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Das neue Fairphone 3 Plus ist ein aktualisiertes Fairphone 3 mit besserer Kamera. bild: watson

Das Fairphone 3 Plus ist da – mit besserer Kamera und reduziertem CO2-Fussabdruck

Exakt ein Jahr nach dem Fairphone 3 kommt das Fairphone 3 Plus. Es ist ein fast identisches Smartphone mit besserer Kamera und höherem Recycling-Anteil. Doch wer bereits ein Fairphone 3 hat, profitiert ebenfalls.



Das neue Fairphone 3 Plus ist nahezu baugleich mit dem Fairphone 3 von 2019, mit dem feinen Unterschied, dass es nun eine optimierte Kamera hat und zu 40 Prozent statt wie bislang nur zu neun Prozent aus recyceltem Plastik besteht.

Das «Plus» im Namen ist etwas irreführend, da es weder grösser noch schneller geworden ist. Eigentlich ist es eher ein Fairphone 3.1, also ein Mini-Upgrade. Entsprechend kostet das Plus Modell 469 Franken, während das bisherige Modell im Preis auf 429 Franken gesenkt wird.

Das neue Fairphone kann ab sofort vorbestellt werden und wird ab dem 14. September ausgeliefert.

«Fairer und nachhaltiger.»

Fairphone-Motto

Das aktualisierte Modell hat den gleichen Mittelklasse-Prozessor wie im bisherigen Fairphone 3, der im Alltagsbetrieb genug Leistung entfaltet, damit das Gerät flüssig läuft. Ein schnellerer Prozessor würde die Kosten in die Höhe treiben und ist nicht im Sinne des Herstellers: Statt «immer schneller und besser» lautet das Motto hier «fairer und nachhaltiger».

Das bezieht sich primär auf drei Punkte:

Erstens will Fairphone möglichst viele Bauteile des Smartphones unter menschenwürdigen Bedingungen produzieren lassen.

Zweitens werden zur Herstellung von Smartphones benötigte Rohstoffe teils in afrikanischen Minen abgebaut, die von Warlords kontrolliert werden. Diese finanzieren so ihre Armeen. Fairphone, aber auch andere Hersteller, versuchen diese ungewollte Unterstützung von Kriegstreibern zu verhindern, indem zum Beispiel recyceltes Kupfer und Fairtrade-Gold aus Uganda genutzt wird.

Drittens können diverse Bauteile wie Display, Lautsprecher, Kamera, Akku, USB-C-Buchse etc. nachbestellt und selbst ersetzt werden.

Fairphone sagt, dass jährlich 1,4 Milliarden Handys gekauft werden, die im Schnitt nur 2,7 Jahre genutzt werden. Würden Handys fünf bis sieben Jahre genutzt, was die Firma mit dem Fairphone 3 (Plus) anstrebt, reduziere sich der CO2-Fussabdruck der Geräte (egal welcher Marke) um 28 bis 42 Prozent.

Das Spezielle am Fairphone: Da es wie ein Baukastensystem modular aufgebaut ist, lassen sich diverse Komponenten wie Display, Kamera, Akku und andere ohne spezielles Werkzeug selbst austauschen. Das neue Plus-Modell hat gegenüber dem Modell von 2019 ein etwas höherwertiges Kameramodul und diese neue Kamera kann auch auch einzeln bzw. separat gekauft werden. Besitzer eines bisherigen Fairphone 3 können ihr Handy somit mit dem neuen Kameramodul aufrüsten (statt ein neues Gerät zu kaufen).

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Fairphone-Nutzer können die Module für die Haupt- und Frontkamera im Set oder einzeln kaufen und selbst einbauen. bild: fairphone

Fairphone hofft, dass die Käufer ihr Handy länger behalten, wenn sie es mit einer besseren Kamera oder nach ein paar Jahren mit einem neuen Akku ausstatten können.

«Fairphones verbesserte Kameramodule beweisen, dass du kein neues Handy brauchst, um aktuelle Technologie zu bekommen.»

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Das Fairphone lässt sich leicht öffnen und reparieren. Das Testgerät wurde uns von Digitec zur Verfügung gestellt. bild: watson

Warum bringt Fairphone bereits jetzt ein neues Kamera-Modul?
«Das Fairphone 3 ist da – und es ist das erste faire Handy, das wirklich gut ist», schrieb watson auf den Tag vor einem Jahr, als das Smartphone erstmals präsentiert wurde. Es ist ausreichend schnell, es lässt sich besonders einfach reparieren und es wird vergleichsweise fair und nachhaltig produziert. Im Alltagstest zeigte sich, dass das Fairphone 3 fast alles richtig macht, die Kamera aber enttäuscht. Die nur mässige Fotoqualität ist denn auch für viele Nutzer ein Grund, doch kein Fairphone zu kaufen. Das könnte sich nun mit dem Kamera-Upgrade ändern.

Lohnt sich das Kamera-Upgrade?

Der niederländische Hersteller reagiert mit den neuen Kameramodulen auf die berechtigte Kritik an der bisherigen Kamera.

Die beiden folgenden Slideshows zeigen den Vergleich zwischen neuer und alter Kamera.

Fotos mit dem Fairphone 3 Plus (neues Kameramodul)

Fotos mit dem Fairphone 3 (altes Kameramodul)

Das Fazit zur neuen Kamera:

Die neue Kamera fokussiert schneller, etwas zuverlässiger und löst deutlich schneller aus. Schnappschüsse sollten so öfter gelingen, sehen aber meist nicht signifikant besser aus als mit dem bisherigen Fairphone 3. Auch das aktualisierte Plus-Modell hat nur eine Schönenwetterkamera, zumal die Bildqualität bei schwierigen Lichtsituation nach wie vor rapide abfällt. In der Nacht ist sie gar ein Totalausfall, was die meisten Nutzer indes kaum gross stören dürfte.

Auf Funktionen anderer Handy-Kameras mit mehreren Linsen (Ultraweitwinkel, verlustfreier Zoom) muss man verzichten, da Fairphone aufgrund der modularen Bauform keine signifikant grössere Kamera verbauen kann. Natürlich ist es gut, dass man Komponenten wie die Kamera nachrüsten kann, aber die modulare Bauweise hat auch Nachteile: Im Inneren gibt es kaum Platz für einen deutlich grösseren Kamera-Sensor. Die ganze Kamera musste deshalb umgebaut werden, um zumindest einen etwas grösseren Sensor unterzubringen.

Was auch erwähnt sein soll: Bei meinem Testgerät läuft die Kamera-App bislang alles andere als rund, sie hat immer wieder gewisse Aussetzer. Ein Problem, das bis zum Verkaufsstart Mitte September hoffentlich mit einem Update behoben wird.

Fairphone 3 Plus: die ersten Eindrücke

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Der Fingerabdruck-Scanner sitzt nach wie vor sehr weit oben. Auch das lässt sich vermutlich wegen der modularen Bauform nicht so einfach ändern. bild: watson

Das Plus-Modell ist abgesehen von der besseren Kamera und dem höheren Recycling-Anteil fast identisch mit dem bisherigen Fairphone 3, das ich 2019 ausführlich getestet habe. Es ist genau gleich gross wie das Vorgängermodell und gleicht dem Vorgänger auch optisch aufs Haar. Lediglich die Rückseite aus Kunststoff ist neu schwarz statt transparent.

Es ist und bleibt ein solides Mittelklasse-Smartphone mit einem etwas klobigen Design, das der modularen Bauform geschuldet ist. Die rutschfeste Rückseite lässt sich ohne Werkzeug öffnen, um etwa den Akku zu ersetzen. Möchte man weitere Teile wie Lautsprecher, USB-C-Buchse etc. austauschen, müssen mit dem mitgelieferten Schraubenzieher 13 winzige Schrauben gelöst werden.

Das Fairphone ist weltweit das einzige Smartphone, das von den unabhängigen Reparaturprofis von iFixit die Bestnote für die «Reparierbarkeit» erhalten hat. Auch absolute Laien sollten problemlos ein Display oder einen defekten Kabel-Anschluss wechseln können.

Technische Spezifikationen

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Mit 71,8 mm in der Breite ist das Handy gerade noch genug schmal, um gut in der Hand zu liegen. bild: fairphone (cc)

Wer kein High-End-Gerät besitzen muss, kann bedenkenlos zugreifen. Wer hingegen höchste Ansprüche an Leistung oder die Kamera hat, wird auch mit dem neusten Fairphone-Modell hadern.

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Das Fairphone läuft mit Googles purem Android 10. bild: watson

Was für das Fairphone spricht – und was dagegen

Das optimierte, separat kaufbare Kameramodul verdeutlicht den Vorteil der modularen Bauweise des Fairphones. Anders als bei fast allen anderen Smartphones können insgesamt sechs Bauteile vom Nutzer selbst gewechselt werden, falls dies nötig werden sollte. Dies verlängert die Lebenszeit des Geräts, minimiert Elektromüll und schont die Umwelt.

Das leichte Öffnen und die sehr gute Reparierbarkeit haben aber auch einen Haken, den man rasch vergisst: Das Fairphone 3 (Plus) ist – anders als moderne, geschlossene Smartphones – schlecht gegen Staub und Wasser geschützt. Die modulare Bauweise macht es auch etwas dicker als ultraschlanke, dafür fast nicht reparierbare Geräte. Anders gesagt: Der Wettlauf um immer dünnere Smartphones verhindert gut reparierbare und somit nachhaltige Geräte.

Die Produktion eines modularen Geräts, das in relativ kleinen Stückzahlen hergestellt wird, ist teurer, was sich auf den Endpreis auswirkt. Die Kosten sind denn auch ein Grund, warum die grossen Hersteller günstigere, nicht modulare Bauweisen bevorzugen. Und hier kommt das nächste Problem: Das Fairphone 3 Plus kostet rund 470 Franken. Technisch vergleichbare Geräte mit modernerem Design, die mutmasslich weniger nachhaltig sind, bekommt man für rund 200 Franken – und der Wunsch nach nachhaltigerer Technik endet beim Konsumenten oft beim Griff ins Portemonnaie.

Wer sich sich für das vergleichsweise teure Fairphone entscheidet und mit der Technik zufrieden ist, dürfte zumindest für viele Jahr Spass am Handy haben, zumal Fairphone seine Geräte 5 Jahre mit Software-Updates versorgen will (Beim 2015 lancierten Fairphone 2 wurde dieses Versprechen eingehalten).

Dabei sollte man nicht vergessen:

«Das nachhaltigste Smartphone ist das, das du bereits besitzt.»

Fairphone

Wenn dein Smartphone noch läuft, macht es keinen Sinn, ein Fairphone zu kaufen. Der einfache Grund: Die grösste Umweltbelastung eines Handys entsteht durch den Herstellungsprozess – und nicht etwa bei der Nutzung. Fairphone selbst sagt daher: «Sei es das Fairphone oder ein anderes Modell, das nachhaltigste Mobiltelefon ist immer dasjenige, das du bereits hast.»

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