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Volla: Dieses Smartphone gibt dir die Kontrolle über deine Daten zurück

Volla Phones sind vollständig «entgoogelte» Android-Smartphones.
Volla Phones sind vollständig «entgoogelte» Android-Smartphones.bild: watson

Dieses Smartphone gibt dir die Kontrolle über deine Daten zurück

Das neue Volla Phone ist ein besonders robustes und Datenschutz-freundliches Smartphone aus Deutschland. Inzwischen ist die zweite Generation des Open-Source-Handys verfügbar, das ohne Apple, Google und Cloud-Dienste auskommt.
24.07.2023, 19:5926.07.2023, 06:47
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Die Start-up-Firma Hallo Welt Systeme lanciert mit dem Volla Phone X23 die zweite Generation ihres robusten Open-Source-Smartphones aus deutscher Fertigung. Das wasserdichte Gehäuse (IP68) sei nach dem Militärstandard MIL-STD-810H besonders widerstandsfähig, verspricht der Hersteller. Ebenfalls erfreulich: Der grosse Akku (5000 mAh) kann ohne Werkzeug selbst ausgetauscht werden, der interne Speicher lässt sich erweitern und die Kopfhörerbuchse gibt es nach wie vor. Die übrigen technischen Daten lesen sich unspektakulär, sind aber völlig ausreichend.

Volla Phone X23

Das robuste Volla Phone 23X kostet rund 500 Franken.
Das robuste Volla Phone 23X kostet rund 500 Franken.

Das neue und besonders robuste Volla Phone X23 für umgerechnet gut 500 Franken ergänzt das bisherige Flaggschiffmodell Volla Phone 22, das deutlich kleiner und leichter ist und temporär für knapp 400 Franken angeboten wird.

Volla Phone 22

Das Volla Phone 22
Das kleinere Volla Phone 22 wird bis Ende Juli für 400 Franken verkauft (regulär rund 450 Franken).

Die Hardware (Volla Phone X23)

  • Display: 6,1 Zoll, 1560 x 720 Pixel (Gorilla Glass 5)
  • Prozessor: Mediatek Helio G99
  • RAM / Speicher: 6 GB / 128 GB (erweiterbar mit bis 1 TB Speicherkarte)
  • Kamera: 48 Megapixel, 8-MP-Ultra-Weitwinkel- und Macro-Linse, 16-MP-Frontkamera
  • Akku: 5000 mAh (selbst austauschbar, Schnellladung via USB-C mit max. 30 Watt, drahtloses Laden mit max. 15 Watt)
  • Diverses: Staub- und wasserdicht (IP68), seitlicher Fingerabdrucksensor, Kopfhörer-Buchse
  • Masse: 160,9 x 80 x 12,2 mm
  • Gewicht: 270 g
  • Betriebssystem: Volla OS (basierend auf Android Open Source Project) oder optional mit Ubuntu Touch
  • Preis: 538 Euro (umgerechnet 512 Franken)

Die Hardware entspricht typischen Mittelklasse-Smartphones: Das 6,1 Zoll grosse Display beispielsweise hat keine ultrahohe Auflösung, ist dafür ausreichend hell und zumindest laut Datenblatt von der stabileren Sorte. Das Volla Phone X23 ist streng genommen ein Outdoor-Smartphone, das zu einem robusten Datenschutz-Handy umfunktioniert wurde.

Selbstverständlich bekommt man für 500 Franken technisch weit überlegene Smartphones. Leistungsdaten stehen bei Volla Phone aber nicht im Fokus. Diese Geräte werden von einem Nischenpublikum gekauft, dem kompromissloser Datenschutz wichtiger als die neuste Technik ist.

Zum Volla Phone greifen Nutzerinnen und Nutzer wegen der Software, die laut Hersteller ganz ohne Cloud, Tracker und Konto-Zwang auskommt – sprich das Gegenteil von iOS oder Android ist.

Ehrlicherweise sei betont, dass sich die Geräte eher an technikaffine Menschen richten, die nicht zwingend die Benutzerfreundlichkeit von iOS und Android erwarten.

Die Software

Wie beim Vorgänger setzen die Deutschen auf das eigene, Google-freie Android-Betriebssystem Volla OS, das sich in der Benutzung deutlich von der gewohnten Android- oder iOS-Benutzeroberfläche unterscheidet (wie Volla OS funktioniert, haben wir in diesem Artikel erläutert).

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Der rote Punkt dient als Startmenü.Bild: watson

Sehr löblich: Wer mit Volla OS nicht warm wird, kann das Smartphone mit der mobilen Linux-Variante Ubuntu Touch bestellen oder mit der Multi-Boot-Funktion andere Betriebssysteme wie Sailfish OS verwenden.

Mit der Multi-Boot-Funktion k�nnen Anwender mehrere Betriebssysteme auf einem Ger�t verwenden, etwa andere mobile Linux-Varianten wie Manjaro, Sailfish OS oder weitere Linux-Derivate parallel zum Andr ...
Mit der Multi-Boot-Funktion können User mehrere Betriebssysteme verwenden und das Gerät je nach Bedarf (privat oder geschäftlich) mit dem gewünschten Betriebssystem starten.bild: Hallo Welt Systeme

Die bei Android normalerweise vorinstallierten Google-Apps wurden durch Datenschutz-freundliche, quelloffene Alternativen ersetzt. Ohne Google-Apps und -Dienste ermögliche Volla OS «eine hohe Sicherheit und kompromisslosen Schutz der Privatsphäre», versprechen die Deutschen.

Auch ohne Google-Software laufen die meisten Android-Apps auf dem Volla Phone. Falls eine App Google-Dienste benötigt, können Anwender optional microG installieren, eine alternative und quelloffene Umsetzung der Funktionen, die Google-Play-Dienste anbieten. Allerdings funktionieren auch so die meisten Google-Apps nicht oder nur eingeschränkt, aber wer sich daran stört, kauft sich auch kein Volla Phone.

Anders als bei Googles Android oder Apples iOS gibt es keinen Quasi-Konto-Zwang. Das heisst: Das Volla Phone kann ohne ein Google-, Apple- oder sonstiges Benutzerkonto und ohne Cloud-Anbindung genutzt werden. Volla OS verursache darum etwa 80 Prozent weniger Datenverkehr, da das Gerät nicht dauernd Nutzungsdaten an den Hersteller und somit in die USA übermittle.

Neu bietet Volla OS eine KI-Spracherkennung für Spracheingaben, die ausschliesslich lokal ausgeführt wird. Damit will sich der Hersteller von den Sprachassistenten von Apple und Google abgrenzen. «Wie schon das Betriebssystem selbst werden wir auch den Quellcode der neuen Komponenten veröffentlichen, um Transparenz zu schaffen», verspricht Firmengründer Jörg Wurzer.

Man plane auch «langfristige Systemaktualisierungen» für Volla OS anzubieten. «Inzwischen ist mit Volla OS 12 die vierte grosse Software-Aktualisierung für das Volla Phone der ersten Generation erschienen», schreibt das Unternehmen hierzu.

So funktioniert das Volla Phone der ersten Generation

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Das Volla Phone gibt dir die Kontrolle über deine Daten zurück
Die Benutzeroberfläche (Volla OS) unterscheidet sich markant von Android oder iOS. Diese Slideshow zeigt die wichtigsten Funktionen.
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Der deutsche Hersteller richtet sich nebst Privatanwendern verstärkt an Organisation, die spezielle Anforderungen an den Datenschutz oder die Stabilität (robust und wasserfest) haben; unter anderem Firmenkunden aus dem Gesundheitssektor oder Feuerwehrleute. Daher können Unternehmen und Behörden Volla-Smartphones neu mit der quelloffenen Geräteverwaltung Headwind MDM für ihre Angestellten zentral einrichten und verwalten.

Das Fazit

Das junge deutsche Start-up Hallo Welt Systeme beschreitet seinen Weg in der Nische konsequent weiter. Inzwischen sind vier Volla Phones verfügbar, deren Preise von rund 200 bis 500 Franken reichen. Das von mir vor gut zwei Jahren getestete erste Volla Phone ist weiter im Verkauf und inzwischen für umgerechnet 200 Franken zu haben.

Das neue, besonders robuste Volla Phone X23 soll im Gesundheits- und Notfallbereich (Rettungssanitäter, Feuerwehrleute) positioniert werden. Für Privatanwender, die eine Extraportion Privatsphäre wollen, ist das elegantere Volla Phone 22 gedacht. Die Geräte richten sich aber an routinierte Sicherheitsfans: Wer das Rundum-sorglos-Paket von Android oder iOS erwartet, wird vermutlich enttäuscht.

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Beispielfotos mit dem Volla Phone: Das kann die Kamera
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16 Lügen, die wir alle benutzen
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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nyahui
24.07.2023 21:23registriert November 2019
Headphone Jack??? <3 Das vermisse ich auf meinem Fairphone 4.
Ansonsten? Geile Idee! Definitiv die richtige Richtung. Jetzt kommt das Aber: Was ist mit den Apps? Watson z.B? Wie viele Tracker usw. gibts in dieser App? Wäre diese überhaupt verfügbar?
Wie siehts aus mit Microsoft Authenticater oder andere MFA/OTP Apps?
Passwortmanager wie Bitwarden oder andere? Mails? Bzw. Outlook?
(Wie viele Tracker und Backdoors sind wohl in Outlook verbaut?)
Weiss da wer was?
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Das Hars
24.07.2023 22:47registriert August 2021
Bei 500 CHF wird dann doch noch so relativ altbackene Hardware verwendet? C‘mon! 720p sind sowas 2015. Also 1080p hätte es sein dürfen. Der verwendete SoC (2022 veröffentlicht) ist auch etwas behäbiger und auf Augenhöhe mit einem Apple A9 (der aber schon paar mehr Jahre auf dem Buckel hat), aber wenn dieser das OS gut bedient, warum nicht. Irgendwie scheint das Gerät dennoch so bisschen Resteverwertung zu sein, die man unter dem Privatsphäre-Aspekt nun teuer an den Mann bringt. Bei 300 CHF wäre das aber vermutlich ein Gamechanger zu Huawei, Oppo und den Samsung-A-Serie-Geräten.
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