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In this image released by Metro-Goldwyn-Mayer Pictures/Columbia Pictures/EON Productions, Daniel Craig appears in a scene from the James Bond film,

Geheimagent im Netz: Der neue Bond-Film ist bereits «geleakt».
Bild: AP/Metro-Goldwyn-Mayer Pictures/Columbia Pictures/EON Productions

Hollywoods schlimmster Albtraum? Der Kampf gegen die Filmpiraten ist nicht zu gewinnen – doch nun gibts eine überraschende Wendung

Die «Release Group», die unter anderem den neuen Tarantino-Film «The Hateful Eight» frühzeitig veröffentlicht hat, bricht das Schweigen. Und zeigt angeblich ein Herz für die Filmemacher.



Don Quijote kämpfte gegen Windmühlen. Und ähnlich aussichtslos erscheint Hollywoods Online-Fight gegen die Filmpiraten.

Kaum schaffen es die Anwälte der Filmindustrie, eine (illegal) hochgeladene Filmkopie von einem Server zu verbannen, tauchen anderswo im Netz Hunderte neue Kopien auf.

Ein aktuelles abschreckendes Beispiel ist der neue Bond-Film «Spectre». Just zu Weihnachten wurde eine qualitativ hochwertige Kopie über das Filesharing-Protokoll Torrent verbreitet.

Die Quelle des urheberrechtlich geschützten Materials war erneut ein sogenannter DVD-Screener. Jeweils Ende Jahr verschicken die grossen Hollywood-Studios Filmkopien der Oscar-Anwärter per Post, damit sie die Juroren zuhause anschauen können.

Die «Screener Season» 2015 könnte als die bislang verheerendste in die Geschichte der US-Filmindustrie eingehen. Wobei dies nach den jüngsten Entwicklungen nicht mehr so sicher scheint. Dazu gleich mehr, doch zunächst gilt es die Vorgeschichte zu rekapitulieren.

Umfrage

Schaden Filmpiraten dem Erfolg an der Kinokasse?

2,067

  • Ja28%
  • Nein63%
  • Weiss nicht9%

40 «Releases» angekündigt, aber...

Vor ein paar Tagen kündigten Filmpiraten, die unter dem Szene-Pseudonym Hive-CM8 in Erscheinung treten, an, dass es in den kommenden Wochen sehr viele «Releases» geben werde. Angeblich waren den Unbekannten 40 DVDs in die Hände gefallen.

Mittlerweile haben Hive-CM8 bereits mehr als einen Viertel davon veröffentlicht. Die genaue Zahl ist schwer zu überprüfen, weil die Kopien zunächst in privaten Netzwerken herumgereicht werden, bevor sie über die populären Filesharing-Dienste leaken und ein grosses Publikum erreichen. Verfügbar sind bislang:

Bild

bild: imageshack

Die jüngste überraschende Wendung in dem Katz-und-Maus-Spiel gab es an diesem Mittwoch, dem 30. Dezember. Die Filmpiraten entschuldigen sich – mehr oder weniger öffentlich – bei Tarantino und anderen Betroffenen.  Die frühzeitige Veröffentlichung von «The Hateful Eight» vor der Kino-Premiere sei ein Fehler gewesen.

Dies berichtet das auf Filesharing-Nachrichten spezialisierte Newsportal Torrent Freak, das vor einigen Tagen mit exklusiven Informationen zu den vom FBI gejagten Filmpiraten aufwarten konnte.

Demnach handelt es sich bei Hive-CM8 um einen losen Zusammenschluss einer Handvoll Personen. Diese sollen nicht zum engen, verschworenen Kreis der Filmpiraten-Szene gehören. Das zeige sich auch daran, dass Hive-CM8 die erbeuteten Screener bereitwillig mit der breiten Masse der Internet-Nutzer teile.

Ironie der Geschichte: Die Entschuldigung kommt zeitgleich mit der jüngsten Screener-Veröffentlichung, «The Big Short» mit Christian Bale. Die Unbekannten schreiben laut Torrent Freak, dass sie den Film eine Woche zurückgehalten hätten, um der Herstellerfirma zu ermöglichen, das Produktions-Budget an den Kinokassen einzuspielen.

Bezüglich ihrer Motivation geben sich die Filmpiraten als moderne Robin Hoods, die den armen Internet-Nutzern helfen wollen. Und sie kritisieren, dass die Oscar-Anwärter nicht überall im Kino zu sehen seien:

«So we wanted to share [these] movies with the people who are not rich enough or not able to watch all nominated movies in the cinema. Of course [these files] are not representing the movies how they can be enjoyed in the cinema.»

quelle: torrentfreak.com

Und an die Adresse von Quentin Tarantino gerichtet, heisst es:

We feel sorry for the trouble we caused by releasing that great movie before [it’s release date] had even begun. We never intended to hurt anyone by doing that, we didn’t know it would get that popular that quickly (...)

Blick ins Hallenstadion an der Schweizer Premiere des neuen James-Bond-Films

Bond-Premiere im Hallenstadion: Schaden Online-Kopien dem Erfolg an der Kinokasse?
Bild: KEYSTONE

«The Hateful Eight» sei ein exzellenter, spannender und unterhaltender Western, halten die Filmpiraten fest. Gleichzeitig wiederholen sie die auch durch Studien belegte Behauptung, dass die (illegale) Online-Veröffentlichung der kommerziellen Film-Verwertung nicht schade. Vielmehr profitiere die Industrie von der zusätzlichen Publizität.

Schliesslich kündigen die Filmpiraten an, dass sie keine weiteren der angeblich erbeuteten 40 Screener veröffentlichen werden.

«We won’t do another movie before its [theatrical release], and we definitely won’t go up to 40 as planned, we think we have done enough already.»

Umfrage

Soll das Herunterladen bzw. Anschauen von Filmkopien aus dubiosen Quellen bestraft werden?

1,622

  • Ja9%
  • Nein87%
  • Weiss nicht4%

«Auf der Strasse gekauft»

Derweil versucht Hollywood mit juristischen Mitteln gegen die Verbreitung vorzugehen. So wurden nach dem Auftauchen der ersten Filmkopien auf populären Filesharing-Plattformen Tausende sogenannte «Takedown Requests» verschickt. Der Suchmaschinen-Betreiber Google, Torrent-Verzeichnisseiten und andere Webseiten-Betreiber wurden aufgefordert, das illegal beschaffte Material, respektive die Online-Verknüpfungen («Links») darauf, umgehend zu entfernen.

Gleichzeitig werden die Verantwortlichen, die hinter den Releases stehen, mit strafrechtlichen Mitteln verfolgt. Die amerikanische Bundespolizei, das FBI, ermittelt auf Hochtouren und hat im aktuellen Fall angeblich den Ursprung der DVD-Screener von Hive-CM8 bis zu einer bestimmten Person zurückverfolgen können. Die besagte Person, ein Branchenvertreter, will aber davon gar nichts mitbekommen haben und behauptet, die DVDs seien nie bei ihr eingetroffen.

US-Rangliste der 2015 am häufigsten heruntergeladenen TV-Serien

Bild

screenshot: torrentfreak.com

Angesichts der nicht enden wollenden Leaks und der grossen Nachfrage dürfte es wenig helfen, dass Hollywood zuletzt im Kampf gegen die Online-Filmpiraterie gewichtige strafrechtliche Erfolge feiern konnte. In Grossbritannien wurden fünf Männer zu insgesamt 17 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie Kopien verbreitet haben.

Es soll sich um die Hintermänner mehrerer berüchtigter «Release Groups» handeln, laut Torrent Freak im Alter zwischen 22 und 40 Jahren. Laut dem Verband der amerikanischen Piratenjäger, der Federation Against Copyright Theft (FACT), hätten die Verurteilten im Lauf der letzten Jahre über 2500 illegale Filmkopien im Internet veröffentlicht. Allein auf einer einzelnen Filesharing-Website habe es Millionen von Downloads gegeben.

Wie Torrent Freak weiter berichtet, wurden die Männer nicht dank ausgeklügelter Ermittlungen gefunden. Ihnen wurde vielmehr die eigene Nachlässigkeit zum Verhängnis. So konnten sie dank verräterischer Angaben in Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Filmkopien eruiert werden. Einer der Täter soll die Ermittler auf seine Spur gebracht haben, indem er in einem an sich anonym gehaltenen Schreiben stolz den exotischen Vornamen seiner Tochter erwähnte...

Onlineshopping: Vorstellung vs. Realität

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Likos 30.12.2015 23:54
    Highlight Highlight Die Realität ist: das Herunterladen von Filmen und Serien ist so einfach, umfangreich und von solch hoher Qualität, dass da ein legaler Anbieter, ganz unabhängig vom Geld, beim besten Willen nicht mehr mithalten kann.
    • Alnothur 02.01.2016 00:59
      Highlight Highlight Das stimmt so nicht. Vergiss nicht, dass die allermeisten Anwender, zwar etwas plakativ aber treffend, als ziemlich unfähig beschrieben werden können. Die haben schon Mühe, einen Torrent-client zu finden und installieren, und sind naiv/ignorant genug, sich statt des Filmes und/oder Torrentclients einfach einen Virus oder schlimmeres herunterzuladen.

      Fakt ist einfach: es gibt kein legales Alternativangebot. Nein, Streaming zählt nicht. Was wir brauchen, ist ein GOG für Filme, und zeitnahe Veröffentlichungen in allen Sprachen.
  • Ratchet 30.12.2015 23:32
    Highlight Highlight Hollywood übertreibt masslos. Schaut man die Einnahmen die Filme wie Spectre, Star Wars, Avengers, Jurassic World, Fifty Shades of Grey 2015 gebracht haben oder die Löhne der Star Schauspieler, die zum Teil masslos unproportional verteilt werden, dann kann ich einfach kein Mitleid haben.
  • Str ant (Darkling) 30.12.2015 18:22
    Highlight Highlight In Holland gibt es eine Kino Flatrate wieso hier nicht ?
    • Stephan Locher 30.12.2015 19:55
      Highlight Highlight Die gibt es, z.B. bei Pathé für CHF 480.- oder bei rexbern.ch für 250.- pro Jahr.

      Oder ist die Flatrate in Holland Kinokettenübergreifend gültig?
  • _kokolorix 30.12.2015 16:39
    Highlight Highlight die filmindustrie eilt von gewinnrekord zu gewinnrekord und jammert uns ständig die ohren voll. mann, bei denen können selbst unsere bauern noch was lernen!
    der grossteil der leute die sowas runterladen, sind eh keine potentiellen kunden. bei den überrissenen preisen können sich das schon lange nicht mehr alle leisten. also wird es geklaut und das wird so bleiben bis hollywood ein vernünftiges preis/leistungs verhältnis findet. und vernünftige qualität, denn die superheldennummer haben wir jetzt wirklich alle gesehen...
    • EinePrieseR 30.12.2015 21:58
      Highlight Highlight Kann mir auch keinen Tesla leisten. Darf ich den nun auch klauen?
      Ein Dieb bleibt ein Dieb
    • one0one 31.12.2015 09:04
      Highlight Highlight Das ist eben mit Sachen wie Filmen und Software nicht so einfach. Die Aussage Dieb bleibt Dieb kann man so nicht sagen. Bei dem Tesla entsteht ein materieller Schaden. Bei dem Film nicht. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass wenn jemand einen Film klaut, dass er diesen auch legal erworben hätte wenn die Möglichkeit des Klauens nicht da gewesen wäre...
      Des Weiteren haben es die Film und Musikindustrie einfach verpennt. Die heutigen Portale sind für mich völlig nutzlos und "kompliziert" verglichen mit den anderen Möglichkeiten.
      @EinePrieseR: In der Schweiz, rechtlich, stimmt deine Aussage nicht ;)
  • Digichr 30.12.2015 16:25
    Highlight Highlight Star Wars Ep1 kam in den USA am 19. Mai in die Kinos, bei uns im August (Quelle imdb)
    Heute kommen solche Filme fast zeitgleich ins Kino. Somit müssen auch Leute, die Downloads ablehnen zugeben:
    Ohne die bösen Piraten, würde uns Hollywood noch immer verarschen und ihr würdet länger auf eure Filme waren.
    • Joe putz 02.01.2016 09:48
      Highlight Highlight @patrick und die deutsche Übersetzung die du hier bekommst ist dann Originalton oder wie ? :)
  • EvilBetty 30.12.2015 16:22
    Highlight Highlight Da steckt doch bestimmt Tarantino selbst dahinter 😂
  • Evan 30.12.2015 15:40
    Highlight Highlight Die Lösung ist eben nicht, die illegalen Kopien zu bekämpfen, sondern einwn besseren Service zu bieten. Ich habe immer Musik gratis aus dem Internet heruntergeladen, bis ich gemerkt habe wie einfach und billig es Apps mit einer Musik Flatrate machen immer aktuelle Nusik zu hören. Die Filmindustrie muss sich was ähnliches einfallen und schon ist dad Problem gelöst. Bzw Netflix bietet das ja glaube ich an, in Zukunft wird ein solcher Service ja sowieso das traditionelle Fernsehen ablösen, und dann steht man vor einer komplett neuen Realität.
    • oXiVanisher 30.12.2015 16:10
      Highlight Highlight Nicht zu vergessen, dass das Regionale Denken einfach ein Relikt ist. Die Welt will alles gleichzeitig konsumieren und nicht erst warten bis schlechte Synchronisationen gemacht wurden um ihn dann doch im O-Ton zu schauen.
      Auch gibt es Beispiele, wo bis heute qualitativ bessere Downloads verfügbar sind als legale Medien. Wer das nicht glaubt soll einmal versuchen eine BR Version von Stargate: Atlantis zu finden. Im Internet als 720p Download kein Problem...
    • koks 30.12.2015 16:30
      Highlight Highlight Evan, der bessere Service ist für die Menschen irrelevant, die ihn nicht bezahlen können. Manchmal ist das aus der Mitte unserer mittelständischen Wohlfühlgesellschaft heraus halt etwas schwer nachzuvollziehen.
    • one0one 31.12.2015 09:09
      Highlight Highlight Um diese Leute geht es der Filmindustrie doch gar nicht, Kunden, die nicht das finanzielle Potenzial haben, einen Film zu kaufen, sind der Industrie mehr oder weniger egal...
      Es geht denen um Leute, die die finanziellen Mittel haben aber trotzdem Raubkopien benutzen. Diese Leute muss man mit einem besseren Service abholen. Aber das checken diese Heinis nicht...

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