Blogs
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Schatzkiste Yonnihof

bild: shutterstock

I wanna be im Schatzchäschtlii

Yonnihof

Pendlertraum

Warum ich einen Traum habe, in dem «sch» «sh» sein kann – und das völlig in Ordnung ist.



Was das schriftliche Schweizerdeutsch angeht, gibt es ja immer wieder Interpretationsfragen. Manche setzen ein -ä an den Schluss von Verben, andere ein -e. Das Luzerner o ist in Zürich ein u. Des Aargauers «ned» ist andernorts ein «nid» und nochmals woanders ein «nöd». Was ich als Chlüübe bezeichne, kann auch Chnüüble oder Chlemme heissen. 

Ich finde das wunderbar. Nationale Diversität! Schweizerdeutsch Olé!

«Sch» soll immer «sch» bleiben

Wo wir uns wahrscheinlich – oder die meisten von uns – einig sind, ist dass ein «sch» ganz einfach ein «sch» sein sollte. Und keinesfalls ein «sh». Wirklich, wirklich nicht. Okay, vielleicht wenn man zwölf Jahre alt ist – aber selbst dann find ich's schwierig.

Die Sprachperversität hört ja aber eben da noch nicht auf. Leider. «Sp» wird ja dann auch zu «shp» und «tz» zu «dds» und jeder Endvokal wird mindestens vervierfacht. Ehrlich wahr. Und so war ich denn visuell ein bisschen angeekelt, als ich kürzlich wieder einmal den Ausdruck «Shpaddsiiii» zu lesen bekam. Falls Sie das nun nicht entziffern können, geschätzter Leser, geschätzte Leserin (was durchaus für Sie sprechen würde): Es handelt sich um den Diminutiv des Kosewortes «Spatz». 

«Shpaddsiiii». Wäh!

«Der einzige Ort im Land, wo so was erlaubt.»

Nun. Glücklicherweise fand sich dieses Wort an der einzigen Stelle im ganzen Land, wo es erlaubt ist, ja, wo es gar hingehört. Im Schatzchästli. Kennen Sie das? Meine absolute Lieblingsrubrik in einer Schweizer Abend-Pendlerzeitung. Dort tummelt sich die Crème de la Crème der hormongetränkten, endorphinerfüllten Pendlergemeinschaft. Winzige Liebesbotschaften, Vermisstmeldungen, Entschuldigungsschreiben und Anmachen finden sich in den magischen Gefilden des Schatzchästlis.

«Gester i de S12. Du, blond, schwarzes Oberteil, häsch mich zwüschet Stadelhofe und HB aglächlet. Bitte schriib mir. laechelzwischenstadelhofenundhbs12lolblond@gmx.ch.»

«Es ish ohni Zunge gsi. Ich shwör.»

«Marco ich vermis dich. Es tut mir so leid. Bite chum zrug zu mir. Er bedütet mir gar nüt. Es ish ohni zunge gsi. Ich shwör. Libe dich. Sändi»

«Liebs Bärlistinkhäsli. Alläs Guäti zum 3wüchigä. Liäb di für immär. Dis Tigereinhornfüchsli.»

Und dann ist da eben auch noch «Shpaddsiiii». «Heiiiiii Shpaddsiiii,sho siiiit 5 jaaaahr bish du mini beshd fründiiiiiin. Görlpauer for leiiiiiif! Tsüriii forewer! Lov juuuuuu!!!! Diiis Bühsiiii». 

Ich schwöre Ihnen, ich finde solche Nachrichten derart grossartig, dass ich mir manchmal das Pendlerleben zurückwünsche. Und manchmal – ja, manchmal träume ich gar davon, selbst mal darin aufzutauchen. Denn es ist schon was Aussergewöhnliches, das Schatzchästli, nicht? Oder soll ich sagen ... das Shaddschäshdli?

Yonnihof Yonni Meyer

Yonni Meyer

Sie gilt als das neueste Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen - direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony - aber nicht weniger unverblümt.
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Yonnihof

Allein in der Finsternis – Wir müssen mehr über Depressionen reden

Wie erkenne ich eine Depression? Wie komme ich wieder raus? Und wie kann ich helfen, wenn's jemandem in meinem Umfeld schlecht geht? Ein paar Antworten.

Psychische Krankheiten sind in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Es gibt keine Röntgenbilder, die man vorweisen kann, keine Blutwerte, keine einfache Weise, wie man als Laie eindeutig erkennen kann, dass jemand psychisch erkrankt ist.  

Das macht es nicht nur den Betroffenen schwer, offen mit ihrem Leiden umzugehen – es ist auch für Nicht-Betroffene schwierig, Achtsamkeit für psychische Formen von Erkrankungen zu entwickeln. Dazwischen stehen die Angehörigen, …

Artikel lesen
Link zum Artikel