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«Stray» im Test: So gut ist das Game für Playstation 5, PS4 und PC

Eine kleine Katze wird in einer dystopischen Welt zum Heilsbringer.
Eine kleine Katze wird in einer dystopischen Welt zum Heilsbringer.zvg
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Darum spielt gefühlt die ganze Welt das Katzen-Game «Stray»

Das Indie-Game «Stray» wird aktuell gefühlt von der ganzen Game-Gemeinde gespielt und mit Lob zugeschüttet. Doch hat das Spiel diese Lorbeeren überhaupt verdient?
03.08.2022, 18:01
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«Stray» tauchte seit seiner Ankündigung immer wieder auf meiner Liste auf, um diesen potenziellen Indie-Hit im Auge zu behalten. Doch als der Release immer näher kam, der Sommerurlaub vor der Tür stand und ich mit dem Umfangmonster «Xenoblade Chronicles 3» beschäftigt war (Grüsse an den watson-Kollegen Wietlisbach und viel Glück!), ging diese digitale Katze fast vergessen.

Erst als der Release-Tag da war und von unterschiedlichen Seiten Nachrichten eintrudelten, wie sehr mir denn dieses Spiel gefallen würde und wo denn meine Zeilen dazu blieben (Hallo, Kollegin Mühle!), wurde «Stray» gestartet. Oder anders formuliert: Als Hunde-Mensch (gäu, Kollegin Sigrist!) war ich skeptisch, ob mich dieses Katzen-Game genauso beeindrucken würde wie gefühlt das ganze Internet.

Eine dunkle Vorahnung in der Magengegend

«Stray» beginnt putzig und herzerwärmend: Als namenlose Katze befinden wir uns mit drei weiteren Artgenossen im Trockenen, während der Regen uns daran hindert, die kleine Höhle in einer dystopischen Welt zu verlassen.

Um uns die Zeit zu vertreiben, können wir auf Knopfdruck miauen, um unsere Familienmitglieder herumstreifen, wieder ein bisschen miauen oder uns einfach auch nur für ein Schläfchen auf den Boden legen, um die Zeit voranzutreiben.

Nach dem Unwetter beginnt dann endlich der Gruppen-Ausflug in der heruntergekommenen Welt und in der Magengegend macht sich schon eine dunkle Vorahnung bemerkbar. Es kommt, wie es kommen muss: Durch ein Missgeschick wird unsere Katze von den anderen getrennt und stürzt weit hinab in die Tiefe dieser unbekannten Welt.

In einer unbekannten Welt muss eine Katze den Weg zurück zu ihrer Familie finden.
In einer unbekannten Welt muss eine Katze den Weg zurück zu ihrer Familie finden.zvg

Ein dynamisches Duo

Leicht lädiert, aber bald wieder fit machen wir uns nun auf den Weg, um von der tiefen Ebene wieder nach ganz oben zu gelangen. Unsere Reise führt uns bald ziemlich zielgerichtet in einen Slum. Dorthin, wo humanoide Roboter das Sagen haben, sich eine eigene Gesellschaft aufgebaut und eine Riesenangst vor zeckenartigen Wesen (die Zurks) haben, die hier und da auftauchen und alles auffressen, was ihnen in die Quere kommt.

Auch vor dem Kätzchen haben die Maschinen zuerst Angst, doch ein guter Story-Einfall macht die Kommunikation zwischen den beiden Lebewesen einfach. Denn unsere Katze macht die Bekanntschaft mit einem kleinen Roboter (B-12, der so gar nicht weiss, woher er eigentlich kommt), der ab sofort den Vierbeiner begleitet und ihm nicht nur bei der Übersetzung der fremden Sprache hilft, sondern auch beim Interagieren eine wichtige Hilfe ist.

Unser Vierbeiner flüchtet zusammen mit seinem kleinen Roboter-Freund vor bissigen Kreaturen.
Unser Vierbeiner flüchtet zusammen mit seinem kleinen Roboter-Freund vor bissigen Kreaturen.zvg

Fragen über Fragen

Auf ihrer Reise zurück an die Oberfläche tauchen immer mehr Fragen auf: Wo sind eigentlich die Menschen? Was für eine Umwelt-Katastrophe hat alle unter die Erde gezwungen? Woher kommen diese kleinen gefrässigen Monster und warum haben hier Roboter die Kontrolle übernommen und verhalten sich oft genauso wie die verschwundenen Menschen?

Die menschlichen Roboter unterhalb der Erdoberfläche werfen sehr viele Fragen auf.
Die menschlichen Roboter unterhalb der Erdoberfläche werfen sehr viele Fragen auf. zvg

Wer sich mit dem Science-Fiction-Genre auskennt und den Begriff Cyberpunk ebenfalls schon mal aufgeschnappt hat, wird sich die Antworten automatisch geben können. Storytechnisch wird hier kaum etwas Neues oder extrem Überraschendes präsentiert.

Und dennoch zieht uns diese krude Zukunftswelt mit ihren neonfarbigen Anstrichen total in ihren Bann. Schuld daran ist auch die Spielmechanik, die uns zwingt, mit der neuen Welt zu interagieren.

Auf der Suche nach der nächsten Interaktion

Um jeweils den nächsten Abschnitt zu erreichen, müssen in einer kleinen Spielwelt bestimmte Aufgaben gelöst werden. Um zum Beispiel mit einem bekannten Roboterwesen sprechen zu können, muss es zuerst mal im Städtchen gefunden werden.

Um schliesslich an den genauen Standort zu gelangen, müssen andere Roboter ausgequetscht und der eine oder andere Gefallen in Form einer Gegenstandsübergabe getätigt werden, damit die Geschichte weitergeht.

Auf der Suche nach Antworten wuseln und streunen wir nicht nur durch heruntergekommene Gassen, sondern klettern auch immer wieder mal nach oben, um über den Dächern des Rätsels Lösung zu finden.

Um in der Geschichte voranzukommen, müssen diverse Dialoge mit den Einheimischen geführt werden.
Um in der Geschichte voranzukommen, müssen diverse Dialoge mit den Einheimischen geführt werden.zvg

Das Problem mit dem Klettern

Apropos Klettern: Man möchte durchaus meinen, wir dürfen uns hier als Katze richtig schön austoben, frei herumklettern und so richtig auf den Putz hauen. Doch dem ist nicht so. Zwar lässt sich unser Vierbeiner sehr geschmeidig steuern, aber ein freies Herumspringen und Klettern existiert nicht.

Wenn wir nach oben wollen, müssen wir vielmehr Sprungpunkte suchen, die wir dann per Knopfdruck auslösen können, um auf eine höhere Etage zu gelangen. Das kann sich dann auch mal zu einer mühseligen Prozedur entwickeln und zu Kopfschütteln führen, wenn uns die Designer einen Sprung nach oben verwehren, obwohl die nächste Kante ja direkt vor unserer Nase liegt.

Dafür dürfen wir aber jederzeit auf Knopfdruck ein lautes Miau loslassen, uns an bestimmten Gegenständen kratzen, diverse Objekte von Tischen und Regalen schubsen und ein Schläfchen an den unmöglichsten Orten vollziehen.

Manchmal wählt unsere Protagonistin bequeme Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen.
Manchmal wählt unsere Protagonistin bequeme Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen.zvg

Kurze Action, kurzer Horror

«Stray» ist ein zuweilen oft sehr lineares Videospiel, in dem man in der Rolle einer Katze herumstreift, um sich mit Maschinen zu unterhalten, und kleine Rätsel löst, um an bestimmte Gegenstände zu kommen, damit die Geschichte weitergeht.

Und sonst? Nun, das Game bekommt im späteren Verlauf ein paar Action-Abschnitte, ja sogar einige Horror-Elemente verpasst, die aber so kurz sind, dass sie mehr verwirren als beeindrucken. Aber Spass machen jene Abschnitte trotzdem und bieten die nötige Abwechslung, die der Unterhaltungswert gebrauchen kann.

Einige Abschnitte in der neu entdeckten Zukunftswelt sind düster und beklemmend.
Einige Abschnitte in der neu entdeckten Zukunftswelt sind düster und beklemmend.zvg

Auch die Kürze von etwa sieben Stunden geht in Ordnung, da sich die Spielmechanik und auch die Geschichte doch schnell abnützen. Wer übrigens die Welten komplett entdecken möchte und hier und da noch ein Geheimnis lüften will, darf etwa noch zwei Stunden obendrauf packen. Mehr geht dann aber nicht und ein Wiederspielwert ist kaum vorhanden.

Eine Vision bis zum Schluss durchziehen

Fazit: Wäre in diesem Videospiel die Protagonistin keine Katze, würde dieser Indie-Titel untergehen. Gerade aber weil man als schnurrender Vierbeiner in einem düsteren Zukunftsszenario herumwuseln darf und zum Heilsbringer emporsteigt, wird die Faszination gekitzelt.

Da vergisst man zuweilen sogar, dass die nicht freie Klettermechanik für ein Katzen-Game eigentlich ziemlich frech ist und die Geschichte aus längst bekannten Eckpfeilern der Sci-Fi-Literatur zusammengeklaut wurde.

Die Optik sowie die Atmosphäre plus der feine, stets passende Soundtrack erzeugen in diesen heruntergekommenen Stadtteilen eine wunderschöne Dichte und zeigen mit wenig Inhalt eine faszinierende Gesellschaftsordnung, wo Maschinen das Sagen haben und Gesellschaftskritik zwischen den Zeilen umherwandert.

Mit wenigen mechanischen und stilistischen Mitteln wurde in diesem Videospiel viel erreicht und deutlich gemacht, dass die Entwickler von BlueTwelve Studio eine Idee von Anfang an konstant bis zum Ende verfolgt haben.

Ja, «Stray» hat seine Fehler und Probleme, aber dennoch können wir dem Spiel kaum böse sein, weil wir uns hier als Vierbeiner bewegen dürfen und jederzeit fühlen, dass eine bestimmte Vision mit viel Katzenliebe überschüttet wurde.

«Stray» ist erhältlich für Playstation 5, Playstation 4 und PC. Freigegeben ab 12 Jahren.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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esmereldat
03.08.2022 18:43registriert März 2016
Ich bin leider schon durch, von mir aus hätte es noch viiiiel länger gehen können. Bin aber halt auch ein Katzenmensch 😉

Das eher düstere und dystopische Setting hat mir super gefallen, die Katze ist putzig, die Mechaniken einfach zu erlernen und die Rätsel nicht sonderlich schwierig. Das kann man als Kritikpunkte sehen oder sich einfach freuen, dass man gut zwischendurch für ein Kapitel immer mal wieder ohne grosse Anstrengung in die wunderbar gestaltete Welt eintauchen kann.

Ich fands der Hit!
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Pikay
03.08.2022 19:36registriert April 2019
Auch mich hat es erst vor einigen Tagen gereizt. Das Spiel ist recht entspannend, man muss nicht Stunden üben bis man die Steuerung im Griff hat, Rätsel und Gegenstände sind mit einer guten Mischung gespickt/versteckt. Ich als Hundemensch gebe dem Katzenspiel 7 von 10 Brekkies. Es hätte durchaus länger sein dürfen - ich hoffe da auf Teil 2.
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Tiny Rick
03.08.2022 19:09registriert Dezember 2014
Ein echt entspanntes kurzes Spiel in einer schönen und liebevoll gestalteten Welt.

Auch als nicht Katzenmensch fand ich das Spiel sehr unterhaltsam.
Hoffe machen einen Teil 2 der erwas mehr bietet an Gameplay und inhalt. Trotzdem ein sehr guter start für ein so kleines Team
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