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Der Teufel.

Rot. Hörner. Feuer. Muss wohl ein Teufel sein. Bild: shutterstock.com

Sektenblog

Exorzismus: Die katholische Kirche treibt noch immer den Teufel aus – auch in der Schweiz

Christoph Casetti, Bischofsvikar und Exorzist des Bistums Chur, ist vor einer Woche gestorben. Jetzt wird ein neuer Teufelsaustreiber gesucht.



Christoph Casetti, Bischofsvikar des Bistums Chur, ist vor einer Woche im Alter von 76 Jahren verstorben. Bekannt war der Geistliche nicht nur wegen seiner hohen Stellung in der konservativen Kirchenleitung, sondern auch wegen seinem Steckenpferd.

Domherr Christoph Casetti in der Kathedrale von Chur, aufgenommen am Dienstag, 2. Oktober 2007, nach der groessten Restaurierung in der Geschichte der ueber 700 Jahre alten Kathedrale. Nach siebenjaehriger Planungs- und Bauzeit wird das Bauwerk am 7. Oktober 2007 im Rahmen eines Gottesdienstes unter der Leitung von Dioezesanbischof Vitus Huonder und im Beisein des eremitierten Bischofs Amedee Grab geweiht und symbolisch der Kirchgemeinde und Oeffentlichkeit uebergeben. Rund zwei Drittel der Restaurierungskosten von 23 Millionen Franken wurden durch Eigenmittel, private Spenden und aus Kirchenkreisen finanziert. Die Kathedrale Chur zaehlt zu den bedeutendsten Kulturdenkmaeler der Schweiz. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Christoph Casetti auf einer Archivaufnahme von 2007. Bild: KEYSTONE

Casetti war nämlich das Aushängeschild unter den Schweizer Exorzisten. Als Gegenspieler des Satans focht er manchen Kampf gegen den Leibhaftigen aus. Statistiken gibt es nicht, doch er dürfte mehrere hundert Mal die Klinge mit dem Satan gekreuzt haben. Dabei kämpfte er nicht mit einem Samurai-Schwert, sondern mit dem Schwert des Glaubens.

Wie viele angeblich besessene Gläubige Casetti tatsächlich vom Satan befreit hat, wissen wir nicht. Hingegen ist klar, was für ein religiöses Weltbild der Geistliche pflegte. Denn wer exorzistisch unterwegs ist, muss an einen Dämon glauben, der auf der Erde sein Unwesen treibt, Gläubige verführt und im schlimmsten Fall in ihren Körper eindringt. Ein Horrorszenario aus dem Mittelalter, das bei Kindern traumatische Reaktionen auslösen kann.

Christoph Casetti über den «Grossen Exorzismus»:

Video: SRF

Casetti spielte das Exorzismusritual gern herunter. Es handle sich vor allem um Segnungen und Gebete, sagte er. Nur: Der Vatikan hat das Ritual genau umschrieben. Es gibt den kleinen Exorzismus und für schwere Fälle den grossen. Diese dürfen nur Geistliche vollziehen, die die Ausbildung als Exorzist absolviert haben.

Das grosse Schweigen

In Sachen Segnungen und Gebete sind alle Geistlichen ja bereits Experten. Deshalb müssen beim Exorzismus noch andere Aspekte eine Rolle spielen. Doch darüber schweigen die katholischen Exorzisten.

Casetti verriet in einem Interview immerhin, dass er den Besessenen und den offensichtlich anwesenden dämonischen Kräften das Kreuz zeige und diese auffordere, von den Bedrängten zu fliehen. Somit ist klar, dass die katholischen Exorzisten daran glauben, dass die teuflischen Mächte Besitz von uns Menschen ergreifen können. Und dies den angeblich Besessen glauben machen. Ein Irrsinn.

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Der verstorbene Bischofsvikar und Exorzist Christoph Casetti in einem Radiointerview. Video: YouTube/SRF Virus

Der Satan war im Mittelalter das Synonym für das Böse. Er gab der Gier, der Aggression und dem Neid ein Gesicht. Die Geisteswissenschaften entlarvten inzwischen das Böse als psychologisches Phänomen, unter anderem hervorgerufen von Ängsten, strukturellen Zwängen und einem Machtdrang.

Das Böse entsteht also in unserer Mitte. Es fällt nicht von oben auf uns herab und steigt auch nicht aus der Hölle hoch. Psychologisch gesehen ist der Teufel eine Projektion.

Auch im katholischen Spanien blüht der Exorzismus:

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Video: YouTube/DW Deutsch

Es ist fatal, psychische Probleme auf den Dämon zurückzuführen. Exorzismen können Ängste sogar verstärken und psychische Belastungen verschärfen. Bei Psychosen, vor allem bei Schizophrenie und Paranoia, besteht die Gefahr, dass Teufelsaustreibungen zu Traumen führen. Opfer müssten die katholische Kirche dafür wegen seelischer Grausamkeit verantwortlich machen und belangen können.

Einer Person mit Verfolgungsängsten zu suggerieren, der Satan wüte in ihrem Körper, ist nicht nur dreist, sondern auch grausam.

Italien scheint das Mutterland des Exorzismus zu sein. Laut Schätzungen katholischer Beratungsstellen suchen jedes Jahr Zehntausende Menschen Exorzisten auf. Und der inzwischen verstorbene Oberexorzist Pater Gabriele Amorth von der Diözese Rom behauptete vor ein paar Jahren, in den 21 Jahren seines Wirkens 70’000 Dämonen vertrieben zu haben.

Der Satan will die Seelen von Gläubigen in den Tod treiben

Amorth war Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der internationalen Vereinigung der Exorzisten. In seinem Buch «Memoiren eines Exorzisten – Mein Kampf gegen den Satan» äusserte er die Überzeugung, der Satan sei heute aktiver denn je und versuche, die grösstmögliche Zahl von Seelen in den ewigen Tod zu treiben. Der Auftrag von Jesu Christi, Menschen von Dämonen zu befreien, sei so aktuell wie je.

Der Vorzeige-Exorzist offenbart damit ein fundamentalistisches religiöses Weltbild, bei dem der Satan ein reales Wesen und der Inbegriff des Bösen ist. Oder der Antichrist, der ausserhalb des Machteinflusses Gottes agiert und Besitz von Gläubigen ergreifen kann.

Segnungen und Gebete allein reichen kaum, um Dämonen zu vertreiben

Da helfen Segnungen und Gebete kaum viel, wie der verstorbene Casetti und die übrigen Schweizer Exorzisten der Öffentlichkeit weismachen wollen. Gegen den Satan braucht es offensichtlich härteres Geschütz. Doch darüber schweigen die Teufelsaustreiber.

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Reportage über den Exorzismus in Deutschland. Video: YouTube/STRG_F

Die Nachfrage nach Exorzismus-Ritualen hat in den letzten Jahren zugenommen. Doch das hat nichts mit dem vermehrten Wüten des Satans zu tun, sondern mit den zunehmenden psychischen Belastungen in einer stets komplexeren Welt.

So suchen Gläubige mit Depressionen, Paranoia und anderen psychischen Krankheiten häufiger Hilfe bei Exorzisten statt bei Psychiatern und Therapeuten. Einer Person mit Verfolgungsängsten zu suggerieren, der Satan wüte in ihrem Körper, ist nicht nur dreist, sondern auch grausam.

Hugo Stamm; Religionsblogger

Hugo Stamm

Glaube, Gott oder Gesundbeter – nichts ist ihm heilig: Religions-Blogger und Sekten-Kenner Hugo Stamm befasst sich seit den Siebzigerjahren mit neureligiösen Bewegungen, Sekten, Esoterik, Okkultismus und Scharlatanerie. Er hält Vorträge, schreibt Bücher und berät Betroffene.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.

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339 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Füürtüfäli
15.02.2020 08:16registriert March 2019
Gleich mal den Teufel aus den ganzen pädophilen Priestern austreiben. Da wartet genug arbeit...
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Reto Schnurrenberger-Stämpfler
15.02.2020 08:17registriert December 2019
Wenn ich mich so umschaue, macht der sogenannte Satan eindeutig den besseren Job, bei all den klugen Menschen die zunehmend der Kirche und ihren verkorksten Protagonisten fern bleiben.
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Scrj1945
15.02.2020 08:21registriert March 2016
Satan ist genau so rin menschliches hirngepsinnst wie gott auch. Wurde von uns menschen im hirn erschaffen das man an was glauben kann und was zum fürchten hat.
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