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Wir haben den Elektro-SUV von Alpine getestet und sind begeistert

Alpine A390
Die A390 unterstreicht den Übergang von Alpine zum vollelektrischen Antrieb und die Eroberung eines neuen Segments.bild: Alpine
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Wir haben den Elektro-SUV von Alpine getestet und sind begeistert

Zwischen sportlichem Erbe und Marktrealität bewegt sich Alpine auf einem schmalen Grat. Die A390, ein 2,1 Tonnen schwerer Elektro-SUV, verkörpert diesen Spagat: Platz für die Familie, ohne dabei auf den Fahrspass verzichten zu müssen. Riskante Wette oder Demonstration von Know-how?
20.01.2026, 08:1320.01.2026, 08:13
Jérôme Marchon

Bei Alpine wird die Zukunft jetzt ohne Auspuff geschrieben. Eine radikale, selbstbewusste Wende, bei der die Marke aus Dieppe dem Verbrenner den Rücken kehrt. Die Berlinetta A110 erlebt gerade ihre letzten Monate. Ihre Nachkommen werden elektrisch sein, ebenso wie das Stadtauto A290 und der strategische Neuzuwachs A390:

Ein elektrischer SUV. Über zwei Tonnen schwer. Ein Fahrzeug also, das alles, was den Namen Alpine seit 70 Jahren ausmacht, auf den Kopf stellt. Bleibt eine simple, fast bittere Frage: Ist es noch eine Alpine, wenn sie an Gewicht zugelegt hat?

Alpine A390
Niemand kann sich dem SUV-Trend entziehen – selbst Alpine nicht.bild: Alpine

Eine A110 XXL

Mit 4,61 m Länge bei nur 1,53 m Höhe spielt die A390 eine besondere Karte im Dschungel der Elektro-SUVs. Niedriger als der Porsche Macan und gedrungener als der Hyundai Ioniq 5 versucht sie eindeutig, sich mit ihrer Silhouette von der Masse abzuheben.

Die Designer sprechen hier von einer höhergelegten, fünftürigen A110 mit muskulösen Flanken und einem fliehenden Heck. Die Absicht ist erkennbar, vor allem bei der Dachlinie und der steilen Heckscheibe, aber die Illusion hält nicht lange vor: Das hier ist keine Nachahmung, sondern eine Neuinterpretation.

Alpine A390
Besteht Verwandtschaft zur A110?bild: Alpine

Das Design ist fliessend, straff, mit versenkbaren Griffen, markanten Radkästen und dem berühmten Alpine-Blau, das nach wie vor seine Wirkung entfaltet.

Alpine A390
Der Stil offenbart Persönlichkeit und Kohärenz.bild: Alpine

Die GT-Version der A390 ist mit 20-Zoll-Felgen ausgestattet, die GTS-Version (Topausstattung) mit 21-Zoll-Felgen, was die athletische Form des Fahrzeugs noch verstärkt. Eines muss man zugeben: Die A390 hat eine stilvolle Persönlichkeit, ohne zu provozieren.

(Zu?) sehr Renault

Einmal an Bord, springt die Design-Verwandtschaft mit Renault sofort ins Auge. Der zentrale Bildschirm, die Schnittstelle, die Ergonomie im Allgemeinen: Man kommt nicht umhin, an einen elektrischen Megane oder Scenic zu denken.

Alpine steht zu dieser industriellen und budgetären Entscheidung und investiert lieber in dynamische Entwicklung als in ein exklusives Armaturenbrett. Das leuchtet ein, auch wenn es bei diesem Preisniveau durchaus einen leicht unfertigen Eindruck macht.

Alpine A390
Das Layout mutet vertraut an, aber einige Bedienelemente am Lenkrad sind Alpine-spezifisch.bild: Alpine

Alles in allem herrscht eine gepflegte Atmosphäre. Das doppelt abgeflachte Lenkrad mit seinen von der Formel 1 inspirierten Bedienelementen, die rückenschonenden Sitze und die Lederbezüge schaffen eine glaubwürdige sportliche Oase. Der optionale Dachhimmel aus Mikrofaser verstärkt diesen Eindruck noch, auch wenn das Fehlen eines Glasdachs bei einem Fahrzeug mit familiärer Ausrichtung überrascht.

Die digitale Schnittstelle ist mit Alpine-spezifischer Software ausgestattet, und die massgeschneiderte Soundanlage von Devialet sorgt für beeindruckende Klangqualität.

Eine Alpine ... für fünf

Vielleicht ist das der überzeugendste Aspekt der A390: ihre Fähigkeit, Sport und Alltag miteinander zu verbinden. Mit fünf offiziellen Sitzplätzen ist die Rückbank für zwei Personen grosszügig genug, zu dritt wird es aber eher eng, vor allem da das Design der Türen bei grossen Insassen durchaus zu Verrenkungen führen kann. Der Kofferraum verfügt über 532 Liter, die bei umgeklappten Rückenlehnen auf 1643 Liter erweitert werden können.

Alpine A390
Der Platz für die Insassen auf der Rückbank ist gut bemessen.bild: Alpine

Zwar ist der Boden hoch und nicht ganz eben, und auch das Fehlen von Stauraum unter der Motorhaube ist bedauerlich, aber alles in allem werden die Anforderungen des Familienlebens mühelos erfüllt. Eine Alpine, die Kinder und Gepäck auf ein verlängertes Wochenende mitnehmen kann? Vor ein paar Jahren hätte die Vorstellung höchstens ein müdes Lächeln hervorgerufen.

Drei Motoren, die das Gewicht vergessen lassen

Technisch gesehen gibt sich die A390 keine Blösse. Drei Elektromotoren (einer vorne, zwei hinten) sorgen für einen Allradantrieb und vor allem für eine ausgeklügelte vektorielle Steuerung des Drehmoments.

Die GT-Version leistet 400 PS und 661 Nm, die GTS-Version klettert auf 470 PS und 824 Nm. Die Zahlen sprechen für sich, ebenso wie die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden für den GT (GTS: 3,9 Sekunden).

Alpine A390
Die A390 verbindet gekonnt Vielseitigkeit und Sportlichkeit.bild: Alpine

Auf der Strasse ist der Schub der A390 GT ehrlich, aber nie brutal. Alpine hat absichtlich den für manche Elektroautos typischen «Katapult»-Effekt vermieden. Das Ergebnis ist progressiver, leichter zu lesen, fast reifer. Auf der Autobahn beeindruckt die Stille, die durch eine Akustikverglasung unterstützt wird. Andererseits erinnert die eingeschränkte Sicht nach hinten schnell daran, dass Stil manchmal auch durchaus anspruchsvoll sein kann.

Wo man eine Alpine erwartet

Auf kurvenreichen Strassen spielt die A390 ihre ganze Glaubwürdigkeit aus. Basierend auf der AmpR Medium Plattform des Renault Megane und Scenic haben die Alpine-Ingenieure die Spurweite vergrössert und Dreiecke aus geschmiedetem Aluminium sowie einen speziellen hinteren Träger eingesetzt. Die Massenverteilung, die mit 49/51 nahe am Ideal liegt, ist kein Zufall.

Alpine A390
Eine Kurve reiht sich in rasendem Tempo an die andere ...bild: Alpine

Schon in den ersten Kurven überrascht die Lenkung mit Präzision und Natürlichkeit. Die Vorderachse zeigt eine für einen SUV dieser Grösse unerwartete Leichtigkeit. Im Track-Modus werden Träume wahr, denn die unabhängige Steuerung der beiden Hinterradmotoren beschleunigt in Kurven das äussere Rad, wodurch das Giermoment verstärkt wird, was das Fahrgefühl deutlich verbessert.

Im Klartext heisst das, dass Kurven mit unvorstellbarer Geschwindigkeit gefahren werden. Das Gewicht ist natürlich immer noch da, aber seine Auswirkungen werden durch diese «Torque Vectoring»-Einrichtung intelligent kaschiert.

Alpine A390
... ohne Einbussen beim Komfort.bild: Alpine

Auch die Dämpfung mit progressiven hydraulischen Anschlägen verdient ein Lob: Sie ist nie brüchig, immer kontrolliert und hält die Wankneigung in Schach, ohne den Komfort zu beeinträchtigen. Wir reden hier nicht von der Spritzigkeit einer A110 (Physik bleibt eben Physik), sondern von einem für einen elektrischen Familien-SUV überraschend spielerischen Verhalten.

Die Bremsen sind kräftig, aber je nach gewählter Rekuperationsstufe (fünf Stufen) unterschiedlich stark spürbar – ein verbesserungswürdiger Punkt, der wahrscheinlich in der zentralen Recheneinheit angepasst werden kann.

Es lebe die Revolution?

Mit ihrer Batterie mit 8 kWh Nutzkapazität verspricht die A390 bis zu 557 km WLTP in der GT-Konfiguration. Im wirklichen Leben, auf einer abwechslungsreichen Strecke bei zügigem Tempo liegt der Verbrauch bei etwa 25 kWh/100 km, was etwa 350 realen Kilometern entspricht. Die Schnellladefunktion ist auf 150 kW beim GT und 190 kW beim GTS begrenzt und ermöglicht eine Aufladung von 15 auf 80 % in unter 30 Minuten. Ausreichend, ohne dabei unbedingt eine Referenz zu sein.

Alpine A390
Die Reichweite hängt natürlich davon ab, wie hoch die Fahrgeschwindigkeit ist.bild: Alpine

Mit einem Preis von unter 65 000 Franken für die GT-Version und unter 75 000 Franken für die GTS (die endgültigen Preise werden bekannt gegeben, sobald die Bestellungen am 30. Januar freigegeben werden) positioniert sich die A390 zwischen weniger sportlichen Premium-SUVs und gleichwertigen oder sogar radikaleren, aber oftmals teureren Angeboten. Sie will keine Rekorde brechen, sondern einen neuartigen Kompromiss anbieten.

Alpine A390
Neues Segment, neue Technologie: Alpine erschliesst bislang unbekanntes Terrain.bild: Alpine

Ist das ein Verrat? Eine Revolution? Es kommt ganz darauf an, aus welchem Blickwinkel man die A390 betrachtet. Objektiv gesehen ist sie eine moderne, rationale und technisch ausgereifte Interpretation dessen, was eine Alpine im Elektrozeitalter sein kann.

Auch wenn die A390 nicht die gleichen Emotionen wie eine A110 auslöst und eindeutig auch nicht ihre Aura hat, ist sie ein Familien-SUV mit einem starken Charakter, der ein Fahrvergnügen bereitet, das in dieser Klasse einfach neu ist. Und das, ohne bei der Vielseitigkeit Abstriche zu machen. Alpine hält also ihr Versprechen, und am besten kann man sich davon überzeugen, wenn man sich selbst hinters Lenkrad klemmt! Zögere nicht!

Über den Autor

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bild: dr
Jérôme Marchon ist ...

... seit seiner frühesten Kindheit ein leidenschaftlicher Auto-Fan. Seine berufliche Karriere begann er in der Finanzbranche, trug aber schon früh zum Aufbau eines Auto-Blogs bei – bis er schliesslich seinen eigenen Blog gründete. Sein weiterer Weg führte ihn in die Chefredaktion der «Revue Automobile». Seit 2018 ist er freiberuflich tätig und schreibt für verschiedene Auto- und allgemeine Print- und Digital-Medien in der Schweiz und im Ausland. Jérôme Marchon arbeitet auch als Übersetzer und Berater für redaktionelle Inhalte für Automobilveranstaltungen und Autohersteller.

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