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Mixed-Reality-Headset: Apple kündigt «Sensation» für 2023 an

Young brunette skier woman wearing snow clothes and ski goggles over white background Backwards thinking about doubt with hand on head
«Hey Siri, ist das wirklich euer Ernst?» Das erste Mixed-Reality-Headset von Apple soll angeblich wie eine Skibrille aussehen und aus Gewichtsgründen mit einem an der Hüfte montierten Akku gekoppelt werden.Bild: Shutterstock
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Apple bringt sein «Next Big Thing» nach dem iPhone – das musst du wissen

Spoiler: 2023 soll ein sehr spezielles Apple-Jahr werden.
16.01.2023, 11:5427.01.2023, 20:12
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Apple steht angeblich vor dem aussergewöhnlichsten Jahr seit der Lancierung des iPhones.

Laut Gerüchteküche bringen die Kalifornier ein Gadget auf den Markt, das wie eine Skibrille «from Space» aussieht.

Und für ein solches Ungetüm hat das erfolgsverwöhnte Unternehmen angeblich die Entwicklung von Kassenschlagern wie dem iPad und der Apple Watch zurückgestellt.

Du siehst, ich bin skeptisch, was das sagenumwobene «Mixed-Reality-Headset» betrifft, dessen Einführung schon seit Jahren angeblich immer kurz bevorstehen soll.

Weil die neusten Prognosen von mehreren Apple-Kennern kommen und übereinstimmen, ist aber anzunehmen, dass 2023 tatsächlich ein verrücktes Apple-Jahr wird.

In diesem Beitrag beantworte ich auf der Grundlage der vorliegenden (unbestätigten) Informationen die wichtigsten Fragen zum neuen Produkt, das Apples Einstieg in das Nach-Smartphone-Zeitalter bedeuten könnte.

«An iPod. A Phone. An Internet Communicator», sagte Steve Jobs, als er 2007 das erste iPhone präsentierte.

Wie wird sein Nachfolger Tim Cook das erste «Mixed Reality-Headset» ankünden?

Was hat Apple vor?

Im Januar 2007 präsentierte Steve Jobs das Ur-iPhone. Apple löste damit einen Hype aus und dominiert bis heute das sogenannte Smartphone-Zeitalter. 16 Jahre später wollen die Kalifornier in eine neue digitale Sphäre vordringen, die von den Erzrivalen Facebook und Microsoft geprägt ist.

Das Wichtigste in Kürze:

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AR, VR, Mixed Reality und Metaverse – die Begriffe erklärt
Beginnen wir zunächst mit der virtuellen Realität. Virtual Reality (VR) meint eine vollständig künstliche Welt, die keine Elemente der realen Welt einbezieht. Durch spezielle Hardware taucht man in sie ein ...
quelle: keystone / kamran jebreili
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Zur Erinnerung: Apples Stärke liegt vor allem auch darin, das eigene Produkte-Portfolio überschaubar zu halten. Die Kalifornier sind zurückhaltend, wenn es darum geht, in eine neue Hardware-Kategorie einzusteigen. Dies tun sie in der Regel nur, wenn ein Multimilliarden-Geschäft winkt und die Aussicht besteht, die Märkte weltweit zu erobern.

  • 2007: iPhone
  • 2008: Macbook Air
  • 2010: iPad
  • 2015: Apple Watch
  • 2016: AirPods

In der Aufzählung oben fehlen ganz bewusst weitere Produktkategorien, wie etwa die von Steve Jobs als «Hobby» bezeichnete Set-Top-Box Apple TV (seit 2007). Und auch die Smart-Lautsprecher-Serie HomePod (seit 2018) erscheint vernachlässigbar, obwohl viele andere Hersteller von den damit erzielten Umsätzen nur träumen können.

Schon unter Steve Jobs verfolgte Apple die Philosophie, dass Technologie «einfach funktionieren» muss. Die Kalifornier sind bekannt dafür, neue Hardware erst dann zu veröffentlichen, wenn sie in das Leben der Kundschaft passt.

Und nun soll es also ein Mixed-Reality-Headset geben. Das schreibt der bestens vernetzte amerikanische Techjournalist Mark Gurman, der Insider-Kontakte in Cupertino hat.

Während Apple noch viele Probleme zu lösen habe – was Hardware, Software und Dienste betrifft, aber auch, wie es vermarktet und verkauft wird –, setze das Unternehmen auf das Headset «als heisse Neuheit für 2023».

Das deckt sich mit den Einschätzungen des renommierten Apple-Analysten Ming-Chi Kuo, der ebenfalls schon häufig mit Prognosen zu neuer Apple-Hardware richtig lag.

Wann wird es präsentiert und warum hat es so lange gedauert??

Gemäss Gurman steht Apple nach siebenjähriger Entwicklungszeit kurz davor, das erste Gadget in einer (für Apple) neuen Hardware-Kategorie zu lancieren.

Dies behauptete er allerdings auch schon früher. Doch nun häufen sich die Hinweise. Inzwischen werden auch schon in der Software von existierenden Produkten Hinweise auf das vermutete Mixed-Reality-Headset entdeckt.

Die Fokussierung auf das Headset führe dazu, dass 2023 bezüglich anderer Apple-Produkte ein verhaltenes Jahr werden könnte, prognostiziert Gurman (dazu unten mehr).

Für Bloomberg berichtete er, dass Apple das erste Headset voraussichtlich an einem Special Event im Frühling oder dann im Juni zur Eröffnung der diesjährigen WWDC-Entwicklerkonferenz vorstellen werde.

Das deckt sich mit der Prognose des Apple-Analysten Ming-Chi Kuo, der allerdings – wie Gurman – seine Vorhersagen bezüglich eines Veröffentlichungsdatums bereits einige Male revidieren musste. Seine neuste Prognose lautet, dass Apple das Headset im Herbst auf den Markt bringen wird.

Technische Probleme

Laut Recherchen von The Information hatte der Apple-Zulieferer Pegatron im vergangenen Jahr in einem Werk in der Nähe von Shanghai Tausende Prototypen des Headsets zusammengebaut. Dem Bericht zufolge sollte das Gerät ursprünglich 2022 auf den Markt kommen. Demnach traten (nicht näher beschriebene) technische Probleme auf, die eine Verschiebung der Lancierung erforderlich machten.

Apple-Kenner Ming-Chi Kuo erklärte, dass die jüngsten Entwicklungsverzögerungen mit dem Headset auf «Probleme mit mechanischen Falltests und der Verfügbarkeit von Softwareentwicklungstools» zurückzuführen seien.

So stellt sich die Bilder-Generierungs-KI von OpenAI die neuen Apple-Produkte vor.
So stellt sich die Bilder-Generierungs-KI von OpenAI die neuen Apple-Produkte vor.screenshot: dall-e

Wie heisst das Gerät und was soll es kosten?

Es wird angenommen, dass das erste Apple-Headset Reality Pro (oder Reality One) genannt wird, basierend auf früheren Markenregistrierungen des Unternehmens.

Die neue Hardware könnte laut Gurman für über 3000 US-Dollar verkauft werden – der Apple-Analyst Ming-Chi Kuo schätzt den Verkaufspreis auf 2000 bis 2500 Dollar.

The Information geht von 3000 Dollar oder mehr aus.

Der Tech-Analyst Benedict Evans kommentierte in seinem wöchentlichen Newsletter:

«Allein der Preis würde bedeuten, dass Apple eine deutlich bessere Grafik als alles andere auf dem Markt anbietet und den Versuch unternimmt, von der aktuellen VR- oder sogar Konsolengrafik zu etwas zu springen, das sich fast ‹echt› anfühlt und eine neue Dimension von Möglichkeiten eröffnet.»

Apple plane ganz klar und in typischer Manier, die Technologie in eine neue Phase zu führen und es solle mehr als nur eine Kuriosität für Early Adopters werden, so Evans.

Natürlich werde der Preis in Zukunft sinken, aber es scheine darum zu gehen, schon jetzt «die Zukunft zu zeigen» und die Preise später anzupassen, wenn das Interesse da sei.

Wie sieht das erste Gerät aus und was kann es?

Vielleicht so ...

Es handelt sich um ein Konzept-Rendering, erstellt vom 18-jährigen 3D-Künstler Ian Zelbo.
Es handelt sich um ein Konzept-Rendering, erstellt vom 18-jährigen 3D-Künstler Ian Zelbo.screenshot: macrumors.com

Oder so ...

Gewöhnungsbedürftige Visualisierung: Tim Cook mit skibrillenartigem Headset.
Gewöhnungsbedürftige Visualisierung: Tim Cook mit skibrillenartigem Headset.screenshot: theinformation.com
Was muss ein am Kopf getragenes Gerät bieten, damit Menschen ziemlich viel Geld dafür ausgeben, ihre kostbare Zeit damit verbringen und erst noch in Kauf nehmen, bescheuert auszusehen?

Das Headset hat gemäss The Information an der Seite ein physisches Drehrad, um schnell und bequem von der virtuellen Realität zur Ansicht der realen Welt zu wechseln.

Darüber hinaus will der US-Journalist Wayne Ma eine breite Palette von bislang unbekannten spezifischen Features des Headsets in Erfahrung gebracht haben:

  • Angetrieben werde das Headset durch einen an der Hüfte befestigten Akku. Dieser sei über ein magnetisches, MagSafe-ähnliches Stromkabel mit dem Kopfbügel des Headsets verbunden. Eine Akkuladung halte nicht länger als zwei Stunden, man könne die Hüftbatterie aber für längere Sessions problemlos austauschen.
  • Das Gerät bestehe aus Aluminium, Glas und Kohlefaser, um Grösse und Gewicht zu reduzieren. Die Kameras seien aus ästhetischen Gründen weitgehend verborgen.
  • Apple habe verschiedene Stirnbänder entwickelt, darunter eines, das aus einem ähnlichen (hautfreundlichen) Material wie die Apple-Watch-Sportbänder bestehe.
  • Das Headset habe an der Vorderseite ein grosses, nach aussen gerichtetes Display. Dieses könne den Menschen in der Umgebung die Mimik des Headset-Trägers zeigen, um das Gefühl der Isolation zu verringern, das während Virtual-Reality-Anwendungen auftreten könnte.
  • Im Inneren befinden sich Micro-OLED-Displays für jedes Auge mit jeweils einer 4K-Auflösung, hergestellt von Sony, die ein Gesamtbild in 8K-Auflösung ergeben.
  • Das Rechnerherz besteht aus zwei Chips; einem Haupt-System-on-a-Chip und einem Bildsignalprozessor, die beide aus Apples eigener Entwicklung stammen. Beide seien im 5-Nanometer-Verfahren fabriziert (wie die Chips für das iPhone 14). Das Headset profitiere demnach nicht von den Fortschritten, die für andere Apple-Chips im Laufe des Jahres 2023 erwartet werden. Es ist trotzdem ein mächtiger Vorteil, dass Apple seine Chips selber designt und mit massgeschneiderten Lösungen aufwarten kann.
  • Ein Apple-Spezial-Chip (H2) sorge für eine extrem schnelle drahtlose Audio-Verbindung mit AirPods Pro der zweiten Generation und zukünftigen AirPods-Modellen.
  • Bluetooth-Kopfhörer von Drittanbietern funktionierten nicht gut mit dem Headset – wegen zu grosser Verzögerungen, und es gebe keine Kopfhörerbuchse (3,5 mm).
  • Es sei möglich, magnetisch befestigte, individuelle Brillengläser zwecks besserer Sicht zu montieren.
  • In das Headset seien kleinste Motoren verbaut, die die internen Linsen automatisch an den Augenabstand des Trägers oder der Trägerin anpassen und so das grösstmögliche individuelle Sichtfeld ermöglichen würden. Konkret sei es ein 120-Grad-Sichtfeld, wie bei der Valve Index – und mehr als das 106-Grad-Sichtfeld der Meta Quest Pro.
  • Es bestehe die Möglichkeit, bestehende iOS-Apps in 2D auszuführen.
  • Über ein seitlich am Headset positioniertes Rädchen könne man (ähnlich wie bei der Digital Crown der Apple Watch) zwischen virtueller und physischer Welt wechseln.
  • Apple bevorzugt angeblich Hand-Tracking und Spracherkennung zur Steuerung des Headsets, die Ingenieure hätten aber auch einen «Zauberstab» und einen «Fingerhut» als alternative Eingabemethoden getestet.

Wie gut ist die Bildwiedergabe?

Jedes Auge werde von mindestens einer Kamera erfasst, damit das Headset-Display den Blick des Users auf einen Avatar genau darstellen könne. Das Eye-Tracking ermögliche es dem Headset auch, ein «Foveated Rendering» durchzuführen, um Strom zu sparen. Sprich: Bilder werden nur dort in voller Auflösung gerendert, wohin man gerade schaut.

Mehr als ein Dutzend Kameras und Sensoren sollen sowohl Gesichtsausdrücke als auch Körperbewegungen erfassen, einschliesslich der Beine der Trägerin oder des Trägers.

Es seien LiDAR-Scanner mit kurzer und langer Reichweite in das Headset integriert, eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung, um Oberflächen und Entfernungen in 3D zu erfassen.

Was ist mit Games?

Gemäss The Information ist zu erwarten, dass dem Headset kein spezieller Gaming-Controller beiliegt. Apple habe sich offenbar nicht wesentlich auf Spiele für das neue Gerät konzentriert. Jedoch habe das Unternehmen vor, Unity Technologies als erstem Partner zu erlauben, über seine Spiel-Engine vollständige VR-Erlebnisse im Headset anzubieten.

Welche anderen Anwendungen soll es geben?

Apple konzentriere sich auf Videokonferenzen mit dem Gerät, und zwar in Form von digitalen Avataren, die die Mimik und die Körperbewegungen der menschlichen Nutzerinnen und Nutzer mit hoher Genauigkeit nachahmen könnten.

Das Unternehmen habe auch Software entwickelt, die es ermögliche, diverse Aktivitäten auszuführen, wie etwa die Karten-App von einem Mac-Bildschirm zu ziehen und damit ein 3D-Modell einer Stadt auf einem Tisch darzustellen.

Und es soll Bildungs-Apps geben.

Wie hoch ist der Stromverbrauch?

Das ist nicht bekannt.

Das nach aussen gerichtete Headset-Display habe eine extrem niedrige Bildwiederholrate und einen relativ tiefen Stromverbrauch, ähnlich wie das Always-on-Display der Apple Watch und des iPhone 14 Pro.

Welche Software ist erforderlich?

Apple entwickelt Produkte aus einem Guss. Sprich: Hardware und System-Software, aber auch grundlegend wichtige Apps werden von eigenen Teams entwickelt. Darüber hinaus wird das Unternehmen auf eine weltweite Entwickler-Community setzen, was sich beim iPhone und iPad bewährt hat.

Mark Gurman schreibt:

«Apple hat das Gerät bereits mit einer kleinen Anzahl hochkarätiger Softwareentwickler zum Testen geteilt, damit sie mit Apps von Drittanbietern beginnen können. Das Betriebssystem des Geräts, intern ‹Borealis› genannt, wird öffentlich xrOS heissen.»

Was Dritt-Anwendungen betrifft, dürfte sich Apples Strategie bezüglich Augmented Reality bezahlt machen.

Bekanntlich stellt das Unternehmen Entwicklern ein Software Development Kit (SDK) zur Verfügung, zum Erstellen von Anwendungen auf einer bestimmten Plattform.

Dieses SDK enthält bereits Augmented-Reality-Bibliotheken, die für das iPhone und iPad verwendet werden. Die AR-Integration ins Apple-Ökosystem hat also längst begonnen und umfasst in Zukunft auch spezifische Hardware.

Wird das ein «Nischenprodukt» bleiben?

Apple-Konzernchef Tim Cook hat wiederholt öffentlich gesagt, dass sein Unternehmen in Augmented Reality (AR) grosses Potenzial sieht und definitiv einsteigen wird.

«Ich denke, dass AR eine tiefgreifende Technologie ist, die alles beeinflussen wird. Stellen Sie sich vor, Sie könnten plötzlich mit AR unterrichten und Dinge auf diese Weise demonstrieren. Oder im medizinischen Bereich, und so weiter. Wie ich schon sagte, werden wir zurückblicken und uns fragen, wie wir jemals ohne AR leben konnten.»

Hingegen sieht der Apple-Chef bei Virtual-Reality-Anwendungen, also der vollständigen Immersion in eine künstliche Welt, zwar einen gewissen Nutzen, aber er relativiert:

«Es ist etwas, in das man wirklich eintauchen kann. Und das kann auf eine gute Art und Weise genutzt werden. Aber ich glaube nicht, dass Sie Ihr ganzes Leben auf diese Weise leben wollen.»

Was den von Mark Zuckerberg geprägten Begriff des Metaverse (Metaversum) betrifft, zeigte sich Cook skeptisch. Auch dies deutet darauf hin, dass Apple den Alleingang wählt.

ANTWERP, BELGIUM - Jan 30, 2021: A portrait of young woman holding VR controllers with Meta Quest headset, trying for first time
Eine junge Frau mit Meta-Quest-Headset, in beiden Händen hält sie ein VR-Steuergerät (Controller).Bild: Shutterstock

Während das Metaverse durch neue Hardware- und Online-Welten Gestalt annimmt – von denen einige mit offener Web3-Technologie wie NFTs umgesetzt werden –, könnte sich Apple erneut für ein geschlossenes Ökosystem entscheiden. In der Vergangenheit zahlte sich dies bekanntlich aus.

Apple verfolgt nun sehr wahrscheinlich die schrittweise Integration von Augmented-Reality-Anwendungen in sein Ökosystem und verkauft die passende Hardware dazu.

Weitere Headsets und Smart-Brillen sind sicher in Arbeit. Dazu passt die komplette Umstellung auf eigene, einheitliche Chips. Inzwischen wurde ja auch das Desktop-Betriebssystem an die ARM-Architektur von iPhone und iPad angepasst.

Moscow / Russia - 2020 May 23: Apple's AR Glasses with Siri. Concept box
Neben dem Mixed-Reality-Headset ist angeblich auch eine Smart-Brille in Entwicklung.Bild: Shutterstock

Der bekannte Tech-Analyst und Autor M.G. Siegler meint, dem Mixed-Reality-Headset stehe ein ähnlicher Start wie der Apple Watch bevor. Es werde eine Menge Begeisterung geben und die Leute denken, «dass es interessant ist, aber zu teuer, ein bisschen enttäuschend und ein unklarer Markt».

Dann werde Apple das tun, was Apple immer tue: Das neue Produkt von Generation zu Generation verbessern.

«Und in ein paar Jahren wird das Gerät weitaus überzeugender sein, zu besseren Preisen und mit einer viel klareren Produkt-/Marktpassung.»
quelle: 500ish.com

Das erste Gerät könnte die Quest-Geräte in den Schatten stellen oder auch nicht. Aber so wie Facebook/Meta nicht davor zurückgeschreckt sei, ins Metaverse zu investieren – und dabei buchstäblich Wetten auf das Unternehmen abgeschlossen habe –, werde auch Apple nicht zurückschrecken.

«Und Apple hat natürlich viel, viel mehr Geld als Facebook/Meta. Apple muss hier nicht alles aufs Spiel setzen. Sie haben das iPhone.»

Zudem habe Apple rund um den Globus seine eigenen Verkaufsgeschäfte, die Apple-Stores. Diese «Einzelhandelspräsenz» in Verbindung mit der Erfahrung im Verkauf von Konsumgütern sei vielleicht der grösste Vorteil. Denn: Ein neuartiges Produkt wie das Mixed-Reality-Headset müsse man buchstäblich sehen und auch ausprobieren können.

Siegler meint, der eigentliche Schlüssel zum Erfolg des Reality Pro sei ein Entwickler-Ökosystem. Es sei durchaus möglich, dass Apple die erste Generation des Reality Pro noch nicht für alle Entwickler öffnen werde.

Anschauungsunterricht bietet die Lancierung der Apple Watch. Aus dem belächelten und zum Start relativ schwachbrüstigen Gadget wurde ein massentaugliches High-Tech-Produkt, das die Uhrenindustrie überrollte.

Allerdings beging Apple bei seiner ersten Smartwatch einen strategischen Fehler, der sich bis heute in einem vergleichsweise schwachen App-Angebot von Drittentwicklern niederschlägt. Im Nachhinein betrachtet hätte man mit der Öffnung der Apple Watch für Drittentwickler wahrscheinlich warten sollen, argumentiert Siegler. So wie beim iPhone.

Die Apple Watch verkauft sich auch ohne eine Vielzahl von grossartigen Apps von Drittanbietern hervorragend, beim Mixed-Reality-Headset dürfte das anders sein. Siegler meint, es müsse ein Ökosystem geschaffen werden, in dem Start-ups und einzelne Entwickler gedeihen können.

Was tut die chinesische Konkurrenz?

Bereits im September 2022 hatte der chinesische Hersteller Lenovo eine kompakte Videobrille vorgestellt, die mit hochauflösenden Micro-OLED-Displays bestückt ist. Im November 2022 folgte Konkurrent Huawei mit einer Brille, die wie ein virtueller 120-Zoll-Bildschirm wirken soll, aber deutlich augenfreundlicher sei als bisherige Lösungen.

Welche neuen Produkte wird Apple 2023 sonst noch lancieren?

Das iPhone bleibt auf absehbare Zeit Apples wichtigstes Produkt, weil es die grösste User-Basis hat und allen direkt oder indirekt Beteiligten am meisten Geld einbringt.

Darum ist davon auszugehen, dass die Kalifornier auch im Herbst 2023 neue Modelle an den Start bringen.

Gemäss Apple-Insider sind die gleichen Bildschirmgrössen wie bei der iPhone-14-Familie zu erwarten. Die Dynamic Island (ehemals Notch) werde auf alle vier geplanten Modelle erweitert. Bei den Pro-Modellen werde der Edelstahlrahmen durch Titan ersetzt, zudem gebe es keine physischen Lautstärketasten mehr und Apple vollziehe den von der EU forcierten Umstieg auf USB-C und verbaue schnellere Prozessoren.

Bei anderen Hardware-Kategorien sind hingegen in diesem Jahr keine grossen technischen Sprünge zu erwarten, prophezeit Gurman. Konkret sagt er Folgendes voraus:

  • In der ersten Jahreshälfte bringe Apple neue Macbook Pros auf den Markt, diese hätten die gleichen Designs und Funktionen wie die aktuellen 14-Zoll- und 16-Zoll-Modelle. Die neuen Top-Laptops seien aber mit leistungsfähigeren Apple-Chips (M2 Pro und M2 Max) bestückt.
  • Immerhin soll es ein neues MacBook Air mit 15-Zoll-Display geben. Ein neues 12-Zoll-MacBook stehe jedoch nicht mehr auf Apples kurzfristiger Roadmap.
  • Ein neuer Mac Pro werde wie das Modell von 2019 aussehen, die Verbesserungen am Desktop-Rechner beschränkten sich auf die Rechenleistung (neu: M2-Ultra-Chip).
  • Was das iPad betrifft, erwarte er keine grösseren Upgrades. Wenn überhaupt sei mit Spezifikations-Verbesserungen (sprich: neuen Apple-Chips) für das iPad Mini, das iPad Air und das Einstiegs-iPad zu rechnen.
  • Auch bei der Apple Watch werde es dieses Jahr keine grösseren Änderungen an der Hardware geben.
  • Die Bluetooth-Ohrstöpsel AirPods würden wohl auch 2023 keine nennenswerten Upgrades erhalten.
  • Ein neues Apple TV solle 2023 nicht auf den Markt kommen.

PS: Auch bezüglich neuer Software soll sich die Fokussierung auf das Mixed-Reality-Headset negativ auswirken, insbesondere was das iPhone und iPad betrifft. Weil zudem bei den aktuellen Betriebssystem-Versionen laut Gurman Probleme auftraten, lasse Apple bei den nächsten grossen Updates (iOS 17 und iPadOS 17) einiges wegfallen, bzw. verschiebe die Einführung neuer Features auf einen späteren Zeitpunkt.

Und jetzt du!

Wird 2023 das Jahr, in dem Apple mit ersten Mixed-Reality-Geräten durchstartet? Oder traust du den Prognosen und Gerüchten nicht über den Weg? Und was hältst du grundsätzlich von AR und VR? Ist es ein logischer Schritt für die Kalifornier, oder noch zu früh und zu riskant?

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Quellen

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119 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Urs Watson
16.01.2023 12:14registriert Januar 2021
Alles gelesen und sehe immer noch nicht für was das Teil gut sein soll, resp. wer sowas braucht.
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Tsherish De Love aka Flachzange
16.01.2023 14:40registriert September 2020
Wenn ich die Haustüre öffne gehe ich in eine wunderbare 3D animierte Welt. Gratis.
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aye
16.01.2023 15:51registriert Februar 2014
«Displays für jedes Auge mit jeweils einer 4K-Auflösung die ein Gesamtbild in 8K-Auflösung ergeben.»
8K wäre aber 4x 4K. Da sich Länge und Breite von 4K zu 8K beide verdoppelt wird die Auflösung vervierfacht.

Die Überlegung ist aber sowieso falsch: Um einen Pixel "ganz" zu sehen muss er beide Augen erreichen und wenn die Displays direkt vor dem Auge sind brauche ich dazu für jedes Auge ein eigenes Display das besagten Pixel darstellt. Die beiden 4K Displays werden also wie eines wahrgenommen und damit entspricht die wahrgenommene Auflösung wieder 4K.
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