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EDS NOTE: NUDITY - Femen activists protest against a ban on women driving in Saudi Arabia in front of the Saudi Arabian Embassy in Berlin, Monday, Oct. 28, 2013. Though no laws ban women from driving in Saudi Arabia, authorities do not issue them licenses. Slogan painted on activist at right reads,

«Frauen, wehrt euch!» Femen-Protest. Bild: AP

Wir Eltern

Ja, wir Mütter sollten uns wehren! (Wir haben nur ein Problem: Wir haben fast keine Zeit dafür)

«Frauen, wehrt euch!» Das sage nicht ich, sondern Remo Largo. Und er hat Recht! Dennoch habe ich Einwände.

nathalie sassine / wir eltern



Ein Artikel von

Im Buch von Sybille Stillhart, «Müde Mütter – fitte Väter» geht es um den ewigen Kampf um Kind und Karriere. Vorneweg: Das Buch ist noch nicht ausgelesen. 

Doch hängen geblieben bin ich bei «Frauen, wehrt euch!», einem Interview mit Remo Largo zum Ist-Zustand der Schweiz. «Es ist vermessen, zu glauben, dass die Wirtschaft je Rücksicht auf die Bedürfnisse der Eltern und Kinder nehmen wird. Unser gesellschaftliches Wertesystem verlangt einen vorbehaltlosen Einsatz am Arbeitsplatz – selbst wenn dies auf Kosten der Familien geht. Deshalb müssen sich die Frauen endlich klar werden: Wenn sie sich selbst nicht wehren, wird nie etwas passieren!» 

Portrait von Remo Largo, aufgenommen am 27. Januar 2011 in Uetliburg, Kanton St. Gallen, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Remo Largo. Bild: KEYSTONE

«Es ist vermessen, zu glauben, dass die Wirtschaft je Rücksicht auf die Bedürfnisse der Eltern und Kinder nehmen wird. (...) Deshalb müssen sich die Frauen endlich klar werden: Wenn sie sich selbst nicht wehren, wird nie etwas passieren!»

Remo Largo, Kinderarzt und Buchautor

Der renommierte Kinderarzt schlägt gar eine Frauen- oder Familienpartei vor. Revolution! 

Ja, wir Frauen sollten uns wehren ...

Lieber Herr Largo. Grundsätzlich bin ich mit Ihnen einverstanden. Dies bereits seit meiner Lektüre von «Babyjahre», wo Sie sagten, dass mein Baby auch einen gekauften Brei überleben würde. Danke Ihnen hierfür. 

Was uns Frauen angeht: Ja, wir sollten uns wehren. Tun wir auch, in diversen Blogs und Zeitungen wehren wir uns gegen Chefs, die uns Mütter als faul bezeichnen, weil wir keine 100%-Stellen annehmen wollen. 

Wir prangern täglich das gesellschaftliche Wertesystem an. In den eigenen vier Wänden versuchen wir mit unseren Partnern, alte Rollenbilder zu knacken, damit unsere Kinder sehen, wie eine gleichberechtigte Partnerschaft aussehen soll. 

... nur haben wir leider keine Zeit dafür

Eine Frauen- oder Familienpartei gründen? Das, lieber Herr Largo, gehört tatsächlich nicht zu den Dingen, die wir unternehmen. Nicht neben der (Teilzeit-)Karriere, den Kindern, der Küche und dem Kraulen unserer Ehemänner. Irgendwie liegt das nicht auch noch drin! 

Und glauben Sie mir, ich wünsche mir nichts mehr, als eine solche Partei zu gründen, anzuführen, mit anderen Müttern auf die Strasse zu gehen und alten Säcken in den Chefetagen den Garaus zu machen. Aber ich habe keine Zeit. 

Wir müssen Kinder betreuen, Wäsche machen, ...

Denn nebst einem eigenen Unternehmen habe ich zwei Kinder, die ich, wie sie selbst sagen «ab und zu bei Tageslicht sehen möchte», einen Mann, der mich tatkräftig unterstützt, der aber auch noch was von mir haben will, wenn der Computer aus und die Kinder im Bett sind. Und ich von ihm. Und ja, ein bisschen Wäsche und Haushalt wären da auch noch. 

Eine Partei führen? Nicht im Moment, vielen Dank. Und wenn die Kinder grösser sind? Dann ist das Problem bei mir nicht mehr so brisant. Teenager brauchen keine Betreuungsangebote wie Kleinkinder, die kann man auch mal alleine lassen (hoffe ich). 

Und wie das so ist mit der Politik: Wenn es mich nicht direkt betrifft, so unternehme ich nichts, schon gar nicht aktiv. Siehe die Beteiligung an Abstimmungs-Sonntagen. 

«Es geht also weiter»

Oder wie Sybille Stillhart lakonisch zum Abschluss ihres Buches sagt: «Es geht also weiter.» 

Mehr über das Buch erfahrt ihr übrigens bald in diesem Blog. Falls es mir gefallen hat.  

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    Alle Leser-Kommentare
  • kEINKOmmEnTAR 24.07.2015 09:27
    Highlight Highlight Du tritst also ein Privileg dass nur wir hier in der Schweiz haben (Abstimmen) mit Füssen nur weil es dich nicht "betrifft"? Das ist egoistisch und du solltest schleunigst deine Meinung ändern und deine Wahl-/ und Abstimmungsrechte wahr nehmen.
    Sonst kannst du auch nach Saudi-Arabien oder Belgien auswandern, da musst du doch nicht um die Politik kümmern, dort machen das Diktatoren schon für dich.
    • Nathalie Sassine-Hauptmann 22.08.2015 08:38
      Highlight Highlight Ich wähle und stimme ab, keine Frage. Aber eine Partei gründen? So nebenbei? Was ich tu, tu ich gerne richtig. Neben Beruf und Familie vernünftig in der Politik tätig sein ist aber utopisch, das sehen wir ja an vielen Politikern...
    • kEINKOmmEnTAR 22.08.2015 16:32
      Highlight Highlight Wenn ihr die richtigen Personen wählt, werden eure Anliegen schon auf den Tisch gebracht.

      Dazu eine Partei gründen zu müssen finde ich übertrieben und erfolglos. Eine Partei mit nur einem Thema scheitert meist (Piratenpartei) oder muss sich links bis rechts einordnen was zum Bruch führen kann. (Grüne und GLP)
  • Miicha 24.07.2015 07:13
    Highlight Highlight Nicht nur Frauen, auch Männer sind genau so davon betroffen. Es braucht eine Familienpartei! Nur dafür braucht es zwei Dinge, die bei fast allen Familien knapp sind, Zeit und Geld. Für die Anliegen auf die Straße gehen kann ich mir aber gut vorstellen.
    • stadtzuercher 24.07.2015 08:07
      Highlight Highlight es gibt ja genug familienparteien, die cvp, die sp, die grünen. ah, die vertreten nicht deine positionen? vielleicht haben auch nicht alle eltern dieselben vorstellungen von der welt. es soll sogar mütter und väter geben, die wählen die svp und die fdp. aber hauptsache wieder mal gejammert.
    • Miicha 24.07.2015 10:11
      Highlight Highlight Solange wir keinen Vaterschaftsurlaub haben, der Mutterschaftsurlaub nur 14 Wochen beträgt, die Kindergarten und Schulen keine schlauen Unterrichtszeiten und generell Mittagsbetreuung bieten, es viel zu wenige Teilzeitstellen gibt und Kinderbetreuung praktisch unerschwinglich ist muss irgendwas geschehen. Ob eine Familienpartei oder Streik aller Eltern ist dabei völlig egal, hauptsache etwas passiert. Würden nicht so viele Grosseltern die Betreuung kostenlos übernehmen, würde die schweizer Wirtschaft zusammenbrechen.
    • Amboss 24.07.2015 11:02
      Highlight Highlight @Miicha: Entschuldige, keine Partei kann Zeit hervorzaubern.
      Und ich glaube auch, das Geld ist nicht das drängendste Problem. Man macht als Familie keine grossen Sprünge, aber man ist doch gut abgesichert.

      Nein, was echt stört ist, dass man sich immer rechtfertigen muss:
      - Wenn man als Frau (erwerbs-)arbeitet, ist man eine Rabenmutter, wenn nicht ein Hausmütterchen
      - Wenn das Kind mal weint kommen verächtliche Blicke
      - Kümmert man sich ums Kind, überbehütet man es,
      - usw.

      Man macht es niemals recht. Immer hat jemand etwas auszusetzen, und jeder redet drein.
      Das ist das wahre Problem.
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  • Kitten 24.07.2015 07:08
    Highlight Highlight Wow, jedem der einer Mutter sagt, sie sei faul weil sie keine 100% Stelle annimmt, dem sollte mal ordentlich den Kopf gewaschen werden. (Egal ob es der Chef oder jemand anderes ist) ich hab selber (noch) keine Kinder, weil ich genau vor diesem Pensum und der Verantwortung riesigen Respekt habe.

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