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Chaos bei den Hackern – CCC Schweiz distanziert sich von «Swiss Leaks»

Der Start der neuen Schweizer Whistleblower-Plattform wird von Querelen rund um den Chaos Computer Club überschattet. Nun haben die Initianten reagiert.
28.05.2018, 09:2128.05.2018, 14:13

Update: Die Initianten der neuen Whistleblower-Plattform SwissLeaks haben gegenüber watson Stellung genommen. Andreas Freimüller, Präsident von Campax, schreibt uns: 

«Um weitere Unstimmigkeiten zwischen dem CCC-SO und dem CCC Schweiz zu vermeiden, wird SwissLeaks vom gleichen Personenkreis, aber ohne Bezug zum CCC lanciert. Die an SwissLeaks Beteiligten entschuldigen sich für die entstandenen Umstände.»

Ein Whistleblowing-Projekt sei für die Vorstellung an der CoSin (Jahrestreffen des CCC Schweiz, Anmerkung der Red.) eingereicht worden und man sei zuversichtlich, «in dieser Form auf das breite Know-how und die grundsätzliche Unterstützung des CCC zählen zu können».

Damit zur ursprünglichen Meldung:

Der Chaos Computer Club (CCC) Schweiz distanziert sich gemäss einer am Montag verschickten Medienmitteilung von der neuen Whistleblower-Plattform «Swiss Leaks» und dem «Chaos Computer Club Südostschweiz». Dieser Verein sei nicht Teil des CCC und des schweizerischen Landesverbands.

«Wir warnen davor, der Plattform ‹Swiss Leaks› nur wegen unseres Namens besonders zu vertrauen. Die vorgeblich sichere Anlaufstelle für Whistleblower wurde per SDA-Meldung am 23. Mai 2018 in der Presse verbreitet und fälschlicherweise sowie unlauter mit dem Namen ‹Chaos Computer Club› bzw. ‹CCC› in Verbindung gebracht. Die behauptete Nähe dieser Plattform zum CCC, in der Schweiz und im Ausland, existiert nicht.»

Die Nachrichtenagentur SDA hatte letzten Mittwoch eine Meldung zur neuen Whistleblower-Plattform «Swiss Leaks» verbreitet und darin geschrieben, dass unter anderem «der Chaos Computer Club Südostschweiz (CCC)» hinter dem Projekt stehe.

Weiter hiess es in der SDA-Meldung: «Der CCC Südostschweiz ist ein unabhängiger Verein und eine ‹dezentrale Einheit› des CCC Schweiz.»

CCC Schweiz kritisiert auch Vorgehen rund um «Chaos Alpen Kongress»

Nach mehreren Hinweisen präzisierte watson in einem am vergangenen Donnerstag publizierten Bericht zu «Swiss Leaks», dass es sich beim Chaos Computer Club Südostschweiz um einen unabhängigen Verein handle, «über dessen Aufnahme der Verein CCC Schweiz Mitte Juni befinden wird».

Von einer offiziellen Aufnahme in den CCC-Landesverband scheint der Bündner Verein allerdings ziemlich weit entfernt zu sein. Denn es gibt noch weitere Differenzen.

So kritisiert der CCC Schweiz in der aktuellen Medienmitteilung einen Kongress, den der Chaos Computer Club Südostschweiz gemäss früheren Medienberichten im Prättigau plant.

«Darüber hinaus hat der ‹Chaos Computer Club Südostschweiz› bereits im März einen ‹Chaos Alpen Kongress› angekündigt, ebenfalls ohne Absprache und ebenfalls über die Medien. Darin macht der Präsident des ‹Chaos Computer Club Südostschweiz› klar, dass er ‹[...] eine ganze Reihe von Firmen angeschrieben [hat]› – um sie als Teil der Hauptakteure für den ‹Chaos Alpen Kongress› zu gewinnen. Auch das entspricht nicht dem üblichen Vorgehen des Chaos Computer Clubs.»

watson hat den Präsidenten des Chaos Computer Club Südoschweiz, den SP-Politiker Luzi Stadler, um eine Stellungnahme gebeten. Er schreibt uns:

«Dass der CCC-Schweiz nicht einverstanden ist, dass wir eine Whistleblower-Plattform betreiben wollen, nehmen wir überrascht zur Kenntnis. Wir werden weiterhin versuchen, das Gespräch mit dem CCC-Schweiz zu suchen und gemeinsam eine Lösung zu finden. Ein erster Lösungsvorschlag wurde vom CCC-Schweiz letzte Woche zuerst akzeptiert, später widerrufen.»

Und weiter schreibt Stadler: Für die CoSin, das jährliche Hackertreffen des CCC-Schweiz, habe man ein Projekt zum Thema Whistleblowing Switzerland «noch vor der Veröffentlichung der Medienmitteilung zur Vorstellung angemeldet», das Gesuch sei bewilligt worden.

«Wir verstehen, dass es sich bei Whistleblowing um ein kontrovers diskutiertes Thema handelt, welches viele technische und soziale Fragen aufwirft. Wir haben das Projekt nicht gestartet, um den CCC-Schweiz oder andere Hackertreffs herauszufordern. Wir wollen vielmehr eine Diskussion zu diesem Thema anregen, was uns offenbar gelungen ist.»
Luzi Stadler

Das Projekt SwissLeaks sei nicht unter diesem Namen angemeldet, sonder ein Beitrag mit dem Titel Whistleblowing Switzerland und der Beschreibung: «Warum braucht die Schweiz eine Whistleblowing-Plattform, was sind die technischen Herausforderungen, was sind ethische Anforderungen».

Stadler schreibt, der Verein Chaos Computer Club Südostschweiz sei im Dezember 2017 in Chur gegründet worden. Das Aufnahmegesuch in den CCC-Schweiz liege seit einiger Zeit auf dem Tisch und werde an der CoSin am 17. Juni behandelt.

Zu einem allfälligen Hacker-Kongress im Prättigau schreibt Stadler: «Das Projekt eines Kongresses hat sich noch nicht weiter konkretisiert, ob und welche Rolle dem Chaos Computer Club Südostschweiz zukommt ist noch unklar».

So präsentiert sich der Chaos Computer Club Südostschweiz auf der Programmier-Plattform Github.
So präsentiert sich der Chaos Computer Club Südostschweiz auf der Programmier-Plattform Github.screenshot: github

Schliesslich ruft Stadler auch noch die Vorteile einer dezentral organisierten losen Vereinigung wie dem CCC, dessen Idee ursprünglich aus Deutschland stammt, in Erinnerung:

«Der CCC-Schweiz ist ein Verein nach Schweizer Recht, Mitglieder sind Gruppierungen, die für sich selbständig sind. (...) Diese dezentrale, chaotische Struktur ermöglicht jeder einzelnen Gruppierung (in der Regel wiederum Verein), Projekte eigenständig zu entwickeln und zu verbreiten. Diese Struktur verhindert auch, dass ein einzelner Verein eine zentralistische Machtposition einnimmt.»

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Video: srf/SDA SRF
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