Tesla soll bei Robotaxis tricksen
Tesla täusche die Öffentlichkeit systematisch über die Fähigkeiten seiner selbstfahrenden Autos. Dies schreibt die Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf Aussagen von neun ehemaligen Angestellten beruft.
Dem umfangreichen Bericht zufolge ist der Einsatz von Robotaxis im texanischen Austin nur durch ein aufwendiges Zusatztraining der Fahrzeug-KI möglich. Das Unternehmen habe zudem Monate damit verbracht, das Robotaxi-Einsatzgebiet zu kartieren. Ohne hochauflösendes Kartenmaterial funktionierten die Robotaxis zu wenig zuverlässig. Darum könne das Angebot nicht ohne erheblichen Aufwand auf andere Städte ausgeweitet werden, wie dies von Elon Musk in Aussicht gestellt wurde.
Tesla habe viel Zeit ins Training der Software für diesen Einsatzort sowie für die Kartierung in Austin gesteckt, um seine selbstfahrende Technik leistungsfähiger erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich sei. Mitarbeiter, welche die KI trainiert haben, sagen, das Unternehmen sei noch weit davon entfernt, autonome Fahrzeuge in grossem Massstab sicher auf die Strasse zu bringen.
Zweifelhafte Unfallstatistik
Der Bericht kritisiert zudem die Behauptung des Unternehmens, wonach selbstfahrende Teslas bis zu zehnmal sicherer als menschliche Fahrer unterwegs seien. Dieser Werbeaussage sollen fehlerhafte Datenvergleiche zugrunde liegen. So würde Tesla nur Unfälle zählen, bei denen der Airbag auslöse, während die allgemeine Unfallstatistik auch weniger schwere Unfälle enthalte. Ein Ingenieur für autonomes Fahren wird mit der Aussage zitiert: «Man sollte Elon in dieser Sache definitiv nicht trauen.»
Die Statistik sei auch verfälscht, da Teslas Fahrassistenzsystem Full-Self-Driving (FSD) vor allem auf Autobahnen genutzt werde, während es in komplexen Verkehrssituationen oft deaktiviert sei. Demgegenüber vergleiche Waymo, eine Tochtergesellschaft des Google-Mutterkonzerns Alphabet, seine Robotaxi-Unfälle mit Autos, die unter ähnlichen Bedingungen gesteuert würden.
«Wir haben alle schon erlebt, wie es versagt hat»
Laut Reuters beschäftigt Tesla Hunderte Mitarbeiter, die gefährliche Situationen mit Autos im Selbstfahrmodus Full-Self-Driving (FSD) analysieren. Diese sogenannten Datenmarkierer trainieren Teslas KI-Systeme mit den geprüften Daten.
Reuters hat mit mehreren dieser KI-Trainer gesprochen, die davon berichten, dass Teslas Fahrassistenzsystem FSD bei grundlegenden Aufgaben versagen könne. Sie berichten von Vorfällen, bei denen Autos im FSD-Modus für Rettungsfahrzeuge nicht angehalten, auf Autobahnausfahrten nicht gebremst oder den Sicherheitsabstand zu Motorradfahrern nicht eingehalten hätten.
Mehrere der Befragten sagten, sie würden Teslas Assistenzsystem nicht zutrauen, sie sicher ans Ziel zu bringen. «Wir haben alle schon erlebt, wie es versagt hat», wird ein ehemaliger Mitarbeiter zitiert. Ein anderer gab zu Protokoll, er würde nie in einem Tesla-Robotaxi mitfahren – «selbst wenn ihr mich verdammt noch mal dafür bezahlen würdet».
Fehleranfällig sei auch der Mad-Max-Modus, ein optionales und sehr aggressives Fahrprofil für die Full-Self-Driving-Software, das explizit von Musk gewünscht wurde. In diesem Modus sucht das System permanent nach schnelleren Fahrspuren. Die KI-Trainer hätten regelmässig beobachtet, wie Teslas im Mad-Max-Modus die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 30 bis fast 50 km/h überschritten hätten. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde leitete bereits im Herbst 2025 eine Untersuchung des umstrittenen Modus ein.
(oli)
