Hölle göttliche Fehlkonstrukte. Oder sind sie etwa in Hinweis darauf, dass die Bibel nicht von Gott inspiriert ist? Für diese These spricht der Umstand, dass die Idee von Satan und Hölle viel älter ist als die Bibel und das Urchristentum: Sie trieb ihr Unwesen schon in früheren Heilslehren und Religionen.

Hugo Stamm
Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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