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Bääm, Boom! Heute vor 15 Jahren war der «Millenium-Bug» in aller Munde. bild: shutterstock

Millenium-Bug

31. Dezember 1999: Der Tag, als die Welt fast still stand

Heute vor 15 Jahren schien die Welt am Vorabend des Weltuntergangs zu stehen. Die Angst kam hoch, dass die Computersysteme beim Jahreswechsel 1999/2000 abstürzen und die Welt in eine Wirtschaftskrise stürzen würden. 



Wir schreiben das Ende des 20. Jahrhunderts. Als die ersten Computerprogramme in den 1960er- und 1970er-Jahren aufkamen, war Speicherplatz knapp und teuer. Teil der hohen Programmierkunst war es deshalb, Speicher zu sparen. Bei der Verarbeitung von Terminen speicherten viele Programmierer Jahreszahlen im zweistelligem Format («78» statt «1978»). 

Je näher die Jahrhundertwende kam, desto deutlicher wurde, dass man in der Nacht auf den 1. Januar 2000 ein grosses Problem mit dem Datum kriegen könnte, weil «00» fälschlicherweise als 1900 interpretiert würde. Heute vor 15 Jahren dachte man: Morgen geht die Welt unter.  

Medien griffen dieses Thema auf: In teils apokalyptischen Szenarien wurden weltweite Computerabstürze prognostiziert. Die Angst nach Börsencrashs, Weltwirtschaftskrisen oder Kernschmelzen wurden als Y2K-Problematik oder Millenium-Bug beschrieben.

Weltweite Vorbereitung

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Der «ARD Ratgeber» erklärte 1998 am Fernsehen, was am 31. Dezember 1999 passieren würde. video: ard/youtube/björn bear

Innert wenigen Monaten mussten Informatiker weltweit verschiedene Computer aufrüsten und «2000-ready» machen. Der Bund führte mit Ulrich Grete einen Milleniumsbeauftragten («Jahr-2000-Delegierter») ein und bot auf einer eigenen Webseite Checklisten, Downloads und Informationen für den Millenium-Bug an. 

In praktisch allen grossen Unternehmen wurden die Computersysteme untersucht. Weltweit wurde der Aufwand zur Behebung des Fehlers auf bis zu 600 Milliarden US-Dollar geschätzt. Um allfällige Fehler zu vermeiden, hatten viele Banken in der Silvesternacht ihre Geldautomaten abgestellt.

Überflutete Strassen, Probleme in der Romandie

Ein misslungener Jahr-2000-Test brachte in einer Wasseraufbereitungsanlage in Los Angeles das Fass buchstäblich zum Überlaufen. Über 15 Millionen Liter ungeklärtes Abwasser überflute einen Naherholungspark und mehrere Strassenzüge der US-Stadt. Bei dem Test hatte sich auf Grund einer falschen Datumsanzeige eine Pipeline geschlossen und brachte ein grosses Becken mit Abwasser zum Überlaufen. 

In der Schweiz waren in fast allen Krankenhäusern des Kantons Waadt zwei Tage lang die Rechner in den Patientenaufnahmen blockiert. Ursache des fast ein Jahr zu früh aufgetretenen Jahr-2000-Problems war die Eingabe von Vergleichsdaten. 

Die Stadtverwaltung München stellte rund 400 Bürgern Mahnbescheide über bis zu 60'000 Mark zu – für «angesammelte» Dienstleistungen, die angeblich seit Januar 1900 erbracht wurden. Nach dem Jahreswechsel wurde bekannt, dass die Telecom Italia die Rechnungen für den Januar verschickt hatte: für den Januar 1900. 

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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lumpirr01 31.12.2014 16:39
    Highlight Highlight Und in einem Japanischen Kernkraftwerk wurden zwar alle kritischen Computersysteme Y2k gefixt / gesichert, jedoch die Eingangssysteme für Personen und Fahrzeuge wurden vergessen. Bis zur Lösung des Problems wurden die Leute mit einem Helikopter ins Gelände gebracht rsp. abgeholt.
    • Paddel 01.01.2015 02:34
      Highlight Highlight Was für Zäune und Tore hatten die denn?
    • Lumpirr01 01.01.2015 14:18
      Highlight Highlight @Paddel: Ich war Y2k - Projektmanager in einer grossen Schweizer Firma und habe damals mit den Projektmitgliedern in den verschiedenen Werken für ca. 7 Mio SFr. sämtliche Uhrenfunktionen aufgespürt, bei den Lieferanten das Verhalten dieser Uhren / Software beim Jahrhundertwechsel abklären lassen und wo nötig diese Zeitsysteme ersetzen lassen. Im Abschlussbericht dieses Projektes wurde im Detail berichtet über die firmeneigenen Bewältigungen des Y2k - Problems sowie zBsp über Vernachlässigungen anderer Firmen. Leider habe ich zurzeit keine Möglichkeit, diesen Bericht nochmals zu suchen & lesen.

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