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Yonnihof

Drunken Genius – 8 brillante Eigenschaften betrunkener Menschen

Bild: shutterstock



Kürzlich passierte es mir nach langer Zeit mal wieder: Ich verpasste im Ausgang alkoholtechnisch die Vernunft-Ausfahrt.  

Gerade noch nuckelte ich friedlich und komplett bei Sinnen an einem eher schwachen Gin Tonic herum, als ich plötzlich leicht hängend an der Bar die fünfte Runde Hierbas bestellte. Sehr laut natürlich. So: «HIEEEERBAAAAAS!» Dabei schnippte ich mit den Fingern in der Luft herum, als wären sie Kastagnetten. Spanische Getränke erfordern spanische Gesten. Ist ja logisch.  

Der Alkohol macht in der Tat lustige Sachen mit uns. Es liegt mir selbstverständlich nichts ferner, als Alkoholismus zu promoten – trinken tun aber die meisten von uns und der Grossteil davon, seien wir ehrlich, auch ab und an einen (oder zwei oder 27) über den Durst.  

Alkohol nimmt uns Hemmungen – und damit auch die Hemmung, weiterzutrinken. «Also guet, villicht na eine ...» wird dann gerne innert 30 Minuten zu «EINER GEHT NOCH, EINER GEHT NOCH REIN, OY!»  

Meist rächt sich das am nächsten Morgen/Mittag/Nachmittag oder, abhängig vom Alter, auch noch einen Tag später. Bevor es soweit ist, macht der Alkohol aus uns jedoch oft sehr lustige, mutige, ja beinahe brillante Personen mit genialen Ideen.  

1.     I like to move it, move it
Sind wir betrunken, können wir alle plötzlich extrem gut tanzen. Und zwar jegliche Formen des Tanzes. Hiphop, House, R ’n’ B, egal. Sogar Twerking erscheint uns dann als unglaublich lässige Idee, genauso wie Ausdruckstanz, Breakdance und Pantomime. Natürlich ist es in solchen Momenten von enormer Wichtigkeit, den ganzen Club wissen zu lassen, dass wir der nächste Baryshnikov sind. Warum auch das übermächtige Bewegungsgenie für sich behalten, macht doch überhaupt keinen Sinn. So springen wir denn gerne bekannte und unbekannte Menschen an und üben uns in Dry Humping. Wenn wir ganz grosses Glück haben, wird das von unseren Freunden per Handy-Video festgehalten.
All das gilt übrigens genauso auch fürs Singen.

2.     Voulez-vous drink a Hierbas conmigo, amore?
Das Level unserer Fremdsprachenkenntnisse steigt proportional mit unserem Alkoholpegel. Selbst wenn wir den «Grundlagenkurs Italienisch» grad knapp mit einem Vierer abgeschlossen haben und die Pizza beim Langstrassenimbiss das Italienischste war, was wir seither im Mund hatten (hihi, «im Mund hatten»); haben wir getrunken, mutieren wir zu Überköniginnen und -königen der italienischen Sprache und führen mit Luigi aus Sizilien stundenlange, präzise Gespräche über die Endlichkeit des Seins und die Relativitätstheorie, selbstverständlich unterbrochen von der wichtigen Frage, ob sein Bruder Mario heisse. Dabei brechen wir in schallendes Gelächter aus und wiederholen die Frage schon nach 30 Minuten, weil wir bereits vergessen haben, dass wir sie schon einmal gestellt haben.  

3.   I’m too sexy for Milan, too sexy for Milan, New York and Japan 
Wenn man trinkt, wird vieles schöner. Das Gegenüber unter anderem, aber vor allem auch man selbst. Wir sind erfüllt von einer Sexiness, wie wir sie sonst nicht mal in unseren abgefahrensten Kamasutra-Sexträumen erleben, und oft hindert uns nur der Mangel an im Club aufgehängten Abrissbirnen daran, uns auszuziehen und daran rumzubambelen. Was Miley kann, können wir schon lange. Unsere Anmachen sind denn auch entsprechend waghalsig: Augen werden gezwinkert und Lippen befeuchtet, Wimpern geklimpert und Sprüche geklopft, die von fehlenden Sternen am Himmel, Engelshaaren und George-Clooney-Vergleichen nur so strotzen und bei denen sogar einem Lebkuchenherzen-Verzierer schlecht würde.  

4.     «Was ich dir schon immer mal sagen wollte ...»
Der Suff motiviert uns, anderen Menschen Dinge mitzuteilen, die wir ihnen nicht ohne Grund nüchtern nie gesagt haben. Das fängt bei der Direktbegegnung an, wo man dem Typen an der Bar ein charmantes «Du häsch ja en unglaublich riesige Chopf» entgegenhaucht, geht über die viel beschriebene SMS an den Ex «’ch ha der numa wele säge, dass din Penis imfall garnöd so schönn isch wie du meinsh!!! Dhvfhgeh!!!» bis hin zu einem «ehrlichen» E-Mail an den Chef, in dem man ihm erklärt, man sei für Grösseres bestimmt. Zum Beispiel für eine Karriere als Twerkerin.  

5.     «Han ich nöd mal na e Brüle gha ...?»
Selbst die sonst zuverlässigsten Menschen verlieren im Suff so ziemlich alles, was sie je besessen haben. Handy, Jacke, Brille, Velo. Portemonnaie, Schlüssel, bis hin zu ganzen Freundesgruppen. Und fast am häufigsten die eigene Würde (siehe Video von der Limbo-Einlage morgens um fünf in der Zukki).
Andererseits kann man am Morgen danach nicht nur mit blauen Flecken, von denen man nicht weiss, woher sie kommen, konfrontiert werden. Nein, man wird auch mit den Habseligkeiten anderer Menschen überrascht, die man – durch welche Fügung auch immer – nun in seinem Besitz hat. So wachte meine Wenigkeit einst mit einer geilen alten Casio-Männeruhr am Handgelenk auf. Trage ich heute noch immer wieder. Jegliche Versuche, den Besitzer ausfindig zu machen, scheiterten. Falls der betreffende Herr das liest: Bitte melde dich, Casio-Mann!
Ein bisschen blöder ist’s, wenn man zwar nicht mit der Uhr, aber mit dem Partner von jemand anders erwacht. Aber das ist ein anderes Kapitel.  

6.     Hey, big spender!
Nichts geht über grosszügige Menschen. Und genau zu solchen macht uns Genosse Alkohol gerne einmal, denn wir lieben dann alle Menschen in unserem Umfeld und wollen ihnen das auch zeigen. Wir vergessen dabei manchmal aber, was «Di nächscht Rundi gaht uf miiiiich, will ihr alli huere geeeeeeil siiiiiind» bei den heutigen Preisen in den Clubs bedeuten kann. Andererseits hätte man das Portemonnaie im Laufe der Nacht ja eh verloren, dann lieber vorher noch leeren.  

7.     Geographie-Expertise
Wenn wir uns schon die eine oder andere Hirnzelle wegtrinken, so lernen wir im Laufe unseres Lebens durch unsere Alkoholeskapaden oft mindestens eines dazu: das Wissen, wo sich die Endstation unseres Zuges/Trams/Busses befindet, weil wir ebenda gemäss Casio-Männeruhr um 5.34 Uhr morgens von einem öV-Mitarbeiter mässig liebevoll aus dem Koma geschüttelt worden sind und danach frierend auf einem Bänkli auf die nächste Verbindung warten oder gleich vom Tramdepot in High Heels nach Hause laufen mussten.  

8.   Grandiose Kommunikationsskills 
Alkohol steigert unser Mitteilungsbedürfnis. Und wo das schon bei unseren Freunden nachhaltige Konsequenzen haben kann («Alti, du häsch mer di ganz Nacht wüsseschaftlich wele bewiise, dass de Big Foot existiert!»), kann man bei denen wenigstens noch darauf hoffen, dass ihre Erinnerung am nächsten Morgen genauso schwammig ist wie die eigene. Wer hingegen vergisst nie? Nein, nicht Elefanten – das Internet! Nichts ist schlimmer, als am Morgen verkatert aufzuwachen und auf Facebook die selbst gepostete Liveticker-Fotolovestory der vergangenen Nacht vorzufinden. Nur halt ohne Love, und wenn doch, dann in einer Form, wie man sie nun wirklich nicht sehen will. Bleibt einem in dieser Hinsicht also nur die Hoffnung, dass einen der frühe Verlust des Handys von solchen Posts abhält.  

Nun denn: Ein gutes Wochenende, Ihr sexy Tanzgötter, auf dass Ihr Eure Tramhaltestelle nicht verpasst und Eure Freunde Euch nicht dabei filmen mögen, wie Ihr Ballett tanzend «All by Myself» singt – auf die Combox Eures Chefs.

Und weil's Euch eh schon nachläuft:

Yonnihof Yonni Meyer

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Right Said Fred – I'm Too Sexy
YouTube/emimusic

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) ist Psychologin und schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
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