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Speedy hat jetzt Sommerpause: Olten schafft den Einzug ins Finale nicht. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Olten scheitert zum 25. Mal in Serie. Warum machen die Langenthaler immer alles besser?

Die ganze Geschichte der Oltner Hockeykultur wird in 61 Minuten und 13 Sekunden erzählt. Langenthal zieht ins Finale gegen La Chaux-de-Fonds ein und die «Miserablen» der höchsten Liga dürfen aufatmen. Wird Michael Liniger Trainer in Olten?



Am 8. März 1994 verliert Olten im Penaltyschiessen gegen Biel 3:4 und steigt ab.

Oltens Geschichte ist seither die einer unvollendeten Hockeykultur. Wir brauchen nicht all die Dramen der letzten 25 Jahre zu erzählen, um Olten zu verstehen. Es genügen 61 Minuten und 13 Sekunden. Im sechsten Akt des grossen Halbfinaldramas gegen Langenthal haben wir Glanz und Elend der Oltner komprimiert in einem Spiel erlebt. Es war das Ende einer grossen, hochstehenden, dramatischen Serie.

Olten verliert in dem Augenblick alles, als sich die Wende zum Guten abzeichnet. Als alle Zeichen auf Sieg deuten und am fernen Horizont das Finale sichtbar wird.

Zum ersten Mal in dieser Serie spielt Olten in jedem Bereich auf Augenhöhe mit dem Gegner. Die Langenthaler können ihr Tempospiel nicht mehr entfalten. Die Oltner rücken zusammen, reduzieren die defensiven Fehler und im Schlussdrittel vermögen sie gar zu dominieren (9:6 Torschüsse). «Traktor Olten» gibt Gas und holt die «Schoren Jets» endlich ein.

Lukas Haas hat zum 1:0 getroffen. Ein gutes Zeichen. Torhüter Simon Rytz bringt mit seiner Unberechenbarkeit die Langenthaler zur Verzweiflung und kassiert keinen haltbarenTreffer. Ein gutes Zeichen. Bis in die Schlussphase hinein gibt es bloss vier Strafminuten. Ein gutes Zeichen.

In der 52. Minute gelingt zwar Langenthals Nico Dünner der Ausgleich zum 2:2. Aber dieser Gegentreffer erschüttert die Oltner nicht mehr. Es geht auf die Verlängerung zu, die Segel des Selbstvertrauens sind gesetzt, der Sieg scheint bei aller Unberechenbarkeit zum greifen nah und damit die Chance auf ein 7. Spiel am Sonntag daheim im Kleinholz.

Oltens Lukas Haas im vierten Playoff-Finalspiel der Eishockey Swiss League zwischen dem EHC Olten und den SC Rapperswil-Jona Lakers in der Eishalle Kleinholz in Olten am Mittwoch, 4. April 2018. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Eine Strafe zuviel: Lukas Haas. Bild: KEYSTONE

Und dann trifft der Zorn der Hockey-Götter die Oltner doch. 49 Sekunden vor Schluss der regulären Spielzeit. Captain Lukas Haas, der Eigenwillige, der Hochtalentierte, fällt beim Surfen zwischen Wahnsinn und Genie vom Brett: ein Stockschlag in der offensiven Zone ohne jede Not. Eine reine Frustreaktion. Die sehr guten Schiedsrichter verhängen zwei Strafminuten.

Die Pause zur Verlängerung nützt Langenthals charismatischer Bandengeneral Per Hanberg, um seinen Jungs das Powerplay, das in dieser Partie noch nicht funktioniert hat, noch einmal zu erklären. Und Pascal Pelletier, der Leitwolf im Ehrengewand des Topskorers, trifft in der Verlängerung nach 73 Sekunden zum 3:2.

Der SC Langenthal steht im Finale. Olten ist zum 25. Mal in Serie gescheitert. Eishockey in unserer zweithöchsten Liga ist, wenn Olten nicht Meister werden kann.

Langenthals Spieler jubeln nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag, 31. Maerz 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Langenthal weiss, wie Final geht: Hier 2017 gegen Rapperswil-Jona. Bild: KEYSTONE

Halt, halt wir dürfen der Polemik Einhalt gebieten! Hockeyjuristisch ist Lukas Haas unschuldig. Der alles «vernichtende» Treffer fällt zwei Sekunden nach Ablauf seiner Strafe. Aber das ist bloss hockeyjuristische Haarspalterei. Das Tor, das Oltens Saison beendet, wird aus der Grundaufstellung des Powerplays heraus erzielt. Lukas Haas ist schuld.

Hinterher wird Sportchef Marc Grieder mit seinem eigenwilligen Captain hadern. «Wenn einer eine Strafe nimmt, um ein Tor zu verhindern, dann ist das zu akzeptieren. Aber eine völlig unnötige Strafe in der letzten Minute vor einer Verlängerung in der gegnerischen Zone…» Er wird von einem Zaungast getröstet. Es gebe halt einen Grund, warum ein so hochtalentierter Stürmer wie Lukas Haas nicht mehr in Langnau in der höchsten Liga, sondern in Olten spiele.

Ja, so ist es. Oltens Geschichte der 25 gescheiterten Versuche um eine Rückkehr auf die grosse Bühne ist auch die Geschichte der kleinen Unvollkommenheiten. In der zweithöchsten Liga spielen eben die «Unvolkommenen». Die «Volkommenen» stehen ganz oben in Lohn und Brot.

Die Oltner sind gute Verlierer. So intensiv die Rivalität auf dem Eis, so hoch ist der gegenseitige Respekt. Freundlich verabschieden sie sich von ihren Rivalen. Aber es ist kein Trost, dass Langenthal eigentlich ein verdienter Sieger ist, der die ganze Serie mit 220:154 Torschüssen dominiert hat. Es hätte doch reichen können.

Die Niederlage im 6. Spiel ist – wir haben es erklärt – eine ganz bittere. Zum ersten Mal haben die Oltner eine Playoffserie gegen Langenthal verloren. Die letzten drei hatten sie gewonnen. Zum ersten Mal haben die Langenthaler Olten auf dem Eis den grossen Traum verdorben. Bisher haben sie das nur neben dem Eis gemacht.

Wer so richtig Salz in die Wunden der Oltner einreiben will, stellt folgende Fragen:

«Wo wäre Olten, wenn 2010 bloss 50'000 Franken in Lohnerhöhungen investiert und so die Verträge von Brent Kelly und Jeff Campbell verlängert worden wären?»

Die beiden Kanadier wechselten nach nur einer Saison 2010 nach Langenthal, bescherten den Oberaargauern goldene Jahre des Ruhmes mit zwei Titeln und erlösten sie von allen Sorgen ums ausländische Personal. Mit Jeff Campbell und Brent Kelly hätten die Oltner mindestens zwei B-Meisterschaften gewonnen.

«Wo wäre Olten, wenn Heinz Ehlers oder Jason O’Leary in Olten und nicht in Langenthal gearbeitet hätten?»

Der Däne und der Kanadier haben den Langenthalern die goldenen Jahre des Ruhmes mit zwei Titeln beschert und von allen Trainersorgen erlöst. Und wir können gleich noch anfügen: auch mit Per Hanberg haben die Langenthaler auf diese Saison wieder den richtigen Trainer gefunden. Mit Heinz Ehlers und Jason O’Leary hätten die Oltner mindestens zwei Meisterschaften gewonnen und wahrscheinlich den Wiederaufstieg geschafft. Mit Per Hanberg wären sie jetzt wahrscheinlich imFinale.

«Wo wäre Olten, wenn begabte Strategen wie Sportchef Reto Kläy (heute in Zug) oder Geschäftsführer Gian Kämpf Olten und nicht Langenthal zur Hockey-Vorzeigefirma gemacht hätten?»

Mit Reto Kläy und Gian Kämpf hätten die Oltner mindestens zwei Meisterschaften gewonnen und wahrscheinlich den Wiederaufstieg geschafft.

«Wo wäre Olten, wenn Marc Eichmann und Marco Mathis das Tor in Olten statt in Langenthal gehütet hätten?»

Die beiden Goalies haben Langenthal die Jahre des Ruhmes beschert. Mit Marc Eichmann und Marco Mathis hätten die Oltner mindestens zwei Titel geholt.

Das schmerzt. Der Erzrivale, der doch nie aufsteigen will, weil er nicht darf, macht fast alles richtig. Die Oltner haben eigentlich nur eine polemische Gegenfrage: Wo wäre der SC Langenthal, wenn Hauptaktionär Stephan Anliker nicht den Verstand verloren hätte (excusez l’expression) und seine Energie und sein Geld in seine Hockeyfirma investieren und nicht bei Fussball-GC verschwenden würde? Wahrscheinlich in der höchsten Liga.

GC - Praesident Stephan Anliker nach der Niederlage beim Fussballspiel dert Super League Grasshopper Club Zuerich gegen die BSC Young Boys im Stadion Letzigrund in  Zuerich am Samstag, 9. Maerz 2019.     (KEYSTONE/Walter Bieri)

Wo wäre der SC Langenthal, wenn Hauptaktionär Stephan Anliker sein Geld nicht bei GC investieren würde? Bild: KEYSTONE

Aber vielleicht ändern ja die Zeiten. Nun obliegt es Marc Grieder, seine Mannschaft auf nächste Saison vollkommener zu machen. Oltens Sportchef braucht in allererster Linie einen neuen Trainer und mindestens einen neuen Ausländer. Besser wäre eigentlich, mit beiden ausländischen Stürmern die Verlängerungsoption nicht einzulösen.

Alles steht und fällt mit der Wahl des richtigen neuen Trainers. Dass Chris Bartolone keinen neuen Vertrag bekommt, steht fest.

Marc Grieder sagt, er könne sich auch eine helvetische Lösung vorstellen. Ein guter Schweizer Trainer ist, da er nicht netto entlöhnt wird und seine Steuern selbst zahlt, halb so teuer wie ein gleich guter ausländischer Kollege.

Sein Kandidat Nummer 1 ist ein guter Mann. Michael Liniger. Der 39-jährige Emmentaler war jahrelang ein stiller Leitwolf in Kloten. In den letzten zwei Jahren hat er bei den GCK Lions als Assistent gedient und ist nach der Verpflichtung von Arno Del Curto Assistent bei den ZSC Lions geworden. Marc Grieder bestätigt auf Anfrage die Gespräche mit diesem Wunschkandiaten.

Zuerichs neuer Trainer Arno del Curto, rechts, und sein Assistent Michael Liniger, links, leiten ihr erstes Training mit der Mannschaft der ZSC Lions, am Dienstag, 15. Januar 2019, in der KEBO. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

So eine Art Arno Del Curto ohne Wahnsinn: Michael Liniger (links) und Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Michael Liniger ist ein Trainer der neuen Generation. Klug, durchsetzungsstark und seine Schwäche ist höchstens, dass er vielleicht eine Spur zu normal ist. So eine Art Arno Del Curto ohne Wahnsinn.

Mit Manager Patrick Reber, einst Bürogeneral der Liga, und Marc Grieder hat Olten neben dem Eis zum ersten Mal seit 1994 die Aussicht auf Ruhe und Stabilität – und mittelfristig Aussichten auf eine Rückkehr in die höchste Liga. Auch das ist eine Lehre aus dieser Halbfinalserie: das Mittelland ist Hockey-Country. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum Olten mittelfristig in der höchsten Liga nicht eine ähnliche Rolle spielen kann wie Ambri oder Langnau.

Langenthal singt und lacht und zieht weiter ins Finale. Zum dritten Mal nach 2012 (mit Heinz Ehlers gegen Lausanne) und 2017 (mit Jason O’Leary gegen die Lakers) spielen die Langenthaler um den Titel. Sie können Meister. Die beiden ersten Finals haben sie gewonnen.

Langenthals Spieler und Staff feiern den NLB Meistertitel, nach dem siebten Playoff-Finalspiel der National League B zwischen dem SC Langenthal und dem SC Rapperswil-Jona Lakers, am Dienstag, 4. April 2017, in der Eishalle Schoren in Langenthal. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Langenthal kann Meister: Hier zum Beispiel 2017. Bild: KEYSTONE

Das Scheitern der Oltner ist eine gute Nachricht für die «Miserablen» aus Rapperswil-Jona und die gefallenen Titanen aus Davos. Eines dieser beiden Teams muss in der Liga-Qualifikation gegen den Sieger aus dem Finale Langenthal gegen La Chaux-de-Fonds antreten.

Olten hätte den Willen und alle Voraussetzungen für einen Aufstieg gehabt. Und es wäre für die Oltner einfacher gewesen, die Gestrauchelten aus der höchsten Liga niederzuringen als diese Serie gegen Langenthal zu gewinnen. Gegen Olten wären die Lakers oder der HCD in Abstiegsgefahr geraten.

Gegen Langenthal oder La Chaux-de-Fonds wird es nur eine Operetten-Ligaqualifikation geben. Natürlich wird der NLB-Meister feierlich erklären, man wolle unbedingt aufsteigen und sei parat.

Tatsächlich haben sowohl Langenthal wie La Chaux-de-Fonds von der Liga die Bewilligung erhalten, um den Aufstieg zu spielen. Aber um dann auch aufzusteigen, müssten verschiedene wirtschaftliche und infrastrukturelle Auflagen erfüllt werden.

Langenthal könnte diese Auflagen nicht erfüllen und würde auf den Aufstieg verzichten. La Chaux-de-Fond könnte sie mit knapper Not erfüllen. Aber ist es möglich, dass die «Miserablen» aus Rapperswil-Jona oder der HCD eine Liga-Qualifikation gegen La Chaux-de-Fonds verlieren?

Davos' Cheftrainer Harijs Witolinsch im vierten Eishockey-Spiel der Abstiegsrunde der National League zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Dienstag, 19. Maerz 2019, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Davos' Cheftrainer Harijs Witolinsch. Bild: KEYSTONE

Die Höflichkeit des Chronisten verbietet ihm, diese Frage zu beantworten. Nur so viel: dass La Chaux-de-Fonds oder Langenthal und nicht Olten die Liga-Qualifikation spielen wird, ist eine gute Nachricht für die beiden Playoutisten.

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14 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Schpaetzu
23.03.2019 09:49registriert March 2017
Endlichendlichendlich mal die Mäuse im Playoff geschlagen. Der Chronist hat den wohl wichtigsten Grund für die Durststrecke unserer Nachbarn vergessen: Das Umfeld. Es ist enorm schwierig in Olten etwas aufzubauen, denn beim ersten tief wird von der Lokalpresse und den Fans aus allen Rohren geschossen, bis man schliesslich alles über den Haufen wirft und von vorne beginnt.
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Blitzableiter
23.03.2019 10:08registriert October 2015
Aus die Maus 😉 Olten ist ein bischen wie Lugano. Haben eigentlich fast alles, aber noch immer keine nachhaltige Leistungskultur. Kaufen viel ein, können dabei aber nicht auf Kontinuität setzen. Langenthal hat nicht soviel, holt aber regelmässig das bestmögliche raus. Sie arbeiten schlauer mit dem was zur Verfügung steht. Auch ein wichtiger und entscheidender Punkt: Die Nachwuchsarbeit vom SCL ist deutlich höher und ausgeklügelter als die von Olten.
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magnet1c
23.03.2019 09:56registriert May 2018
Dass der NLB-Final zwischen Langenthal und Chaux-de-Fonds gespielt wird, dürfte Rappi und Davos sicher entgegenkommen. Dass die beiden aber gegen Olten oder Kloten unterlegen wären, dass steht dann doch in ganz anderen Sternen. Weder Olten noch Kloten haben ein Aufstiegsteam und bei beiden stimmt vor allem das Umfeld nicht. In Olten ist es von negativer Stimmung geprägt und in Kloten von utopischen Erwartungshaltungen auf allen Ebenen.
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Eismeister Zaugg

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