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Ein fast perfekter Mazda – aber mit einem nervigen Makel

Mazda 6e
Ästhetisch ansprechend und technologisch gut ausgestattet, ist der Mazda 6e unbestreitbar attraktiv.bild: Mazda
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Ein fast perfekter Mazda – aber mit einem nervigen Makel

Mit dem 6e hat Mazda eine echte Elektrolimousine mit vernünftiger Reichweite, markantem Stil und gepflegtem Komfort geschaffen. Der neue Stromer zeichnet sich durch sein schlüssiges Konzept und seinen erschwinglichen Preis aus, doch die Ergonomie lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig.
17.02.2026, 08:1217.02.2026, 08:12
Jerome Marchon
Jerome Marchon

Der lang erwartete Nachfolger des Mazda 6 heisst 6e. Ein einfaches «e» signalisiert die lang erwartete elektrische Wende. Nach den gemischten Erfahrungen mit dem MX-30, dessen begrenzte Reichweite bemängelt wurde, schlägt der japanische Hersteller nun einen neuen Kurs ein.

Mazda 6e
Mit dem 6e schlägt Mazda ein neues Kapitel der Elektromobilität auf.Image: Mazda

Der Mazda 6e ist aus dem EZ-6 hervorgegangen, der in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Changan für den lokalen Markt im Reich der Mitte entwickelt wurde, und bleibt sowohl der Kodo-DNA als auch dem Erbe von Hiroshima treu.

Die Silhouette ist schlank, das Heck spitz zulaufend, und die bündigen Griffe und der aktive Spoiler deuten auf eine wirkungsvolle aerodynamische Optimierung hin. Die 4,92 m lange fünftürige Grossraumlimousine ist bis ins kleinste Detail auf Effizienz getrimmt und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h darauf ausgelegt, Einbussen bei der Reichweite zu minimieren.

Mazda 6e
Durchdringender Blick.bild: Mazda

Die dynamische Lichtsignatur, die auch als Ladeanzeige dient, verleiht dem Mazda 6e einen willkommenen technologischen Touch.

Mazda 6e: Luxuriöses, voll digitalisiertes Interieur

An Bord präsentiert sich der Mazda 6e mit einem gepflegten Ambiente. In der Ausstattungslinie Takumi Plus sorgen Sitzbezüge aus Nappaleder und Veloursledernachbildung für eine selbstbewusste Premium-Atmosphäre, die durch ein zweiteiliges Panoramadach noch unterstrichen wird. Das Interieur wird jedoch von den Bildschirmen dominiert: einem grossen zentralen 14,6-Zoll-Bildschirm, ergänzt durch ein 10,2-Zoll-Kombiinstrument und ein Head-up-Display.

Mazda 6e
Die Qualität der Materialien und der Verarbeitung ist für diese Preisklasse erstaunlich.bild: Mazda

Insgesamt präsentiert sich das Interieur modern und gut integriert, jedoch hat sich Mazda für eine vollständig taktile Bedienung entschieden – bzw. diese von Changan übernommen –, entgegen zum Trend einer Rückkehr zu physischen Bedienelementen.

Mazda 6e
Ein schlichtes Cockpit, das von zwei Bildschirmen dominiert wird.bild: Mazda

Ein Bedienkonzept mit Schwächen – trotz hochwertiger Verarbeitung und angenehmer Atmosphäre im Innenraum.

Platz und Komfort im Mazda 6e – fast perfekt

Im Innenraum dienen eine Ionisierungsvorrichtung und ein Feinstaubfilter dem Schutz der Fahrzeuginsass*innen. Der Mazda 6e punktet mit zahlreichen, grosszügig bemessenen Ablagen und viel Ladevolumen: 72 Liter im vorderen Kofferraum, 466 Liter hinter der elektrischen Heckklappe, bei umgeklappter Rückbank sogar 1074 Liter.

Mazda 6e
Die elektrische Heckklappe ist ein sehr praktisches Detail!bild: Mazda

Das Raumangebot ist ausgezeichnet, mit viel Beinfreiheit im Fond, auch wenn die etwas niedrige und flache Sitzbank auf langen Strecken nur eingeschränkt Halt bietet. Doch angesichts des grosszügigen Raumgefühl fällt dieses kleine Detail nicht allzu sehr ins Gewicht.

Mazda 6e
Was für ein Empfang im Fond. Die Beinfreiheit ist für diese Fahrzeugklasse gigantisch.bild: Mazda

Ergonomie – die Achillesferse des Mazda 6e

Ausgerechnet bei der Ergonomie verliert der Mazda 6e Punkte, und das, obwohl man von dem japanischen Hersteller bisher stets eine gut durchdachte Bedienlogik gewohnt war. Klimaanlage, Rückspiegel, Ambientebeleuchtung, Fahreinstellungen: Alles wird über den zentralen Bildschirm gesteuert. Sogar für die Bedienung der Scheibenwischer oder Nebelscheinwerfer muss man durch Menüs navigieren und teilweise automatische Funktionen deaktivieren.

Mazda 6e
Sämtliche sekundären Bedienelemente des 6e sind auf dem zentralen Display zusammengefasst.bild: Mazda

Zwar gibt es die Möglichkeit einer Steuerung über Sprache und Gesten, aber deren Effizienz lässt zu wünschen übrig – ebenso wie einige recht fantasievolle Übersetzungen der Menüs.

Mazda 6e
Die technische Ausstattung mag Geeks begeistern, aber die Bedienung über diese Schaltzentrale gestaltet sich doch recht mühsam.bild: Mazda

Im Gegensatz dazu beeindruckt das Soundsystem von Sony, das sogar in die Kopfstütze der Fahrer*innen integrierte Lautsprecher bietet, so dass diese ein immersives Klangerlebnis geniessen können. Auch beim Telefonieren werden die anderen Fahrzeuginsass*innen so weniger gestört.

Zwei Batterien, zwei ... paradoxe Philosophien

Unser Testwagen war ein sogenannter Mazda 6e «258», dessen Batterie mit 68,8 kWh Bruttoleistung eine WLTP-Reichweite von 479 km ermöglicht und einen Heckmotor mit 258 PS antreibt. An einer Schnellladestation nimmt er bis zu 165 kW Leistung auf und benötigt etwa 24 Minuten zum Laden von 10 auf 80 %. Sehr überzeugend.

Mazda 6e
Der Mazda 6e wird mit zwei Batterien und zwei Motorisierungen angeboten ...bild: Mazda

Mazda bietet auch eine «245 Long Range»-Version des 6e an. Hier arbeitet ein 245 PS starker Motor mit einer Batterie von 80 kWh Bruttoleistung zusammen, die 552 km Reichweite nach WLTP zur Verfügung stellt. Dafür ist die Schnellladefunktion auf 90 kW begrenzt (47 Minuten von 10 auf 80 %).

Mazda 6e
Eine Entscheidung, die auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar ist, wenn man lange Strecken zurücklegen muss.bild: Mazda

Es hat sich jedoch herausgestellt, dass bei längeren Fahrten die Variante mit der geringeren Reichweite oft effizienter ist. Dieses Paradoxon ist durch die Wahl der Batterietechnologien (LFP für die kleine und NMC für die grössere Batterie, um insbesondere Gewicht zu sparen) bedingt, wirft in der Praxis jedoch trotzdem Fragen auf ... Denn eine kurze Berechnung zeigt, dass der Reichweitenvorteil der «Long Range»-Version auf Fahrten von mehr als 350 km verloren geht ...

Der Mazda 6e – das Fahrgefühl einer echten Limousine

Auf der Strasse überzeugt der Mazda 6e. Gut gefedert, ausgewogen und mit angenehmer Lenkung, bietet der Antrieb ein sanftes Fahrgefühl. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden ist mehr als ausreichend, und das Fahrwerk toleriert sogar leichte Drifts, die von einem gut kalibrierten ESP schnell korrigiert werden. Trotz dieser positiven Bilanz hätten wir uns gewünscht, dass das gewisse Etwas der Mazda-Verbrennungsmotoren, vor allem die Spritzigkeit der Vorderachse, erhalten geblieben wäre. Ja, das Gewicht ... immer wieder das Gewicht ...

Mazda 6e
Der 6e bietet eine erstklassige Fahrdynamik.bild: Mazda

Der tatsächliche Verbrauch, der bei unserer Testfahrt bei etwa 17 kWh/100 km lag, ist für eine zwei Tonnen schwere Limousine absolut angemessen. Das Fehlen von Schaltwippen zur Steuerung der Rekuperation und die Notwendigkeit, diese – wieder einmal – über das Display einzustellen sorgen im Alltag jedoch für Frustration.

Ein grosser Schritt ... mit Fussfessel

Der 6e ist ein echter Fortschritt für Mazda in der Welt der Elektromobilität: komfortabel, geräumig, elegant und effizient, erfüllt er zahlreiche Anforderungen. Aber seine ergonomischen «Spielereien» stören das Fahrerlebnis unnötig. Hätte man auf die exzessive Nutzung von berührungsempfindlichen Bedienelementen verzichtet oder die Einrichtung von Bildschirm-Shortcuts durch Updates erleichtert, hätte Mazda eine elektrische Limousine entwickelt, an der kein Weg vorbeiführt.

Mazda 6e
Mazda hat hier ein Juwel geschaffen, das noch den letzten Schliff benötigt.bild: Mazda

Vor allem beim Preis ist der Mazda 6e ein echter Knaller: CHF 43 600 für den «258» und CHF 45 350 für den «245 Long Range» in der Basisausstattung Takumi und CHF 45 450 bzw. CHF 47 200 in der Ausstattungsvariante Takumi Plus. Die einzigen Optionen sind Metallic- und Mica-Lackierungen sowie Servicepakete über vier und sechs Jahre. In seiner jetzigen Form ist der 6e ein attraktives und ansprechendes Angebot, vorausgesetzt, man gewöhnt sich an seine Benutzeroberfläche und behält die Augen – und die Aufmerksamkeit – auf der Strasse.

Mazda 6e
Die 6e-Familie wird demnächst durch den CX-6e, dem SUV-Pendant zur Limousine, erweitert.bild: Mazda

Schliesslich sei noch erwähnt, dass Mazda auf dem letzten Autosalon in Brüssel das SUV-Pendant (nur mit Hinterradantrieb) zum 6e vorgestellt hat, den CX-6e. Seine 78-kWh-Batterie treibt einen 258 PS starken Motor an, der je nach Ausstattung eine Reichweite von 468 bis 484 km ermöglicht. Preis: ab CHF 49 000.

Über den Autor

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bild: dr
Jérôme Marchon ist ...
... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Autofan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der Revue Automobile. Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.
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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Xicotencatl Axayacatl
17.02.2026 08:37registriert August 2024
"Sogar für die Bedienung der Scheibenwischer oder Nebelscheinwerfer muss man durch Menüs navigieren"

Völlig unverständlich. Wer denkt sich denn bei so einer totalen Schnapsidee "Moll, super Idee, mache mer!"...? Der All-Touch-Hype ist doch längst am abflauen, aus guten Gründen. Das Auto kann noch so genial sein, aber so eine bescheuerte Bedienung wäre für mich ein absolutes Ausschlusskriterium 🚩
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Peter Vogel
17.02.2026 11:05registriert Juni 2020
Neeeiiin Mazda. Warum dieser bescheuerte Smartscreen? Bisher ging es doch auch immer ohne.
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