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Vorsicht, Frau Yonnihof

Vorsicht: Frau! Bild: shutterstock

YONNIHOF

Yonnihof

Lieber Roger Köppel! Sigmund Freud hat angerufen, er möchte gerne seine Ansichten von 1900 zurück haben ... 



Yonnihof

Aber erst einmal von vorn. Roger Köppel, seines Zeichens Chefredaktor der «Weltwoche», hat einen Aufsatz zum Thema Mann und Trieb mit dem prägnanten Titel «Begehren» verfasst. Erstaunlicher- und auch löblicherweise handelt es sich dabei um ein In-Schutz-Nehmen Geri Müllers und dessen Drang, sich seinem weiblichen Chat-Gegenüber hinzugeben. Wir alle wissen ja, in welcher Form das geschah. 

Köppel, der doch eher an der rechten Aussenseite des Politregenbogens entlangschrammt, verteidigt also einen von links aussen, weil er es für richtig hält. Finde ich gut. Ganz ehrlich. 

Eigentlich. 

Wenn man den Artikel dann aber durchliest, kommen einem als Frau (und ich nehme an auch manchem Mann) abwechselnd Tränen des Amüsements und der Konsternierung. Mir zumindest. Nebst der Tatsache, dass man den Text schon rein strukturell kaum lesen kann, weil das Wort «Begehren» in den acht kurzen Abschnitten ganze 23 Mal vorkommt, beinhaltet er Aussagen, die selbst eine Grossmutter bei den Amish wohl dazu bringen würde, Köppel zu raten, mal ein bisschen zu chillen. 

«Die Liebe ist eine Höllenmacht!» – Uiiiii!

Da stehen Dinge wie «Die Liebe ist eine Höllenmacht» – UIIIIII – und «Die meisten Männer bringen sich rechtzeitig in Sicherheit, indem sie sich vor der extremen Hitze, die von der begehrten Frau ausgeht, verkriechen.» Die extreme Hitze, die von der begehrten Frau ausgeht? Seriously? Wo hat er das gelesen? In der «Enzyklophädie der Thiere» von 1727? Und Männer müssen sich vor uns überhitzten Frauenzimmern in Sicherheit bringen – warum? Weil wir sie sonst nach dem Akt verspeisen wie Gottesanbeterinnen in Agent Provocateur? 

Nun, grundsätzlich kann ich solche Aussagen ja noch halbwegs nachvollziehen. Herr Köppel gehört anscheinend zu der Sorte Mann, die sich sehr stürmisch und mit Leib und Seele einer Frau hingeben können/wollen/müssen, und obwohl ich mir das bildlich nicht vorstellen kann/will/muss, ist das sehr okay. 

Die tiergewordene Fleischeslust in Form der Frau

Die Verallgemeinerungen sind aber doch recht arg. So sagt er auch, der begehrende Mann sei seinen Trieben komplett ausgeliefert und befinde sich in einem Rausch, der von Lockstoffen der Frau ausgelöst werde. Haha. «Lockstoffe». Da ist sie wieder, die tiergewordene Fleischeslust in Form der Frau. Natürlich sind da Pheromone, die wir ausscheiden, aber das tun Männer auch. Es ist ja nicht so, als hätten wir eine Sex-Lock-Zauberdrüse, die den Mann zunebelt und ihn willenlos macht. 

An dieser «Komplett-Ausgeliefert-Theorie» stört mich vor allem die gänzliche Loslösung von Verantwortung seitens des Mannes und auch, dass der Mann dargestellt wird wie ein hilfloses kleines Hündli, das halt einfach dem Hundeguezli hinterherschwänzelt (Pun intended), weil es nun mal in seiner Natur liegt. So simpel ist kein Mann und ich finde Aussagen wie «Nicht der Mann, die Frau beherrscht charismatisch die Unterwelt der Intimität. Männer, die das Gegenteil vermuten, werden irgendwann durch die Wirklichkeit brutal eines Besseren belehrt» fast ein bisschen beleidigend für die Männer. Es stellt sie als komplette Opfer dar und das ist – in meinen Augen – absoluter Schwachsinn. 

Und dann ist da noch dieses Meisterwerk an gebündelter Weisheit: «Das Begehrtwerden durch den Mann ist die stärkste Droge, ist das stärkste Aufputschmittel der Frau. Mathematisch formuliert: Das weibliche Selbstvertrauen ist die Summe des männlichen Begehrens im Quadrat.»  

Äh. Nein. 

Selbstverständlich ist begehrt zu werden etwas Schönes und selbstverständlich trägt es auch zum Selbstvertrauen bei, wenn einen Männer gut finden. Sehr sogar. Es gibt aber, lieber Herr Köppel, schon noch das eine oder andere, was auch zu unserem Selbstwert beiträgt. Auch wir finden Erfüllung im Beruf, im Sport, in zwischenmenschlichen Beziehungen, die nicht von Sex gesteuert sind. 

Wir haben nebst unserer Geschlechtsteile doch auch noch Gehirne und Herzen.

Fazit: Die Reduktion des Mannes auf das, was in seiner Hose passiert, und die Reduktion der Frau darauf, ebendiesen Hoseninhalt zu steuern, finde ich für einen Mann von Roger Köppels Intelligenz fast ein bisschen traurig. Und obwohl die Natur und unsere Geschlechtsorgane bestimmt grossen Einfluss auf uns haben, haben wir doch alle auch noch Gehirne und Herzen. Männer und Frauen gleichermassen. 

Am Ende schreibt Herr Köppel dann noch: «Der Mann ist schwach in seiner Eigenschaft als begehrendes Tier, weil ihn die Natur so gebaut hat. Frauen, die das ausnützen, sind keine Heldinnen. Sie missbrauchen nur die Macht, die ihnen die Natur in die Wiege legte.» 

Wow. Ich geh’ dann mal den Scheiterhaufen anzünden …

Yonni Meyer

Sie gilt als Schweizer Facebook-Phänomen: Yonni Meyer schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt.
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Jay_Jay 08.09.2014 17:33
    Highlight Highlight Nun so argumentieren muslimische Männer auf die Frage warum sie Frauen verschleiern, für Vergewaltigung bestrafen ( wohl gemerkt SIE wurde vergewaltigt) usw usf....
  • blueberry muffin 05.09.2014 22:45
    Highlight Highlight Wie wahr. Ganz unrecht hat er zwar nicht, Testosteron Hochs führen tatsächlich zu überhöhter Risikobereitschaft etc., was wohl erklärt wie er auf die tolle Idee kam sich am Arbeitsplatz nackt zu fotografieren.

    Kann natürlich auch von Koks oder Alkohol kommen. Ob das nun heisst, das wir vollkommen natürlichen Trieben ausgeliefert sind, ist eine andere Frage. Wir unterdrücken die ja die meiste Zeit ganz gut, für etwas haben wir ja ein Hirn, aber vielleicht wird die Trennung von Arbeit und Privatem auch komplizierter in einer Zeit, in der man immer erreichbar sein sollte.
  • Italian Stallion 05.09.2014 19:25
    Highlight Highlight Liebe Yonni, ich liebe Kommentare von Bloggern, und offenbar bist du darin ein Phänomen. Dass man dich vorallem auf Facebook kennt und schätzt erstaunt mich nicht wirklich und sagt vieles über die Qualität deiner Blogs und das Intellekt von 'Tausenden von Fans' aus. Schade, dass du auch auf watson unterwegs bist, aber vielleicht sollte ich obigen Text mit einem Augenzwinkern beurteilen, genauso wie ich auch den Bericht von Roger Köppel beurteile. Dass du das Bild der modernen Frau darstellen willst finde ich ok - echt - aber für mich zählt bei einer Frau die Qualität - nicht das Image.
    • Bonifatius 06.09.2014 02:47
      Highlight Highlight 1. Come on, weisst du wieviel Mitglieder Facebook hat? Willst du wirklich Milliarden Menschen Intelligenz absprechen?
      2. Yonni ist kaum 30, welche Frau will sie denn authentisch darstellen wenn nicht die moderne?
      3. Watson ist ja immer so bierernst sonst, ich meine - augenzwinkern - nicht so frivol werden bitte! :)
  • quark 05.09.2014 08:58
    Highlight Highlight Geni(t)al Frau Meyer. Chapeau, echt. Hoch 2.
  • Zeit_Genosse 05.09.2014 08:05
    Highlight Highlight Sich dem Motor der Triebe zu nähern und das Begeheren als evolutionäre Kraft einordnen zu wollen, bedeutet tief in das Menschsein einzudringen und die Kellertreppe zu Mann und Frau hinabzusteigen. Dort unten begegnet Köppel der Triebfeder des Zusammenseinwollens und der Elemente der Triebhaftigkeit, die unser Leben stärker berinflusst als wir es zugeben. Ihre Auseinandersetzung mit dem Text bleibt an der oberflächlichen Perspektive und ordnet das von der Optik, dass der Mensch ein kultiviertes und emanzipiertes Wesen ist. Die Realität zeigt doch auch, dass die Triebe zwischendurch den Keller verlassen und irrational auf Frau und Mann wirken. Nur so lassen sich die vielen unterschiedlichen Episoden von Mann und Fra erklären. Manchmal will oder kann der Trieb nicht gezähmt werden und galoppiert in die Richtung des sich mit allen Mitteln Verschmelzenwollens. Da wollte der Herr Chefredaktor vermutlich hin mit seinen Überlegungen. Kurz: Triebe sind fähiger Gehirne auszuschalten als umgekehrt. Das es dabei nicht immer appetittlich zugeht, lesen wir täglich und schweigen über unsere eigene Triebhaftigkeit, weil wir die Kellertüre gerne verschlossen halten.
    • stiberium 05.09.2014 09:10
      Highlight Highlight Vielleicht solltest du die Weltwoche übernehmen! Super erklärt! :)
  • Charlie Brown 05.09.2014 06:52
    Highlight Highlight Köstlich, Yonni!

    Als Mann bin ich froh, das Köppel nicht stellvertretend für alle Männer ist. Weder in Bezug auf seine Meinung noch in Bezug auf die dezentrale Fernsteuerung zwischen den Hüftknochen.
  • daenu 04.09.2014 21:27
    Highlight Highlight gut gebrüllt yonni, weiter so! ob der herr köppel intelligent ist sei dahin gestellt, liberal ist er garantiert schon lange nicht mehr, fraglich ob er es jemals war. eindimensionales grossherren geschwätz was er da vom stapel lässt. was ist dem in der kindheit wiederfahren ... war er ministrant, ist die mutter schuld oder gar der onkel?
  • oskar 04.09.2014 19:14
    Highlight Highlight guter artikel! ich hoffe köppel schickt ihnen kein naktselfie, nur weil sie eine frau sind und sich mit ihm befassen
    • Bonifatius 06.09.2014 02:53
      Highlight Highlight Ja, es könnte durchaus sein, dass Sie ihm jetzt ein sogenanntes Balzzeichen geschickt haben. Wehren Sie ihn bloss nicht ab wenn er beim nächsten Treffen von hinten versucht draufzuspringen. Sie wissen ja jetzt wer dann verantwortlich wäre... :)
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 04.09.2014 16:50
    Highlight Highlight Cooler Artikel, liebe Yonni Meyer! Respekt. :)
  • Kastigator 04.09.2014 16:24
    Highlight Highlight Gut beobachtet und schön geschrieben. Es ist doch immer wieder so amüsant wie erschreckend, wie sehr sich Weitrechtsbündige den Islamisten annähern (die sie doch derart zu hassen vorgeben, in Wirklichkeit aber so sehr beneiden): Auch bei denen muss die Frau sich möglichst vollständig verhüllen, weil die Männer sich sonst nicht mehr beherrschen können ...

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