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Laser-Strahlen und Finger-Scan

So sicher ist das neue Hightech-Rechenzentrum der Swisscom 

Mitten in Bern geht eines der modernsten Rechenzentren Europas in Betrieb. Kurz vor der Eröffnung war ein exklusiver Besuch des streng bewachten Areals möglich. James Bond und Co. können einpacken. 



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watson zu Besuch im Rechenzentrum der Swisscom. YouTube/Watson Redaktion

Kennen Sie den Trick mit dem toten Finger?

Um in ein hermetisch abgeriegeltes Gebäude zu gelangen, entführt man einen Verantwortlichen, der zutrittsberechtigt ist, und schneidet ihm den Finger ab. Dann nimmt man das Körperteil an sich und drückt es in einem unbeobachteten Moment auf den Fingerabdruck-Scanner bei der Sicherheitsschleuse. Sesam öffne dich ...

Am Dienstag hat die Swisscom ihr neues Rechenzentrum in Bern eröffnet. Es ist das grösste und modernste von insgesamt 24 Anlagen in der Schweiz. Nur für kurze Zeit war ein Besuch im unscheinbaren 60-Millionen-Franken-Bau möglich. watson hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Wenn die Anlage in naher Zukunft den regulären Betrieb aufnimmt, bleiben Unberechtigte endgültig draussen.

Noch stehen die grauen Metallkästen in den Server-Räumen leer. Das ändert sich aber bald. Ab Anfang 2015 werden hier besonders sensible digitale Informationen gespeichert. Zahlreiche Schweizer Finanzinstitute werden ihr E-Banking und andere Dienstleistungen über die Swisscom-Infrastruktur betreiben. Von 320 Schweizer Banken arbeiten rund 100 mit dem Telekom-Konzern zusammen und zählen darauf, dass die Daten vor Diebstahl und anderen Katastrophen sicher sind.

Körpertemperatur messen

Beim Rundgang durch das über 100 Meter lange Gebäude erfahren wir, dass der Trick mit dem toten Finger nicht funktioniert. Das biometrische Sicherheitssystem erkennt im Gegensatz zum Fingerabdruck-Scanner des iPhones, ob es sich um lebende Materie handelt. Wenn man den Daumen auf den Scanner legt, wird nicht nur ein dreidimensionales Bild erfasst und blitzschnell mit den Einträgen in der Datenbank verglichen. Gleichzeitig wird auch die Temperatur gemessen.

Es dürfte kein Trost für Kriminelle sein, dass sie es gar nicht bis zur biometrischen Sicherheitsschleuse schaffen werden. Das ganze Areal ist durch ein raffiniertes Laser- und Infrarot-System abgeschirmt. Sobald jemand über den Zaun klettert, durchbricht er die Lichtschranke und löst Alarm aus. Damit sich niemand von einem Helikopter abseilt, ist auch das Flachdach abgeschirmt und speziell gesichert. 

Witziges Detail: Menschliche Eindringlinge haben keine Chance, hingegen können Igel und anderes Kleingetier herumspazieren. Darauf habe man speziell geachtet, betont IT-Projektleiter Beat Straub, denn direkt hinter der Anlage liegt ein Waldstück.

Wie am Flughafen

Im Kontrollraum überwachen Sicherheitsleute auf grossen Bildschirmen, was sich in und um die Anlage bewegt. Fotografieren war dort leider nicht möglich. Eindrücklich: Auf einem Display blitzten in kurzen Abständen unzählige blaue Linien auf. Das sind die für das menschliche Auge unsichtbaren Laserstrahlen. Spätestens jetzt fühlen wir uns wie Tom Cruise im Agenten-Thriller «Mission Impossible».

Nur schon um in den Besucher-Empfangsraum zu gelangen, gilt es eine doppelte Sicherheitsschleuse zu passieren. Autorisierte Personen können sich auch über einen Augen-Scan identifizieren.

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Durch diesen «Stollen» geht's zu den Server-Räumen. bild: watson

Im Innern der Anlage sind weder Smartphones, noch Speicher-Sticks oder andere metallische Gegenstände erlaubt. Wie am Flughafen gilt es einen Metalldetektor zu passieren. Wer mit einem künstlichen Hüftgelenk (aus Metall) rein muss, wird vom Sicherheitspersonal abgetastet.

Durchleuchtet wird aber auch das gesamte Material, das in die Anlage rein soll. Hinter den dicken Metalltüren des Wareneingangs steht ein riesiges Röntgen-Gerät, wie es auch beim Durchleuchten des eingecheckten Fluggepäcks eingesetzt wird.

Festplatten vor Ort zerstört

Auch wenn das neue Rechenzentrum scheinbar perfekt abgeschottet ist: Die grösste Gefahr droht – nebst Hackerangriffen – durch Leute, die an sich regulär Zutritt zu den sensiblen Bereichen haben. Laut den Swisscom-Verantwortlichen sind dies nur wenige ausgewählte Techniker. Putzpersonal sei im Herzen der Anlage dank Staubfilter-Systemen nicht erforderlich: «Es ist so sauber, dass nicht regelmässig gereinigt werden muss.»

Bleibt noch die Frage nach der Sicherheit der physischen Datenträger. 2013 sorgte die Swisscom für negative Schlagzeilen, weil aus zwei stillgelegten Rechenzentren insgesamt vier Backup-Datenbänder gestohlen wurden. Die Datenspeicher, die eigentlich vernichtet werden sollten, wurden der NZZ von einer anonymen Quelle zugespielt.

Auf Anfrage von watson erklären die Verantwortlichen bei Swisscom, dass dies im neuen Rechenzentrum nicht mehr passieren könne. Die Daten würden neu auf Festplatten gespeichert – und alte oder defekte Datenträger würden noch innerhalb der Anlage zerstört.

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Dieser Spruch aus den 70er-Jahren prangt im Eingangsbereich. bild: watson

«Grüne» Anlage kühlt auch mit Regenwasser

Das neue Rechenzentrum in Bern-Wankdorf ist laut Swisscom eines der modernsten und effizientesten Rechenzentren Europas. Urs Schaeppi, CEO von Swisscom, betonte an der Eröffnung, dass Unternehmen und Private auf verlässliche Anlagen angewiesen seien. «In diesem Sinne haben wir das Rechenzentrum nicht nur für uns, sondern für die ganze Schweiz gebaut. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag an die vernetzte Gesellschaft.»

Das Rechenzentrum hat als eines von ganz wenigen in Europa die Tier-IV-Zertifizierung erlangt. Diese Zertifizierung gilt «als Referenz für die höchste Verfügbarkeit und Instandhaltungsfähigkeit eines Rechenzentrums weltweit». Sprich: Die Anlage ist perfekt geschützt vor Stromausfällen und anderen technischen Störungen. Sie soll erdbebensicher sein und könnte laut den Verantwortlichen auch den Absturz eines kleineren Flugzeugs überstehen.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit und Umwelt setzt die Anlage Massstäbe. Sie ist in den Wärmeverbund der Stadt Bern eingebunden und beheizt mit der Abwärme der Computer direkt Wohnungen und Büros in der Nachbarschaft, bis hin zum Bundeshaus.

Statt konventioneller Kältemaschinen mit hohem Stromverbrauch kommt ein hybrides Kühlsystem zum Einsatz. Die Kühlung erfolgt über Umluft, an heissen Sommertagen wird Regenwasser verdunstet. Dafür wird der Niederschlag in grossen Becken im Keller gesammelt, bei Bedarf aufs Dach gepumpt und dort zerstäubt.

Die Notstromversorgung funktioniert vergleichsweise umweltschonend ohne Säurebatterien. Bei einem Blackout springt ein Schwungrad ein und liefert durch mechanischen Antrieb Strom, bis die 2000-PS-Dieselmotoren nach wenigen Sekunden anlaufen.

84 Prozent der eingesetzten Energie wird laut Swisscom in Rechenleistung umgesetzt. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Wirkungsgrad der europäischen Rechenzentren liege aktuell bei lediglich 51 Prozent. (dsc)

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.09.2014 16:06
    Highlight Highlight Was? Sind die aus der Vergangenheit?
    Die Cloud ist nicht die Zukunft, sondern schon längst Gegenwart! Ich glaube die sollten sich mal ein bisschen nach oben und vorne orientieren und den Markt anschauen......
  • amazonas queen 16.09.2014 22:28
    Highlight Highlight Es ist unerheblich, ob auf Band, Festplatte, Mikrofilm oder auch Steinplatte gesichert wird. Es ist unverzeihlich, dass die Daten unverschlüsselt abgelegt waren.
    Der Film Tron hat es seinerzeit gezeigt. Die grosse Tür ist unerhenlich. Es geht darum, in das System einzudringen. Das geht per Datenleitung.

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