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Im Krieg gibt es keine Helden: «Wenn ‹Call of Duty› ein Actionfilm ist, dann ist ‹This War of Mine› ein Drama»

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Krieg aus einer anderen Perspektive: Der eines Flüchtlings.gif: 11bitstudios
Interview zu Anti-Kriegs-Spiel

Im Krieg gibt es keine Helden: «Wenn ‹Call of Duty› ein Actionfilm ist, dann ist ‹This War of Mine› ein Drama»

Im Spiel «This War of Mine» erlebt man den Krieg aus Sicht von Flüchtlingen. Ziel ist es nicht, Horden von Gegnern niederzustrecken, sondern einzig und allein zu überleben. Pawel Miechowski vom polnischen 11 Bits Studios erklärt, wie man ein Anti-Kriegs-Spiel entwickelt.
22.12.2014, 19:0123.12.2014, 12:12
Philipp Rüegg
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Was hat euch zu dem Spiel inspiriert?
Pawel Miechowski, Chefautor bei 11 Bit Studios: Die Idee stammt von meinem Bruder Grzegorz Miechowski (CEO von 11 Bit Studios), als er über verschiedene Konflikte und die schrecklichen Situationen von Menschen in Kriegsgebieten las. Er hat als Thema die riesige emotionale Last vorgeschlagen, die Menschen, die von Krieg umgeben sind, tragen müssen. Wir fanden, das Thema hat unglaubliches Potential für ein Game. Aber nur, wenn wir es mit dem nötigen Respekt angehen und das Medium Game als Werkzeug einsetzen, um ein Drama zu erzählen. Also begannen wir mit Nachforschungen über Sarajevo, Kosovo, Aleppo, Warschau und anderen Konflikten, wo Zivilisten unter dem Krieg gelitten haben.

«Spiele sind erwachsen geworden und es ist an der Zeit, über ernsthafte Themen zu reden.»
Der Pole Pawel Miechowski, 35, ist Chefautor von «This War of Mine».
Der Pole Pawel Miechowski, 35, ist Chefautor von «This War of Mine».bild: 11 bit studios

Was ist die Kernaussage des Spiels? 
Krieg findet immer vor irgendjemandes Tür statt. Er betrifft nicht nur Soldaten, sondern ganz normale Menschen. Und wenn es passiert, macht es keinen Unterschied, ob du Schweizer, Pole oder Russe bist – du bist ein Mensch, der sich, seine Familie und seine Freunde retten will. Du brauchst Lebensmittel und Medikamente und wirst regelmässig auf die Probe gestellt. Was tust du, wenn du Gewalt begegnest? Was tust du, wenn du hungrige Kinder siehst und selbst kein Essen hast? Das sind Thematiken, die in Spielen bisher kaum behandelt wurden und das möchten wir ändern. Spiele sind erwachsen geworden und es ist an der Zeit, über ernsthafte Themen zu reden.

Hat jemand von euch selbst Erfahrungen mit Krieg gemacht? 
Nein, glücklicherweise blieben wir vom Krieg verschont. Aber wir haben mit Personen gesprochen, die Krieg als Soldat oder Zivilist erlebt haben. Wir kennen Kriegsgeschichten von unseren Grosseltern. Wir leben in Warschau, eine Stadt, die im Zweiten Weltkrieg stark gelitten und hunderttausende von Toten zu betrauern hatte.

«This War of Mine» zeigt Krieg wie er ist: Düster, traumatisch und tödlich

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«This War of Mine» zeigt Krieg wie er ist: Düster, traumatisch und tödlich
quelle: wikipedia
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Wie authentisch porträtiert «This War of Mine» den Krieg? 
«This War of Mine» lässt den Spieler seine eigenen Geschichte erleben. Durch das Handwerkssystem und die Entscheidungen, die man fällen muss, wollen wir die Spieler packen. Es geht primär um das emotionale Erlebnis. Während der Premiere haben uns Überlebende und Kriegsveteranen kontaktiert und erzählt, dass wir die emotionale Seite sehr authentisch rübergebracht haben. Dieses Feedback ist enorm wichtig für uns, da wir das wahre Gesicht des Krieges zeigen wollen.  

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Zeigt das Spiel einen bestimmten Krieg? 
Es ist ein fiktiver Konflikt in einer fiktiven Stadt. Wir haben das mit Absicht so gewählt, weil die Nationalität keine Rolle spielt, wenn man als Zivilist vom Krieg umgeben ist. Wir haben uns von vielen Konflikten inspirieren lassen und was man im Game sieht, ist die Essenz davon.

Ich habe gehört, dass man im Balkan-Krieg niemals in der Nacht zum Plündern rausging, weil man wegen der Ausgangssperre damit rechnen musste, erschossen zu werden. Im Spiel ist man ausschliesslich in der Nacht unterwegs. 
«This war of Mine» spielt nicht im Balkan. Wir haben gelesen, dass in gewissen Städten die Nacht die einzige einigermassen sichere Zeit war, um das Versteck zu verlassen, so beispielsweise während den Aufständen in Warschau im Zweiten Weltkrieg. Verschiedene Kriege haben verschiedene Situationen und wir können nicht alle in einem einzigen Spiel zeigen.

«Die Nationalität spielt keine Rolle, wenn man als Zivilist vom Krieg umgeben ist.»

Der Trailer zum Spiel

«This War of Mine» ist ziemlich düster. Wie denken Sie über Spiele wie «Call of Duty», die Krieg wesentlich heroischer darstellen? 
«Call of Duty» ist ein Actionfilm, «This War of Mine» ist ein Drama, wenn man es mit Filmen vergleicht. Manchmal hat man Lust auf einen Actionfilm und manchmal sieht man lieber «Saving Privat Ryan» oder «Der Pianist» und man weint einfach, wenn man solche Tragödien sieht. Es gibt einen Platz für alle Arten von Games, weil die Menschen verschiedene Erlebnisse suchen. Ich bin einfach froh, dass wir mit «This War of Mine» einen Titel entwickeln konnten, der nicht alltäglich ist.

«Valiant Heart» war ebenfalls ein Spiel, das nicht die heldenhafte Seite des Krieges zeigte. Solche Spiele sind rar gesät. Ist es schwieriger, seriöse Kriegsspiele zu entwickeln? 
Es verlangt definitiv einen anderen Ansatz. Man muss genau recherchieren und dem Thema mit Respekt begegnen. Es hat viel Arbeit und ein sauberes Design gekostet und ich hoffe, wir sind dem Thema gerecht geworden. Die Spieler sind die Messlatte und ihre Rückmeldungen bisher sind überwältigend.

«This War of Mine» ist erhältlich für PC, Mac, Linux und iOS.

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