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Yonnihof Shopping

Bild: Shutterstock

Sonntagskrieg

Es gibt ein Phänomen. Ich nenne es World-War-Three-Chaos-Simulation. 

Enger Raum, dutzende Menschen. Sie schubsen einander, sie zischen einander an, sie reissen sich gegenseitig Dinge aus den Händen. Manche streiten sich lauthals oder schreien sich an. Die Luft steht unter Strom – jeder Schritt muss wohl gewählt sein. Nur keine falsche Bewegung, immer konzentriert bleiben. Sonst folgt das Chaos... 

Ihr ahnt es: Der Bahnhof-Migros an Feiertagen. 

«Fuck, ich bruch unbedingt Cornichons.»

Ich glaube, der gemeine Stadtmensch hat ein Zentrum in seinem Gehirn, das nur an Sonn- oder Feiertagen aktiv wird. Da steht Mirjam am Sonntagmorgen verkatert in der Küche und plötzlich: «FUCK, ICH BRUCH UNBEDINGT CORNICHONS!!»

Unbedingt, unbedingt, unbedingt. 

Im Glas, das im Kühlschrank ganz hinten an der Wand steht, ist nur noch ein wenig pissgelbes Wasser mit ein paar traurigen kleinen Essigzwibeli und diesen seltsamen, beigen Körnchen, die auch immer in den Gläsern sind. 

Fuck. Cornichons. Will haben. Jetzt. Was tun? Der Bahnhof-Migros. Genau. 

Trainerhose anziehen und auf den 31er zum HB. Runter ins ShopVille und hinein in die orangene Hölle. 

Chörbli gibt’s schon keine mehr und nur Lebensmüde wagen sich an einem solchen Tag an ein Wägeli. Zu gross ist das Risiko, in der Menge vom Weg abgedrängt zu werden. 

Erstes Problem: Wo lang? Links die Energydrinks. So wichtig. Rechts das Brot. Auch wichtig. Von hinten drückt sich ihr ein Busen in den Rücken. Wo lang bloss, wo lang bloss? Ein Plan muss her: erst nach links zu den Drinks hechten, dann quer durch die Menge zum Brot. Ninja-Style.

«9-Korn-Langreis-Yoga-Brot und ein Büürli.»

Beim Brotregal besteht Auswahl zwischen 9-Korn-Langreis-Yoga-Brot oder einem Büürli, mehr ist da leider nicht. Büürli it is. Mirjam klemmt es sich unter ihren von den Energydrinks bereits unterkühlten Arm. 

Weiter geht’s. Gemüse. Wäh, spinnsch. Haha. Also gut, eine Banane. Nützt's nüt, so schadt's nüt.

Beim Käseregal kommt sie sich vor wie auf einem afghanischen Ziegenmarkt - die Leute greifen kreuz und quer durcheinander. Mirjam fällt ein Mozzarella vor die Füsse, dessen Verpackung ein Loch hat und sich nun in ihre Flipflops hinein ergiesst. Schön.

Beim Fleisch meldet sich beim Anblick der Innereien der Kater wieder und ihr Magen bewegt sich für ein Paar Sekunden Richtung Halszäpfli.

Guezli. Sehr gut. Bärentatzenaktion! Noch besser! Dann noch WC-Papier (Yeah, dran gedacht!), Apfelmus, Tampons und zwei Packungen Spaghetti, welche sie mittlerweile mit dem Kinn festhalten muss, weil ihre Arme so voll sind. Ihren linken kleinen Finger spürt sie nicht mehr, aber was soll's.

«Die Schlangen an der Kasse sind gar keine Schlangen mehr, sondern Zebraherden.»

An der Kasse warten Schlangen, die schon gar keine Schlangen mehr sind, sondern eher Zebraherden. Man flucht, man schubst - da und dort hört man ein entnervtes «Sie sind nöd schnäller, wänn sie mir Ihres Chörbli in Rugge trucked!». 

15 Minuten und um ca. 13 Hundejahre gealtert tritt Mirjam wieder ins Freie, quetscht sich in den vollgestopften Bus (der ist IMMER voll, immer), welcher im Vergleich zum Einkauf ein «Piece of Cake» ist und kommt schliesslich stolz und erleichtert zuhause an. Sie öffnet den Kühlschrank und was schaut ihr entgegen: Das leere Cornichon-Glas. Nun dürft Ihr raten, was sie nicht gekauft hat...

Nun wünsche ich Euch von Herzen wunderschöne Ostern und hoffe, dass der Hund nicht Eure Osterschoggi frisst und Ihr am Ostersonntagmorgen am HB Ersatz holen müsst. 

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Sie gilt als das neueste Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen - direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony - aber nicht weniger unverblümt.
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