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KI versaut Google-Suche – und empfiehlt Usern, mit Leim zu kochen

Pizza.
Schöne neue KI-Welt: Wenn du ein Rezept googelst, wird dir ein ungeniessbarer Kochtipp angezeigt, der auf einem Reddit-Shitpost basiert.Bild: imago-images.de

Google-Suche wird wegen KI immer schlechter – dieser Fall schlägt dem Fass den Boden aus

Während der Hype um ChatGPT und Co. weiterdreht, zeigen sich immer deutlicher die Kollateralschäden. Erschreckend: Die einstmals beste Suchmaschine ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.
24.05.2024, 11:2025.05.2024, 16:30
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Ganz so schnell wie befürchtet wird künstliche Intelligenz (KI) wohl doch nicht die Weltherrschaft übernehmen und die Menschheit vernichten. Oder etwa doch?

Diese Woche sorgt die mit generativer KI aufgemotzte Google-Suche erneut für negative Schlagzeilen. Ein User hatte sich mit einem quasi existenziellen Problem an die Suchmaschine seines Vertrauens gewendet:

«Käse klebt nicht an der Pizza.»

Die KI-generierte Google-Antwort folgte prompt – und fiel allerdings ziemlich überraschend aus.

Damit Käse an einer Pizza haften bleibt, könne man der Pizzasauce «auch etwa 1/8 Tasse ungiftigen Leim hinzufügen», halluziniert Google.
Damit Käse an einer Pizza haften bleibt, könne man der Pizzasauce «auch etwa 1/8 Tasse ungiftigen Leim hinzufügen», halluziniert Google.screenshot: google.com

Wie konnte das passieren?

Zur Erinnerung: Generative KI ist dumm und hat nichts mit künstlicher Intelligenz im engeren Sinn zu tun.

Das amerikanische Online-Medium 404, das den jüngsten Google-Fail publik gemacht hat, kommt zu einem ernüchternden Zwischenfazit: Es sehe so aus, als ob die Benutzererfahrung beim Googeln in absehbarer Zukunft eine sein werde, bei der die Suchanfragen «ein zufälliges Durcheinander aus Reddit-Shitposts, tatsächlichen Informationen und Halluzinationen» ergeben.

Und damit sind wir bei der Ursache für das Schlamassel: Der Google-Konzern Alphabet hat mit Reddit einen lukrativen KI-Deal gemacht. Demnach bezahlt Google pro Jahr 60 Millionen Dollar an die populäre Social-Media-Plattform, um die gesamten User-generierten Inhalte für eigene KI-Zwecke verwerten zu dürfen.

Die missratene Antwort auf die Kochfrage zeige, dass Googles KI tatsächlich «durch zufälligen Mist vergiftet» werde, den die Leute im Internet äussern.

«Es ist eine Anklage gegen Googles künstliche ‹Intelligenz›, nicht gegen Reddit oder die Shitposter des Internets.»
Screenshot zu KI-Fail bei Google-Suche.
Dieses 11-jährige, scherzhafte Reddit-Posting des Users «fucksmith» könnte der Ursprung sein. Screenshot: twitter.com

Der 404-Bericht ruft in Erinnerung, dass Reddit im vergangenen Jahr den kostenlosen Zugriff auf seine Programmierschnittstelle (API) sperrte. Dieser Schritt erfolgte angeblich, weil KI-Forscher und KI-Firmen alle Inhalte auf der Plattform abgriffen, was Reddit zusätzliche Serverkosten verursachte, und – noch wichtiger – weil Dritte so von Reddit-Nutzerdaten profitierten, von denen das Unternehmen selbst profitieren wollte.

Unerfreulicher Nebeneffekt: Populäre Reddit-Apps von Drittanbietern und viele der Moderationstools, die die unbezahlten Moderatoren gemeinsam nutzen, funktionierten ohne Gratis-API-Zugriff nicht mehr. Es folgten wochenlange Proteste der Reddit-Community. Ohne Erfolg. Dann kam der KI-Deal mit Google.

PS: Reddit hat Anfang dieser Woche einen weiteren Daten-Deal abgeschlossen. Mit der grössten Datenkrake aus dem Lager der KI-Entwickler: OpenAI.

Schweizer Verleger suchen Kooperationen mit Tech-Giganten
Die Verleger der grossen Schweizer Medienhäuser suchen neue Geschäftsmodelle und Kooperationen mit den grossen internationalen Technologiekonzernen. Sie wollen keine Tech-Verhinderer sein, wie sie unisono am Swiss Media Forum in Luzern sagten.

In der sogenannten Elefantenrunde tauschten sich am Donnerstag die Chefs der grossen Medienhäuser aus: NZZ-CEO Felix Graf, SRG-Generaldirektor Gilles Marchand, TX-Group-Präsident Pietro Supino, Ringier-CEO Marc Walder und CH-Media-CEO Michael Wanner.

Wenn das Publikum einen Chat fragen wolle, um Antworten zu bekommen, dann müsse man dafür sorgen, «dass sie die Antworten bei uns bekommen und nicht irgendwo anders», sagte Walder. Ringier habe deshalb eine Kooperation mit Google lanciert. Diesen Weg sei etwa auch das «Wall Street Journal» gegangen, das eben erst einen Vertrag mit dem Software- und KI-Unternehmen OpenAI abgeschlossen habe.

CH Media – das watson-Mutterhaus – habe derzeit keine Kooperation dieser Art im Köcher, sagte Wanner. Aber der Weg müsse immer irgendwo zwischen Kooperationen und Klagen im Ausland liegen. (sda)

Quellen

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149 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Amateurschreiber
24.05.2024 12:07registriert August 2018
"Ganz so schnell wie befürchtet, wird künstliche Intelligenz (KI) wohl doch nicht (...) die Menschheit vernichten"

Derweil die KI: "Tut ein wenig Leim in euer Essen!"
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Scrat
24.05.2024 12:08registriert Januar 2016
Es gab ja auch mal einen Präsidenten, der seiner Bevölkerung ein Entwurmungsmittel für Pferde als Corona-Schutzmassnahme empfahl... wie damals werden ein paar Dumpfbacken die Pizza-Leim-Theorie sicher ausprobieren... 🤡
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Madison Pierce
24.05.2024 12:04registriert September 2015
Spätestens jetzt sollten alle verstehen, dass generative AI keine Intelligenz ist, sondern ein Papagei. Füttert man sie mit Unsinn, erzählt sie Unsinn.

Richtig lustig wird das in nächster Zeit: Immer mehr Inhalte im Internet sind belanglose, generierte "Content Marketing"-Texte. Damit trainieren die Modelle und äussern noch mehr Unsinn, der dann wieder veröffentlicht wird und als Trainingsmaterial dient...
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